Wir waren Helden

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Filmdaten
Deutscher Titel Wir waren Helden
Originaltitel We Were Soldiers
Produktionsland USA, Deutschland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2002
Altersfreigabe FSK 18[1]/16 (gekürzte Fassung)
Stab
Regie Randall Wallace
Drehbuch Randall Wallace
Produktion Bruce Davey
Musik Nick Glennie-Smith
Kamera Dean Semler
Schnitt William Hoy
Besetzung

Wir waren Helden (Originaltitel: We Were Soldiers) ist ein auf wahren Ereignissen beruhender Kriegsfilm, der von der Schlacht im Ia-Drang-Tal handelt, der ersten großen Schlacht des Vietnamkrieges. Der Film wurde nach seinem Erscheinen kontrovers diskutiert: Während Regisseur Randall Wallace und das gesamte Produktionsteam für sich in Anspruch nehmen, exakt nach Zeitzeugenberichten gearbeitet zu haben, wird dem Film in Kritiken immer wieder eine einseitige und patriotische Heldenverehrung vorgeworfen.

Produktion[Bearbeiten]

Literarische Vorlage[Bearbeiten]

Wir waren Helden basiert auf dem ersten Teil des Buches „We Were Soldiers Once…And Young“ von Generalleutnant a. D. Harold („Hal“) G. Moore und des früheren UPI-Reporter Joseph L. Galloway. 25 Jahre nach den Kampfhandlungen im Ia-Drang-Tal, an denen Moore als Kommandeur des 1. Bataillon des 7. Kavallerieregiments, 3. Brigade der 1. luftbeweglichen Kavalleriedivision der US Army und Galloway als Kriegsberichterstatter teilgenommen hatten, verfassten beide gemeinsam einen Augenzeugenbericht über den ersten größeren Zusammenstoß regulärer Einheiten des US-Militärs und der Nordvietnamesischen Armee (NVA) im Zeitraum vom 14. bis 18. November 1965.

Das Buch gliedert sich in zwei Teile: Der erste Teil berichtet über den Luftlandeeinsatz von Oberstleutnant Moores 1. Bataillon des 7. Kavallerieregiments im Gebiet der sogenannten „Landezone X-Ray“. Der zweite, nicht im Film behandelte Teil des Buches erzählt vom Schicksal des 2. Bataillons des 7. Regiments, das dem Schwesterbataillon zur Hilfe geeilt war und am nächsten Tag während eines Patrouillenmarsches zu Fuß in einen Hinterhalt geriet.

Für dieses Buch verarbeiteten Moore und Galloway die offiziellen Berichte der beteiligten Einheiten und interviewten viele ehemalige Teilnehmer der Kämpfe, darunter auch die damaligen Befehlshaber der nordvietnamesischen Armee. Dennoch aus dem Blickwinkel des US-Berufssoldaten geschrieben, avancierte das Buch 1992 in den USA zum Bestseller.[2]

Produktionsdaten[Bearbeiten]

Bis zum Frühjahr 2000 entstand eine Drehbuchadaption des Romans, für die der Drehbuchautor Randall Wallace verantwortlich zeichnete, der sich nach den oscarprämierten Büchern für das Mittelalter-Schlachtgemälde Braveheart und für Pearl Harbor erneut dem Kriegsfilm zuwandte. Wallace führte auch Regie; seine erst zweite Regisseurtätigkeit nach Der Mann in der eisernen Maske (The Man in the Iron Mask).

Paramount Pictures und Icon Entertainment übernahmen die Produktion. Die Dreharbeiten, unter anderem in Fort Benning, Georgia und Fort Hunter Liggett, Kalifornien, dauerten vom 5. März bis zum 13. Juli 2001.

Kamera führte Oscarpreisträger Dean Semler, der zuvor bereits an Großproduktionen wie Der mit dem Wolf tanzt (Dances with Wolves) oder Waterworld beteiligt war. Für den Schnitt war William Hoy zuständig, der mit Wallace bereits bei Der Mann in der eisernen Maske zusammengearbeitet hatte.[3]

Analyse[Bearbeiten]

Narrative Analyse: Inhalt und dramatische Form[Bearbeiten]

