Hans Adolf Krebs

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Hans Adolf Krebs

Sir Hans Adolf Krebs (* 25. August 1900 in Hildesheim; † 22. November 1981 in Oxford) war ein deutscher, später britischer Mediziner, Internist und Professor für Biochemie. Er war ein Pionier der Erforschung biochemischen Prozesse in lebenden Zellen. Dabei entdeckte er wichtige Schlüsselzyklen biochemischer Stoffwechselreaktionen, den Citratzyklus und den Harnstoffzyklus, sowie zusammen mit Hans Kornberg den Glyoxylatzyklus. Er wirkte ab 1935 an der University of Sheffield zunächst als Dozent für Pharmakologie und nach dem Krieg als Professor für Biochemie und Leiter des Medical Research Council-Referats für Zellstoffwechsel. Von 1954 bis zu seiner Pensionierung 1967 lehrte er an der University of Oxford. Für die Entdeckung des Citratzyklus zeichnete das Nobelkomitee ihn 1953 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin aus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Adolf Krebs wurde 1900 als Sohn von Georg Krebs, einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt und seiner Frau Alma, geborene Davidson, als das Mittlere von drei Kindern in Hildesheim geboren. Ab 1910 besuchte er das Gymnasium Andreanum in Hildesheim. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs im September 1918 wurde er zur Fernmeldetruppe in die kaiserliche deutsche Armee eingezogen.[1] Nach Beendigung des Krieges im November desselben Jahres nahm er 1918 das Studium der Medizin an der Georg-August-Universität Göttingen auf. Nach Wechseln an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie an die Ludwig-Maximilians-Universität München wurde er 1925 an der Universität Hamburg im Arbeitskreis des Anatomen Wilhelm von Möllendorff promoviert.[2]

Aufgrund seines Interesses an wissenschaftlicher Arbeit arbeitete er im Anschluss an seine Promotion vier Jahre als Assistent beim Biochemiker und späteren Nobelpreisträger Otto Warburg am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin-Dahlem.

Nach 1930 arbeitete er in Hamburg-Altona als Mediziner sowie ab 1931 an der Universitätsklinik Freiburg als Assistent von Siegfried Thannhauser, wo er sich 1932 habilitierte, bis ihm als Jude 1933 durch die „Rassengesetze“ (Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums) die Lehrbefugnis entzogen wurde.[3][4] Er floh nach England und studierte an der Universität Cambridge erneut, nun Biochemie.

Hans Adolf Krebs heiratete 1938 Margaret Fieldhouse. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor.[5] Sein Sohn John Krebs ist Zoologie-Professor in Oxford und Mitglied des House of Lords. Hans Krebs starb 1981 in Oxford.

Beim Festakt zur 750-Jahrfeier des Gymnasium Andreanum im Jahr 1975 hielt er in Hildesheim die Festrede.[4]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schema des Harnstoffzyklus. Die Reaktionen finden sowohl im Mitochondrium (oben) als auch im Cytosol (unten) statt. 1: L-Ornithin; 2: Carbamoylphosphat; 3: L-Citrullin; 4: Argininosuccinat; 5: Fumarat; 6: L-Arginin; 7: Harnstoff; L-Asp: L-Aspartat; CPS-1: Carbamoylphosphat-Synthetase I; OTC: Ornithin-Transcarbamylase; ASS: Argininosuccinat-Synthase; ASL: Argininosuccinat-Lyase; ARG1: Arginase 1

1935 wurde er Dozent, 1945 Professor für Pharmakologie an der Universität Sheffield. 1954 wurde er auf den Whitley Chair of Biochemistry[6] der Universität Oxford berufen. Krebs’ Interessengebiet war der intermediäre Metabolismus. 1932 entdeckte er – noch in Freiburg – gemeinsam mit Kurt Henseleit den Harnstoffzyklus (Krebs-Henseleit-Zyklus) und 1937 den Citratzyklus, der auch heute oft noch Krebs-Zyklus genannt wird. Für letztere Entdeckung wurde ihm 1953 (zusammen mit Fritz Albert Lipmann, New York) der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen.

Die Fachzeitschrift Nature lehnte im Jahr 1937 Krebs’ Arbeit zum Citratzyklus ab. Die Zeitschrift begründete dies mit dem Hinweis, es lägen schon genügend Zuschriften vor, um 7 bis 8 Wochen mit Korrespondenz zu füllen, und ergänzte, es sei ′zurzeit unerwünscht, weitere Briefe zu akzeptieren.′ (′it is undesirable to accept further letters at the present time.′).[7] Krebs sah sich in Folge gezwungen, seine Erkenntnisse in der weit weniger bekannten Zeitschrift Enzymologia in den Niederlanden zu veröffentlichen.[8][9] 1988, sieben Jahre nach Krebs’ Tod, veröffentlichte ein anonymer Redakteur in Nature einen Brief, in dem er die Ablehnung der Arbeit von Krebs als den „ungeheuerlichsten Fehler“ des Journals bezeichnete.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Hitler hat mich zum Juden gemacht.“

Zitiert nach: Zvi Asaria: Die Juden in Niedersachsen. Leer 1979, S. 357

Ehrungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Adolf-Krebs-Weg am Nordcampus der Universität Göttingen

Hans Adolf Krebs wurde für seine wissenschaftlichen Leistungen vielfach geehrt. Das Nobelkomitee zeichnete ihn 1952 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin aus. Königin Elisabeth II. adelte ihn 1958 als Knight Bachelor und er erhielt die Anrede „Sir“. Seine Geburtsstadt Hildesheim ernannte ihn 1966 zum Ehrenbürger. 1972 wurde er in die Auslandsmitgliedschaft des Deutschen Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste berufen.[10] Die Mitgliedschaft in diesem Orden ist auf 40 der angesehensten deutschen Bürger sowie der gleichen Anzahl ausländischer Mitglieder beschränkt.

