IV. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

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Das IV. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee.

Gliederung[Bearbeiten]

Friedensgliederung 1914 [1][Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Dienstgebäude des Generalkommandos in Magdeburg, heute Staatskanzlei

Das Korps wurde am 30. August 1818 aus dem vorher bestehenden Generalkommando im Herzogtum Sachsen errichtet. Das Generalkommando befand sich zunächst in Magdeburg. Von 1822 bis 1826 war es in Erfurt, dann wieder in Magdeburg und ab 1836 in Berlin. 1848 nahm es bis zur Auflösung 1919 wieder seinen Sitz in Magdeburg. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war das Korps der VI. Armee-Inspektion unterstellt.

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

Gustav von Alvensleben

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 stand das Korps unter General von Alvensleben im Verband der 2. Armee unter Prinz Friedrich Karl von Preußen. Als Generalstabschef fungierte Oberst von Thile, die 7. Division stand unter Generalleutnant von Groß, genannt von Schwarzhoff, die 8. Division wurde von Generalleutnant von Schöler geführt.[2] Das Korps war bis zum 29. Juli im Raum Mannheim versammelt. Bis 10. August erreichte die 2. Armee die Linie St. Avold-Saarunion. Die unterstellten Korps der Armee überschritten die Saar und erreichten bis 13. August die Linie südlich Remilly (III. und IX. Korps voraus) - Oron (Garde). Das IV. Korps folgte verzögert als äußerster Armeeflügel auf Chateau-Salins und erreichte am 14. August die Seille.[3] Das IV. Korps stand am 19. August im Raum Toul und wurde zusammen mit dem Gardekorps, der 5. und 6. Kavallerie-Division und dem sächsischen XII. Korps der neuformierten Maasarmee unter Kronprinz Albert von Sachsen zugeteilt. [4] Am 26. August erreichte die Armee mit dem XII. Korps Varennes, dahinter mit dem IV. Korps den Raum südlich Clermont, das Gardekorps stand nördlich Dombasle. Am 30. August 1870 war das IV. Korps mit der 8. Division westlich von Nouart auf Beaumont vorgegangen. Die 16. Brigade unter Oberst von Scheffler überraschte das im Lager liegende französische V. Korps in der Schlacht bei Beaumont. Das Korps des Generals Failly geriet dabei in die Zange zwischen dem IV. Korps als linkem Flügel der Maasarmee und dem I. Bayerischen Korps als rechtem Flügel der deutschen 3. Armee. Die Franzosen versuchten sich vergeblich auf den Höhen von Mont de Brune und bei Villemonty zu sammeln und wurden geschlagen. Die 7. Division griff mit der 14. Brigade unter Generalmajor von Zychlinski gegen den Mont de Brune an und erstürmte Mouzon an der Maas. Am 31. August überschritt die 3. Armee den Fluss Maas und erreichte den Raum 5 km südöstlich von Sedan. Am Morgen des 1. September überschritten die Bayern die Maas und sickerten in den Ort Bazeilles ein. Das IV. Korps griff hier ebenfalls in die Schlacht von Sedan ein und konnte den soeben verlorenen Vorort Balan wieder zurückzuerobern.[5]

Nach der französischen Kapitulation in Sedan folgte die Maasarmee dem Vormarsch der 3. Armee auf Paris. Am 16. September erreichte das IV. Korps als rechter Flügel Nanteuil, das XII. Korps als linker Flügel Lizy zwischen der Marne und Oury, dazwischen marschierte das Gardekorps. Am 19. September begann die Belagerung von Paris, dem IV. Korps wurden dabei die Stellungen im Norden der Stadt zwischen Stains bis zum See von Enghien am rechten Seineufer zugewiesen. [6] Nach einem französischen Ausfall beim Gefecht von La Malmaison vom 21. Oktober mußte die angegriffene Maasarmee ihre Stellungen nach rechts verlängern. Gegenüber besetzten die Franzosen den Höhenzug auf der Seine-Halbinsel vom Mont Valerien bis Asnieres mit verstärkter Artillerie und neu aufgeworfenen Schützengräben.[7] Am 19. Januar 1871 beteiligte sich die Artillerie des IV. Korps in der Schlacht am Mont Valérien vom Norden her, an der Abwehr des letzten Ausfalls der Franzosen. Am 28. Januar folgte der Waffenstillstand, am 29. Januar wurde St. Denis vom IV. Korps besetzt.[8]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Friedrich Bertram Sixt von Armin

