II. Königlich Bayerisches Armee-Korps

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Das II. Königlich Bayerische Armee-Korps der Bayerischen Armee wurde 1869 im Zuge der Heeresreform von 1868 in Würzburg als Generalkommando (Hauptquartier) für den nördlichen Teil des rechtsrheinischen Bayern (nach Aufstellung des III. Armee-Korps umfasste der Korpsbezirk nur noch Unterfranken und Teile Oberfrankens) und die Pfalz aufgestellt.

Unterstellung[Bearbeiten]

Friedensgliederung 1914[Bearbeiten]

Generalkommando[Bearbeiten]

Kriegsgliederung vom 2. August 1914[Bearbeiten]

Stellenbesetzung[Bearbeiten]

  • Kommandierender General: General der Infanterie Karl Ritter von Martini
  • Chef des Generalstabes: Oberstleutnant Franz Stängl
  • Generalstab:
    • Major Ludwig Schraudenbach
  • Kommandeur der Pioniere:
    • Major Laacke

Geschichte[Bearbeiten]

Krieg von 1870-71[Bearbeiten]

Das Bayerische II. Armee-Korps nahm unter General von Hartmann am Deutsch-Französischen Krieg teil. Die übergeordnete 3. Armee des Kronprinzen von Preußen hatte einen starken Anteil an süddeutschen Kontingenten, darunter zwei bayerische Korps. Das preußische V. und das XI. Korps ging zwischen Germersheim und Landau voraus, das II. bayerische Korps folgte bei Bergzabern am nördlichen Flügel nach. Am 4. August 1870 erstürmte das Korps Weißenburg, zwei Tage später rang es in der Schlacht bei Wörth, dabei ging die 3. bayerische Division unter General Wilhelm Walther von Walderstätten vom Norden her auf Fröschweiler vor. Am 14. August erzwangen die Bayern die Festung Marsal zur Übergabe und waren im Vorgehen auf Nancy. Am 25. August wurde ein Rechtsschwenk der 3. Armee in Richtung Norden erforderlich um die französische Hauptarmee gegen die belgische Grenze abzudrängen. An der Schlacht bei Sedan am 1. September hatte das II. Korps einen hervorragenden Anteil. Zusammen mit dem I. Bayerischen Korps unter General Ludwig von der Tann wurde Bazeilles erstürmt, die 4. bayerische Division unter Generalleutnant Friedrich Graf von Bothmer ging beidseitig der Maas auf die Stadt zu, sie eroberte dabei die Vororte Balan und Wadelincort. Nach der französischen Kapitulation von Sedan wurde der Vormarsch auf Paris wieder aufgenommen. Zwischen dem 16. und 19. September erzwang das Korps den Seine-Übergang bei Corbeil und siegte bei Bourg-la-Reine und Petit-Bicètre. Während der folgenden Umschließung von Paris besetzten die Bayern das von General Ducrot verteidigte Plateau Moulin de la Tour (Chatillon).

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Wie alle bayerischen Heeresverbände war der Verband vor Beginn des Ersten Weltkrieges der IV. Armee-Inspektion unterstellt. Zu Kriegsbeginn stand das Korps im August 1914 unter Führung von Karl von Martini im Verband der 6. Armee. Unter dem Oberbefehl von Kronprinz Rupprecht bildete das Korps zusammen mit dem Bayerischen III. Korps im Raum südöstlich der Festung Metz den nördlichen Flügel der 6. Armee. Während der Schlacht in Lothringen rückten die 3. und 4. bayerische Division vom 20. bis 25. August in südlicher Richtung über Chateau - Salins (westlich Dieuze) zur Meurthe bei Luneville vor. Bis Mitte September rangen die Verbände vergeblich an der Linie Nancy-Epinal mit dem französischen 20. Korps. Infolge des Wettlaufes zum Meer wurde das Korps zusammen mit dem Bayerischen III. Korps nach Peronne verlegt. Das II. bayerische Korps versuchte nördlich davon bei Combles das französische 11. Korps unter General Joseph-Paul Eydoux im Vorgehen auf Montauban zu überflügeln. Anfang November wurde das Korps der Gruppe Fabeck südlich von Ypern zugeführt, den Bayern gelang am 10. November in der Ersten Flandernschlacht die Einnahme von St. Eloi.[1].