Er war Fellow der Royal Society (1947), Mitglied der American Academy of Arts and Sciences (1957), Royal College of Physicians (1958), Mitglied der American Philosophical Society (1960), Mitglied der National Academy of Sciences (1964), des Royal College of Pathologists (1967), Ehrenmitglied der Leopoldina (1969), Korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften (1971), Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1974) und Fellow der Royal Society of Edinburgh (1976).[10] Weiterhin war es Mitglied der Nationalen Akademien für Medizin Frankreichs (1952), Belgiens (1962) und Argentiniens (1977). Krebs war Honorary Fellow der Trinity und Girton Colleges in Cambridge sowie der St. Catherine's, St. Cross und Green Colleges in Oxford.[10]

Krebs erhielt zwischen 1954 und 1980 die Ehrendoktorwürde von 21 Universitäten, darunter die der Medizinischen Hochschule Hannover, der University of Cambridge, der University of Chicago, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Universität Sheffield und weitere.[10]

Er erhielt 1953 den Albert Lasker Award for Basic Medical Research der American Public Health Association, die Royal Medal (1954) und die Copley-Medaille (1961) der Royal Society sowie die Otto-Warburg-Medaille (1969) der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie.[10]

Auf dem Gelände der Freiburger Universitätsklinik wurde 2012 die Straße, an der die Notfallaufnahme liegt, Sir-Hans-A.-Krebs-Straße benannt.[11] Die Stadt Ulm hat eine Straße im Universitätsgelände nach Hans Krebs benannt, den Hans-Krebs-Weg beim Botanischen Garten.

Seit 1968 verleiht die Federation of European Biochemical Societies die Hans-Krebs-Medaille für außergewöhnliche Leistungen in der Biochemie oder Molekularbiologie. Die Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e. V. verleiht jährlich den von Ernst-August Schrader gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten Sir-Hans-Krebs-Preis für eine herausragende, in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichte Arbeit der medizinischen Grundlagenwissenschaft.[12]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meine Liebe zu Hildesheim hat nie aufgehört. Red.: Helga Stein. Lax, Hildesheim 1990.
  • Reminiscences and reflections. Clarendon Press, Oxford; Oxford University Press, New York, c1981.
  • Wie ich aus Deutschland vertrieben wurde – Dokumente mit Kommentaren. In: Medizinhistorisches Journal. Band 15, Heft 4, 1980, S. 357–377.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Roth: Sir Hans Adolf Krebs (1900–1981): Dann machte ich mich allein auf den Weg, um den 11-Uhr-Zug zu erreichen. In: Klaus Roth: Chemische Köstlichkeiten. Weinheim 2010, Seite 168–181.
  • Frederic L. Holmes Hans Krebs: the formation of a scientific life 1900-1933, Oxford University Press 1991
  • Frederic L. Holmes Hans Krebs: Architect of intermediary metabolism 1933-1937, Oxford University Press 1993

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frederic Laurence Holmes: Hans Krebs. The formation of a scientific Life 1900 – 1933. Volume 1. Oxford University Press, 1991, New York, Oxford. ISBN 0-19-507072-0, S. 59–65.
  2. Klaus Roth: Dann machte ich mich allein auf den Weg, um den 11-Uhr-Zug zu erreichen. Sir Hans Adolf Krebs (1900-1981). In: Chemie in unserer Zeit. 42, 2008, S. 346–359, doi:10.1002/ciuz.200800471.
  3. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg: Nobelpreisträger der Albert-Ludwigs-Universität (Memento des Originals vom 20. Februar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pr.uni-freiburg.de (PDF; 1,9 MB), Februar 2009, S. 16.
  4. a b Informationspräsentation zu Qualifikationsphase
  5. Hans Krebs - Biography
  6. Hans Adolf Krebs: BRITISH BIOCHEMIST 1900–1981.
  7. Nature rejects Krebs’s paper, 1937. The Scientist (kostenloses Lifescience-Magazin; Registrierung erforderlich) Artikel mit Abbildung des Ablehnungsbriefs von Nature an H. A. Krebs. Abgerufen am 3. März 2010.
  8. Krebs H. A. and Johnson, W. A.: The Role of Citric Acid in Intermediate Metabolism in Animal Tissues. In: Enzymologia. 4, 1937, S. 148–156.
  9. Krebs H. A. and Johnson, W. A.: The Role of Citric Acid in Intermediate Metabolism in Animal Tissues. In: FEBS Lett.. 117, 1980, S. Suppl:K1-10.. PMID 6998725.
  10. a b c d e Hans Leo Kornberg, D. H. Williamson: Hans Adolf Krebs, 25 August 1900 - 22 November 1981. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society. 30, 1984, S. 351–385, doi:10.1098/rsbm.1984.0013.
  11. Eine Straße für Hans A. Krebs in Badische Zeitung vom 26. September 2012.
  12. Verleihung Sir-Hans-Krebs-Preis bei aerzteblatt.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans Adolf Krebs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien