Fanradio

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Ein Fanradio ist eine (meist ehrenamtlich betriebene) Sportberichterstattung, die normalerweise als Internetradio ausgeführt ist. Es gehört in der Regel einem bestimmten Verein an und wird von diesem, dessen Fans oder von Sponsoren betrieben.

Ein Fanradio berichtet meist live von Spielbegegnungen der Vereinsmannschaft. Die Kommentatoren, die über ein Spielereignis im Rahmen einer Fanradio-Übertragung berichten, sind in der Regel Laien und selbst Angehörige des jeweiligen Vereins oder dessen Fanszene. Es findet eine Berichterstattung „von Fans für Fans“ statt.

Fanradios im Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Situation

In den vergangenen Jahren sind besonders im Fußball viele Fanradios entstanden. Im deutschen Fußball-Ligasystem ist die Sportberichterstattung des öffentlichen Rundfunks bis etwa in die dritte Bundesliga hinein lückenhaft. Fanradios versuchen, diese Lücke der Berichterstattung zu schließen und den Fans ihres Vereins angemessene und aktuelle Informationen zu Spielbegegnungen bereitzustellen. In der ersten und zweiten Fußballbundesliga der Herren findet zwar eine ausführliche Berichterstattung statt, dennoch schätzen viele Fans die Übertragungen der vereinseigenen Fanradios, da diese oft als natürlicher und emotionaler empfunden werden. Auch sind Übertragungsrechte oft an kommerzielle Pay-TV-Anbieter verkauft worden. Viele Fans lehnen es jedoch ab, kostenpflichtige Verträge mit den Anbietern abzuschließen und greifen daher auf Fanradios zurück. Einige Angebote konzentrieren sich darüber hinaus insbesondere auf sehbehinderte Stadionbesucher und werden ehrenamtlich von ausgebildeten Blindenkommentatoren betrieben.[1]

Rechtliches und Lizenzierung

Der Betrieb eines Fanradios ist in Deutschland an Bedingungen geknüpft. Da die Übertragungsrechte im Profifußball – auch für rundfunkähnliche Übertragungen – in der Regel an öffentlich-rechtliche oder private Sendeanstalten verkauft sind, dürfen nur offizielle Vereinsradios live berichten. Diese wird geduldet, solange das Programm nur in Form eines Internetradios und nur auf einer vereinseigenen Homepage zur Verfügung gestellt wird. Eine Verbreitung über Drittanbieter, welche das Programm auf öffentlichen Plattformen bereitstellen, verstößt gegen Lizenzrechte. Ab der dritten Liga sind diese Regularien etwas gelockert. Hier dürfen Fanradios auch dann berichten, wenn der Betreiber kein Verein der Liga ist.[2] Zunehmend finden sich auch Apps für Mobilgeräte, die eine einfache Nutzung des Fanradioprogramms auch ohne Heimcomputer ermöglichen.

