Alsleben (Saale)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Alsleben (Saale)
Alsleben (Saale)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Alsleben (Saale) hervorgehoben
Koordinaten: 51° 42′ N, 11° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Salzlandkreis
Verbandsgemeinde: Saale-Wipper
Höhe: 85 m ü. NHN
Fläche: 23,64 km2
Einwohner: 2526 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 107 Einwohner je km2
Postleitzahl: 06425
Vorwahl: 034692
Kfz-Kennzeichen: SLK, ASL, BBG, SBK, SFT
Gemeindeschlüssel: 15 0 89 005
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
06425 Alsleben (Saale)
Webpräsenz: www.alsleben-saale-online.de
Bürgermeister: Reinhard Schinke
Lage der Stadt Alsleben (Saale) im Salzlandkreis
Barby Seeland Seeland Bördeaue Seeland Börde-Hakel Börde-Hakel Ilberstedt Borne Seeland Seeland Wolmirsleben Giersleben Seeland Güsten Plötzkau Alsleben (Saale) Nienburg (Saale) Egeln Barby Bernburg Calbe (Saale) Schönebeck (Elbe) Bördeland Könnern Hecklingen Aschersleben StaßfurtKarte
Über dieses Bild
Kupferstich „Schlos, Stadt und Dorff Alsleben an der Saale“ von Dreyhaupt, 1750
Rathaus mit Markt, links Turmspitze der Stadtkirche, verdeckt durch ehemaliges Pfarrhaus als gelber Klinkerbau
Das Saaltor in Alsleben
Neue Schule in Alsleben – nach der Sanierung von 2016
Feuerwehrturm, Turm der Stadtkirche, Ärztehaus (v. li.) in Alsleben
Saalebrücke von 1928: links Alsleben mit Fritz Schaper-Allee unterhalb des Schlosses; rechts Mukrena mit Schiffswerft Fischer und Zufahrt zur Schleuse
Blick vom Dach der neuen Saalemühle Alsleben auf Sportplatz / Freibad vorn, danach große Gebäude der alten Saalemühle, dahinter Turmspitze der katholischen Kirche, rechts daneben Rathausturm sowie Stadtkirche

Alsleben (Saale) (Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist eine Stadt in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt am Westufer der unteren Saale, 51 km vor deren Mündung in die Elbe. Westlich von Alsleben steigt das Gelände allmählich an und geht in die Vorberge des Unterharzes über. Im Norden beginnt die Magdeburger Börde, ein flachwelliges, landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet. Östlich und südöstlich von Alsleben schließt sich hügeliges Gelände links und rechts der Saale an. Die Stadt liegt im Naturpark Unteres Saaletal.

Geschichte, Wappen, Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alsleben wurde schon früh besiedelt und diente als Grenzburg gegen die Sorben. In deren Nähe befand sich das Dorf Alt-Alsleben und eine zweite Siedlung, aus der sich die spätere Stadt entwickelte. Gero von Alsleben gründete im Jahr 979 ein vom Nienburger Mutterkloster abhängiges Benediktinerkloster, das dem Nienburger Annalista Saxo zufolge im Jahr 1104 abbrannte. Gero von Alsleben war vermutlich ein Verwandter des Markgrafen Gero. Burg und Siedlung Alsleben waren vermutlich Anfang des 10. Jahrhunderts durch Schenkung von Otto I. in den Besitz des Grafen Gero gelangt.

