Vogelsbergkreis

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Vogelsbergkreises Deutschlandkarte, Position des Vogelsbergkreises hervorgehoben50.6407638888899.3997916666667Koordinaten: 50° 38′ N, 9° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Verwaltungssitz: Lauterbach
Fläche: 1.458,96 km²
Einwohner: 106.947 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: VB
Kreisschlüssel: 06 5 35
Kreisgliederung: 19 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Goldhelg 20
36341 Lauterbach
Webpräsenz: www.vogelsbergkreis.de
Landrat: Manfred Görig (SPD)
Lage des Vogelsbergkreises in Hessen
Kassel Landkreis Kassel Werra-Meißner-Kreis Schwalm-Eder-Kreis Landkreis Waldeck-Frankenberg Landkreis Hersfeld-Rotenburg Landkreis Fulda Vogelsbergkreis Landkreis Marburg-Biedenkopf Lahn-Dill-Kreis Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Gießen Main-Kinzig-Kreis Wetteraukreis Rheingau-Taunus-Kreis Hochtaunuskreis Wiesbaden Main-Taunus-Kreis Kreis Groß-Gerau Frankfurt am Main Offenbach am Main Landkreis Offenbach Darmstadt Landkreis Darmstadt-Dieburg Kreis Bergstraße Kreis Bergstraße Odenwaldkreis Baden-Württemberg Rheinland-Pfalz Bayern Nordrhein-Westfalen Niedersachsen ThüringenKarte
Über dieses Bild

Der Vogelsbergkreis ist ein Landkreis im Regierungsbezirk Gießen in der Region Mittelhessen bzw. Oberhessen, Osthessen. Das Landratsamt befindet sich in Lauterbach.

Geografie[Bearbeiten]

Namensgebend für den Kreis ist der Vogelsberg, ein seit Millionen Jahren erloschener, deshalb auch teilweise abgetragener Vulkan, der im Süden des Kreises liegt. Dessen höchste Erhebung ist der Taufstein (773 m), östlich von Schotten. Das nördliche Kreisgebiet reicht noch in die Landschaft der Schwalm. Nachbarkreise sind im Norden der Schwalm-Eder-Kreis, im Nordosten der Landkreis Hersfeld-Rotenburg, im Osten der Landkreis Fulda, im Süden der Main-Kinzig-Kreis und der Wetteraukreis, im Westen der Landkreis Gießen und im Nordwesten der Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Vogelsbergkreis hat die geringste Bevölkerungsdichte (76 Einwohner/km2) und zugleich die drittgrößte Fläche aller hessischen Kreise.[2] Obwohl das Kreisgebiet durch die Landwirtschaft geprägt wird, ist aufgrund des Strukturwandels seit den 1950er Jahren gegenwärtig nur noch ein geringer Bruchteil der Erwerbsbevölkerung im primären Sektor beschäftigt. 43,7% der Fläche des Vogelsbergkreises sind landwirtschaftliche Nutzfläche. Davon wird 52,4% als Grünland bewirtschaftet, womit der Vogelsbergkreis den höchsten Grünlandanteil in Hessen hat.[3]

Die mittelständisch geprägte Industrie (Papier, Verpackung, Metallbau, Werkzeug, Holz, Möbel, Bekleidung) ist überwiegend in den wenigen Städten des Kreises ansässig, insbesondere in Alsfeld und Lauterbach. Von rund 36.000 im Vogelsbergkreis ansässigen Arbeitnehmern sind etwa 16.000 Auspendler in andere Landkreise.[4] Ein bedeutender Wirtschaftszweig ist auch der Tourismus. Bereits 1956 wurde der Naturpark Hoher Vogelsberg gegründet, der damit der zweitälteste Naturpark in Deutschland (nach dem Naturpark Lüneburger Heide) ist. Er umfasst das Gebiet um den Oberwald und erstreckt sich über den Vogelsbergkreis hinaus auch auf die Nachbarkreise Landkreis Gießen, Main-Kinzig-Kreis und Wetteraukreis. Auf einer ehemaligen Bahntrasse führt der Vulkanradweg durch den östlichen Teil des Kreises.

