Corps Palaiomarchia Halle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Palaiomarchias Wappen mit Farben, Zirkel und Stiftungsdatum

Das Corps Palaiomarchia ist eine Studentenverbindung im Hallenser Senioren-Convent und Mitglied im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), in dem es zum sog. Blauen Kreis gehört. Das Corps vereint aktuelle und ehemalige Studenten aller Fachrichtungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

Der Name Palaiomarchia ist ein Kunstwort für Altmark (griech. παλαιός = alt und lat. marcha = die Mark) als Ausdruck für die Herkunft ihrer Gründungsstudenten ("Altmärker").

Couleur, Wappen und Wahlspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Farben der Bänder und Mützen (sog. Couleur) der Altmärker sind orange-weiß-schwarz (von unten gezählt) mit silberner Perkussion. Füchse tragen ein orange-weiß-orange Fuchsenband mit silberner Perkussion. Die Mützenfarbe ist oben orange.

Das heraldisch gegliederte Wappen zeigt im weißen Mittelfeld das Zeichen (Zirkel) des Corps, das den Wunsch enthält "Vivant Palaiomarchiae fratres conjuncti", sowie dessen Farben oben links. Der Sternenkranz oben rechts symbolisiert die Einheit der neun Gründungsstudenten des Corps, dessen Stiftungsdatum zwischen zwei gekreuzten Schlägern in einem Eichenkranz angegeben ist. Unten rechts sind ein halber schwarzer Adler, ein Schlüssel und vier Steine als Bestandteile der Wappen von Salzwedel und Stendal, der Herkunftsorte der Gründungsstudenten abgebildet.

Der Wahlspruch des Corps lautet "Concordia fidesque per vitam mortemque!"[1]

Durch das Tragen von Couleur als Identitätsmerkmal und durch ihren Wahlspruch bezeugen die Altmärker ihre lebenslange Freundschaft und Treue (Lebensbundprinzip). Sie bekennen sich zur Mensur als Mittel zur Chakterfestigung und Persönlichkeitsbildung und haben sich zu persönlicher und parteipolitischer Toleranz sowie Ehr- und Gewissenhaftigkeit verpflichtet. Sie pflegen die demokratische Selbstbestimmung und Eigenverantwortung im Convent (CC) ihrer aktiven Corpsburschen (CB), die ebenso wie die inaktiven Corpsburschen bei Studium und Berufseinstieg von ihren "Alten Herren" (AH) zu interdisziplinärem Denken und Handeln sowie zu Weltoffenheit ermutigt und gefördert werden sollen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corpshaus am Jägerplatz 20 (um 1910)
Kneipe im Haus am Jägerplatz (1890)
Corpshaus in der heutigen Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße

Palaiomarchia wurde am 28. Oktober 1844[2] durch Studenten, die von den Gymnasien in Salzwedel und Stendal an die im Jahr 1694 von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, dem späteren König Friedrich I in Preußen gegründeten Friedrichs-Universität zu Halle gekommen waren, dort als geschlossenes Kränzchen gestiftet. Drei Jahre später gab sich Palaiomarchia eine Constitution und trat im Februar 1847 während einer Sezession des Hallenser Senioren-Convents als Corps dem damals aus Borussia und Pomerania bestehenden Neuen Hallenser SC bei. Im Wintersemester 1851/52 schloss sich Palaiomarchia dem alten SC an, der dem 1848 durch Friedrich v. Klinggräff in Jena gegründeten Kösener Senioren-Convents-Verband angehörte. Nach einer anfänglichen Blütezeit litt das Corps vor allem durch den Deutschen Krieg 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 unter Personalmangel und musste am 4. November 1871 den aktiven Betrieb einstellen.[3] 1882 konnten Alte Herren und junge Studenten das Corps Palaiomarchia jedoch wieder in Halle rekonstituieren und mit einem aktiven Corpsburschenconcent (CC) neu beleben.