Die reichsunmittelbare „Grafschaft Alsleben“ regierte nach Geros Tod dessen Schwiegersohn Siegfried I. Nach dem Tod des letzten Grafen von Alsleben, Heinrich I. im Jahr 1126 kam die Grafschaft 1128 an das Erzstift Magdeburg. Durch den Erzbischof Günther II. von Schwarzburg wurde sie im Jahr 1438 an Karl von Krosigk verpfändet. 1479 erfolgte die Belehnung der Familie von Krosigk mit der Grafschaft. Seit dem 12. Jahrhundert, spätestens seit 1479 verfügte Alsleben über Stadtrecht. Zur Stadtflur gehören die Wüstungen Börnicke, Drosine, Wirl und Bornstädt. Mit dem Anfall des Erzstifts Magdeburg an Brandenburg-Preußen wurden 1680 die Kurfürsten von Brandenburg (ab 1701 Könige in/von Preußen) neue Landesherren des nun „Herzogtum Magdeburg“ genannten Gebiets. Die Mediatstadt Alsleben gehörte zum Saalkreis.[2] Der Besitz der Familie von Krosigk kam im Jahr 1747 durch Verkauf an Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, ohne dass davon die preußische Landeshoheit berührt wurde.[3]

Unmittelbar neben der Stadt Alsleben gab es das gleichnamige Dorf, das auch das alte Dorf vor Alsleben oder Altdorf Alsleben genannt wurde. Zu diesem einstigen Pfarrdorf gehörte auch ein Rittergut bzw. ein Ökonomieamt des Herzogs von Anhalt-Dessau. Dem „Fürstlich Anhalt-Dessauischen Amt Alsleben“ mit Sitz im Dorf Alsleben gehörten die Gerichtsbarkeit über Stadt und Dorf Alsleben, über einen Gasthof in Mukrena sowie über einige Häuser in Alsleben an.[4] Mit dem Frieden von Tilsit wurden Stadt und Dorf Alsleben im Jahr 1807 dem Königreich Westphalen angegliedert und dem Distrikt Halle im Departement der Saale zugeordnet. Die Orte kamen zum Kanton Alsleben.[5] Nach der Niederlage Napoleons und dem Ende des Königreichs Westphalen befreiten die verbündeten Gegner Napoleons Anfang Oktober 1813 den Saalkreis.

Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurden Stadt und Dorf Alsleben im Jahr 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Mansfelder Seekreis zugeordnet.[6] 1822 lebten in Alsleben 1474 Einwohner in 218 Häusern, im Dorf Alsleben 970 Einwohner in 146 Häusern. 1893/95 wurden das Dorf Alt-Alsleben am Schlackenbach, der Schlossbezirk und die nördlich davon entwickelte Stadt zur Stadt Alsleben zusammengeführt.[7]

Am 1. Juli 1950 erfolgte die Umgliederung vom Mansfelder Seekreis in den Landkreis Bernburg, der 1952 als Kreis Bernburg zum Bezirk Halle kam.[8] Mit dem 1990 in Landkreis Bernburg umbenannten Kreis kam Alsleben im Jahr 2007 zum Salzlandkreis. Bis 31. Dezember 2004 gehörte Alsleben zur Verwaltungsgemeinschaft Alsleben, danach zur Verwaltungsgemeinschaft Saale-Wipper mit Verwaltungssitz in Güsten. Seit 1993 ist Gnölbzig Ortsteil von Alsleben. Die Verwaltungsgemeinschaft, wurde wiederum durch die Neue Gebietsreform in Sachsen-Anhalt, durch die Verbandsgemeinde Saale-Wipper abgelöst. Die Gründung war am 1. Januar 2010, der Hauptsitz ist weiter in Güsten.

Von 1992 bis 2003 wurden im Stadtgebiet umfangreiche städtebauliche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die im Auftrage der Stadt von der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft (SALEG) betreut wurden. Außer Instandsetzungsmaßnahmen bei zahlreichen sanierungsbedürftigen Gebäuden wurde dabei insbesondere das frühere Stadtbild wiederhergestellt, wie zum Beispiel durch Rekonstruktion der Fassade des ehemaligen Hotelgebäudes Hotel Deutsches Haus am Markt gegenüber dem Rathaus.[9]

Wappen

Blasonierung: „In Silber drei (2:1) schneckenförmig gewundene rote Aale.“ Die Aale sind nicht das einzige Wappen, das die Stadt Alsleben führte. In den Jahren 1500 bis 1734 ist nachweislich die Führung von drei Roten Rosen (stilisiert) 2:1 im Wappen gewesen.