Die ersten Sequenzen von „Wir waren Helden“ werden eingeleitet und begleitet von der Stimme Joe Galloways (Barry Pepper) aus dem Off. Sie erläutert Ort und Zeit der erzählten Geschichte („Im November 1965 […] im Ia-Drang-Tal in Vietnam“) und spricht die Widmung des Films aus: Gewidmet ist der Film sowohl den Toten auf amerikanischer als auch auf vietnamesischer Seite. Die gleichzeitig einsetzende erste Sequenz (00:00:24 – 00:03:33) bildet den „Hook“[4] der Geschichte, der den Zuschauer in den Bann des Filmes zu ziehen hat. Diesen Voraussetzungen entsprechend zeigt sie das Hochland in Vietnam, allerdings, so erklärt die Off-Stimme weiter, beginne diese Geschichte bereits 1954, noch unter französischer Kolonialherrschaft. Eine französische Fallschirmjägereinheit gerät bei einer Patrouille in einen Hinterhalt der Vietnamesen. Der vietnamesische Kommandeur, Nguyen Huu An (Duong Don), ersticht persönlich den französischen Leutnant mit seinem Bajonett und erbeutet die Signaltrompete der Einheit. Anschließend ordnet er die Tötung aller verbliebenen Franzosen an. Aus der Sicht eines Verwundeten blickt der Zuschauer in einen Gewehrlauf; nach dem Schuss erfolgt eine Schwarzblende, weitere Schüsse und Schreie sind zu hören, dann wird der Titel (00:03:34 – 00:04:09) eingeblendet.

Wieder ist aus dem Off die Stimme Galloways zu hören, der den Ortswechsel nach Amerika und einen weiteren Teil der „Backstory“, also der vor dem Beginn des eigentlichen „Plots“ geschehenen Ereignisse erläutert: Bei der US Army wird über eine neue Art der Kriegsführung nachgedacht: Parallel dazu erscheinen im Bild zwei Transporthubschrauber vom Typ Bell UH-1 „Huey“, das Bild für den US-Vietnamkrieg.[5] In der folgenden Szene (00:04:12 – 00:04:45) erläutern General Harry Kinnard (Jim Grimshaw) und ein weiterer General (Patrick St.Esprit) die Möglichkeiten einer hubschraubergestützten Einheit, die Lt. Colonel Hal Moore (Mel Gibson) testen soll. Die nächsten Sequenzen (00:04:45 – 00:12:26) führen die handelnden Personen und gleichzeitig das Hauptmotiv des Films, das Familienmotiv ein: Moore, seine Frau Julie (Madeleine Stowe) und ihre Kinder treffen in Fort Benning ein, wo sich Moore daran macht, seine neue Einheit kennenzulernen, darunter die Hubschrauberpiloten „Snakeshit“ Crandall (Greg Kinnear) und „Too Tall“ Freeman (Mark McCracken), der begabte Leutnant Geoghan (Chris Klein), der ehrgeizige Leutnant Herrick (Marc Blucas) und der junge Sergeant Savage (Ryan Hurst). Gemeinsam mit Plumley (Sam Elliott), seinem Sergeant Major, übt Moore mit seinem Bataillon den Einsatz mit Hubschraubern und beschwört dabei neben vollem Einsatz vor allem Kameradschaft und familiären Teamgeist:

„Denn wenn das [der Kampf] losgeht, dann ist keiner da, der uns hilft. (00:16:44)“

Gleichzeitig wird in die spätere Nebenhandlung, das Leben der Familien, eingeführt: Der Film zeigt Moore als liebevollen Ehemann und Familienvater beim Gebet mit seinen Kindern, Julie Moore, die sich um die Belange der Offiziersfamilien kümmert, und die Geburt von Lieutenant Geoghans Tochter.