Das erste eigene Corpshaus, nach Plänen von Stadtbaurat Hetzel aus Naumburg am Jägerplatz Nr. 16 errichtet, konnte im Mai 1890 bezogen werden.[4]

Im Sommersemester 1901 wurde der Masure Fritz Milthaler bei Palaiomarchia aktiv; dies führte am 11.11.1902 zum Abschluss eines offiziellen Vorstellungsverhältnis zwischen Palaiomarchia und Masovia, welches am 11.03.1908 in ein befreundetes Verhältnis umgewandelt wurde.

Aufgrund des erfolgreichen Wachstums der Palaiomarchia wurde ihr erstes Corpshaus 1913 durch das größere Haus in der heutigen Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße ersetzt, welches das Corps - nach Enteigung und Rückübertragung (siehe unten) - bis heute betreibt.

Nach dem Ersten Weltkrieg engagierten sich Altmärker im Hochschulring deutscher Art und beteiligten sich an vorderster Front bei den Märzkämpfen in Mitteldeutschland. Der Erstchargierte kam dabei in Galgenberg (Halle) ums Leben.

Bewährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Nationalsozialisten nach ihrer Machteergreifung 1933 mit der Anwendung des "Arierparagraphen" den Ausschluss der Juden aus der Gesellschaft betrieben, fanden sechs Studenten der Palaiomarchia heraus, dass zwei ihrer Alten Herren, Fritz Lassen und Kurd (Curt) Dalen, "jüdisch versippt" waren.[5] Sie forderten daher, den beiden sofort ihre Bänder zu entziehen und sie damit aus der Corpsgemeinschaft auszuschließen, obwohl sich beide um das Corps besonders verdient gemacht hatten. Außerdem galten sie nach den damals herrschenden Rassegesetzen "nur" als "Vierteljuden" und waren auch hochdekorierte Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, auf die (noch) die Ausnahmeregeln ("Frontkämpferprivileg") für das Berufsbeamtentum zutrafen. Dennoch drohten die Studenten bei Ablehnung ihres Antrags mit dem Austritt aus dem Corps.

Daraufhin boten Lassen und Dalen, um Schaden von ihrem Corps abzuwenden, diesem an, freiwillig ihr Band niederzulegen. Dies wurde von den Altmärkern nahezu einstimmig abgelehnt und gleichzeitig den sechs Antragstellern wegen ihres Verstoßes gegen den Grundsatz der corpsbrüderlichen Treue gedroht, nunmehr ihnen das Band zu entziehen und sie aus dem Corps auszuschließen. In einem leidenschaftlichen Rundschreiben zu Neujahr 1935 schleuderte der damalige Vorsitzende des AH-Ausschusses, Bernhard Hofmann, dem Rädelsführer u.a. entgegen:

„Was weiß der Antragsteller von der Not und Sorge unseres Corpsbruders, sich eine neue Stellung in Deutschland zu verschaffen, was ahnt er von den inneren Kämpfen und Qualen, die ein aufrechter Mann in seiner Situation in dieser Zeit durchzukämpfen hat, was kümmert ihn die verantwortungsbewusste Frage nach der weiteren Existenzberechtigung für den Corpsbruder und seine Gattin? … Wer das Band meines Corps trägt, ist mein Corpsbruder und meinen Bruder verteidige und schütze ich mit Leib und Seele ... Ich opfere nicht meinen Bruder um meiner selbst willen noch um meiner Rasse willen.“[6]

Zwangssuspension und Enteignung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund dieser Weigerung des Corps Palaiomarchia, sich dem Arierparagraphen und der von den Machthabern verlangten Gleichschaltung durch Eintritt in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) zu unterwerfen, meldete am 29. August 1935 die Mitteldeutsche National-Zeitung: „Palaiomarchia hat jüdische Corpsbrüder. Nationalsozialisten verlassen unter Protest das Corps“.[7] Und „Der Stürmer“ hetzte gegen die „abgrundtiefe Charakterlosigkeit“ Hofmanns: „Wer erklärt, dass er mit dem Juden unlösbar verbunden ist, muss selbst Jude oder Judenbastard sein.“[8]