Unter dem Kommandierenden General Sixt von Armin trat das Korps zu Beginn des Ersten Weltkriegs Anfang August 1914 in den Verband der 1. Armee. Die 7. Division wurde von Generalleutnant Riedel, die 8. Division von Generalleutnant Hildebrandt geführt, Stabschef des Korps war Generalmajor Leo August von Stocken. [9] Das IV. Korps marschierte in das neutrale Belgien ein und erreichte am 20. August Brüssel. Am 23. August rückte es über Enghien und Ath auf Harchies und Pommerœul vor. Die 8. Division musste während der Schlacht bei Mons ihren Angriff über den Mons-Condé-Kanal am Abend abbrechen, weiter östlich gelang es jedoch Teilen der 7. Division auf der südwärts führenden Straße nach Thulin der erste Übergang. Am 24. August sollte das Korps auf dem rechten Flügel ebenfalls den Kanal überwinden, die Briten waren aber bereits abgezogen. Nach einigen Stunden über Behelfsbrücken vorgehend, erreichte die 8. Division gegen Mittag bei Quiévrain französisches Gebiet und rückte weiter auf Valenciennes vor. Die 7. Division erreichte unterdessen über Thulin vorgehend Angre. Am 26. August trug das Korps während der Schlacht von Le Cateau gegenüber dem II. englischen Korps bei Caudry und Inchy die Hauptlast des Kampfes.

Während der Marneschlacht griff die Gruppe Sixt von Armin zur Unterstützung des IV. Reserve-Korps ab 6. September im Raum Mareuil-sur Ourcq in der Schlacht am Ourcq ein. Ab 9. September musste das Korps infolge des gesamten Rückzuges des deutschen rechten Heeresflügel über Villers-Cotterêts auf die Aisne zurückgehen. Das Korps hatte dabei mit der 8. Division auf Juvigny und mit der 7. Division Tartiers zurückzugehen und beteiligte sich ab dem 13. September südlich des Flusses zwischen Vic-Fontenoy an der Schlacht an der Aisne. Während des Wettlaufes zum Meer stand das Korps ab Anfang Oktober 1914 bei der 6. Armee im Raum östlich vor Arras. Es folgten jetzt lange Jahre des Stellungskrieges im Raum Lens. Das Korps lag während der Schlacht von La Bassee im Juni 1915 dem französischen XXI. Korps und während der Schlacht von Loos im September 1915 dem britischen IV. Korps gegenüber. Bei diesen Abwehrkämpfen waren dem Korps dabei im Frühjahr die 117. Division bei Hulluch und die 123. Division bei Souchez zugeteilt worden.

Während der Schlacht an der Somme übernahm das Korps Mitte Juli 1916 im Raum südwestlich Bapaume bei der 2. Armee (ab 19. Juli Befehlsbereich des AOK 1) einen neuen Frontabschnitt. Die 7. Division verteidigte im Raum Pozières, die nachgeführte 8. Division setzte dabei zum Gegenstoß ein, der den im Raum Longueval verlorenen Delville-Wald zurückgewinnen konnte. Durch das zu langsame Vorrücken der britischen Reserven konnte man mit Hilfe des Korps die schwerbedrängte Front wieder stabilisieren. Nach zweiwöchigem Einsatz im Hauptangriffsgelände der Briten wurde das Generalkommando durch das IX. Reserve-Korps (Gruppe Boehn) abgelöst und machte seinerseits das für die Sommeschlacht herangeführte I. Bayerische Reserve-Korps im Raum Arras frei.