In den „Mansfelder Blättern“, Jahrgang 1902, Seite 1953, ist ein Vortrag von Hermann Größler enthalten, aus dem u. a. hervorgeht, dass die älteste bekannte Darstellung auf einem Siegelstempel vom Jahre 1734 zu finden sei. „Dieser zeigt auf einem mehrfach ausgeschweiften barocken Schilde drei ringförmig gewundene, zwei über einen gestellte Aale und zwar, wie sich aus andersweitigen Darstellungen ergibt, von schwarzer Farbe auf rotem Felde.“

Weiter wird in diesem Vortrag erklärt, dass die Aale nicht echt, sondern das Erzeugnis eines Missverständnisses und eigentlich rote Rosen seien, welche dem Wappen der Herren von Alsleben, die nach Ausweis von Brakteaten drei rote Rosen in weißem Felde als Wappen führten.

Einer anderen Quelle kann entnommen werden, dass das Wappen der Stadt von einem Grafen Heinrich herrührt, der 1126 starb. Sein Siegel war ein quergestelltes Schild. Im oberen roten Felde ist ein aufsteigender Löwe, im unteren weißen Felde drei heraldische Rosen. Das Geschlecht der Grafen von Alsleben-Stade, das noch in der Altmark ansässig war, führte dasselbe Wappen.[10]

Flagge

Die Flagge der Stadt Alsleben (Saale) zeigt die Farben Rot-Weiß mit dem Wappen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahrhunderten stand die Wirtschaft in Alsleben auf mehreren Säulen: Schifffahrt mit zugehörigem Schleusenbetrieb und mehreren Schiffswerften sowie Landwirtschaft mit industrieller Produktverarbeitung durch Saalemühle und Zuckerfabrik.

Die gegenwärtige Wirtschaft ist in Alsleben durch eine Mischung von Klein- und Mittelunternehmen (KMU) gekennzeichnet. Die Stadt entwickelt weiterhin den Tourismus als Wirtschaftsfaktor, indem sie ihre Historie, ihre Lage sowie ihre Verkehrsanbindung einbringt.

Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alsleben besitzt seit dem 16. Jahrhundert eine Saaleschleuse, sodass der Schiffsverkehr nach Süden bis Halle (Saale) und nach Norden bis Hamburg durchgängig möglich wurde. Der Getreidetransport spielte hierbei neben anderen Gütern eine große Rolle, zumal in Alsleben eine Getreidemühle mit Wasserantrieb vorhanden war. Im 19. Jahrhundert hatte sich Alsleben zur größten Schifferstadt an der Saale entwickelt, zu ihren Glanzzeiten nannte man daher die Stadt auch „Klein-Hamburg“. Es entstanden spezialisierte Handwerksbetriebe in Verbindung mit den zugehörigen Schiffswerften an beiden Ufern der Saale.

Als einzige Saale-Werft ist die „Schiffswerft Fischer“ in Mukrena verblieben, gelegen auf der gegenüberliegenden Saaleseite von Alsleben zwischen Saalebrücke und Saaleschleuse. Dieser Familienbetrieb wurde 1997 neu gegründet – ursprünglich hieß er Karl-Grieseler-Werft. Eigentlicher Gründer des Werftbetriebs in Mukrena war aber August Jersch. Von ihm hatte Karl Grieseler zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Werft übernommen. Bis 1956 war die Werft im Privatbesitz, danach wurde sie halbstaatlich und ab 1972 Volkseigener Betrieb (VEB).

Zu den bekanntesten bei der Karl-Grieseler-Werft nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten Schiffen gehören Fahrgastschiffe, die seit den 1970er Jahren in Berlin, auf der Müritz und auf den Schweriner Seen unterwegs sind. Weiterhin wurde insbesondere der „Schiffstyp Mukrena“ gebaut, der zur Klasse der Schub- und Motorschlepper gehört.

