Cicero (Zeitschrift)

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Cicero
Namenslogo
Beschreibung politisches Magazin
Verlag Ringier Publishing (Deutschland)
Erstausgabe April 2004
Erscheinungsweise monatlich
Verkaufte Auflage
(IVW Q3/2012)
82.670 Exemplare
Reichweite 0,388 Mio. Leser
Chefredakteur Christoph Schwennicke
Weblink www.cicero.de
ISSN 1613-4826

Cicero ist ein in Deutschland monatlich erscheinendes politisches Magazin, das in Berlin produziert wird. Es wurde von Wolfram Weimer 2004 gegründet, der es bis 2010 herausgab. Seit Mai 2012 fungiert Christoph Schwennicke als Chefredakteur.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2004 wurde vom Journalisten Wolfram Weimer das „Magazin für politische Kultur“ gegründet, mit dem Ziel ein Pendant zu den großen US-Magazinen „The New Yorker“ und „The Atlantic“ in deutscher Sprache zu etablieren. Cicero sollte zugleich das erste Politikmagazin aus Berlin werden. Finanziert wurde und wird das Projekt vom Ringier-Verlag, der in der Schweiz die Boulevardzeitung Blick und weitere Publikationen herausgibt. In Deutschland publiziert der Ringier Verlag auch das Kunst-Magazin Monopol.

Obwohl sich in Deutschland seit der Gründung des Nachrichtenmagazins Focus kein neues politisches Blatt auf dem Zeitschriftenmarkt mehr halten konnte und mit TransAtlantik ein ähnlich gelagerter Versuch in den 1980er Jahren schon einmal gescheitert war, hat Cicero eine verkaufte Auflage von rund 83.000 Exemplaren erreicht.

Der Name des Magazins bezieht sich auf den römischen Schriftsteller und Politiker Marcus Tullius Cicero.

Mitarbeiter und Ressorts[Bearbeiten]

Wolfram Weimer war Gründer von Cicero und bis zum 31. Januar 2010 dessen Chefredakteur. Am 1. Februar 2010 übernahm der bisherige Zeit-Herausgeber Michael Naumann den Chefredakteursposten beim Cicero. Im Mai 2012 wurde er durch Christoph Schwennicke abgelöst.[1]

Das Ressort Außenpolitik wird geleitet von Judith Hart. Alexander Marguier ist stellvertretender Chefredakteur, vorher war er Ressortchef „Gesellschaft“ bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Politischer Chefkorrespondent ist Hartmut Palmer, langjähriger Hauptstadtkorrespondent des Spiegels. Das Wirtschaftsressort wird geleitet von Til Knipper, Ressortchef Kultur ist Alexander Kissler. Constantin Magnis ist verantwortlich für investigative Reportagen, Kerstin Schröer leitet die Art Direction, Utz Zimmermann die Produktion. Zuständig für die Bildredaktion ist Antje Berghäuser. Verantwortlich für die Online Redaktion ist Christoph Seils.[2]

Neben bekannten Gastautoren (die Titelgeschichte der Erstausgabe verfasste der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, in der zweiten Ausgabe stammte sie von Martin Walser) arbeitet ein fester Kreis von Journalisten regelmäßig für den Cicero, darunter Maxim Biller, Wolfram Eilenberger, Wladimir Kaminer und Klaus Harpprecht. Eine Zeit lang gab es eine Kolumne des deutschen Oscar-Gewinners Florian Henckel von Donnersmarck.

Seit 2013 besteht eine Medienkooperation mit tame.it[3]

Durchsuchung (Cicero-Affäre)[Bearbeiten]

Im September 2005 ließ die Staatsanwaltschaft Potsdam die Redaktionsräume des Magazins durchsuchen. Anlass war der Artikel „Der gefährlichste Mann der Welt“[4] im April-Heft, in dem der Journalist Bruno Schirra den jordanischen Terroristen Abu Musab az-Zarqawi porträtiert hatte und dabei Informationen aus vertraulichen Akten des Bundeskriminalamtes zitierte. Es handelte sich um einen ausführlichen Auswertungsbericht vom 6. September 2004 mit 125 Seiten und 392 Fußnoten. Die deutsche Presse kritisierte die Durchsuchung als Angriff auf den unabhängigen Journalismus, wobei Parallelen zur Spiegel-Affäre von 1962 gezogen wurden. Cicero-Chefredakteur Weimer und Schirra wurde Beihilfe zum Geheimnisverrat vorgeworfen. FDP, Die Grünen und PDS erwogen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss dazu. Im Oktober 2005 fand darum eine Sondersitzung des Bundestagsinnenausschusses statt, bei der der politisch verantwortliche Bundesinnenminister Otto Schily in nicht-öffentlicher Sitzung zu Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung beziehen sollte, die wegen Verdachts des Geheimnisverrates initiierte Durchsuchung bei Cicero sei unverhältnismäßig gewesen.