Währenddessen verdichten sich allerdings die Ahnungen der Soldaten, dass sie bald nach Vietnam verlegt werden; der eigentliche Plot-Beginn, die Bekanntgabe der Verlegung in einer Fernsehansprache Präsident Johnsons wird jedoch aus der Sicht der versammelten Offiziersfrauen geschildert (00:26:24 – 00:27:21). Auf der Party vor der Abreise erfährt Moore von General Kinnard, dass er zahlenmäßig geschwächt in seinen Einsatz gehen muss: Da der Präsident keinen Notstand ausgerufen hat, beenden die Wehrpflichtigen ganz regulär ihre Dienstzeit und gehen nicht mit nach Übersee, so dass das erfahrenste Drittel von Moores Männern zurückbleibt. Zusätzlich erfährt Moore, dass sein Bataillon nun zum 7. Kavallerieregiment gehört: Zu dem Regiment, das 1876 durch Lt. Colonel George Custers unzureichende Führung in der Schlacht am Little-Bighorn aufgerieben wurde (00:27:22 – 00:30:28). In einer „Anfeuerungsrede“ an das Bataillon vor der Abreise verspricht Moore seinen Soldaten, er werde als erster das Schlachtfeld betreten, es als letzter verlassen und alle – lebend oder tot – wieder zurückbringen (00:31:23 – 00:33:45). Die geschilderten Ereignisse eröffnen auch das Grundthema der weiteren Handlung: Wird es Moore gelingen, sein Versprechen zu halten und seine Männer wieder zurückzubringen? Mit den Szenen, in denen sich die Soldaten von ihren Familien verabschieden und in Fort Benning die Busse besteigen, ist der erste Wendepunkt der Geschichte erreicht: Die Soldaten verlassen ihr Zuhause und begeben sich in die Konfrontation. (00:33:46 – 00:38:55).

Mit einer Überblende beginnt der zweite Akt im zentralen Hochland Vietnams. Moores Bataillon erhält den Auftrag, im Tal des Ia-Drang nach Einheiten der vietnamesischen Armee zu suchen. Moore und Plumley ahnen, dass es sich um einen Hinterhalt handeln könnte, als sie mit den ersten 60 Soldaten die Helikopter besteigen. Der Flug ins Ia-Drang Tal (00:41:03 – 00:43:34) wird wieder von der Off-Stimme Galloways begleitet, der die erzählte Zeit nochmals präzisiert:

„Es war ein Sonntag, der 14. November 1965. Bis zu jenem Tag war es zwischen den Soldaten Nordvietnams und denen der USA noch nie zu größeren Kampfhandlungen gekommen.“

Gleichzeitig wird während des Helikopterflugs nochmals der Ort der Geschichte in ausführlichen Bildern dem Zuschauer vertraut gemacht. Während des einleitenden Artilleriebeschusses zeigt der Film zum ersten Mal auch die unterirdischen Bunker der Nordvietnamesen (00:43:35 – 00:44:19). Huu An, inzwischen ebenfalls Lt. Colonel, hat tatsächlich einen Hinterhalt geplant. Als Moores erste Welle landet, bleibt jedoch zunächst alles ruhig. Lieutenant Herrick entdeckt einen einzelnen Vietnamesen und verfolgt ihn mit seinem Zug immer weiter in den Dschungel hinein. Inzwischen hat auch Moore einen Späher gefangen genommen und befragt ihn. Schließlich gibt der Soldat an, in den umliegenden Bergen befänden sich Tausende Soldaten[6] der NVA:

„Dieselbe Armee, die Franzosen getötet hat. Sie wollen Amerikaner töten.“

In diesem Moment beginnen mit Schüssen auf Herricks Zug die eigentlichen Kampfhandlungen (00:47:42). Der Zug wird eingeschlossen, Herrick und sein Platoon-Sergeant werden getötet, so dass nun der junge Sergeant Savage die verbliebenen Männer befehligen muss. Damit ist ein weiterer Schauplatz für eine Nebenhandlung eröffnet: Der abgeschnittene Zug. Mit Hilfe von Artillerieunterstützung versucht Savage im weiteren Verlauf des Films, den Gegner in Schach zu halten. Mit Entsatz kann er nicht rechnen, da nun auch die Hauptgruppe an der Landezone von starken Kräften angegriffen wird. Nun kann Moore als entschlossener und fähiger Anführer gezeigt werden. Es gelingt ihm, die einfliegenden Verstärkungen genau dort zu postieren, wo Nguyen Huu An angreifen lässt. Weitere Angriffe werden mit Hilfe von Napalm aus der Luft abgewehrt. Obwohl die Landezone so stark beschossen wird, fliegen Crandalls Helikopter immer wieder Verstärkungen ein, und später, als die Sanitätshubschrauber aufgrund der Gefahr nicht mehr landen wollen, auch Verwundete aus. Mit dem letzten Flug am Abend gelangt auch der UPI-Reporter Joe Galloway in das Kampfgebiet (01:04:30 – 01:06:27). Auch in der Nacht gehen die Kämpfe weiter. Sergeant Savages abgeschnittener Zug kann nicht erreicht werden und bleibt weiter auf sich allein gestellt, obwohl Wasser und Munition zu Ende gehen.