Die Unternehmerstochter Anni Grieseler ist jedoch nicht in dieses Unternehmen eingestiegen, sondern hat Pädagogik in Halle (Saale) studiert und seit 1943 auch hier gearbeitet. Nach dem Kriege war sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Mathematiklehrer Ernst Kloß tätig, anfangs im benachbarten Beesenlaublingen und danach langjährig an der Schule in Alsleben.[11]

Nach der Wiedervereinigung 1990 kam die Werft wieder in privaten Besitz. Die Tochter Anni Kloß zusammen mit Grunewald übernahmen die Schiffswerft, wobei Kloß in die Anteile ihres Vaters eintrat. Aber die schlechte Auftragslage und viele Außenstände trieben die Firma im Dezember 1996 in die Insolvenz. Bis auf die Slipanlage wurden sämtliche Maschinen an eine niederländische Schrottfirma verkauft. Das verbliebene Eigentum ging teilweise an Bernd Fischer über, der am 1. Februar 1997 die Schiffswerft Mukrena übernahm und zunächst mit Schiffsreparaturen einen Neuanfang machte. Auf rund 3000 m² Werksgelände befinden sich die Schiffbauhalle, das Schlossereigebäude und die Slipanlage. Zur Verladung von Sportbooten werden firmeneigene Autokrane benutzt. Inzwischen erfolgen hier in der "Schiffswerft Fischer" neben Reparaturen und Serviceleistungen auch wieder spezielle Schiffsneubauten.

Die Lastschifffahrt ist inzwischen auf der gesamten Saale zum Erliegen gekommen, lediglich verkehren Fahrgastschiffe und Sportboote.

1823 wurde in Alsleben die "Schiffersocietät" als der älteste Schifferverein in Sachsen-Anhalt durch Johann Carl Friedrich Trimpler gegründet, der bis zu seinem Tode 1860 dessen Direktor blieb. Mitglieder waren die Schiffseigner, die 1829 auch die „Schifferhilfskasse“ für erkrankte Schiffer gründeten; diese Kasse zahlte erstmals ein Krankengeld an die versicherten Schiffer.

1890 war die Gründung des Schiffervereins „Undine“, der bis heute besteht und im Jahre 2000 in „Vereinigte Schiffervereine Alsleben und Umgebung UNDINE e. V.“ umbenannt wurde und alle sechs Schiffervereine von Alsleben und Umgebung vereint, somit der größte Schifferverein in Sachsen-Anhalt ist.[12]

Alte Saalemühle in Alsleben – Gebäudeteil nach der Sanierung von Dach und Fassade

Saalemühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein wichtiger Industriebetrieb ist die Mühle, die im Umland angebautes Getreide verarbeitet. Die Tradition der Mühlen in Alsleben reicht bis ins Mittelalter zurück. Ab 1212 befand sie sich im Besitz des Klosters "Zum neuen Werk" in Halle (Saale). 1479 wurde sie durch die Herren von Krosigk als Inhaber der Grafschaft Alsleben übernommen. Sie ersetzten die Alte Mühle 1724 durch einen Neubau.

Ab 1875 ließen die neuen Eigentümer Eichel und Meyhoff den Produktionsstandort modernisieren und erweitern. 1911 wurde die Mühle in die "Stadtmühle Alsleben GmbH" überführt, die damals einen Ausstoß von 180 Tonnen Mehl täglich erreichte. Diese Mühle gehörte zu den größten in Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Überführung in den Volkseigenen Betrieb „VEB Saalemühlen“. Nach der Wiedervereinigung wurde die traditionsreiche Mühle 1992 durch die Familien Bindewald und Gutting übernommen. 1994 erfolgte die Verlagerung in neu errichtete Produktionsgebäude im Norden von Alsleben hinter dem ehemaligen Bahnhof. Dieser Standort wurde schrittweise erweitert, sodass hier eine moderne, weitgehend automatisierte Großmühle entstanden ist. Die früheren Schwestermühlen des Saalemühlenverbundes in Bernburg und Calbe (Saale) wurden stillgelegt.