Am 21. und 22. November 2006 verhandelte der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichtes in der Angelegenheit und urteilte am 27. Februar 2007, die Durchsuchung habe einen erheblichen Eingriff in die Pressefreiheit dargestellt. Sie sei daher verfassungswidrig gewesen (Cicero-Urteil, Az: 1 BvR 538/06). Dem Urteil zufolge reicht der bloße Verdacht nicht aus, dass ein Journalist Beihilfe zum Geheimnisverrat geleistet haben könnte, um die Räume einer Redaktion zu durchsuchen. Für einen solchen Eingriff in die Pressefreiheit müssten vielmehr konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass ein Geheimnisträger die Veröffentlichung geschützter Informationen bewirken wollte. Erst dann könne ein Journalist wegen Beihilfe verfolgt werden. Zudem seien Durchsuchungen dann unzulässig, wenn sie allein dazu dienten, die Identität eines Informanten zu ermitteln; dies sei bei Cicero der Fall gewesen. Die Entscheidung des Verfassungsgerichts wurde von Kommentatoren als wichtiger Beitrag zum Schutz der Pressefreiheit in Deutschland gewertet. Von anderen Kommentatoren wurde jedoch auch Kritik an dieser Sichtweise geübt.[5]

Die Vorgänge erfuhren in den Medien breite Aufmerksamkeit als Cicero-Affäre.

Design[Bearbeiten]

An Kunst auf dem Cover und einem langen Editorial, das den Autoren gewidmet ist, schließen sich die vier Ressorts „Weltbühne“ (Außenpolitik), „Berliner Republik“ (Innenpolitik), „Kapital“ (Wirtschaft) und „Salon“ (Gesellschaft, Kultur) an. Das Magazin verwendet einen Rotton als Hausfarbe und großformatige, meist schwarz-weiß gedruckte Fotos und Karikaturen.

Bisher erschienen folgende spezielle Ausgaben des Cicero:

  • 2006 erschien die „Cicero Double-Edition“ mit einer am Kiosk erhältlichen s/w-Ausgabe sowie einer kostenfrei anforderbaren, zweiten 4c-Ausgabe. Beide Ausgaben waren redaktionell völlig unterschiedliche, aber miteinander verschränkte Hefte.
  • 2007 erschien eine Cicero-Ausgabe mit 160.000 individualisierten Covern sowie weltweit erstmals 160.000 verschiedenen[Beleg?] BMW-Anzeigen.
  • 2008/2009 erschien eine Cicero-XXL-Ausgabe in doppelter Größe (ca. 28 x 40 cm). Wie die „Double Edition“ von 2006 wurde auch die „XXL-Ausgabe“ zum üblichen Preis verkauft.
  • 2012 erschien eine Cicero-Tatort-Ausgabe, deren Cover die Tatortkommissare des jeweils nächstgelegenen Tatort-Schauplatzes zeigte. Insgesamt gab es 20 verschiedene Tatort-Cover.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Schwennicke wird neuer Chefredakteur von Cicero, Ankündigung auf cicero.de, gesehen 23. Mai 2012
  2. Cicero-Chefredakteur Michael Naumann im MEEDIA-Interview „Vorwurf des Links-Rucks war haltlos“
  3. http://www.stern.de/digital/tame-baendigt-twitter-startup-buendelt-tweets-zu-geschichten-2050848.html
  4. Bruno Schirra: Der gefährlichste Mann der Welt, Cicero, April 2005, S. 24
  5. Robert Leicht: Es gibt keinen Fall »Cicero«, Die Zeit, 6. Oktober 2005

Weblinks[Bearbeiten]