Mit einem scharfen Schnitt (01:11:37) wechselt der Film mitten von den Nachtkämpfen zur anderen Nebenhandlung, dem Alltag der Angehörigen in den Staaten. Julie Moore bemerkt zufällig, dass ein Taxi einer Offiziersfrau (Bellamy Young) die Nachricht vom Tod ihres Mannes bringt: Ein einfaches Telegramm. Als weitere Telegramme eintreffen, übernimmt Julie Moore zusammen mit Barbara Geoghan (Keri Russell) die Aufgabe, diese Todesnachrichten den Familien zu überbringen (01:11:37 – 01:17:37). Die Konfrontationen nehmen nun im weiteren Verlauf des zweiten Aktes immer mehr zu. Im Ia-Drang Tal beginnt nach weiteren Nachtgefechten der Morgen mit schweren Angriffen auf der ganzen Linie, bei denen auch Lieutenant Geoghan fällt. Selbst Galloway muss zum Gewehr greifen und sich verteidigen. Mit Hilfe von massenhaften Luftangriffen kann auch dieser schwerste Angriff abgeschlagen werden, wobei jedoch auch eigene Soldaten dem Napalm zum Opfer fallen. Galloway bringt einen der schwer Verbrannten zum Helikopter und wirft anschließend sein Gewehr weg, um wieder Bilder des Kampfes aufzunehmen (01:36:00 – 01:38:08). Als der Angriff abgeschlagen ist, gelingt es, Savages Zug wieder zur Landezone zu bringen und damit diesen Handlungsstrang aufzulösen. Als in Vietnam die nächste Nacht hereinbricht, ist der „schwärzeste Moment“ der Geschichte erreicht. In den Staaten muss Julie Moore ihrer Freundin Barbara Geoghan das Telegramm mit der Todesnachricht überbringen. Im Ia-Drang Tal fällt Moore aufgrund der vielen Toten und der scheinbar ausweglosen Lage in tiefe Verzweiflung. Erst die Vertrauensbekundungen seiner Männer, die mit ihm als Anführer noch nicht aufgeben wollen, reißt ihn aus dieser Traurigkeit. Hier erweist sich die familiäre Struktur der Einheit als Stütze für Moore selbst. Am zweiten Plot Point der Geschichte rafft Moore sich wieder auf und beschließt, seine Einheit auf den entscheidenden Kampf im Morgengrauen vorzubereiten (01:47:23 – 01:48:10). Gleichzeitig steigert die Information, dass Lt. Colonel Huu An genauso den Angriff vorbereitet, die Spannung am Beginn des dritten Aktes.

Dieser beginnt mit dem Anbruch des Morgens. Als es hell wird, greifen jedoch nicht die Vietnamesen, sondern die Amerikaner an. Ihr verzweifelter Sturm lockt den Gegner ins freie Gelände. Dieser Moment, als Moores kleine Schar dem überlegenen Gegner Auge in Auge gegenübersteht, ist die letzte kurze Krise des Films. Ein Überraschungsangriff von Crandalls bewaffneten Helikoptern vernichtet jedoch den Gegner und bringt die Rettung (01:49:00 – 01:53:00). Die Amerikaner verlassen als Sieger das Schlachtfeld; Moore bittet Galloway, der im Vergleich mit anderen Reportern zum schlachterprobten Veteranen gereift ist, der Welt zu sagen, „wie meine Männer starben“ (01:59:22). Alle Soldaten, tot oder lebendig, wieder nach Hause gebracht, Moore verlässt als letzter das Schlachtfeld und kann so sein Wort halten. Nachdem die Amerikaner abgezogen sind, betritt Huu An das Schlachtfeld und erklärt prophetisch, dass dieser Sieg keiner gewesen sei. Das Ende des Films wird wieder von Galloways Stimme aus dem Off begleitet, der über die weitere Dienstzeit in Vietnam von Moore und seinen Soldaten berichtet. Mit der Rückkehr Moores zu seiner Familie sind die getrennten Handlungsstränge wieder vereint. Galloway versucht, aufzuschreiben, was er erlebt hat. Der Film endet mit den Namen der Gefallenen auf dem Vietnam-Memorial.