Die großen Produktionsgebäude der alten Saalemühle in der Innenstadt sind weiterhin erhalten und wurden durch den neuen Mühlenbesitzer an Dächern und Außenfassade aufwendig saniert und für eine potenzielle Nachnutzung vorbereitet. Die vorhandene Stromerzeugung über Wasserturbinen wird weiterbetrieben und für die neue Mühle mitgenutzt, obwohl sie nur einen Bruchteil des dortigen Strombedarfs deckt.

Mit über 100 Mitarbeitern, davon mehr als 40 Kraftfahrer, verarbeitet die „Saalemühle Alsleben GmbH“ etwa 1.300 Tonnen Weizen bzw. Hartweizen (Durum) pro Tag. Insgesamt können ca. 200.000 Tonnen Getreide in eigenen Silos gelagert werden. 2015 kam eine völlig neue Dinkelverarbeitung mit separaten Rohstoffsilos hinzu. Die Mühle verarbeitet das Getreide von rund 300 landwirtschaftlichen Großbetrieben, das mit Lkw-Kesselwagen angefahren wird.

Für die Kunden aus der Lebensmittelindustrie wird nach mehr als 100 Rezepturen produziert: Weich- und Hartweizenprodukte, veredelte Mehle für Suppen, Saucen, Panaden oder als Stärkeersatz sowie getrocknete Mehle für Backmittel und Fertigteigmischungen. Die Produkte werden mit Spezial-Lkw an die Großverbraucher geliefert.[13]

Als mittelständisches Unternehmen ist die Saalemühle der größte Arbeitgeber in Alsleben, und als umsatzstärkstes Unternehmen tritt sie auch vielfältig als Sponsor auf und ist hierbei der bedeutendste private Förderer von gemeinnützigen Einrichtungen und Aktivitäten in der Stadt wie Schule und Freibad.

Zuckerfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1850 wurde die Zuckerfabrik Alsleben gegründet, nahezu zeitgleich mit 6 weiteren Fabriken in der näheren Umgebung. Sie verarbeitete die Zuckerrüben aus allen landwirtschaftlichen Einrichtungen des Umlandes, die per Pferdefuhrwerk, Lkw, Bahn und Lastschiff angeliefert wurden. Der Arbeitsablauf konzentrierte sich – wie in dieser Branche üblich – auf eine Kampagne im Herbst. Die Fabrik erreichte 1911 eine Verarbeitungsleistung von 500 Tonnen Zuckerrüben pro Tag, im Jahre 1986 waren es 824 Tonnen pro Tag.[14]

Nach der Wiedervereinigung wurde diese veraltete Fabrik im Jahre 1992 stillgelegt. Sie wurde durch eine Neugründung mit Neubau moderner Produktionsanlagen in der benachbarten Stadt Könnern ersetzt. Die alten Produktionsgebäude einschließlich des Gleisanschlusses wurden vollständig abgerissen.

Kleinunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alsleben verfügt bereits aus seiner Geschichte als Schifferstadt heraus über eine Vielzahl von Handwerksbetrieben und anderen Kleinunternehmen. Diese wurden nach der Wiedervereinigung reprivatisiert und belebt, sodass hieraus einerseits Unternehmen mit längerer Familientradition entstanden sind. Als Beispiele hierfür sind anzusehen: Flaschengas-Müller GmbH, ggr. 1927, in 3. Generation; Fa. Kloppmann als Fachbetrieb für Heizung, Lüftung, Santär; Bernd Hülße, Brot- und Feinbäckerei seit 1924; Fleischereifachgeschäft Kipper seit etwa 1965; Café - Restaurant „Goldener Ring“, älteste Schankwirtschaft am Ort seit 1658.