Daraufhin schloss der Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei Hitlers, Hans Heinrich Lammers, als Führer der „Gemeinschaft Studentischer Verbände“ (GStV) das Corps Palaiomarchia am 3. September 1935 aus dem GStV und damit auch aus dem diesem unterstellten KSCV aus. Als dessen Führer Max Blunck dagegen protestierte, schloss Lammers am 5. September auch den KSCV aus der GStV aus[9], was zum Rücktritt Bluncks und am 28. September 1935 zur Auflösung des KSCV führte.[10] Daraufhin musste das Corps Palaiomarchia am 11. Oktober 1935 - ebenso wie fast alle anderen Corps - suspendieren.[11] Nur sein Alte Herren-Verein (AHV) blieb zunächst noch bestehen, musste jedoch sein Corpshaus der Hallenser SC-KameradschaftGustav Nachtigal“ überlassen und schließlich aufgrund der Verbote der Gestapo und konfiskatorisch überhöhter Hausabgaben dem NSDStB übereignen;[12] dieser wurde 1944 „wegen Interesselosigkeit“ aufgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Corpshaus in der heutigen Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße von den neuen Machthabern in "Volkseigentum" überführt. Aufgrund der politischen Verhältnisse in der SBZ und späteren DDR war eine Rekonstitution des Corps Palaiomarchia am alten Standort unmöglich. Jedoch fand sich seit Mai 1946 eine Gruppe von Altmärkern zum Gedenken an den 102. Jahrestag der Stiftung der Palaiomarchia zumeist in Hamburg zusammen und gründeten schließlich den Altmärker-Verein, der gemäß Anordnung der britischen Militärregierung Nr. 122 am 15. Januar 1948 in Hamburg registriert wurde.[13] Ab November 1949 verhandelten die Altmärker mit Vertretern der ihnen seit langem freundschaftlich verbundenen, ebenfalls heimatlos gewordenen Masuren sowie der jungen studentischen Verbindung "Collegium Albertinum" (CA) über ein eventuelles Zusammengehen in Kiel.

Collegium Albertinum in Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zirkel des Collegium Albertinum

An der im Jahr 1694 von Herzog Christian Albrecht (Schleswig-Holstein-Gottorf) gegründeten Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) fanden sich nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges im Wintersemester 1946/47 zunächst sieben, später 19 Jurastudenten und ein Medizinstudent zusammen. Als zurückgekehrte Soldaten wollten sie sich und jüngeren Kommilitonen in der schweren Nachkriegszeit helfen und die gewonnene akademische Freiheit in einem gemeinsamen, wertebasierten Neuanfang nutzen. Deshalb gründeten sie am 3. November 1946 die nach dem o.a. Universitätsstifter benannte studentische Verbindung "Collegium Albertinum" (CA), in der die korporativen Prinzipien der Wahrhaftigkeit, lebenslangen Freundschaft und Toleranz gelten sollten. Dem förmlichen Zulassungsantrag beim britischen University Education Control Officer (UECO) wurde noch im Dezember 1946 stattgegeben. Im Sommersemester 1947 beschloss das CA, den Anschluss an eine alte Studentenverbindung zu suchen.[14] Im Sommersemester 1949 erging der Beschluss, sich speziell den Corps zuzuwenden. Ab September 1949 führte das CA das Couleur violett-weiß-violett, die Farben der CAU, und einen eigenen Zirkel.

Über das CA-Mitglied Gerd Wollburg kam es im November 1949 zu mehreren Treffen von CA-Vertretern mit Altmärkern; diese rekonstituierten dann am 10. Dezember 1949 in Kiel das Corps Palaiomarchia und boten den inzwischen 35 Mitgliedern des Collegium Albertinum an, sie als Corpsburschenconvent (CC) aufzunehmen, und zwar entweder durch Palaiomarchia alleine oder zusammen mit Masovia in ein evt. gemeinsames Corps.[15] Dem stimmt der Convent des CA, zu dessen Mitgliedern u.a. Wolfgang Doberauer, Wolfgang Erich, Hans Pries, Heribert Schareck, Werner Schattmann und Gerd Wollburg zählten, am 12. Dezember 1949 zu.

Palaiomarchia-Masovia in Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen
Corpsbuch der Palaiomarchia-Masovia

Auf einem am 13. Januar 1950 gemeinsam anberaumten Treffen von Angehörigen der Corps Palaiomarchia und Masovia mit Vertretern des Collegium Albertinum in Hamburg erklärte auch das Corps Masovia seine Rekonstitution. Darauf meldete Palaiomarchia seine Rekonstitution vom 10. Dezember 1949 auf diesen 13. Januar 1950 um. Die beiden Corps erklärten nunmehr ihre „gemeinsame Rekonstitution“ zum neuen Corps Palaiomarchia-Masovia und übernahmen darin das Collegium Albertinum als künftigen CC.

Zugleich wurde beschlossen, die Farben beider Gründercorps zu tragen, ihre beiden Zirkel zu führen und alle Feste und Veranstaltungen künftig gemeinsam zu feiern, und zwar das Stiftungsfest in Kiel im Sommer anlässlich des Stiftungstages des Corps Masovia (14. Juni 1830), während des Stiftungstages des Corps Palaiomarchia (28. Oktober 1844) jeweils auf der Semesterantrittskneipe jeden Wintersemesters gedacht werden soll. Die Wintersemester-Abschlusskneipe jeden Jahres findet als Rekonstitutionskneipe statt zur Erinnerung an die gemeinsame Rekonstitution zum neuen Corps Palaiomarchia-Masovia (13. Januar 1950).

Am 14. Januar 1950 wurden in der „Seeburg“ zu Kiel die einzelnen Mitglieder des ehemaligen Collegium Albertinum feierlich als neue CB aufgenommen (rezipiert). Dabei erhielten sie das zunächst allein zur Verfügung stehende Altmärkerband und unterzeichneten die Konstitution in dem damals allein vorhandenen Rezeptionsbuch der Palaiomarchia. Das dazu gehörige Masuren-Band empfingen alle in Kiel erreichbaren jungen CB am 26. Januar 1950 im festlich geschmückten Clubzimmer der Mensa der Christian-Albrechts-Universität, alle ortsabwesenden CB später. Mit gleichem Datum wurde die gemeinsame Rekonstitution den anderen, inzwischen wieder rekonstituierten Kieler Verbindungen im Korporationsring, dem Kieler AHSC sowie den Verhältniscorps der beiden Gründercorps angezeigt.

In der Folgezeit erfuhr das Corps ein stürmisches Wachstum, welches besonders durch folgende Ereignisse und den vom Corps intensiv geförderten Segelsport (dazu siehe 4.) gekennzeichnet war:

Am 14. Juni 1950 feierte das Corps Palaiomarchia-Masovia sein erstes Stiftungsfest aus Anlass des 120. Stiftungstages seines Gründercorps Masovia.

Im Wintersemester 1950/51 rekonstituierten die Kieler Corps Holsatia und Saxonia mit Palaiomarchia-Masovia den Kieler SC.

Ihr erstes Corpsheim bezog das Corps Palaiomarchia-Masovia im Mai 1951 im Niemannsweg 109 und gründete 1953 einen Hausverein zum Erwerb eines eigenen Hauses. Zunächst aber zog es 1954 in größere, ebenfalls gemietete Räume in der Bartelsallee 3.

1952 wurde die Gründung des Altherrenvereins (AHV) der Palaiomarchia-Masovia beschlossen; der AHV der Palaiomarchia mit den noch vor dem Krieg in Halle rezipierten Altmärkern bestand ebenso wie der AHV Masovia mit den noch in Königsberg recipierten Masuren zur Wahrung etwa wieder erreichbarer Rechtspositionen weiter fort.