Die Konstruktion der „idealen Kriegsfamilie“[Bearbeiten]

Das Handbuch Theologie und Populärer Film Bd. 1 zeigt im Beitrag zum zeitgenössischen Kriegsfilm auf, wie in Wir waren Helden das Bild einer idealen Gesellschaft für den Krieg gezeichnet wird.[7]

Vordergründig wird im Film jedes politische Statement zum amerikanischen Engagement in Vietnam vermieden. Es gibt allerdings eine Sequenz, in der Moore seiner Tochter zu erklären versucht, was Krieg überhaupt bedeutet: „Wenn Menschen […] versuchen, anderen Menschen das Leben zu nehmen, dann haben Soldaten wie dein Daddy die Aufgabe, […] sie aufzuhalten.“[8]

Durch die Kombination dieser Erklärung mit einer Geschichte, in der eine als „Sieg“ erkennbare Auseinandersetzung gezeigt wird, entsteht eine Kriegs-Utopie: Der Vietnamkrieg, wie er hätte sein sollen.

Für den Verlauf des Films lässt sich die Darstellung der „idealen Kriegsfamilie“[9] nachzeichnen. Parallel zur Geschichte der Soldaten, die hochmotiviert und siegesbewusst in den Krieg ziehen, wird das Bild der Heimat gezeigt. So finden sich im Film nur Familien, die ihre Soldaten vorbehaltlos unterstützen. Die Frauen sind Hausfrauen, die es gewohnt sind, sich um die Kinder zu kümmern und auf die Männer zu warten. Entsprechend zeigt der Film die Frauen immer wieder bei verschiedenen hausfraulichen Tätigkeiten. Das Wichtigste, was im Kreis der Offiziersfrauen zu besprechen ist, ist die Frage nach Einkaufsmöglichkeiten und nach Möglichkeiten zum Wäschewaschen. Dass der Waschsalon der Stadt nur für Weiße ist, kann eine farbige Offiziersgattin nicht daran hindern, sich voll und ganz hinter die US-Streitkräfte zu stellen. Es passt zum Tenor des Films, dass diese farbige Offiziersgattin bereits 1965 vorbehaltlos von allen anderen (weißen) Offiziersfrauen akzeptiert wird. Die (Haus-)Frauen warten treu bangend auf die Rückkehr ihrer Männer, und selbst beim Erhalt der Todesnachricht ist von den Frauen keinerlei Kritik am Krieg zu hören. Zusätzlich ist in jeder dieser „Telegramm-Szenen“ eine eingeblendete US-Flagge zu sehen, um zu verdeutlichen, dass die Opfer auf keinen Fall sinnlos waren. Selbst dass diese Todestelegramme per Taxi zugestellt werden, wird verteidigt.

Ebenfalls zu dieser idealen Kriegsfamilie gehört ein Idealbild der Presse in Gestalt des Reporters Galloway. Nur er, der selbst das Gewehr in die Hand nehmen und sich verteidigen musste, ist in der Lage, die „Leistung“ der Soldaten angemessen darzustellen: Krieg ist eine ehrenhafte Sache, an der Kritik zu üben unangebracht ist.[9]

Nicht zuletzt wird auch die Religion als stabilisierendes System präsentiert. Lieutenant Geoghegan, gerade Vater geworden, spricht gegenüber Moore die Hoffnung aus, er werde „Waisen [..] beschützen und nicht […] machen.“ Das folgende Gebet Moores beinhaltet jedoch keine Bitte um Einsicht zu richtigem Handeln, sondern eine Bitte um den Schutz der eigenen Soldaten im Kampf. Auf die Spitze getrieben wird dieses „Gebet“ durch einen Zusatz, der die Feinde betrifft:

„Hilf uns, diese Mistkerle zum Teufel zu jagen.“

Mit Hilfe dieser Elemente gelingt es Wir waren Helden, eine versöhnende Verarbeitung des Vietnamkriegs zu unternehmen und gleichzeitig die ideale Gesellschaft – bestehend aus Soldaten, Reportern, Frauen und Kindern – für einen Krieg vorzustellen. Dabei bleiben kritische Rückfragen zum militärischen Einsatz genauso unberücksichtigt wie die Warnung vor dem Krieg im Allgemeinen.[10]

Rezeption[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

„Ein patriotisch-militaristischer Film nach einem Tatsachenbericht, der im Nachhinein das Image der US-Armee aufpolieren will. Dabei entlarvt er unfreiwillig die schauspielerischen Schwächen seines Hauptdarstellers.“