Während der Schlacht an der Somme 1916 wurde das Korps zur 1. Armee verlegt, die 3. und 4. bayerische Division lagen im Raum Martinpuich, der linke Flügel hielt Verbindung zur 5. bayerische Division die beim Ort Longueville verteidigte. Ende September 1916 wurde das Korps bei Le Transloy durch Truppen des XXVI. Reserve-Korps abgelöst und nach Flandern in den alten Kampfraum bei Lille zur 6. Armee zurücktransportiert.

Am 5. Januar 1917 übernahm Otto von Stetten die Führung des Korps, das er vertretungsweise schon seit November 1914 innehatte. Bei Lille lag das Korps 1917 dem 2. australischen Korps (ANZAC-Corps) unter General Alexander Godley gegenüber. Am Morgen des 21. Mai 1917 eröffnete die britische 2. Armee in der Schlacht von Messines mit 2.000 Geschützen den Angriff gegen den Wytschaetebogen. Die britische Großoffensive begann am 7. Juni mit der Sprengung von 19 Minen die in 15 bis 30 Metern Tiefe platziert waren. Durch die Explosion wurden die deutschen Stellungen buchstäblich in die Luft gesprengt, die 3. bayerische Division erlitt schwerste Verluste. Während der anschließenden Dritten Flandernschlacht unterstand das Korps als "Gruppe Lille" der 4. Armee und stand am südlicheren Abschnitt der britischen Angriffe, es konnte dort seine Stellungen halten. Im April 1918 wurde Konrad Krafft von Dellmensingen zum neuen Kommandierenden General des II. (Bayr.) Korps ernannt. Im Oktober 1918 lag das Korps mit unterstellter 1. und 6. (bayr.) Reserve-Division sowie der 14. (bayr.) Division als südlicher Flügel der zurückgehenden 4. Armee ostwärts der Schelde im Raum Gavere.

Mit der Auflösung der Bayerischen Armee 1918/19 wurde das Korps aufgelöst. Teile des Großverbandes wurden in die Vorläufige Reichswehr übernommen.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[2]
General der Infanterie Jakob Freiherr von Hartmann 8. Januar 1869 bis 23. April 1873
Generalleutnant Joseph von Maillinger 24. April 1873 bis 4. Juli 1875
General der Infanterie Karl von Orff 5. Juli 1875 bis 8. Mai 1890
General der Infanterie Otto von Parseval 9. Mai 1890 bis 17. April 1895
General der Kavallerie Emil Ritter von Xylander 18. April 1895 bis 22. März 1905
General der Infanterie Theophil Freiherr Reichlin von Meldegg 23. März 1905 bis 17. November 1908
General der Infanterie Alfred Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin 18. November 1908 bis 21. April 1912
General der Infanterie Karl Ritter von Martini 22. April 1912 bis 4. November 1914
Generalleutnant Otto von Stetten 5. November 1914 bis 4. Januar 1917 (in Vertretung)
General der Kavallerie Otto von Stetten 5. Januar 1917 bis 19. April 1918
General der Artillerie Konrad Krafft von Dellmensingen 19. April bis 4. Dezember 1918
Generalleutnant Otto Ritter von Rauchenberger 20. Dezember 1918 bis 9. Juni 1919
Generalleutnant Hermann Ritter von Burkhardt 10. Juni bis 1. Oktober 1919 (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reichsarchiv - Der Weltkrieg 1914-1918 Band VI. Seite 17
  2. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815-1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 655–656.