Am 14. Juni 1953 beschloss das Corps, seine beiden Bänder durch eine silberne Spange mit dem Albertus, dem Wappen der Universität Königsberg und Abzeichen ihrer früheren Studenten, miteinander zu verbinden. Dadurch sollte die Zusammengehörigkeit der beiden Gründercorps und die auch auf die alte Masovia Königsberg zurückgehende Tradition nach außen sichtbar gemacht werden.

Da das ebenfalls vertriebene Corps Palatia-Guestphalia seine Bänder ebenfalls mit einer silbernen Spange verbunden hatte, erteilte der ordentliche Kösener Congress (oKC) 1954 diesem Corps sowie der Palaiomarchia-Masovia die Ausnahmegenehmigung, „für die Dauer ihrer vorübergehenden Aktivität in Westdeutschland zwei Bänder zu verleihen, die durch eine Spange verbunden sein müssen“. Der KSCV ließ diese zunehmend obsolet erscheinende Einschränkung 1978 stillschweigend fallen.

Corpshaus in der Düppelstraße

Anlässlich ihres 129. (115.) Stiftungsfestes am 12. Juni 1959 zogen die Altmärker-Masuren von der Bartelsallee 3 festlich in das eigene Corpshaus in der Düppelstraße 27 ein, welches ein großes Geschenk dank der Spendenbereitschaft der Alten Herren des Corps war.

Am 15.Oktober 1960 verliehen sich die Alten Herren der AHV von Masovia und Palaiomarchia in Hannover feierlich gegenseitig ihre Bänder. Damit trugen nahezu alle Mitglieder der Palaiomarchia-Masovia beide Bänder und führten die Zirkel beider Gründercorps.

In der Zeit der 1968-er Studentenbewegung schuf der CC der Palaiomarchia-Masovia auf Empfehlung des KSCV das Amt eines Hochschulbeauftragten und veranstaltete auf seinem Corpshaus auch hochschul-öffentliche Vorträge, u.a. durch den damaligen AStA- und VDS-Vorsitzenden Christoph Ehmann zum „politischen Mandat der Studentenschaft“.

1973 wurde der SC zu Kiel erneut Vorort im KSCV. Palaiomarchia-Masovia wurde präsidierendes Corps und stellte den Vorortsprecher und seinen Vertreter.

Im Sommersemester 1985 wurde der 150. Stiftungstag des Gründercorps Masovia von Palaiomarchia-Masovia festlich begangen, u.a. mit einer Ausstellung und einem Festakt im Kieler Schloss, zu dem auch Vertreter der Universität und der Stadt Kiel Glückwünsche überbrachten. Den Festvortrag hielt der Historiker Oswald Hauser zum Thema „Das geistige Preußen“.[16]

Rekonstitution der Palaiomarchia in Halle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sich durch die Wiedervereinigung Deutschlands die historische Möglichkeit einer Rückkehr der Altmärker nach Halle ergab, feierte Palaiomarchia-Masovia bereits am 27.Oktober 1990 seine Wintersemester-Antrittskneipe auf dem alten, total überfüllten ehemaligen Corpshaus der Palaiomarchia in Halle.

Am 12./13. Januar 1991 stimmten die Gremien der Palaiomarchia-Masovia dem Antrag einiger Alter Herren zu, dass vom AHV Palaiomarchia die Rekonstitution des Corps Palaiomarchia in Halle durchgeführt werde, mit der Maßgabe, dass das Kieler Corps dadurch nicht in seine beiden Gründercorps geteilt wird und seine ideelle Unversehrtheit gewahrt bleibt.

Dementsprechend fand am 04. Mai 1991 durch sechs Altmärker-Masuren und zwei Berliner Märker die Rekonstitution des Corps Palaiomarchia in ihrem alten Corpshaus in der Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße in Halle statt. Über 40 Altmärker-Masuren nahmen das Altmärkerband auf und stärkten damit den jungen Corpsburschen-Convent der Palaiomarchia. Dieses schloss sodann zum Zeichen ihrer auch künftig  engsten Verbundenheit mit Palaiomarchia-Masovia ein Eisernes Kartell.

Aufgrund dieser Rekonstitution der Palaiomarchia entwickelte sich über die künftige Ausgestaltung des Corps Palaiomarchia-Masovia eine intensive Diskussion innerhalb des Corps und mit den Gremien des Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV): Entgegen der von der Statutenkommission und der Historischen Kommission erhobenen Forderung, nach der Rekonstitution der Palaiomarchia in Halle dürfe Palaiomarchia-Masovia in Kiel nur noch ein Band und einen Zirkel führen, beschloss der FCC am 16. Januar 1993: „Das Corps Palaiomarchia-Masovia bleibt in Namen und Farben unverändert.“ In der Folgezeit führen die gegensätzlichen Auffassungen zu zwei Verfahren vor der Gutachterkommission des KSCV mit unterschiedlichen Entschließungen.

Um ihre Verbundenheit auch mit der masurischen Tradition des Corps Palaiomarchia-Masovia zu unterstreichen, weihte es anlässlich des 165. Stiftungstages seine Gründercorps Masovia am 08. Juni 1995 das renovierte und mit wertvollen Exponaten seiner Mitglieder weiter ausgestattete "Masurenzimmer" ein.

Rekonstitution der Masovia in Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Unterbrechung der gemäß § 8 III der Kösener Statuten laufenden 50-Jahre-Frist zur Löschung suspendierter Corps beschlossen sechs noch in Königsberg rezipierte Mitglieder des AHV Masovia am 14. Juni 1997 in Kiel die Rekonstitution des Corps Masoviaim festen Willen, mit Palaiomarchia-Masovia eng verbunden zu bleiben“. 15 Altmärker-Masuren sowie ein Altmärker aus Halle nahmen das Band der Masovia auf und unterstützen damit auch deren Rekonstitution. Außerdem wurde eine künftige Fusion beider Corps diskutiert, um sowohl die bisherigen Bänder und Zirkel der Palaiomarchia-Masovia als auch die Tradition der alten Masovia Königsberg beizubehalten.

Diese Rekonstitution der Masovia vom 14. Juni 1997 wurde zunächst vom Kieler SC nicht anerkannt mit der Begründung, dass das Corps Masovia bereits 1950 gemeinsam mit Palaiomarchia rekonstituiert habe. Nach erneuter Einschaltung der Gutachterkommission des KSCV und interner Beratungen wurde die am 14. Juni 1997 erfolgte Rekonstitution der Masovia von Palaiomarchia-Masovia am 15. Januar 2000 anerkannt unter der Voraussetzung, dass das Corps Masovia im Gegenzug das Corps Palaiomarchia-Masovia unverändert in Name, Band und Zirkel anerkennt. Nachdem daraufhin diese Rekonstitution der Masovia im Februar 2000 auch durch den Kieler SC anerkannt wurde, stellte Palaiomarchia-Masovia auf dem oKC am 03. Juni 2000 den Antrag, als am 14. (recte 13.) Januar 1950 gestiftetes Corps anerkannt zu werden, was auch geschah, und erkannte seinerseits das am 14. Juni 1997 rekonstituierte Corps Masovia als Nachfolgecorps des 1830 in Königsberg gestifteten Corps Masovia an. Zwar bleiben die Wappen, Bänder und Farbenstrophen des Corps Palaiomarchia-Masovia unverändert; die Zirkel werden aber nunmehr zusammengeschrieben und mit nur einem Ausrufezeichen versehen, um keine Verwechslungen hervorzurufen.

