VI. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

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Das VI. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee, dessen Generalkommando in Breslau stand. Es war zu Beginn des Ersten Weltkrieges der VIII. Armee-Inspektion unterstellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 stand das Korps unter dem Kommando von Wilhelm von Tümpling. Das Korps blieb zuerst in Schlesien zurück, um als Sicherung gegen einen eventuellen Kriegseintritt Österreichs abzusichern und wurde erst Anfang August in Marsch gesetzt[1]. Wichtige Einsätze waren die Belagerung von Paris und dabei das Gefecht bei Chevilly.

Fahnen der Linien-Infanterie-Regimenter[Bearbeiten]

Muster
Muster (Jäger)

Das Mittelfeld der Fahne war von silbernen Lorbeerzweigen umwunden. Über ihm befand sich die Königskrone unter der sich ein silbernes Spruchband, „Pro Gloria et Patria“, befand. Das Mittelfeld selbst zierte der alte friderizianische bewehrte schwarze Adler. In den vier Ecken befanden sich, in Gold oder Silber ausgeführt, die mit Palmenzweigen umwundenen, ebenfalls gekrönten Namenszüge, der zum Zeitpunkt der Verleihung regierenden Könige. Zwischen den Eckmedaillons befanden sich vier Seitenflammen. Diese befanden sich erstmals auf den 1808 verliehenen Fahnen.[2]

Für die große Menge an Linien-Infanterie-Regimentern wurde von Kaiser Wilhelm II. per Ordre vom 18. Dezember 1890 bestimmt, dass die Farbe der Fahnentücher sich nach der der Achselklappen zu richten habe. Hierdurch wurde innerhalb des Korps eine Gleichförmigkeit erzielt. Abweichend von diesen wurde für die Jäger-Bataillone, leichte Infanterie, die grüne Farbe für die Fahnen nach dem Linienmuster bestimmt.

Das VI. Korps trug gelbe Achselklappen.

Des Weiteren wurden grundlegende Anordnungen über die zukünftige Gestaltung der Fahnen- und Standartentücher erlassen. Die Fahnen waren in Zukunft in Gold oder Silber, je nach Knopffarbe des Truppenteils, bestickt. Die gemalten Tücher hatten nur eine geringe Haltbarkeit bewiesen. Gleichfalls wurde angeordnet, das die Fahnen in deren Abmessungen um 16 cm, ergo deren Fläche auf 126 cm², verringert werden sollten. Der im Mittelfeld befindliche „preußische Kriegsadler“ sollte wieder seine friderizianische Gestalt erhalten. Die Krone, der Schwertknauf und das Blitzbündel des Adlers waren stets in Gold zu halten.

In der Folgezeit wurden vier Arten von Fahnen unterschieden:

  1. Gardefahnen
  2. Garde-Grenadierfahnen
  3. Fahnen für die Grenadier-Regimenter
  4. Fahnen für die neuen Linien-Regimenter

Das Mittelfeld, die vier Eckmedaillons (sie waren von der Knopffarbe durchwirkt) und das Spruchband hatten die Farbe der Achselklappen. Die vier Keile waren weiß mit schwarzen Rändern.[3]

Anlässlich der Jahrhundertfeier erließ der Kaiser den Befehl, er wolle den Fahnen und Standarten, deren Tücher ruhmreich im Felde standen, die Tücher erneuern. In der Folgezeit, d. h. in den nächsten 7 Jahren, fand die feierliche Weihe der neuen Feldzeichen in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses statt.[4] Sie wurden dann anlässlich der Kaiserparade, die den Kaisermanövern vorausging, den Truppen feierlichst übergeben.[5]

Am 1. August 1914 sollte die deutsche Armee aus 25 Armeekorps bestehen.

Fahnenschmuck[Bearbeiten]

Die Fahnenstangen waren schwarz und maßen mit deren Spitze etwa 3 Meter. In der Spitze befand sich der Namenszug des zur Zeit der Verleihung regierenden Königs. Da die Fahne ein Symbol darstellte, wurden auch ihr, wie dem Offizier und Mann an der Front, Auszeichnungen und Orden verliehen.

So wurden auf Befehl Friedrich Wilhelm III. nach den Befreiungskriegen diejenigen Fahnen, die an der Front gestanden hatten, ein Eisernes Kreuz. An die Stelle des Namenszuges trat die von zwei Lorbeerzweigen umgebene erwähnte Auszeichnung in einer schlank gehaltenen Spitze. Die Füsilier-Bataillone, die ohne Fahne ausgerückt waren, erhielten diese Auszeichnung nicht.

Nach dem Kriege von 1870/71 wurde anlässlich des Einzuges der siegreichen Truppen am 16. Juni 1871 in Berlin angeordnet, dass die Fahnen der am Kriege teilnehmenden Truppenteile, sofern sie noch kein 1813er Kreuz hatten, eines bekamen. Dieses war jedoch nicht von Lorbeerzweigen umgeben, sondern, in einer breiteren Spitze stehend, von einem Lorbeerkranz. Am 11. April 1872 wurde diese Auszeichnung auch jenen Fahnen verliehen, die bestimmungsgemäß ihre Fahnen beim Ausmarsch zurückgelassen hatten[6] Die einzige Fahne, die diese Auszeichnung nicht erhielt, war die des II. Bataillons des 8. Pommerschen Infanterie-Regiments Nr. 61. Bei der Schlacht an der Lisaine wurde sie vor Dijon vom Feinde erobert.

Zu jeder Fahne gehörte ferner, ein 3,7 cm breites Band, welches Banderole genannte wurde. Es trug die Landesfarben schwarz-weiß und lief in zwei gleichfarbigen Quasten aus. Es wurde an der Fahne befestigt, indem man es um die Spitze schlung. Erhielt das Feldzeichen ein Kriegsband, so ersetzte dies die Banderole. Es wurden folgende Fahnenbänder verliehen:

Außer mit Bändern waren die preußischen Feldzeichen auch mit Ringen, Erkennungs- oder Gedenkringe, geziert.

Die Ersteren geben den Besitzer des betreffenden Truppenteils mit schwarzen Buchstaben auf messingnen Ringen an, also z. B. II IR 162 = II. Bataillon Infanterie-Regiment 162. Sie wurden 1837 eingeführt, weil die Fahnen wegen ihres gleichen Aussehens der Tücher nur schwer zu Unterscheiden waren. Unter König Wilhelm wurde neben des Regiments auch die Bataillonsbezeichnung hinzugefügt.

Als Beispiel für einen der Letzteren verbleiben wir bei der o. g. Fahne. Bei den Gefechten in Loigny, seinerzeit noch als Fahne des Füsilier-Bataillons der 76er (III/76), wurde sie beschädigt. Als die Fahne am 23. Mai 1872 dem Kaiser in Berlin vorgestellt wurde, verfügte dieser, das sie neben dem Eisernen Kreuz einen silbernen Gedenkring mit der Gravierung „Loigny (Orleans) 2. Dezember 1870“ erhalten sollte.

Per AKO vom 14. Dezember 1899 wurde an den schwarz-silbernen Bändern der Banderole möglichst nahe der Quasten das Anbringen einer Spange befohlen. Sie sollten ein sichtbares Zeichen für die Einheit des Reiches sein. Sie bestanden aus vergoldeten Metallplatten. Auf der Vorderseite hatten sie den gekrönten Namenszug (WR), auf der Rückseite den Stiftungstag des Truppenteils und das Datum 1. Januar 1900.

Gliederung[Bearbeiten]

Dem Korps unterstanden 1914 mit letztem Friedensstand:[7]

Kommandierender General[Bearbeiten]

Das Generalkommando als Kommandobehörde des Armeekorps stand unter der Führung des Kommandierenden Generals.

Dienstgrad Name Datum
Generalleutnant Friedrich Heinrich von Hünerbein 15. April 1815 bis 10. Februar 1819
Generalleutnant/General der Kavallerie Hans Ernst Karl von Zieten 11. Februar 1819 bis 28. November 1839
Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Brandenburg 29. November 1839 bis 9. September 1849
Generalleutnant Karl Friedrich von Lindheim 10. September 1849 bis 10. Mai 1862
General der Kavallerie Louis von Mutius 30. Jänner 1863 bis 6. August 1866[8][9]
General der Kavallerie Wilhelm von Tümpling 30. Oktober 1866 bis 26. November 1883
Generalleutnant/General der Kavallerie Karl Otto Hermann von Wichmann 27. November 1883 bis 22. November 1886
General der Infanterie Oktavio Philipp von Boehn 23. November 1886 bis 12. Januar 1889
General der Artillerie Eduard Julius Ludwig von Lewinski 12. Januar 1889 bis 20. Februar 1895
General der Infanterie Bernhard, Erbprinz von Sachsen-Meiningen 21. Februar 1895 bis 28. Mai 1903
General der Infanterie Remus von Woyrsch 29. Mai 1903 bis 12. September 1911
General der Infanterie Kurt von Pritzelwitz 13. September 1911 bis 6. November 1915
General der Kavallerie Georg von der Marwitz 7. November 1915 bis 16. Dezember 1916
General der Infanterie Julius Riemann 17. Dezember 1916 bis 22. November 1917
General der Artillerie Konstanz von Heineccius 23. November 1917 bis 19. Dezember 1918
General der Infanterie Kurt von dem Borne 20. Dezember 1918 bis 27. Juni 1919
Generalleutnant Carl Briese 28. Juni bis August 1919 (mit der Führung beauftragt)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie von Tümpling gemäß Bernhard von Poten: Tümpling, Wilhelm von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 38, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 785–787.
  2. Gustaf Lehmenn: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807.; 1895 Berlin, E.S. Mittler & Sohn
  3. Martin Lezius: Fahnen und Standarten der alten preußischen Armee; Frankh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1935
  4. Fahnenverleihung: 28. August 1904
  5. Kaiserparade: 4. September 1904
  6. Wie z. B. die Jäger-Bataillone Nr. 1-11
  7. Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. [...] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. [...]. Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin o.J., S. 70 ff.
  8. Die Armeekorps-Bezirke des Deutschen Reichs 1885/86 - VI. Armeekorps: Generalkommando in Breslau, Deutsche Verwaltungsgeschichte.
  9. VI.Armeekorps, Deutsche Kriegsgeschichte.