Andererseits wurden diverse Neuansiedlungen und Neugründungen von Unternehmen vorgenommen, für die als Beispiele anzusehen sind: Fränkel Unternehmensgruppe, Hoch – Tief – Bau Gräfenhainichen GmbH, Sitz Alsleben (Ausbau, Dachbau); J. & C. Jörg Müller Baudienstleistungen; Haus- und Bau-Service Alsleben GmbH; Allianz - Versicherungen Thomas Pröschel; Fahrradhaus Speer; Hubert Transport GmbH; Sven Ressel, Kfz – Handel und Reparatur; Hauser-Mattner GbR, Druckluft- & Mühlentechnik; Tischlerei Joachim Prediger; Hinsdorf-Montagen; Blumen Saaletal - Gärtnerei mit Filialen in Aschersleben, Bernburg, Eisleben, Quedlinburg, Staßfurt; Naugk’s Wäscheexpress; Pflegedienst Staude; Bauer’s Radscheune – Gastraum und Biergarten am Saaleradwanderweg.

Verkehrsinfrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Wirtschaftsunternehmungen entwickelte sich auch die Verkehrs-Infrastruktur auf Straße, Schiene und Wasserstraße.

1908 erhielt die Stadt durch eine Anschluss-Bahn von Bebitz über Beesenlaublingen bis Alsleben ihren Anschluss an das Eisenbahnnetz. Hierzu musste neben einem Bahnhof Alsleben eigens eine Eisenbahnbrücke über die Saale errichtet werden, die als Stahlfachwerk-Konstruktion entstanden ist. Die Zuckerfabrik und die Mühle wurden mit Werksanschlüssen versehen, wobei letzterer 1934 zugleich als zusätzlicher, zentrumsnaher Haltepunkt für den Personenverkehr eingerichtet wurde.[15]

Somit war die Stadt von 1908 bis 1966 (Personenverkehr) bzw. bis 1994 (Güterverkehr) Endpunkt der Eisenbahnstrecke Bebitz – Alsleben, die einen Anschluss an die Strecke von Halle (Saale) über Könnern, Bernburg, Güsten oder Calbe (Saale) nach Magdeburg ermöglichte. Inzwischen erfolgte die Betriebsstilllegung dieser Anschluss-Strecke per Jahresende 1994, und der anschließende Rückbau wurde durchgeführt. Die Eisenbahnbrücke über die Saale blieb als technische Erinnerung erhalten.

Für den Straßenverkehr über die Reichsstraße 6 wurde im Jahr 1928 die Saalebrücke errichtet. Das Bauwerk quert den Fluss mit einer 68 Meter weitspannenden Stahlbeton-Bogenbrücke sowie einigen kleineren Bögen und wurde von Franz Dischinger entworfen. Dabei kam erstmals ein vorgespanntes Zugband (Spannbeton) zur Anwendung. Die Bauzeit dauerte weniger als 9 Monate von März bis Dezember 1928, die Baukosten betrugen 692.000 Reichsmark. In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1945 wurde der kleinere Bogen von der Wehrmacht gesprengt, wobei die Trümmer in die Saale stürzten. Am 21. Oktober 1945 wurde sie bereits nach einem halben Jahr wieder dem Verkehr übergeben. Eine grundlegende Instandsetzung erfolgte von 1997 bis 2000.[16]

In den 1950er Jahren wurde ein Straßendurchbruch in Verlängerung der Saalebrücke durch die Wohnbebauung und den ehemaligen Schlossbereich von Alsleben vorgenommen, dessen Bauten damals bereits an Neubauern aufgeteilt waren. Am Ortsausgang wurde die Straßenführung mit einer neuen Umgehungsstraße für die B6 in Richtung Aschersleben fortgeführt. Damit wurden die problematischen Stadtdurchfahrten infolge der Einengungen in der Fischerstraße und der Mühlenstraße umgangen.