weitere Entwicklung bei Palaiomarchia-Masovia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das Corps Masovia trotz Protest des Kartellcorps Marchia Berlin am 29. Oktober 2000 die Verlegung seines Sitzes nach Potsdam beschlossen hatte, setzte der Altherrenverein der Palaiomarchia-Masovia auf das Angebot des neu gewählten Altherrenverein der Masovia am 13. Januar 2001 eine Kommission zur Prüfung einer evt. Fusion beider Corps in Kiel ein. Obwohl die anschließenden Verhandlungen der beiderseitigen AHV-Vertreter positiv verliefen, wurden auf dem fragwürdig verlaufenen FCC der Masovia am 24. April 2001 weitere Verhandlungen mit Palaiomarchia-Masovia mehrheitlich abgelehnt. Außerdem machte Masovia nunmehr gegenüber Palaiomarchia-Masovia einen Alleinvertretungsanspruch masurischer Traditionen geltend.

Gegen diesen Alleinvertretungsanspruch der Masovia erklärte Palaiomarchia-Masovia auf ihrem FCC am 09. Juni 2001, die Traditionen der Masovia und Palaiornarchia durch die Jahrzehnte überhaupt erst überliefert und legitim vertreten zu haben und dieses historischen Ursprungs durch nichts beraubt werden zu können. In dieser Auffassung wurde sie auch von ihrem anderen Gründercorps Palaiomarchia voll unterstützt. Diesem Selbstverständnis und Traditionsanspruch der Palaiomarchia-Masovia stehe nicht entgegen, dass die beiden 1991 und 1997 rekonstituierten Corps Palaiomarchia und Masovia an ihren Standorten in Halle und Potsdam ebenfalls diese Traditionen fortführten.

In der Folgezeit wurden zur Frage der Traditionspflege und zum Archiv Verhandlungen zwischen beiden Corps geführt und auch ein Vergleichsentwurf erarbeitet, dem allerdings nur Palaiomarchia-Masovia zustimmte.

Reisen nach Kaliningrad (Königsberg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Mitglieder der Palaiomarchia-Masovia unternahmen seit 2000 mehrere Reisen nach Masuren im heutigen Polen und nach Königsberg (jetzt Kaliningrad) im nördliche Ostpreußen. Sie knüpften dort Kontakte zu der heutigen Universität, überbrachten Spenden an ein befreundetes Waisenhaus und besuchten einen dort ansässigen russischen Corpsbruder, der zuvor bei Palaiomarchia Masovia aktiv geworden war

Segelsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wesentlicher Bestandteil der corpsstudentischen Erziehung ist neben dem Mensurfechten das Hochsee-Segeln. Dazu erwarb Palaiomarchia-Masovia seit seiner Gründung folgende Yachten:

Im Mai 1952 erwarb Palaiomarchia-Masovia die Spitzgattketsch Coronel II, der als Gaffelsloop mit 65 m² am Wind getakelt war. Das Schiff hatte zum Zeitpunkt des Erwerbs keine Maschine mehr, bewährte sich aber umso mehr auf großen Reisen  u. a. 1967 nach Turku/Finnland. Im Jahre 1974 wurde das Schiff wieder verkauft.

1975 wurde aus Spendenmitteln die zweite Coronel //, eine Arpege, gekauft und in Dienst gestellt. Auch mit ihr fanden große Reisen statt, u.a. 1982 zu den westschottischen Inseln. Dieses Boot wurde 2012 wieder verkauft.

Am 19.April 2013 kaufte Palaiomarchia-Masovia aus Spendenmitteln ei ndrittes Boot, eine Scalar 36, und stellte diese als Coronel III in Dienst.

weitere Entwicklung bei Palaiomarchia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswärtige Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palaiomarchia und Palaiomarchia-Masovia unterhalten ein Eisernes Kartell.

Palaiomarchia pflegt ein innig befreundetes Verhältnis mit Rhenania Freiburg[17] und ist befreundet mit den Corps Starkenburgia, Guestphalia Bonn, Masovia, Marchia Berlin, Moenania, Palatia-Guestphalia, Austria, Guestfalia Greifswald und Rhaetia.

Palaiomarchia-Masovia hat je ein Kartellverhältnis mit Palatia-Guestphalia (1952), Guestfalia Greifswald, Guestphalia Bonn und Marchia Berlin sowie befreundete Verhältnisse mit Rhenania Freiburg, Starkenburgia, Teutonia Marburg, Lusatia Leipzig, Austria in Frankfurt, Isaria in München, Moenania in Würzburg und Rhaetia Innsbruck zu Augsburg sowie ei Traditionsverhältnis zu Albertina in Hamburg

Sie wird zum blauen Kreis gezählt. Vor der großen Suspension von 1874 bis 1882 stand sie in Verhältnisverträgen mit Corps anderer Kreise.[18]

Siehe auch: Kösener Kreise

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

Träger der Klinggräff-Medaille[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Klinggräff-Medaille des Stiftervereins Alter Corpsstudenten wurde ausgezeichnet:

  • Jörg Richter (1996)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Koenig:[19] Aus zwei Jahrhunderten. Geschichte der Studentenschaft und des studentischen Korporationswesens auf der Universität Halle. Halle an der Saale 1894.
  • Friedrich Wilhelm Koenig: Geschichte des Corps Palaiomarchia zu Halle a. S. nach den noch vorhandenen Protokollen des CC und des Hallenser SC. Halle an der Saale 1903.
  • Thorsten Lehmann: Die Hallenser Corps im Deutschen Kaiserreich. Halle 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Corps Palaiomarchia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintracht und Treue durch Leben und Tod
  2. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 57.
  3. L. Denecke: Palaiomarchia im SS 1874. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 55, Kiel 1974, S. 1210–1212
  4. Academische Monatshefte 8 (1891/92), S. 39
  5. Jürgen Herrlein: Zur "Arierfrage" in Studentenverbindungen. Nomos, 2015, S. 374.
  6. Bernhard Hofmann, Rundbrief an alle Altmärker, Neujahr 1935 (Evangelisches Zentralarchiv in Berlin).
  7. Mitteldeutsche National Zeitung, Halle, 29.August 1935, BA Kobl. R128, f.74 und Kös. Arch.
  8. [Anonym]: Die Schande im Corps Palaiomarchia. In: Der Stürmer. Ausg. 44, Oktober 1935.
  9. Lammers, Vom Fall Palaiomarchia bis zum Ausschluss des Kösener SC, BA Koblenz. R128, 101.
  10. G. Neuenhoff: Die Auflösung des HKSCV und VAC 1935. 1968.
  11. zum Ganzen auch: R. Weber,: Die deutschen Corps im Dritten Reich. Köln 1998, S. 173 ff., 182 ff.
  12. M. Grüttner: Studenten im Dritten Reich. Paderborn 1995, S. 321 f.
  13. Aktenzeichen W 553, 1, c (7)
  14. Wolfgang Erich: Die Entwicklung des Collegium Albertinum von seiner Gründung im Jahre 1946 an bis zum Anschluß an die Palaiomarchia-Masovia im Wintersemester 1949/50. Corpszeitung der Altmärker-Masuren
  15. Günter Ernesti: Vom Collegium Albertinum zum Corps Palaiomarchia-Masovia. Kiel, Boyens Verlag 2008, S. 179 ff.
  16. Oswald Hauser: Das geistige Preußen. 1980, (PDF).
  17. Ludwig Denecke: Rhenania und Palaiomarchia. Zum 90-jährigen Bestehen einer Freundschaft. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 57, Kiel 1975, S. 1257–1259
  18. Wilhelm Schrader-Rottmers: Die Beziehungen der Palaiomarchia zu anderen Corps von 1844 bis 1950 (1. Folge). Zeitung der Altmärker-Masuren 49, Kiel 1971, S. 1033–1037
  19. G. Daniel: Fr. W. Koenig. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 79, Kiel 1986, S. 2365 f.