Lexikon des Internationalen Films

„[…] was diesen Film so verlogen und zum Tiefpunkt des zeitgenössischen Kriegskinos macht, hat nicht allein mit der aufgeladenen Ikonografie zu tun. Es ist vielmehr die Kombination von Heldentum, Kriegsszenario und seinem Schauplatz: Vietnam. In der langen Geschichte des Vietnamkriegfilms hat es noch nie einen derart untadeligen Staroffizier wie den Superdaddy Colonel Moore gegeben. […] weil Moore eben kein Schlappschwanz ist, sondern der Mann, der nach John Wayne in Die grünen Teufel (1968) und Sylvester Stallone in Rambo II – Der Auftrag (1986) den verlorenen Vietnamkrieg für die USA gewinnen wird, dreht sich der Spieß um. […] Als Offizier und Familienvater hat Mel Gibson damit offiziell jenen Traum verwirklicht, der in Rambo II nur nachträglich durch einen Außenseiter hatte geträumt werden dürfen.“

Jan Distelmeyer: Zeit online am 26. April 2006

„[…] was Regisseur und Drehbuchautor Randall Wallace sowie Gibson dazu veranlasst hat, daraus einen ebenso konventionellen wie in der Tendenz einseitigen Kriegsfilm zu machen, bleibt unerfindlich. […] Für deutsche Zuschauer allerdings gibt es sehr wenig Grund, sich mit Gibson und seinen ‚Helden‘ in die Schlacht zu begeben.“

Wolfgang Hübner: Rhein-Zeitung.de am 24. August 2006

Kontroverse[Bearbeiten]

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„Wir waren Helden“ („We were soldiers once… and young“) ist vor allem außerhalb von Amerika massiv unter Kritik geraten. Insbesondere betonen Kritiker hier die oftmals kompromiss- und reflexionslose Darstellung der amerikanischen Operation in Vietnam. Des Weiteren wird bemängelt, dass (so realistisch es auch dargestellt wird), der Tod der Soldaten im Film stets etwas Heldenhaftes an sich hat. Dies wird besonders durch die Dialoge ersichtlich: Mit seinem letzten Atemzug sagt ein Soldat in Nahaufnahme „Ich bin froh, für mein Land zu sterben“.

Andererseits werden gerade an diesem Beispiel auch die kriegskritischen Untertöne des Films deutlich. So ist dieser auf den ersten Blick patriotische Offizier derjenige, der durch sein blindes Erfolgsstreben für den Tod seiner unterstellten Soldaten verantwortlich ist. Auch die vielschichtig dargestellte Persönlichkeitsstruktur des Protagonisten Lt. Col. Moore wird hierbei ebenso übersehen wie die eindeutig kritischen Szenen in der Heimat, die noch immer vom Rassismus geprägt ist.

Laut Aussage des Regisseurs stand bei derartigen Szenen und zahlreichen anderen künstlerischen Entscheidungen im Wesentlichen der dokumentarische Gesichtspunkt im Vordergrund: „Einige Kritiker […] fanden den Text der sterbenden Soldaten kitschig. Ich trage die Verantwortung für diese Szenen im Film, darum muss ich dazu bemerken, dass es genau die Worte waren, die die Soldaten gesagt haben. […] Es ist schade, dass den Soldaten in der Situation nichts tiefgründiges, ironisches eingefallen ist – aber ‚Sagt meiner Frau, dass ich sie liebe‘ ist genau das, was die sterbenden Soldaten gesagt haben“, wie Wallace im DVD-Kommentar erläutert.

Zudem fehlen Informationen in dem US-Film, dass sechs südvietnamesische Fallschirmjäger-Bataillone zur Unterstützung eingeflogen wurden und die Teile der Nordvietnamesischen Regimenter von Norden her in die Flanke angriffen und sie so zum Rückzug nach Kambodscha zwangen.

Ebenfalls setzt „Wir waren Helden“ in den Augen vieler Kritiker die Reihe der post-11. September 2001 Filme fort (beispielsweise Windtalkers, Tränen der Sonne und andere), in denen der Kriegseinsatz amerikanischer Soldaten erneut glorifiziert wird und somit die Welle der Antikriegsfilme (Platoon, Die Verdammten des Krieges oder als neueres Beispiel Der schmale Grat) umkehrt.

Dies wird von vielen Stimmen darauf zurückgeführt, dass Kriegsfilme als „High-Cost“-Produktionen größtenteils auf Unterstützung durch den Fundus der US-Streitkräfte angewiesen sind (Statisten und Material sind vergleichsweise billig zu „mieten“), das US-Militär jedoch über die Gewährung dieser Hilfen erst nach einer Prüfung des Drehbuches entscheidet.