Liste von Fanradios im deutschen Fußball (Stand: 08. April 2022)
Vereinsname Sendername Ligazugehörigkeit (Herren)
Deutsche Fußballnationalmannschaft DFB Fan Club Radio
1. FC Köln Radio Köln FC-Radio Bundesliga
1. FSV Mainz 05 05er.fm Bundesliga
Arminia Bielefeld ASC-Livestream Bundesliga
Bayer 04 Leverkusen Werkself Radio Bundesliga
Borussia Dortmund BVB-Netradio Bundesliga
Borussia Mönchengladbach Fohlenradio Bundesliga
Eintracht Frankfurt EintrachtFM Bundesliga
FC Bayern München Live Webradio Bundesliga
Hertha BSC Hertha onAir Bundesliga
RB Leipzig bullenfunk.fm Bundesliga
SC Freiburg Sportclub live Bundesliga
SpVgg Greuther Fürth Kleeblatt Radio Bundesliga
VfB Stuttgart VfB-Radio Bundesliga
VfL Wolfsburg Wölferadio Bundesliga
FC Schalke 04 Knappen-Kommentar 2. Bundesliga
1. FC Heidenheim FCH Fanradio 2. Bundesliga
1. FC Nürnberg Fanradio 2. Bundesliga
FC Erzgebirge Aue Veilchen-Fanradio 2. Bundesliga
FC Ingolstadt Schanzer Fanradio 2. Bundesliga
FC St. Pauli AFM-Radio 2. Bundesliga
Hamburger SV HSVnetradio 2. Bundesliga
Hannover 96 Das Rote Radio 2. Bundesliga
FC Hansa Rostock Hansa Fanradio[3] 2. Bundesliga
Karlsruher SC KSC-Fanradio 2. Bundesliga
SSV Jahn Regensburg Turmfunk 2. Bundesliga
SV Darmstadt 98 SV 98 Fanradio 2. Bundesliga
SV Sandhausen Hardtwald-Hörfunk 2. Bundesliga
1. FC Kaiserslautern FCK-Fanradio 3. Liga
1. FC Saarbrücken Fanradio 3. Liga
Eintracht Braunschweig Fanradio 3. Liga
FC Viktoria Köln Radio Viktoria 3. Liga
Hallescher FC HFC Fanradio 3. Liga
KFC Uerdingen 05 Webradio BlauRot 3. Liga
MSV Duisburg ZebraFM 3. Liga
SV Waldhof Mannheim 07 Waldhof Livestream 3. Liga
TSV 1860 München Löwen-Radio 3. Liga
VfL Osnabrück Lauschangriff 3. Liga
Würzburger Kickers Kickers-Fanradio 3. Liga
Chemnitzer FC GellertWelle Regionalliga Nordost
FC Energie Cottbus EnergieFM Regionalliga Nordost
SC Preußen Münster Radio Mottestrehle Regionalliga West
Kickers Offenbach OFC Fanradio Regionalliga Südwest

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in der höchsten österreichischen Spielklasse ist die Zuschauerzahl bei Fernsehübertragungen seit Vergabe der Übertragungsrechte an Bezahlsender wie Sky Österreich weiter rückläufig.[4][5] Dennoch betreibt hier kein Club ein vergleichbares Radioformat. Stattdessen stellen die Vereine den Fans oftmals Podcasts zur Verfügung, die exklusives Audiomaterial aus Interviews, Pressekonferenzen oder Vorberichterstattungen enthalten.[6]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Vereine der Schweizer Super League oder deren Fanclubs betreiben eigene Fanradios. Diese bieten den Vorteil, dass die Berichterstattung in der regional bevorzugten Amtssprache erfolgen kann. Während die Young Boys Bern beispielsweise aus dem größtenteils deutschsprachigen Kanton Bern stammen, trägt der tessinische FC Lugano seine Heimspiele insbesondere vor italienischsprachigem Publikum aus.

Liste von Fanradios im Schweizer Fußball (Stand: 3. Oktober 2020)
Vereinsname Sendername Ligazugehörigkeit (Herren)
FC Basel Radio Rotblau Super League
FC Luzern FCL.Radio Super League
FC Sion FC Sion Radio Super League
FC St. Gallen FCSG.FM Super League
FC Zürich Züri Live Super League
Young Boys Bern Radio Gelb-Schwarz Super League
FC Thun Radio Blind Power Challenge League
GC Zürich Sächsedachzg Live Challenge League

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigtes Königreich

Im Vereinigten Königreich bieten einige Fußballvereine seit Anfang der 1990er Jahre[7] sogenannte „community radios“ zu Live-Übertragungen, Pressekonferenzen und ähnlichen Ereignissen an.[8] Diese unterscheiden sich von deutschen Fanradios oftmals durch die Professionalität der Kommentatoren, die analoge Empfangbarkeit, sowie strenge Lizenzauflagen, die die Ausstrahlung nur in unmittelbarer Umgebung des Stadions und nur über einen stark begrenzten Zeitraum vorsehen.[9] Zusätzlich dazu stellen einige Vereinswebseiten den Fans auch digitale Webradios zur Verfügung, die nach einer kostenlosen Registrierung online frei empfangbar sind.[10]