Autobahn-Saalebrücke A14 bei Alsleben (Saale), Blick vom Fahrgastschiff "Saalefee" zur neuen Saalemühle Alsleben im Hintergrund

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Autobahn A14 von Halle (Saale) nach Magdeburg verlängert mit einer für Alsleben nördlich gelegenen Anschlussstelle Plötzkau unmittelbar an der Saalequerung durch eine Autobahnbrücke, die im November 2000 nach 3 Jahren Bauzeit durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder dem Verkehr übergeben wurde. Einen südlichen Autobahnzugang bildet die benachbarte Anschlussstelle Könnern.

Die Bundesautobahn 14, die aus dem Raum Dresden über Leipzig (Kreuzung mit A9 Berlin-München) und Halle (Saale) zunächst nach Magdeburg an die A2 Berlin-Hannover führt, liegt im Osten und Norden von Alsleben. Die A 14 existiert in der Verlängerung bereits zwischen Schwerin und Wismar, und die noch fehlenden Zwischenstücke befinden sich im Bau.

Alsleben hat mit der A14 eine multilaterale Einbindung in das Netz der Bundesautobahnen und Bundesstraßen erlangt. Am benachbarten Autobahnkreuz Bernburg (Saale) wird eine große Bundesstraße erreicht, die autobahnähnlich in Richtung Westen über den Nordharz nach Braunschweig, Hannover, Bremen führt sowie in Richtung Osten augenblicklich bis nach Köthen (Anhalt) reicht und sich als Anschluss an die A9 Berlin-München mit dem neuen Autobahnkreuz Wolfen in Bau befindet.

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aussichtsturm auf dem "Kringel" zu Alsleben (Saale)
Stadtbild Alsleben vom Aussichtsturm: Rathaus, Kirchen, Schule und Ärztehaus (li.), beide Mühlen, Saalebrücke, Werft und Schleuse

Zusätzlich zum Sportplatz wurde auch ein Freibad neu errichtet und 1954 eröffnet. Das extreme Hochwasser der Saale vom Juni 2013 hat das Bad schwer beschädigt, sodass es geschlossen werden musste. Es entstand Sachschaden von rund 130.000 Euro. Die Wiedereröffnung war zunächst für 2014 geplant. Die Eröffnung konnte jedoch erst am 21. Mai 2016 erfolgen, nachdem die Saalemühle Alsleben GmbH als Sponsor eingesprungen war.

Entlang an Sportplatz und Freibad führt der nach der Wiedervereinigung neu erschaffene Saaleradwanderweg, vorbei an „Bauer’s Radscheune – Gastraum und Biergarten am Saaleradwanderweg“.

Nach Süden erstreckt sich als Erhebung längs der Saale der bewaldete "Kringel" mit seinen Spazier- und Wanderwegen, auf dessen höchstem Punkt sich ein restaurierter, besteigbarer Aussichtsturm mit äußerem Umlauf befindet ("Wasserturm"). Dieser ermöglicht einen weiten Rundumblick: nach Süden in Richtung Halle (Saale) bis zum Petersberg, nach Norden ist Bernburg mit seinen charakteristischen Türmen unmittelbar zu sehen, in westlicher Richtung liegt der Unterharz als Mittelgebirge, an dessen Horizont bei guter Sicht auch der Brocken erkennbar ist.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partnergemeinde der Stadt Alsleben ist Rhauderfehn im südlichen Ostfriesland.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Haberland, Ortschronistin

