Bertram Meier

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Bertram Meier (2017)

Bertram Johannes Meier (* 20. Juli 1960 in Buchloe) ist ein deutscher römisch-katholischer Theologe und seit 6. Juni 2020 Bischof von Augsburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertram Meier wuchs mit seiner jüngeren Schwester in einem konfessionsverbindenden Elternhaus in Kaufering auf. Sein Vater Hans, ein engagierter evangelischer Christ, war zweiter Bürgermeister des Ortes. Seine Mutter Erna ist katholisch.[1] Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Theologie an der Universität Augsburg (1978–1980) und der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom (1980–1985). Als Alumnus des Päpstlichen Kollegs Germanicum et Hungaricum empfing er am 10. Oktober 1985 in Rom durch Kardinal Franz König die Priesterweihe. 1988 wurde er Mitglied der KAV Capitolina Rom im CV. 1989 wurde er mit einer Dissertation über das Kirchenverständnis des Pastoraltheologen und Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer an der Gregoriana promoviert. Meier wurde nach seiner Tätigkeit als Kaplan in Neu-Ulm für die Ausbildung an der Päpstlichen Kirchlichen Akademie (Pontificia Accademia Ecclesiastica) und für den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhles in Rom freigestellt. Danach schloss sich eine Kaplanszeit in Neuburg an der Donau an. Später wurde er Stadtpfarrer, Dekan und Regionaldekan in Neu-Ulm.

1996 trat Meier in den Dienst des Heiligen Stuhls ein und war bis 2001 Leiter der deutschsprachigen Abteilung im vatikanischen Staatssekretariat. Währenddessen war er Vizerektor am Campo Santo Teutonico und Dozent für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Gregoriana. 2000 wurde er zum Domkapitular in Augsburg gewählt und leitete nach seiner Rückkehr nach Deutschland von 2002 bis 2014 im Bistum Augsburg die Referate für Weltkirche, Ökumene, Orden und Berufe der Kirche. Von 2007 bis 2014 war er Geistlicher Beauftragter der Freisinger Bischofskonferenz für das Landeskomitee der Katholiken in Bayern. Von 2007 bis 2020 wirkte er als Domprediger an der Kathedrale zu Augsburg. Am 9. Juli 2012 wählte ihn das Domkapitel zum Domdekan.

Von 2002 bis 2011 war Bertram Meier Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Augsburg. Ab 2005 vertrat er die sieben bayerischen katholischen Bistümer im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bayern, ab 2013 war er ihr erster Vorsitzender und wurde 2017 in dem Amt bestätigt. Seit 2012 war er Mitglied der von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) bestellten Delegation für die ACK Deutschland.[2]

2011 wurde er zum Vorsitzenden der Konferenz der Ordensreferenten in Deutschland gewählt. Zudem wurde er zum Mitglied der von der Deutschen Bischofskonferenz gegründeten „Konferenz Weltkirche“ bestellt. Als Beauftragter für weltkirchliche Aufgaben auf Diözesanebene vertrat er fünf Jahre die bayerischen Bistümer.[3]

Bertram Meier wurde 2011 von der Deutschen Bischofskonferenz für eine Amtszeit von fünf Jahren zum Berater der Unterkommission für Missionsfragen gewählt. Ebenfalls 2011 übertrug ihm Bischof Konrad Zdarsa die Leitung der Hauptabteilung III – Kirchliches Leben im Bischöflichen Ordinariat. 2014 wurde ihm die Leitung der Hauptabteilung II – Bischöfliches Seelsorgeamt sowie die Direktion des Tagungshotels St. Ulrich übertragen. Zudem ernannte ihn Bischof Konrad Zdarsa zum Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog. Ab April 2018 war er außerdem Bischöflicher Beauftragter für den Diözesanrat und für weltkirchliche Aufgaben sowie (im Bistum Augsburg) Direktor für die Päpstlichen Missionswerke.

