Auerbach (Erzgebirge)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Auerbach
Auerbach (Erzgebirge)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Auerbach hervorgehoben
50.68694444444412.913611111111534Koordinaten: 50° 41′ N, 12° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Burkhardtsdorf
Höhe: 534 m ü. NHN
Fläche: 8,26 km²
Einwohner: 2620 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 317 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09392
Vorwahl: 03721
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 040
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 83
09392 Auerbach
Webpräsenz: www.auerbach-erzgebirge.de
Bürgermeister: Horst Kretzschmann (parteilos)
Lage der Gemeinde Auerbach im Erzgebirgskreis
Sachsen Amtsberg Annaberg-Buchholz Aue Auerbach (Erzgebirge) Bad Schlema Bärenstein (Erzgebirge) Lauter-Bernsbach Bockau Börnichen/Erzgeb. Breitenbrunn/Erzgeb. Burkhardtsdorf Crottendorf Deutschneudorf Drebach Ehrenfriedersdorf Eibenstock Elterlein Lugau/Erzgeb. Gelenau/Erzgeb. Geyer Gornau/Erzgeb. Gornsdorf Großolbersdorf Großrückerswalde Grünhain-Beierfeld Grünhainichen Heidersdorf Hohndorf Zwönitz Jahnsdorf/Erzgeb. Johanngeorgenstadt Jöhstadt Königswalde Lauter-Bernsbach Lößnitz (Erzgebirge) Lugau/Erzgeb. Marienberg Mildenau Neukirchen/Erzgeb. Niederdorf (Sachsen) Niederwürschnitz Oberwiesenthal Oelsnitz/Erzgeb. Olbernhau Pfaffroda Pockau-Lengefeld Raschau-Markersbach Scheibenberg Schlettau Schneeberg (Erzgebirge) Schönheide Schwarzenberg/Erzgeb. Sehmatal Seiffen/Erzgeb. Stollberg/Erzgeb. Stützengrün Tannenberg Thalheim/Erzgeb. Thermalbad Wiesenbad Thum Wolkenstein (Erzgebirge) Zschopau Zschorlau ZwönitzKarte
Über dieses Bild
Ortseingang von Auerbach aus Richtung Jahnsbach
Pfarrkirche von Auerbach

Auerbach ist eine Gemeinde im Erzgebirgskreis in Sachsen (Deutschland). Sie ist seit dem 21. März 2008 Teil der Verwaltungsgemeinschaft Burkhardtsdorf.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Erzgebirge, ca. 20 km südlich von Chemnitz. Sie grenzt im Nordwesten an die Gemeinde Gornsdorf (unterer Ortsteil auf 471,6 m ü. NN) und im Südosten an das Gebiet der Stadt Thum (oberer Ortsteil auf 642,6 m ü. NN).

Auerbach war eines der Zentren der Strumpfindustrie im 20. Jahrhundert, deren Anfänge bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück reichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals wurde der Ort im Jahr 1447 im Kurfürstlich Sächsischen Kanzleiregister genannt. Darin wird Auerbach als Amtsdorf von Stollberg, unter dem Namen Vrbach, bezeichnet. Laut Blaschke erfolgte die erste urkundliche Erwähnung bereits 1446 als Vwerbach. Auerbach entstand im Zuge der Ostkolonisation im 12. und 13. Jahrhundert. Der Ort liegt im Gebiet des ehemals das gesamte Erzgebirge bedeckenden Urwaldes. Die noch heute erkennbare Form des Waldhufendorfes zeigt, dass es zu dieser Zeit ein fest vorgegebenes Schema der Fluraufteilung gab.

Das Auenland links und rechts des Dorfbaches blieb aber von der Hufenaufteilung ausgeschlossen. Der sogenannte Dorfanger diente als gemeinschaftliches Weideland für Kleinvieh.

Erst allmählich wurde der Dorfanger von der Gemeinde an Häusler verpachtet bzw. verkauft. Viehwege bzw. Viehtrifte, auf denen das Großvieh von Gemeindehirten in die gemeindeeigenen Waldhuten oder Waldweiden getrieben wurden, wurden später verkauft oder verpachtet, oftmals dienten sie auch als öffentliche Straßen des 19. Jahrhunderts.

Auerbach war schon um das Jahr 1500 kein reines Bauerndorf. Für das Jahr 1552 sind 29 Besitzer von Höfen und eine ungewöhnlich hohe Anzahl von 54 Einwohnern angegeben. Die 54 stellt aber nicht die Einwohnerzahl, sondern die Zahl der gewerblich selbständigen Personen ohne Grundbesitz dar. Dies können zum Beispiel Bergleute, Köhler, Waldarbeiter, Harzer oder Sägemüller sein. Daraufhin ist eine Gesamteinwohnerzahl von mehreren hundert Personen denkbar. Für das Jahr 1605 wird eine Einwohnerzahl von 300 angegeben.

Kirchlich war Auerbach über Jahrhunderte eine Filialkirche von Hormersdorf. Ein eigenes Gotteshaus soll es im Dorf bereits 1500 gegeben haben. Dieses wurde 1643 durch schwedische Truppen geplündert. Am 4. Juni 1747 wurde die erneuerte Kirche eingeweiht.