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Alsleben gelebt haben oder leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Carl Friedrich Trimpler (1795-1860), stammt aus Brucke/Saale, langjähriger Schifffahrtsdirektor in Alsleben, Gründer und Leiter einer der bedeutendsten Schiffer-Sozietäten in Mitteldeutschland, geehrt mit der "Karl-Trimpler-Straße" (hinter der Dorfkirche)
  • Johann Friedrich Ahlfeld (1810–1884), lutherischer Theologe und beliebter volkstümlicher Prediger und Autor, Pfarrer in Alsleben
  • Theodor Siebert (1866–1961), Trainer für Kraftsport, gründete 1896 in Alsleben eine Körperschule, die er bis 1913 leitete; hier wurde er 1906 vom Korvettenkapitän Felix Graf von Luckner konsultiert[17]
  • Dieter Orthmann (1941–2013), lebte von 1945 bis 1965 in Alsleben, danach Sportlehrer als Absolvent der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) Leipzig, erfolgreicher Leichtathletiktrainer beim Löwenberger Sportverein e. V. (SV), Träger der Ehrennadel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Silber (u. a. Ultramehrkampf-Europameisterin und Weltmeisterin Julia Schattschneider)[18]; sein Vater war der Studienrat Heinz Orthmann, nach dem Zweiten Weltkrieg und Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft als Lehrer an der Grundschule Alsleben
  • Werner Kriesel (* 1941), Ingenieur, Professor für Automatisierungstechnik in Leipzig und Merseburg, Pionier der Industriellen Kommunikationstechnik

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Haberland: Chronik der Stadt Alsleben a. d. Saale. Hrsg. von der Stadt Alsleben, 2. Aufl., Alsleben 1998

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alsleben (Saale) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2015 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Die Mediatstadt Alsleben im Buch "Geographie für alle Stände", S. 122
  3. Alsleben im Sachsen-Anhalt-Wiki
  4. Das Amt Alsleben im Buch "Geographie für alle Stände", S. 129
  5. Beschreibung des Saale-Departements
  6. Der Mansfelder Seekreis im Gemeindeverzeichnis 1900
  7. Alsleben im Sachsen-Anhalt-Wiki
  8. Alsleben auf gov.genealogy.net
  9. Vgl. Stadt Alsleben (Hrsg.): Stadt Alsleben. 1030jähriges Stadtjubiläum (973–2003). 11 Jahre Städtebauliche Sanierung im ländlichen Bereich (1992–2003). Faltblatt, Stadt Alsleben, März 2003; PDF-Dokument, abgerufen am 9. April 2011.
  10. Auszug aus einem Schriftwechsel mit dem Rat des Kreises Bernburg vom 19. Januar 1983.
  11. Anni Kloß: Das arme Dorfschulmeisterlein. In: Civitas Alslebiensis Alsleben/Saale e. V. – Heimatverein Alsleben an der Saale, Jahrgang 2007, Heft 18, S. 25–31.
  12. Vereinsleben des Schifferverein
  13. Webseite der Saalemühle Alsleben
  14. Anni Kloß und Gerhard Ziegelgänsberger: Oh, süße Sünde … Zucker! In: Civitas Alslebiensis Alsleben/Saale e. V. – Heimatverein Alsleben an der Saale, Jahrgang 2008, Heft 19, S. 25–29.
  15. Anni Kloß und Gerhard Ziegelgänsberger: Fahrschüler – damals. In: Civitas Alslebiensis Alsleben/Saale e. V. – Heimatverein Alsleben an der Saale, Jahrgang 2007, Heft 18, S. 15–22.
  16. Friedrich Standfuß: Die Saale-Brücke in Alsleben - Dokumentation der Baugeschichte. Tagungsband 10. Dresdner Brückenbausymposium 1998, S. 39–63.
  17. Brigitte Haberland: Graf Luckner in Alsleben. In: Civitas Alslebiensis Alsleben/Saale e. V. – Heimatverein Alsleben an der Saale, Jahrgang 2007, Heft 18, S. 69–70.
  18. Mitteilungen des Löwenberger Sportvereins: Nachruf für Dieter Orthmann. Amtsblatt für die Gemeinde Löwenberger Land, 23. Jahrgang, Nummer 5, 22. Mai 2013, S. 9.