Bischof von Augsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Emeritierung von Bischof Konrad Zdarsa wählte das Augsburger Domkapitel Bertram Meier für die Zeit der Sedisvakanz am 8. Juli 2019 zum Diözesanadministrator.[4] Am 29. Januar 2020 ernannte Papst Franziskus Bertram Meier zum neuen Bischof von Augsburg.[1] Er wurde damit zum 62. Nachfolger des hl. Ulrich. Die Besitzergreifung der Kathedra im Augsburger Dom und die Bischofsweihe waren für den 21. März 2020 im Augsburger Dom geplant,[5] wurden jedoch wegen der COVID-19-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben. Meier leitete das Bistum daraufhin weiter als Diözesanadministrator,[6] bis er am 25. März 2020 durch Papst Franziskus zum Apostolischen Administrator sede vacante et ad nutum Sanctae Sedis ernannt wurde. Dadurch erhielt er alle Rechte, die einem Diözesanbischof zustehen und die keine Bischofsweihe erfordern.[7]

Am 6. Juni 2020 empfing er die Bischofsweihe durch den Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Mitkonsekratoren waren der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sowie Erzbischof Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland. Der Weihegottesdienst fand im Dom zu Augsburg statt (wegen der Pandemie unter erhöhten Hygiene-Auflagen). Zu seinem Generalvikar ernannte er zunächst Harald Heinrich, der bereits Generalvikar seines Vorgängers war. Am 31. März 2021 gab er bekannt, dass Domdekan Wolfgang Hacker ab Juli die Nachfolge Heinrichs antreten würde. Zudem schuf er das Amt des Ordinariatskanzlers, der vor allem für die Aktenführung in der Diözese zuständig sein soll.[8] Die Amtsleiterin des Bischofs ist Sr. Anna Schenck CJ.[9]

Über eine Impfung gegen Covid-19, die Meier Anfang 2021 erhalten hatte, entbrannten in der Öffentlichkeit Diskussionen bezüglich der angemessenen Reihenfolge bei den Impfungen. Die Diözese begründete die Impfung mit Verweis auf die Vorgaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums, nach denen regelmäßige Besucher in Einrichtungen mit hochvulnerablen Risikogruppen als vorrangig impfberechtigt zu gelten haben; das Bistum Augsburg wies darauf hin, dass Meier wegen seiner Seelsorgetätigkeit wie Altenpfleger als Personal einzustufen sei.[10][11] Später erklärte das Bistum die Impfung damit, dass kurzfristig überzähliger Impfstoff vorhanden gewesen sei. Am 17. Februar 2021 entschuldigte sich Bischof Meier im Rahmen einer Predigt; er habe einen Fehler begangen und könne verstehen, dass sich Menschen verletzt fühlten, die dringend auf eine Impfung warteten.[12]

Wahlspruch und Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Bischof Bertram Meier

Der Wahlspruch des Bischofs setzt sich aus zwei lateinischen Begriffen zusammen: in Anlehnung an Augustinus von Hippo vox Verbi ‚Stimme des Wortes‘ und an Bernhard von Clairvaux vas gratiae ‚Schale der Gnade‘.[13] Das bischöfliche Wappen ist in die Farben Rot und Silber gespalten, die das Bistum Augsburg bereits seit dem Mittelalter führt. Auf dem Schild findet sich ein aufgeschlagenes Evangeliar mit den griechischen Buchstaben Α (Alpha) und Ω (Omega), ein Hinweis auf die Offenbarung des Johannes (Offb 22,13–21 EU). Aus dem Buch wächst eine Weizenähre, deren dreifacher Kornstand auf die heilige Dreifaltigkeit hindeutet. Die vier Blätter symbolisieren die vier Evangelien. Die Ähre ist an das Wappen des bayerischen Kirchenvaters und Regensburger Bischof Johann Michael Sailer angelehnt. Gestaltet wurde das Wappen von Franz Bernhard Weißhaar.[14]

Überdiözesane Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (2. bis 5. März 2020) berief Bertram Meier in die Ökumenekommission und die Kommission Weltkirche. Am 24. Juni wurde er vom Ständigen Rat der Bischofskonferenz zum Bischöflichen Delegierten für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) bestellt.[15] Am 16. September wählte die ACK-Vollversammlung Bischof Meier zum stellvertretenden Vorstandsmitglied.[16] Im Rahmen der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (22. bis 24. September 2020) wurde er zum Mitglied der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog und als deren Vorsitzender sowie als Mitglied der Unterkommission für Missionsfragen (insbesondere Missio) gewählt.[17] Bertram Meier vertritt die Deutsche Bischofskonferenz beim Runden Tisch der Religionen in Deutschland.[18]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertram Meier gilt als bekennender Unterstützer der Ökumene, was nicht zuletzt an seinem familiären Hintergrund liegt.[19] Er plädiert jedoch dafür, Annäherungen im praktischen Vollzug wie z. B. die eucharistische Gastfreundschaft zuerst theologisch ausreichend zu begründen, wenn sie über Ausnahmen, wie in Amoris laetitia empfohlen, hinausgehen.[20]

Grundsätzlich könne es für Meier „keinen Glauben geben, der von der Tradition der Kirche abgekoppelt ist“. Dies gelte auch für die Öffnung des Weiheamtes für verheiratete Männer und Frauen. Dabei habe er „keine Angst vor Machtverlust“, sondern es ihm daran gelegen, „in Einheit mit der Weltkirche nach vorn zu gehen.“ Er bringe daher bewusst „Laien – Frauen und Männer – in Leitungspositionen, die nicht an die sakramentalen Weihen gebunden sind.“[21] In Anlehnung an das Zweite Vatikanische Konzil (GS 44) seien Laien vor allem dazu gerufen, das „Projekt der Evangelisierung“ auch außerhalb der binnenkirchlichen Bereiche voranzutreiben.[22] Im April 2021 schlug er eine „Beauftragung für den diakonalen Dienst“ für Frauen vor, der ein eigenes Profil haben und vom Ständigen Diakonat der Männer unterschieden sein solle.[23]

Hinsichtlich der Vielfalt gottesdienstlicher Formen spricht sich Meier für eine Rückbesinnung auf entsprechende Beschlüsse der Augsburger Diözesansynode von 1990 aus. Es gebe viele Ausgebildete und Engagierte in den Gemeinden, die in der Lage sind, in kleineren Pfarrkirchen vor Ort sonntags Wort-Gottes-Feiern mit den Gläubigen zu gestalten. Sie könnten sich zum Kommunionempfang mit den Eucharistiefeiern der Pfarreiengemeinschaft verbinden.[22] Den von DBK und ZdK initiierten Synodalen Weg bezeichnete er als „geistliches Experiment“, zumal die Synodalität die eigentliche Lebensform der Kirche sei. Der Weg müsse aber von einer gemeinsamen theologischen und spirituellen Basis ausgehen. Sonst drohe das geistliche Experiment zu scheitern.[24]

Die Kirche im Allgemeinen und das Bistum Augsburg im Besonderen sind für Meier lebendige und vielgestaltige Gemeinschaften, deren Vielfalt und Buntheit es zu erhalten gelte. „Wie eine große Familie, so sind wir ein bunter Haufen. Biotop heißt Vielfalt der Arten und Charaktere. Monokulturen sind langweilig. [...] Bei uns sollen die Menschen – auch die Fernstehenden – erleben, wie unterschiedlich sich Glauben, Hoffen und Lieben artikulieren kann. Im Garten Gottes ist nichts und niemand gering.“[25]

Im Rahmen der Diskussionen um einen Oster-Lockdown kritisierte Meier den Vorstoß der Bundesregierung mit der Ministerpräsidentenkonferenz, Gottesdienste rund um die Heilige Woche 2021 nur virtuell abhalten zu lassen. Kirche sei keine „virtuelle Organisation“, sondern lebendige Gemeinschaft.[26]

Bertram Meier warnte am 19. April 2020 vor zu vielen „Ich-AGs“ in der Kirche, „Menschen, die nur sich sehen, ja die sich mitunter mehr selbst zelebrieren als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn“; für ihn sei die Kirche eine „Suchgemeinschaft“ oder eine „GmbH – apostolischen Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung“, die nicht „selbstsicher die eigenen Interessen und Privilegien“ pflegen oder Nabelschau betreiben dürfe.[27] Mit Papst Franziskus bekennt sich Meier zur bleibenden sozial-caritativen Verpflichtung der Kirche. Es sei ihr von Jesus Christus ins Stammbuch geschrieben, „die Schreie der Ärmsten und Schwächsten zu hören“. Leibsorge und Seelsorge gehörten zusammen.[28]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bertram Meier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Dr. Bertram Meier wird neuer Bischof von Augsburg. In: bistum-augsburg.de. 29. Januar 2020, abgerufen am 29. Januar 2020.
  2. Personalien:Meier im Amt bestätigt. In: die-tagespost.de. 10. Januar 2017, abgerufen am 13. Februar 2017.
  3. Prälat Bertram Meier in nationale Gremien berufen. Bistum Augsburg, 20. April 2011
  4. Domdekan Bertram Meier ist Diözesanadministrator. In: bistum-augsburg.de
  5. Bertram Meier im Porträt: Das ist der neue Bischof von Augsburg. In: katholisch.de, 30. Januar 2020.
  6. Bischofsweihe wird verschoben. In: bistum-augsburg.de. 13. März 2020, abgerufen am 18. März 2020.
  7. Ernennung zum Apostolischen Administrator. In: bistum-augsburg.de. Abgerufen am 27. März 2020.
  8. Bischof benennt Generalvikar und Ordinariatskanzler. Abgerufen am 6. April 2021.
  9. bistum-augsburg.de: Personalentscheidung bei Bischofsweihe, 8. Juni 2020.
  10. Kristin Deibl: "Impfdrängelei": Politiker und Augsburger Bischof bereits gegen Corona geimpft. In: stadtzeitung.de. 16. Februar 2021, abgerufen am 16. Februar 2021.
  11. bistum-augsburg.de: Corona-Impfung. Bischof Bertram bedauert Missverständnisse, abgerufen am 13. Februar 2021.
  12. katholisch.de: Bischof Meier: Annahme der Corona-Impfung war ein Fehler, 17. Februar 2021.
  13. Bertram Meier: Meditationen anlässlich der Weihe von Prälat Dr. Bertram Meier zum Bischof von Augsburg. Hrsg.: Bischöfliches Ordinariat Augsburg. Augsburg 2020 (bistum-augsburg.de [PDF]).
  14. Prälat Bertram Meier stellt Wappen vor. In: bistum-augsburg.de. 6. März 2020, abgerufen am 24. März 2020.
  15. Bischof Bertram für die ACK Deutschland entsandt. Abgerufen am 1. Juli 2020.
  16. ACK wählt Bischof Meier zum stellvertretenden Vorstandsmitglied. Abgerufen am 19. November 2020.
  17. Deutsche Bischofskonferenz: Pressebericht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, anlässlich der Pressekonferenz zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 24. September 2020 in Fulda. S. 15 (dbk.de [PDF]).
  18. Runder Tisch der Religionen - Mitglieder. Abgerufen am 6. April 2021.
  19. Elisabeth Möst: Bertram Meier: Der neue Bischof von Augsburg. Bayerischer Rundfunk, 7. April 2020, abgerufen am 23. November 2020.
  20. "Das wäre ein völliger Paradigmenwechsel". In: bistum-augsburg.de. 21. September 2020, abgerufen am 23. November 2020.
  21. "Nicht Handlanger des Pfarrers, sondern Helfer des Guten Hirten". In: bistum-augsburg.de. 26. September 2020, abgerufen am 23. November 2020.
  22. a b Miteinander fragen, denken und glauben. In: bistum-augsburg.de. 30. Oktober 2020, abgerufen am 23. November 2020.
  23. Augsburger Bischof Meier fordert eigenes Diakonat für Frauen. In: katholisch.de. 11. April 2021, abgerufen am 14. April 2021.
  24. Oliver Maksan: Augsburger Bischof: Deutsche Kirche hat zu lange auf perfekte Strukturen gesetzt. In: Die Tagespost. 21. November 2020, abgerufen am 23. November 2020.
  25. „Im Garten Gottes ist nichts und niemand gering“. Abgerufen am 6. April 2021.
  26. Statement zur öffentlichen Feier von Gottesdiensten. Abgerufen am 6. April 2021.
  27. neuesruhrwort.de: Bertram Meier: Zu viele Ich-AGs in der Kirche, 19. April 2020.
  28. Alois Knoller: Bischof Meier: „Der Schutz unserer Erde geht alle Menschen an“. In: augsburger-allgemeine.de. 23. Mai 2020, abgerufen am 23. November 2020.
  29. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952. In: parlament.gv.at (PDF; 6,9 MB)
VorgängerAmtNachfolger
Konrad ZdarsaBischof von Augsburg
seit 2020