Im Vogelsbergkreis begann die Nutzung der Windenergie für die Stromerzeugung im deutschen Binnenland. Das Kreisgebiet zählt innerhalb Hessens zu den besonders windhöffigen Standorten.[5] 1990/91 wurde in der Gemeinde Grebenhain der Windenergiepark Vogelsberg als erster deutscher Windpark im Mittelgebirge und zugleich erster Windpark in Hessen zunächst für Versuchszwecke in Betrieb genommen. Die ersten kommerziellen Windparkprojekte in Hessen wurden 1993/94 in den Vogelsberggemeinden Feldatal und Ulrichstein realisiert. Von den bis Jahresende 2012 etwa 700 in Hessen errichteten Windkraftanlagen stehen rund 200 im Vogelsbergkreis.[6][7]

Geschichte[Bearbeiten]

Das heutige Kreisgebiet gehörte zu Beginn des 19. Jahrhunderts überwiegend zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, dem späteren Großherzogtum Hessen. Daneben existierten mehrere kleine Territorialherrschaften wie die der Riedesel Freiherren zu Eisenbach und der Reichsgrafen von Schlitz. Seit der Mediatisierung 1806 gehörte das Gebiet vollständig zum Großherzogtum Hessen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wechselten die Verwaltungsstrukturen auf Kreisebene häufig.

1832 wurde der Landkreis Alsfeld gegründet, der im Laufe der Geschichte mehrmals seine Grenzen veränderte, zuletzt 1938. Im Jahr 1852 war der Landkreis Lauterbach gebildet worden. Dieser Kreis wurde ebenfalls 1938 in seinen Grenzen verändert. Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden beide Landkreise unter Einbeziehung der Stadt Schotten (bis 1938 Kreis Schotten, dann Landkreis Büdingen) zum 1. August 1972 zum Vogelsbergkreis vereinigt. Kreisstadt wurde Lauterbach. Dabei lautete das Kfz-Kennzeichen zunächst LAT, allerdings teilte die Zulassungsstelle in Alsfeld weiterhin ALS zu. Seit 1978 lautet das Kennzeichen VB.

Politik[Bearbeiten]

Kreistag[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [8]

Kreistagswahl im Vogelsbergkreis 2011
Wahlbeteiligung 53,3 %
 %
40
30
20
10
0
35,1 %
34,3 %
12,8 %
9,7 %
4,5 %
3,6 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,2 %p
-3,1 %p
+7,5 %p
+2,1 %p
-0,8 %p
+1,8 %p
-2,4 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
f 2006 angetreten als Die Linke.WASG
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 35,1 21 40,3 25
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 34,3 21 37,4 23
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 12,8 8 5,3 3
FW Freie Wähler 9,7 6 7,6 5
FDP Freie Demokratische Partei 4,5 3 5,3 3
LINKE Die Linke 3,6 2
REP Die Republikaner 2,4 1
Die Linke.WASG Die Linke.WASG Vogelsberg 1,8 1
gesamt 100 61 100 61
Wahlbeteiligung in % 53,3 53,2


Landräte[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen des Vogelsbergkreises

Blasonierung: „Durch eine Silberleiste schräglinks geteilt; oben in Rot zwei natürliche silberne Türkenbundlilien, unten in Blau der dreimal von Silber und Rot geteilte Löwenkopf mit goldener Krone“ (Wappen-Verleihung 26. Juli 1978)

Die Türkenbundlilien sind dem alten Kreiswappen von Lauterbach entnommen und symbolisieren den Naturpark Hoher Vogelsberg, der Löwe steht für die Landgrafschaft Hessen bzw. deren Nachfolgestaaten, welche den größten Teil des heutigen Kreisgebiets beherrschten. Er findet sich auch im Wappen der Stadt Alsfeld.

