Bund Freiheit der Wissenschaft

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Der Bund Freiheit der Wissenschaft (BFW) war ein eingetragener Verein, der sich nach eigenen Angaben „für die Freiheit der Wissenschaft und die Leistungsfähigkeit der Hochschulen und Schulen“ einsetzte. Schwerpunkt der Vereinstätigkeit war die Öffentlichkeitsarbeit zu Themen der Bildungspolitik. Der Verein galt als politisch konservativ.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde am 18. November 1970 in Bonn-Bad Godesberg als Reaktion auf die Studentenbewegung gegründet.[3] Er verstand sich als gesellschaftsübergreifendes Sprachrohr der Hochschullehrer, um „den Gesinnungsterror ideologisch fanatisierter Gruppen an den Hochschulen“[4] abzuwehren und eine weitere „Demokratisierung“ der Hochschule, insbesondere eine Einführung der Drittelparität und der Gruppenuniversität zu verhindern. Bereits zwei Jahre zuvor hatten etwa 1.500 Hochschullehrer von mehr als 30 westdeutschen Hochschulen in dem Marburger Manifest ihre ernsten Bedenken gegen die „Demokratisierungsbestrebungen der Hochschulen“ schriftlich geäußert, woraufhin sich ein Großteil von ihnen dem neu gegründeten Bund Freiheit der Wissenschaft zuwandten.

Während sich Anfangs auch frühe Anhänger der Hochschulreform im Bund beteiligten, wurde dieser im Zuge der Auseinandersetzungen konservativer und entwickelte sich nach Einschätzung von Richard Löwenthal 1978 zur „Vorfeldorganisation der CDU“[5].

Laut Einschätzung von Jens Hacke hat der Bund „weitergehende Reformen, die zur Zeit der Ära Brandt geplant waren, wirksam verhindert.“ Seine Hochzeit hatte der Bund in den 1970er Jahren; danach fristete er eine marginalisierte Existenz[6] und löste sich, nachdem er seine wesentlichen Ziele verwirklicht sah, durch einstimmigen Beschluss zum Jahresende 2015 auf.

Mitglieder des Gründungskomitee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organ des Vereins war die viermal im Jahr erscheinenden Zeitschrift freiheit der wissenschaft. In West-Berlin fungierte bis 1990 die Notgemeinschaft für eine freie Universität (NOFU) als Sektion des Bundes Freiheit der Wissenschaft.[7] Sie erstellte „schwarze Listen“ über „angebliche Verfassungsfeinde“.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Maier und Michael Zöller (Hrsg.): Bund Freiheit der Wissenschaft. Der Gründungskongreß in Bad Godesberg am 18. November 1970. Köln 1970.
  • Hans Joachim Geisler, Richard Hentschke und Ingo Pommerening (Hrsg.): 15 Jahre Notgemeinschaft. 1970 bis 1985. Berlin 1986.
  • Walter Rüegg: 20 Jahre Bund Freiheit der Wissenschaft. Vom Defensivbündnis zum think tank. In: Freiheit der Wissenschaft. 4, 1990, S. 8–14.
  • Till Kinzel: Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ und die „Notgemeinschaft für eine freie Universität“ im Widerstand gegen die Achtundsechziger. In: Hartmuth Becker, Felix Dirsch und Stefan Winckler (Hrsg.): Die 68er und ihre Gegner. Der Widerstand gegen die Kulturrevolution. Leopold Stocker Verlag, Graz 2003, S. 112–136.
  • Svea Koischwitz: Der Bund Freiheit der Wissenschaft in den Jahren 1970–1976. Ein Interessenverband zwischen Studentenbewegung und Hochschulreform. Böhlau Verlag, Köln u.a. 2017, ISBN 978-3-412-50554-7.
  • Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“. Die Auseinandersetzungen um die Demokratisierung der Hochschule, in: Dominik Geppert/Jens Hacke (Hgg.), Streit um den Staat. Intellektuelle Debatten in der Bundesrepublik 1960 bis 1980, Göttingen 2008, S. 169–187. [9]
  • Nikolai Wehrs: „Tendenzwende“ und Bildungspolitik. Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ (BFW) in den 1970er Jahren, in: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien, Nr. 42/2008 (PDF; 146 kB)
  • Nikolai Wehrs: Protest der Professoren. Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ in den 1970er Jahren, Wallstein Verlag Göttingen 2014. ISBN 978-3-8353-1400-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Tagesspiegel: Gymnasien für Migranten gefordert, 14. August 2009
  2. taz: Streit über Schulreform, 15. August 2009
  3. Professoren in Not, F.A.Z., 12. Januar 2015.
  4. Gründungsaufruf zitiert nach: Jens Hacke: Philosophie der Bürgerlichkeit: Die liberalkonservative Begründung der Bundesrepublik. 2. Auflage, Göttingen 2008, S. 102ff; ebenfalls auf der Webseite des BFW dokumentiert
  5. Nikolai Wehrs: Protest der Professoren. Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ in den 1970er Jahren. Wallstein Verlag, Göttingen 2014. Zitiert nach: Dominik Geppert: Professoren in Not. In: FAZ.net. 12. Januar 2015, abgerufen am 15. Januar 2016.
  6. Jens Hacke: Philosophie der Bürgerlichkeit: Die liberalkonservative Begründung der Bundesrepublik. 2. Auflage, Göttingen 2008, S. 102–104
  7. Hans-Albrecht Koch: Professorale Selbstbehauptung in turbulenter Zeit. Nikolai Wehrs über den „Bund Freiheit der Wissenschaft“ in den siebziger Jahren. In: Neue Zürcher Zeitung vom 3. September 2014, S. 50. (Rezension).
  8. „Hochschulen: Postfach 330 445“, Der Spiegel, 3. November 1980.
  9. Historisches Seminar Publikationen Muenkel