Man kann dem Film vorhalten, dass er in seiner Endfassung dem Gedenken der gefallenen Soldaten auf beiden Seiten nicht gerecht wird. Beispielsweise wurde eine Szene geschnitten, in der der Protagonist Lieutenant Colonel Harold G. Moore gegenüber seinen Vorgesetzten erklärt, dieser Krieg sei trotz der amerikanischen Überlegenheit nicht zu gewinnen. Regisseur Wallace kommentiert diese Entscheidung gegen diese Szene so:

  • „Ich habe sie gestrichen, weil der Film nicht von Politik handelt. […] Die Aussage des Films sollte letztlich sein: ‚Soldaten sind Menschen‘ – egal was man vom Vietnam-Krieg hält, egal wie sehr er uns gespalten hat. Die politischen Debatten haben eine viel dringlichere Realität verschleiert, und zwar folgende: Die Soldaten, die in diesem Konflikt auf beiden Seiten gestorben sind, waren menschliche Wesen […]“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein kontrovers diskutierter Film wie „Wir waren Helden“ die Diskussion um Kriegsschuld, -sinn, -grausamkeit und -gründe eher bereichert als hemmt.

Trotz (eventuell finanziell geschuldetem) Pathos und Patriotismus, stellt sich zwischenmenschliche Brutalität realistisch und unverfälscht dar. Während vordergründig eine Schlacht gewonnen wird, arbeiten Schnitt und Dialoge dem aufmerksamen Zuschauer eine differenziertere Betrachtung heraus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Bohrmann, Mathias Grandl: „Jeder Krieg ist anders, jeder Krieg ist gleich“: Krieg im Film. In: Thomas Bohrmann, Werner Veith, Stephan Zöller (Hrsg.): Handbuch Theologie und Populärer Film. Band 1. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-72963-7, S. 79–94.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 81 kB) der FSK (für die Langfassung)
  2. vgl. zur Entstehungsgeschichte: McAdams, Frank, The American War Film. History And Hollywood, Los Angeles 2005, S. 476.
  3. vgl. zu diesen Daten die Informationen der Internet Movie Database.
  4. vgl. zu den filmwissenschaftlichen Ausdrücken: Hant, Peter, Das Drehbuch. Praktische Filmdramaturgie, Frankfurt am Main 1999, S. 69–76.
  5. Gerhard Paul: Krieg und Film im 20. Jahrhundert. Historische Skizze und methodologische Überlegungen, in: Chiari, Bernhardt / Rogg, Matthias / Schmidt, Wolfgang (Hgg.), Krieg und Militär im Film des 20. Jahrhunderts, München 2003, S. 51.
  6. Es gibt Unstimmigkeiten mit den Zahlen der Gegner. 1600 NVA-Soldaten nennen Moore / Galloway, Soldiers, S. 68. Im Film ist dagegen von 4000 im englischen Original bzw. von 10.000 Mann in der deutschen Synchronisation die Rede
  7. Vgl. zum Folgenden Bohrmann, Thomas, Grandl, Mathias : Jeder Krieg ist anders. Jeder Krieg ist gleich: Krieg im Film. In: Thomas Bohrmann u. a.: Handbuch Theologie und Populärer Film Bd. 1. Schöningh, Paderborn 2007, S.90ff.
  8. Diese Sequenz verkehrt das von Moore geschilderte Ereignis geradezu ins Gegenteil: Der echte Moore konnte seiner Tochter gerade nicht begreiflich machen, was Krieg bedeutet. Vgl. Moore, Harold/Galloway, Joseph: We Were Soldiers Once…And Young. Ia Drang – the Battle That Changed the War in Vietnam, New York 1992, 27.
  9. a b Bohrmann, Thomas, Grandl, Mathias : Jeder Krieg ist anders. Jeder Krieg ist gleich: Krieg im Film. In: Thomas Bohrmann u. a.: Handbuch Theologie und Populärer Film Bd. 1. Schöningh, Paderborn 2007, S.91.
  10. Bohrmann, Thomas, Grandl, Mathias : Jeder Krieg ist anders. Jeder Krieg ist gleich: Krieg im Film. In: Thomas Bohrmann u. a.: Handbuch Theologie und Populärer Film Bd. 1. Schöningh, Paderborn 2007, S.92.