Kreisausschuss[Bearbeiten]

Der Kreisausschuss hat 15 Mitglieder und ist das oberste Leitungsgremium der Kreisverwaltung. Vorsitzender ist der hauptamtliche Landrat Manfred Görig (SPD); die 14 Kreisbeigeordneten sind ehrenamtlich tätig.

Kinder- und Jugendparlament[Bearbeiten]

Neben dem Kreistag gibt es im Vogelsbergkreis seit 1992 ein Kinder- und Jugendparlament (KJP), das seit 1999 im Kreistag ein Antrags- und Rederecht hat. Schon seit 1997 darf ein KJP-Mitglied im Jugendhilfeausschuss mit einer Stimme an Entscheidungen mitwirken. Aktiv und passiv wahlberechtigt sind alle Jugendlichen ab der 7. Schulklasse bis vor Vollendung des 18. Lebensjahres.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Kreisgebiet ist durch die Bundesautobahn 5 (FrankfurtBad Hersfeld) erreichbar. Autobahnabfahrten im Kreisgebiet sind Homberg (Ohm) sowie Alsfeld Ost und Alsfeld West. Ferner über mehrere Bundesstraßen und Kreisstraßen, darunter die B 49, die B 62, B 254 und die B 275. Per Eisenbahn ist der Vogelsbergkreis erreichbar über den ICE-Bahnhof Fulda mit der Vogelsbergbahn Fulda–Lauterbach–Alsfeld–Mücke–Gießen.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

(Einwohner am 31. Dezember 2012[9])

Städte

  1. Alsfeld (16.117)
  2. Grebenau (2489)
  3. Herbstein (4745)
  4. Homberg (Ohm) (7579)
  5. Kirtorf (3368)
  6. Lauterbach (Hessen) (13.127)
  7. Romrod (2806)
  8. Schlitz (9553)
  9. Schotten (10.220)
  10. Ulrichstein (3014)

Gemeinden

  1. Antrifttal [Sitz: Ruhlkirchen] (1998)
  2. Feldatal [Sitz: Groß-Felda] (2552)
  3. Freiensteinau (3227)
  4. Gemünden (Felda) (2809)
  5. Grebenhain (4743)
  6. Lautertal (Vogelsberg) [Sitz: Hörgenau] (2420)
  7. Mücke [Sitz: Merlau] (9351)
  8. Schwalmtal [Sitz: Renzendorf] (2885)
  9. Wartenberg [Sitz: Angersbach] (3944)

Gemeinden im Kreis

Antrifttal Alsfeld Grebenau Schlitz (Vogelsbergkreis) Kirtorf Homberg (Ohm) Mücke (Hessen) Gemünden (Felda) Romrod Schwalmtal (Hessen) Lauterbach (Hessen) Wartenberg (Hessen) Feldatal Lautertal (Vogelsberg) Ulrichstein Herbstein Schotten (Stadt) Grebenhain Freiensteinau Landkreis Marburg-Biedenkopf Schwalm-Eder-Kreis Landkreis Hersfeld-Rotenburg Landkreis Fulda Wetteraukreis Main-Kinzig-KreisMittelhessen Vogelsberg.png
Über dieses Bild

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Pressestelle Vogelsbergkreis (PDF; 2,4 MB). Abgerufen am 7. Juli 2012
  3. Vogelsberg Consult (PDF; 7,3 MB). Abgerufen am 7. Juli 2012
  4. Pressestelle Vogelsbergkreis (PDF; 2,4 MB). Abgerufen am 7. Juli 2012
  5. Energieportal Mittelhessen. Abgerufen am 7. Juli 2012
  6. Windkraft im Vogelsbergkreis. Abgerufen am 7. Juli 2012
  7. Portal Föderal Erneuerbar. Abgerufen am 5. April 2013
  8. Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011, Vogelsbergkreis, Hessisches Statistisches Landesamt. Abgerufen am 11. April 2011.
  9. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vogelsbergkreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Eurich: Der Vogelsberg im Herzen Deutschlands. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-938-8.