VI. Reserve-Korps (Deutsches Kaiserreich)

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Das VI. Reserve-Korps war ein Großverband der Armee des Deutschen Kaiserreiches.

Unterstellungen[Bearbeiten]

Dem Verband unterstanden im August 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs folgende Einheiten:

  • 11. Reserve-Division
    • 23. Infanterie-Brigade
      • Infanterie-Regiment Nr. 22
      • Infanterie-Regiment Nr. 156
    • 21. Reserve-Infanterie-Brigade
      • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 10 (I. Bataillon Striegau, II. Wohlau, III. Breslau)
      • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 11 (I. Bataillon Glatz, II. Schweidnitz, III. Münsterberg)
      • Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 11 (I. Abteilung Breslau, II. Schweidnitz; aufgestellt von FAR Nr. 6 und 42)
      • Reserve-Husaren-Regiment Nr. 4 (aufgestellt zu 3 Eskadronen vom Husaren-Regiment Nr. 6)
    • 4. Kompanie Pionier-Bataillon Nr. 6
  • 12. Reserve-Division
    • 22. Reserve-Infanterie-Brigade
      • Reserve-Infanterie-Regiment 23 (I. und II. Bataillon Oppeln)
      • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 38 (I. Bataillon Oels, II. und III. Breslau)
      • Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 6 Oels
    • 23. Reserve-Infanterie-Brigade
      • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 22 (I. Bataillon Rybnik, II. Ratibor, III. Cosel)
      • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 51 (I. Bataillon Neisse, II. Gleiwitz)
      • Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 12 (I. Abteilung Neisse, II. Neustadt/O.S.; aufgest. d. FAR Nr. 21 u. 57)
      • Reserve-Ulanen-Regiment Nr. 4 (aufgestellt zu 3 Eskadronen von Ulanen-Regiment Nr. 2)
    • 1. und 2. Reserve-Kompanie/Pionier-Bataillon Nr. 6

Geschichte[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit der Mobilmachung bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde General Goßler durch ein Kabinettsorder zum Kommandierenden General des schlesischen VI. Reserve-Korps ernannt. Der Großverband verlegte an die Westfront, wurde der 5. Armee unterstellt und kämpfte Ende August 1914 in der Schlacht bei Longwy-Longuyon und darauf am Othain-Abschnitt.

Bei der Offensive gegen Verdun 1916 unterstützte das Korps anfangs nur durch Artillerie und begann erst am 6. März seinen Angriff am westlichen Maasufer. Der 12. und 22. Reserve-Division gelang am 7. März die Einnahme der Dörfer Regnéville und Forges und der strategisch wichtigen Höhenstellungen Côte de l'Oie (Gänserücken) und Côte de Poivre (Pfefferrücken). Am 14. März 1916 gelang den Schlesiern die Eroberung eines der Gipfel des Mort Homme und am 30. März die Einnahme des Dorfes Malancourt. Das VI. Reserve-Korps wurde hier bald aus der Front gezogen und als Reserve nach Bapaume verlegt, von dort wurde es Anfang Juli gleich wieder in der Schlacht an der Somme zur Abwehr englischer Angriffe eingesetzt.

Im Frühjahr 1917 deckte das Korps als Gruppe Souchez im Raum Lens die Linie Lievin - Angres - Givenchy mit der 11. Reserve-Division und der 16. bayerischen Division. Zu Beginn der Schlacht von Arras wurde das Generalkommando durch das VIII. Reserve-Korps abgelöst.

Bei der deutschen Frühjahrsoffensive im März 1918 wurde das Korps Borne der 17. Armee zugeteilt. Im Juli 1918 verstärkte es die Front der 7. Armee im Raum südwestlich Reims und griff während des Hagen-Angriffs bei Chambrecy kurzfristig an. Nach der französischen Gegenoffensive aus dem Foret de la Montagne musste sich das Korps zurückziehen.

Grenzschutz Ost (1919)[Bearbeiten]

Dem Armeeoberkommando Nord des "Grenzschutz Ost" (AOK Nord) in Königsberg später Bartenstein unter der Führung des Kommandierenden Generals Ferdinand von Quast[1] wurde im Januar 1919 das VI. Reserve-Korps zur Grenzschutzsicherung von Ostpreußen unterstellt. Im Dezember 1918 hatte sich die 8. Armee von der Weltkriegsfront gelöst und war nur noch in Teilen im Gouvernement Livland präsent. Damit gab es zwischen der vorrückenden sowjetischen Roten Armee und Ostpreußen keinerlei militärischen Schutz. Mit Duldung der Entente sollte das AOK Nord die verschiedenen Freiwilligenverbände führen und versorgen und die Rote Armee aufhalten.[2]

Kommandierender General[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[4]
General der Infanterie Konrad Ernst von Goßler 2. August 1914 bis 9. Februar 1917
General der Infanterie Kurt von dem Borne 10. Februar 1917 bis 19. Dezember 1918
Generalleutnant Alfred von Kleist 10. bis 18. Januar 1919
Generalleutnant Paul Grünert 19. Januar bis 1. Februar 1919
Generalmajor Rüdiger von der Goltz 2. Februar bis 12. Oktober 1919
Generalleutnant Walter von Eberhardt 12. Oktober 1919

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgemeinschaft Traditionsverbände Schlesischer Truppen (Hrsg.), Artur Jüttner, Eckehard G. Münnich: Soldatische Tradition in Schlesien 1241–1945. Kurt Vowinckel-Verlag. Berg am Starnberger See u. Potsdam 1997. S. 167ff.
  • Rüdiger von der Goltz: Meine Sendung in Finnland und im Baltikum. Leipzig 1920. (online)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0a1/sch/sch1p/kap1_2/kap2_56/para3_1.html#d8e165_rueck
  2. Karsten Brüggemann: Die Gründung der Republik Estland und das Ende des „Einen und unteilbaren Russland“. Otto Harrassowitz Verlag, 2002, S. 189.
  3. Jürgen von Hehn, Hans von Rimscha, Hellmuth Weiss (Hrsg.): Von den baltischen Provinzen zu den baltischen Staaten. Beiträge zur Entstehungsgeschichte der Republiken Estland und Lettland. Band 2, Herder-Institut, Marburg 1971, ISBN 3-87969-114-2 , S. 241.
  4. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815-1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 628.