IV. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dienstgebäude des Generalkommandos in Magdeburg, heute Staatskanzlei

Das IV. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee, dessen Generalkommando seinen Sitz in Magdeburg hatte.

Gliederung[Bearbeiten]

Dem Korps unterstanden 1914 mit letztem Friedensstand 1914:[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Krieg von 1870–1871[Bearbeiten]

Gustav von Alvensleben

Im Deutsch-Französischen Krieg stand das Korps unter General von Alvensleben im Verband der 2. Armee unter Prinz Friedrich Karl von Preußen. Als Generalstabschef fungierte Oberst von Thile, die 7. Division stand unter Generalleutnant von Groß, genannt von Schwarzhoff, die 8. Division wurde von Generalleutnant von Schöler geführt.[2] Das Korps war bis zum 29. Juli im Raum Mannheim versammelt. Bis 10. August erreichte die 2. Armee die Linie St. Avold-Saarunion. Die unterstellten Korps der Armee überschritten die Saar und erreichten bis 13. August die Linie südlich Remilly (III. und IX. Korps voraus) - Oron (Garde). Das IV. Korps folgte verzögert als äußerster Armeeflügel auf Chateau-Salins und erreichte am 14. August die Seille.[3] Das IV. Korps stand am 19. August im Raum Toul und wurde zusammen mit dem Gardekorps, der 5. und 6. Kavallerie-Division und dem sächsischen XII. Korps der neuformierten Maasarmee unter Kronprinz Albert von Sachsen zugeteilt. [4] Am 26. August erreichte die Armee mit dem XII. Korps Varennes, dahinter mit dem IV. Korps den Raum südlich Clermont, das Gardekorps stand nördlich Dombasle. Am 30. August 1870 war das IV. Korps mit der 8. Division westlich von Nouart auf Beaumont vorgegangen. Die 16. Brigade unter Oberst von Scheffler überraschte das im Lager liegende französische V. Korps in der Schlacht bei Beaumont. Das Korps des Generals Failly geriet dabei in die Zange zwischen dem IV. Korps als linkem Flügel der Maasarmee und dem I. Bayerischen Korps als rechtem Flügel der deutschen 3. Armee. Die Franzosen versuchten sich vergeblich auf den Höhen von Mont de Brune und bei Villemonty zu sammeln und wurden geschlagen. Die 7. Division griff mit der 14. Brigade unter Generalmajor von Zychlinski gegen den Mont de Brune an und erstürmte Mouzon an der Maas. Am 31. August überschritt die 3. Armee den Fluss Maas und erreichte den Raum 5 km südöstlich von Sedan. Am Morgen des 1. September überschritten die Bayern die Maas und sickerten in den Ort Bazeilles ein. Das IV. Korps griff hier ebenfalls in die Schlacht von Sedan ein und konnte den soeben verlorenen Vorort Balan wieder zurückzuerobern.[5]

Nach der französischen Kapitulation in Sedan folgte die Maasarmee dem Vormarsch der 3. Armee auf Paris. Am 16. September erreichte das IV. Korps als rechter Flügel Nanteuil, das XII. Korps als linker Flügel Lizy zwischen der Marne und Oury, dazwischen marschierte das Gardekorps. Am 19. September begann die Belagerung von Paris, dem IV. Korps wurden dabei die Stellungen im Norden der Stadt zwischen Stains bis zum See von Enghien am rechten Seineufer zugewiesen. [6] Nach einem französischen Ausfall beim Gefecht von La Malmaison vom 21. Oktober mußte die angegriffene Maasarmee ihre Stellungen nach rechts verlängern. Gegenüber besetzten die Franzosen den Höhenzug auf der Seine-Halbinsel vom Mont Valerien bis Asnieres mit verstärkter Artillerie und neu aufgeworfenen Schützengräben.[7] Am 19. Januar 1871 beteiligte sich die Artillerie des IV. Korps in der Schlacht am Mont Valérien vom Norden her, an der Abwehr des letzten Ausfalls der Franzosen. Am 28. Januar folgte der Waffenstillstand, am 29. Januar wurde St. Denis vom IV. Korps besetzt.[8]

Im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Friedrich Bertram Sixt von Armin

Das Korps war im Frieden der VI. Armee-Inspektion unterstellt und wurde im Ersten Weltkrieges ausschließlich an der Westfront eingesetzt.

Unter dem Kommandierenden General Sixt von Armin trat es Anfang August 1914 in den Verband der 1. Armee. Die 7. Division wurde von Generalleutnant Riedel, die 8. Division von Generalleutnant Hildebrandt geführt, Stabschef des Korps war Generalmajor Leo August von Stocken. [9]

Das IV. Korps marschierte in das neutrale Belgien ein und erreichte am 20. August Brüssel. Am 23. August rückte es über Enghien und Ath auf Harchies und Pommerœul vor. Die 8. Division musste während der Schlacht bei Mons ihren Angriff über den Mons-Condé-Kanal am Abend abbrechen, weiter östlich gelang es jedoch Teilen der 7. Division auf der südwärts führenden Straße nach Thulin der erste Übergang. Am 24. August sollte das Korps auf dem rechten Flügel ebenfalls den Kanal überwinden, die Briten waren aber bereits abgezogen. Nach einigen Stunden über Behelfsbrücken vorgehend, erreichte die 8. Division gegen Mittag bei Quiévrain französisches Gebiet und rückte weiter auf Valenciennes vor. Die 7. Division erreichte unterdessen über Thulin vorgehend Angre. Am 26. August trug das Korps während der Schlacht von Le Cateau gegenüber dem II. englischen Korps bei Caudry und Inchy die Hauptlast des Kampfes.

