Edmond Henri Fischer

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Edmond Henri Fischer (2016)

Edmond Henri Fischer (* 6. April 1920 in Shanghai)[1] ist ein in China geborener und in der Schweiz aufgewachsener US-amerikanischer Biochemiker französischer Abstammung. Er erhielt mit Edwin Gerhard Krebs 1992 den Nobelpreis für Medizin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde als Sohn einer Französin (Renée Tapernoux, ihr Vater gründete die Zeitschrift Courrier de Chine in Shanghai) und eines Österreichers (Oscar Fischer) in Shanghai geboren. Er ging in Shanghai auf die von seinem Großvater mitgegründete französische Schule. Mit sieben Jahren wurde er mit seinem Bruder in ein Internat in der Schweiz bei Vevey geschickt. Als Schüler besuchte er auch das Konservatorium in Genf und überlegte eine Zeit lang Musiker zu werden. Er studierte an der Universität Genf Chemie mit dem Lizenziat 1943, dem Diplom 1944 und der Promotion in organischer Chemie (Polysaccharide und zugehörige Enzyme, speziell alpha-Amylase) 1947 bei Kurt Heinrich Meyer. Von 1948 bis 1950 war er wissenschaftliches Mitglied der Schweizer Nationalstiftung. Danach war er Privatdozent für Biochemie in Genf. 1950 ging er als Forschungsstipendiat der Rockefeller Foundation an das California Institute of Technology in Pasadena/USA[2] und kurz danach als Post-Doktorand und Rockefeller-Stipendiat an die University of Washington in Seattle, wo seine Zusammenarbeit mit Edwin G. Krebs begann. 1953 wurde er Assistant Professor und später Professor an der University of Washington, an der er 1990 emeritiert wurde.

Fischer entdeckte mit Krebs[3] den Mechanismus der reversiblen Aktivierung und Deaktivierung von Enzymen durch Phosphorylierung. Dies ist ein weitverbreiteter Prozess zur Regulierung des Stoffwechsels. Eine Protein-Kinase baut eine Phosphat-Gruppe (aus ATP gewonnen) in das Enzym ein und ändert so dessen Struktur vom inaktiven zum aktiven Zustand. Ausgelöst wird das durch Hormone oder Calcium. Fischer untersuchte diesen Mechanismus mit Krebs zuerst bei Glykogen-Phosphorylase und dann an vielen weiteren Enzymen.

Er ist seit 1948 verheiratet und hat zwei Kinder.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1972 wurde Fischer in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1992 erhielt er zusammen mit Edwin Krebs den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für ihre Entdeckung der Mechanismen, welche die Stoffwechselvorgänge in Organismen steuern“. Fischer ist emeritierter Professor für Biochemie an der University of Washington in Seattle.

2010 wurde er auswärtiges Mitglied der Royal Society. Er ist Ehrendoktor an der Universität Basel, der Universität Montpellier und am Medical College of Ohio.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amanda Parr: Edmond Henri Fischer. Biochemistry without boundaries. In: Nature. 478, 2011, S. S5, doi:10.1038/478S5a.
  • Gisela Baumgart: Fischer, Edmond Henri. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 402.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebensdaten nach American Men and Women of Science, Thomson Gale 2004
  2. Gisela Baumgart: Fischer, Edmond Henri. 2005, S. 402.
  3. Edmond Henri Fischer, E. G. Krebs: Metabolic Interconversion of Enzymes. 1973.