Nach der Rückführung des IV. Armee-Korps in den alten Kampfraum bei La Bassee (November 1916) wurde das Generalkommando unter dem neuen Kommandierenden General von Kraewel zwischen dem 3. April 1917 bis April des Folgejahres als Gruppe „Loos“ bezeichnet. Während der Schlacht von Arras verteidigten die Truppen Kraewels den von den Briten angegriffenen nördlichen Flügel der 6. Armee unter Generaloberst von Falkenhausen.

Im April 1918 konnte das Korps während der Frühjahrsoffensive im Verband der 6. Armee während der Vierten Flandernschlacht Richebourg besetzen. Nach der Hunderttage-Offensive stand das Korps in Rückzugskämpfen zwischen dem Deûle-Kanal und der Schelde. Im Oktober 1918 waren dem Korps im Raum Valenciennes die 2. Garde Reserve-Division, die 4. Ersatz-Division sowie die 36. Division unterstellt.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Das Generalkommando als Kommandobehörde des Armee-Korps stand unter der Führung des Kommandierenden Generals.

Dienstgrad Name Datum[10]
General der Infanterie Friedrich von Kleist 03. Oktober 1815 bis 4. März 1821
Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Jagow 05. März 1821 bis 3. September 1830
Generalleutnant Georg von Hake 04. September 1830 bis 30. Juni 1832
(mit der Führung beauftragt)
General der Infanterie Friedrich Wilhelm von Jagow 01. Juli 1832 bis 29. März 1836
Generalleutnant/
General der Infanterie
Carl von Preußen 30. März 1836 bis 4. März 1848
Generalleutnant August Georg von Hedemann 05. März 1848 bis 6. Februar 1852
Generalleutnant Wilhelm von Radziwill 19. Februar 1852 bis 22. März 1852
(mit der Führung beauftragt)
Generalleutnant/
General der Infanterie
Wilhelm von Radziwill 23. März 1852 bis 2. Juni 1858
Generalleutnant/
General der Infanterie
Hans Wilhelm von Schack 03. Juni 1858 bis 25. September 1866
Generalleutnant/
General der Infanterie
Gustav von Alvensleben 30. Oktober 1866 bis 1. Oktober 1871
Generalleutnant Leonhard von Blumenthal 02. Oktober 1871 bis 21. März 1872
(mit der Führung beauftragt)
Generalleutnant/
General der Infanterie/
Generalfeldmarschall
Leonhard von Blumenthal 22. März 1872 bis 12. April 1888
Generalleutnant/
General der Infanterie
Hermann Wilhelm von Grolman 17. April 1888 bis 21. März 1889
General der Kavallerie Carl von Hänisch 22. März 1889 bis 31. August 1897
General der Infanterie Richard von Klitzing 01. September 1897 bis 26. Januar 1903
General der Infanterie Paul von Hindenburg 27. Januar 1903 bis 19. März 1911
General der Infanterie Friedrich Sixt von Armin 20. März 1911 bis 24. Februar 1917
Generalleutnant Richard von Kraewel 25. Februar 1917 bis 19. Dezember 1918
General der Infanterie Kuno Arndt von Steuben 20. Dezember 1918 bis 29. Januar 1919
Generalleutnant Johannes von Malachowski 30. Januar bis 9. Februar 1919
Generalleutnant Alfred von Kleist 10. Februar bis 7. Juli 1919

Fahnen/Fahnenschmuck[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. [...] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. [...]. Verlag Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1914. S. 63ff.
  2. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 301.
  3. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 56f.
  4. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 103.
  5. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 124f.
  6. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 166.
  7. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 174f.
  8. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 278.
  9. Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918. Band I: Die Grenzschlachten. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1925, Kriegsgliederungen S. 667–668.
  10. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815–1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815–1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 52–53.