Während der Marneschlacht griff die Gruppe Sixt von Armin zur Unterstützung des IV. Reserve-Korps ab 6. September im Raum Mareuil-sur Ourcq in der Schlacht am Ourcq ein. Ab 9. September musste das Korps infolge des gesamten Rückzuges des deutschen rechten Heeresflügel über Villers-Cotterêts auf die Aisne zurückgehen. Das Korps hatte dabei mit der 8. Division auf Juvigny und mit der 7. Division Tartiers zurückzugehen und beteiligte sich ab dem 13. September südlich des Flusses zwischen Vic- Fontenoy an der Schlacht an der Aisne. Während des Wettlaufes zum Meer stand das Korps ab Anfang Oktober 1914 bei der 6. Armee im Raum östlich vor Arras. Es folgten jetzt lange Jahre des Stellungskrieges im Raum Lens. Das Korps lag während der Schlacht von La Bassee im Juni 1915 dem französischen XXI. Korps und während der Schlacht von Loos im September 1915 dem britischen IV. Korps gegenüber. Bei diesen Abwehrkämpfen waren dem Korps dabei im Frühjahr die 117. Division bei Hulluch und die 123. Division bei Souchez zugeteilt worden.

Während der Schlacht an der Somme übernahm das Korps Mitte Juli 1916 im Raum südwestlich Bapaume bei der 1. Armee einen neuen Frontabschnitt. Die 7. Division verteidigte im Raum Pozières, die nachgeführte 8. Division setzte dabei zum Gegenstoß ein, der den verlorenen Delville-Wald zurückgewinnen konnte. Durch das zu langsame Vorrücken der britischen Reserven konnte man Hilfe des Korps die Front wieder stabilisieren. Nach seiner Rückkehr in den alten nördlicher liegenden Kampfraum wurde das Generalkommando unter dem neuen Kommandierenden General von Kraewel zwischen dem 3. April 1917 bis April des Folgejahres als Gruppe Loos bezeichnet. Während der Schlacht von Arras verteidigten die Truppen Kraewels den von den Briten angegriffenen nördlichen Flügel der Armee Falkenhausen.

Im April 1918 konnte das Korps während der Frühjahrsoffensive im Verband der 6. Armee während der Vierten Flandernschlacht Richebourg besetzen. Nach der Hunderttage-Offensive stand das Korps in Rückzugskämpfen zwischen dem Deûle-Kanal und der Schelde. Im Oktober 1918 waren dem Korps im Raum Valenciennes die 2. Garde Reserve-Division, die 4. Ersatz-Division sowie die 36. Division unterstellt.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Das Generalkommando als Kommandobehörde des Armeekorps stand unter der Führung des Kommandierenden Generals[10][11]:

Name Beginn der Berufung Dienstgrad
Friedrich Wilhelm von Bülow 1. April 1815 General der Infanterie
Friedrich Graf Kleist von Nollendorf 3. Oktober 1815 General der Infanterie
Friedrich Wilhelm von Jagow 5. März 1821 General der Infanterie
Georg Leopold Graf von Hake 4. September 1830 Generalleutnant
Prinz Carl von Preußen 30. März 1836 Generalleutnant
August Georg von Hedemann 5. März 1848 Generalleutnant
Wilhelm Fürst von Radziwill 19. Februar 1852 General der Infanterie
Hans Wilhelm von Schack 3. Januar 1858 General der Infanterie
Gustav von Alvensleben 30. Oktober 1866 General der Infanterie und Generaladjutant
Leonhard Graf von Blumenthal 2. Oktober 1871 General der Infanterie
Wilhelm von Grolmann 17. April 1888 General der Infanterie
Carl von Hänisch 22. März 1889 General der Kavallerie
Richard von Klitzing 1. September 1897 General der Infanterie
Paul von Beneckendorff und von Hindenburg 27. Januar 1903 General der Infanterie
Friedrich Sixt von Armin 20. März 1911 General der Infanterie
Richard von Kraewel 25. Februar 1917 Generalleutnant
Kuno Arndt von Steuben 20. Dezember 1918 General der Infanterie
Johannes von Malachowski 30. Januar 1919 Generalleutnant
Alfred von Kleist 10. Februar 1919 Generalleutnant

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion) Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. [...] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. [...]. Verlag Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin o. J., S. 63 ff.
  2. Scheibert:Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71, Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 301
  3. Scheibert:Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71, Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.56 f.
  4. Scheibert:Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71, Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.103
  5. Scheibert:Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71, Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.124 f.
  6. Scheibert:Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71, Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.166
  7. Scheibert:Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71, Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.174 f.
  8. Scheibert:Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71, Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.278
  9. Reichsarchiv Band I. Die Grenzschlachten, Mittler und Sohn, Berlin 1925, Kriegsgliederungen S. 667 und 668
  10. Die Armeekorps-Bezirke des Deutschen Reichs 1885/86 – IV. Armeekorps: Generalkommando in Magdeburg, Deutsche Verwaltungsgeschichte.
  11. IV.Armeekorps, Deutsche Kriegsgeschichte.