Wie viele andere Erzgebirgsorte auch blieb Auerbach nicht vor Seuchen und Krankheiten verschont. 1582, 1598 und 1625 grassierte die Pest im Dorf. 1711 brachen die Blattern aus, ihm Jahr darauf die Ruhr. Nach der großen Hungersnot 1772 wurde Auerbach 1700 vom Ausbruch des Scharlachfiebers und ein Jahr später von einer Masernepidemie heimgesucht. Eine letzte große Hungersnot war 1862 zu verzeichnen.

Nachdem 1843 die „Firma Gotthilf Kurth“ gegründet worden war, wurde Auerbach am 27. Dezember 1910 an das Stromnetz angeschlossen. Im Jahr darauf wurde die Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf fertiggestellt. Am 9. September 1925 erfolgte der Anschluss an das Gasnetz, im selben Jahr wurde die erste zentrale Wasserleitung in Betrieb genommen.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus im Jahre 1933 wurde das Jugendheim in der Hauptstraße (zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Straße) als Haft- und Folterort der SA an den politischen Gegnern und anderen unliebsamen Personen genutzt.

Die Gemeinde war bis zu deren Auflösung Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Auerbach.

Geschichte der Strumpfindustrie des Ortes[Bearbeiten]

In Auerbach wurde um 1759 mit der Herstellung von Strumpfwaren auf hölzernen Handkulierstühlen begonnen. Die Produktion erfolgte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Häusern und Stuben der Strumpfwirker. 1799 wurde im Ort durch den am 30. April 1779 geborenen Christian Gottlieb Kurth die Strumpfindustrie eingeführt. Er gründete 1834 die erste Strumpffirma in Auerbach. Bis 1900 entstanden sieben Strumpfbetriebe mit Fabrikgebäuden, häufig unter Beibehaltung der Hausproduktion.

Die sieben Betriebe:

  • Firma Gotthilf Kurth, gegründet 1834
  • Firma C. Louis Keller, gegründet 1867
  • Firma F. W. Wieland, gegründet 1876
  • Firma F. Theodor Häcker, gegründet 1881
  • Firma F. A. Uhlmann, gegründet 1882
  • Firma Louis Sehm/R. Uhlig, gegründet 1887
  • Firma A. Robert Wieland, gegründet 1892

Religion[Bearbeiten]

37,5 % der Einwohner sind Lutheraner, nur 0,5 % Katholiken.[2]

Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Auerbach mit der denkmalgeschützten Dorfkirche gehört zum Kirchenbezirk Annaberg der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.[3]

Die Katholiken gehören zur Pfarrei St. Peter und Paul in Zwönitz, die eine Filialkirche in Thalheim unterhält. Die Gemeinde gehört zum Dekanat Zwickau des Bistums Dresden-Meißen.[4]

Darüber hinaus existiert die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Auerbach mit etwa 30 Mitgliedern, die der Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland angehört.[5]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[6]
Wahlbeteiligung: 67,4 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
15,7 %
7,1 %
6,5 %
2,5 %
68,2 %
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Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Bund Freier Wähler (BFW): 2 Sitze
  • LINKE: 1 Sitz
  • CDU: 1 Sitz
  • Bürgervereinigung Auerbach (BVA): 12 Sitze

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Ortstypisches Brauchtum[Bearbeiten]

Früher gab es zu den einglasigen Fenstern noch einen zweiten Satz, die in der kalten Jahreszeit zusätzlich angebracht wurden, die Doppelfenster. Gegen Zugluft stopfte man den Zwischenraum teilweise mit Moos aus. In der Weihnachtszeit wurde das dann mit kleinen Figuren und Kerzen geschmückt. Siehe auch Bethenmoos.

Hellmuth Vogel, ein junger Lehrer (gebürtig in Limburg) der 1911 nach Auerbach kam, entdeckte ein solches Fensterbrett mit Moos und "Männeln" und erfuhr auch, das es früher viel mehr davon gab. Lehrer Vogel begann nun mit seinen Schülern "Fensterbrattln" zu basteln, und Mitte der 30 Jahre soll es um die 1000 derart erleuchtete Fenster gegeben haben. Auerbach wurde als "Fensterbrattln-Dorf" in der Presse bekannt gemacht.[7]

Später wurden elektrische Schwibbögen modern, die Doppelfenster wurden weniger und die Fensterbrattln auch.

Im Jahre 2002 begann man mit der Wiederbelebung dieser seltenen Tradition, auf Basis der von Hellmuth Vogels Tochter aufbewahrten Originalvorlagen. So entstand neben vielen häuslichen Dekorationen das "Auerbacher Riesen-Fansterbrattl", das im Jahr 2003 erstmals aufgestellt wurde.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Zensus 2011
  3. Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde
  4. Pfarrei Zwönitz
  5. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde
  6. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  7. Geschichte des Fansterbrattls in der offiziellen Website Auerbachs Zugriff 26. Dezember 2014.
  8. Robin Hermann: ORTSPYRAMIDEN Geschichte - Modelle - Fakten. Band 1, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-940860-03-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Auerbach (Erzgebirge) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien