Stefan Heße

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stefan Heße, 2014

Stefan Heße (* 7. August 1966 in Köln) ist Erzbischof von Hamburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heße wuchs in Köln-Junkersdorf als Sohn einer selbständigen Bäckerfamilie auf. Nach dem Abitur am Kölner Gymnasium Kreuzgasse[1] begann er 1986 ein Studium der Philosophie und Theologie in Bonn und Regensburg. Am 18. Juni 1993 empfing er im Kölner Dom die Priesterweihe durch den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Von 1993 bis 1997 war er Kaplan in St. Remigius in Bergheim. Von 1997 bis 2003 war er als Repetent im erzbischöflichen Theologenkonvikt in Bonn tätig, das in dieser Zeit vom heutigen Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki geleitet wurde. 2001 wurde er mit einer Dissertation über Hans Urs von Balthasar an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar zum Doktor der Theologie promoviert. Von 2003 bis 2005 leitete er die Abteilung Pastoraleinsatz/Pastorale Dienste im Generalvikariat des Erzbistums Köln und war bis 2012 zudem Diözesanbeauftragter für Rundfunk und Fernsehen. 2005 wurde ihm von Papst Benedikt XVI. der Ehrentitel Kaplan Seiner Heiligkeit verliehen, 2010 der Titel Päpstlicher Ehrenprälat.

Am 1. Mai 2006 wurde er Stellvertreter des Generalvikars Dominik Schwaderlapp, im selben Jahr auch Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal des Erzbistums. Am 11. September 2011 wurde Stefan Heße als residierender Domkapitular ins Kölner Metropolitankapitel berufen.

Heße löste am 16. März 2012 Dominik Schwaderlapp als Generalvikar ab, nachdem dieser zum neuen Weihbischof ernannt worden war. Mit Eintritt der Sedisvakanz am 28. Februar 2014, bedingt durch die Annahme des Rücktrittgesuches von Joachim Kardinal Meisner durch Papst Franziskus, erlosch automatisch sein Amt als Generalvikar.[2] Noch am selben Tag wählte ihn das Kölner Domkapitel zum Diözesanadministrator des Erzbistums Köln.[3][4]

Bei der Amtseinführung des neuen Erzbischofs von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, am 20. September 2014 bestätigte der Kardinal ihn erneut als Generalvikar.

Erzbischof von Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzbischofswappen von Stefan Heße; Wahlspruch: Apud Deum omnia possibilia („Bei Gott ist alles möglich“, Mt 19,26 EU).

Papst Franziskus ernannte ihn am 26. Januar 2015 zum Erzbischof von Hamburg. Er ist der dritte Erzbischof seit der Neuerrichtung der Diözese im Jahr 1994. Zu seinem Nachfolger als Generalvikar in Köln ernannte Rainer Maria Kardinal Woelki am 2. Februar 2015 mit Wirkung zum 22. Februar Dominik Meiering.[5] Die Bischofsweihe und Amtseinführung als Erzbischof von Hamburg erfolgte am 14. März 2015 durch den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Mitkonsekratoren waren der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, und Norbert Werbs, Weihbischof in Hamburg.

Mit der Amtseinführung als Erzbischof von Hamburg schied Heße aus dem Kölner Domkapitel und dem Klerus des Erzbistums Köln aus. Kardinal Woelki ernannte ihn zugleich zum Kölner Ehrendomherrn.[6]

Im Erzbistum Hamburg setzt Heße die von seinem Vorgänger Werner Thissen eingeleitete Auflösung mehrerer Pfarrgemeinden fort. Die Anzahl der Pfarreien soll von 83 auf 28 sinken. Heße begründete dies mit der sinkenden Anzahl von Gemeindepfarrern.[7]

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefan Heße gehörte vom 8. Januar 2007 bis zu seiner Ernennung zum Hamburger Erzbischof als stellvertretendes Mitglied dem Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunkes an.[8]

Die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz wählten Heße am 22. September 2015 zum bischöflichen Flüchtlingsbeauftragten.[9] Er ist Vorsitzender der Migrationskommission und gehört der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Bischofskonferenz an.[10]

Seit dem 18. November 2016 ist Erzbischof Heße in Nachfolge von Bischof Gebhard Fürst Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).[11]

2017 wurde Heße in Wien als Ehrenritter des Deutschen Ordens investiert.[12]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefan Heße sieht in der Medienarbeit und im Web 2.0 besondere Aufgaben für die Kirche der Zukunft. Die Kirche müsse ihre Sprachfähigkeit verbessern, damit andere den Glauben auch verstehen können. „Wie verhindere ich zum Beispiel, dass Ostern auf ein Hasenfest reduziert wird?“, so Heße. Er hält es für erforderlich, dass die Kirche mit ihren Finanzen transparent und verantwortlich umgeht und die Zahlen über ihr Vermögen offenlegt.[13] Auch ist Heße stark am Dialog mit den Gläubigen interessiert und plädiert in Fragen der kirchlichen Ethik für schnellere Entscheidungen.[14] Im August 2015 forderte Heße eine Liberalisierung der katholischen Sexualmorallehre. So müsse die Kirche es wertschätzen, wenn in homosexuellen Beziehungen Werte wie Treue und Verlässlichkeit gelebt würden.[15]

Den Bundestagsentscheid zur Ehe für alle vom 30. Juni 2017 sah Heße dagegen kritisch. Er „bedauerte es“, dass das kirchliche und das staatliche Eheverständnis sich „weiter voneinander entfernten“.[16]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berufung aus Liebe zur Liebe: auf der Spurensuche nach einer Theologie der Berufung, unter besonderer Berücksichtigung des Beitrags von Hans Urs von Balthasar. Dissertation, St. Ottilien: EOS-Verlag 2001, ISBN 3-8306-7092-3, zugleich: Vallendar, Philos.-Theol. Hochschule, Diss., 2001 unter dem Titel Vom Ruf zur Rufung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stefan Heße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wissensschule.de: Interview, 25. August 2015, abgerufen am 16. November 2015.
  2. Informationen zum Procedere der Bischofswahl (Memento vom 29. Juni 2014 im Internet Archive) auf den Seiten des Erzbistums Köln
  3. Pressedienst des Erzbistums Köln vom 28. Februar 2014: Prälat Heße leitet das Erzbistum in der Zeit der Vakanz, abgerufen am 1. März 2014.
  4. Domradio.de vom 28. Februar 2014: Vom Metropolitankapitel zum Diözesanadministrator gewählt, abgerufen am 28. Februar 2014.
  5. domradio.de, abgerufen am 2. Februar 2015.
  6. Heße wird Ehrendomherr. 14. März 2015, abgerufen am 9. April 2015.
  7. Der Hamburger Erzbischof - auf verlorenem Posten? Hamburger Abendblatt, 2. August 2016, abgerufen am 3. September 2017.
  8. Rundfunkrat, Unternehmen WDR (Memento vom 16. Juni 2013 im Internet Archive)
  9. Hamburgs Erzbischof Heße ist bischöflicher Flüchtlingsbeauftragter. domradio.de, 22. September 2015, abgerufen am 22. September 2015.
  10. Deutsche Bischofskonferenz: Pressemeldung vom 20. September 2016 - Nr. 175
  11. katholisch.de. Stabwechsel beim ZdK, abgerufen am 16. November 2016.
  12. http://familiarenot.org/site/home/article/1045.html
  13. Andreas Otto, KNA, zitiert bei domradio.de (abgerufen am 26. Januar 2015).
  14. Daniel Kaiser, NDR, zitiert bei [1] (abgerufen am 23. Juli 2015).
  15. Am Sonntag:Erzbischof fordert liberalere Sexualmoral
  16. Erzbischof bedauert Bundestagsentscheidung zur Ehe für alle. Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2017, abgerufen am 1. September 2017.
VorgängerAmtNachfolger
Werner ThissenErzbischof von Hamburg
seit 2015
---
Dominik SchwaderlappGeneralvikar des Erzbistums Köln
2012–2015
Dominik Meiering