Niederlande

Der Fanclub Boerenmacht des FC Groningen betreibt mit dem FCG Radio das einzige Fanradio eines Vereins der niederländischen Eredivisie. Neben den live stattfindenden Spielberichtserstattungen lädt dieser in regelmäßigen Abständen auch eigene Podcasts und Kolumnen auf der fanclubeigenen Website hoch – ohne dabei in irgendeiner Art und Weise mit den Verantwortlichen des eigentlichen Vereins in Verbindung zu stehen.[11]

Spanien

Die großen spanischen Fußballvereine der Primera División stellen in der Regel zu jedem sportlichen Event ihrer ersten Mannschaft kostenlos fanradioähnliche Formate zur Verfügung, um Fans und Interessierten eine Live-Berichterstattung zu ermöglichen. Eine Besonderheit ist hierbei die Webseite des FC Barcelona, die das vereinseigene Radio Barça nicht nur in der Landessprache Spanisch, sondern auch in Katalanisch und Englisch anbietet, um das zunehmend internationale Publikum zu bedienen.[12]

Fanradios im Eishockey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerade in Deutschland finden sich bei den Mannschaften der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der DEL2 viele Fanradios. Zwischen 2000 und 2010 entstanden innerhalb dieser beiden Ligen zahlreiche von den Vereinen und Fanverbänden sowie Lokalsendern eigens betriebene Webradios, um Fans eine Liveberichterstattung – vor allem auch zu Auswärtsspielen – zu ermöglichen. Während dieser Zeit war das öffentliche Interesse an der Sportart im deutschsprachigen Raum verglichen mit dem Profifußball eher gering, weshalb nur selten Eishockey-Begegnungen im Radio oder auf frei empfänglichen Fernsehsendern ausgestrahlt wurden. Seit der Aufnahme der DEL-Spiele in das kostenlose Programmangebot von Magenta Sport im Jahr 2019 wurden die Hörerzahlen schnell rückläufig, was zur Schließung einiger Fanradios führte.[13]

Liste von Fanradios im Eishockey (Stand: 1. September 2020)
Vereinsname Sendername Ligazugehörigkeit (Herren)
Krefeld Pinguine Radio Eiszeit DEL
Adler Mannheim Radio Regenbogen DEL
Eisbären Berlin Eisbären L!ve DEL
Fischtown Pinguins fischtownlive DEL
Düsseldorfer EG 1935 Radio DEL
EHC Red Bull München Radio Oberwiesenfeld DEL
Nürnberg Ice Tigers N1 Ice Tiger Fan-Radio DEL
Straubing Tigers Fanradio DEL
Kassel Huskies Radio HNA DEL2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lucia Hoffmann: SC Freiburg: Blindenreporter machen die Bundesliga hörbar. In: fudder.de. 1. Dezember 2014, abgerufen am 2. Januar 2021.
  2. Konferenzrückblick: Fanradios in Deutschland vereinigen sich. 16. November 2011, abgerufen am 29. Januar 2017.
  3. fc-hansa.de: Hansa-Podcast: Wir blicken zurück auf 10 Jahre Fanradio. 9. Februar 2021, abgerufen am 10. Februar 2021.
  4. Florian Vetter: Bundesliga-TV-Vertrag – Gewinner und Verlierer. Der Standard, 29. März 2019, abgerufen am 6. Dezember 2019.
  5. Florian Vetter: Bundesliga: Der Ball rollt im TV, und keiner schaut zu. Der Standard, 27. Februar 2019, abgerufen am 6. Dezember 2019.
  6. Heinz Deutsch: Der Podcast. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  7. Andrew Baker: Almanack: United win in the air. The Independent, 9. Oktober 1994, abgerufen am 6. Dezember 2019 (englisch).
  8. Dietmar Telser: Eine Stadt im Fußballfieber. Der Spiegel, 5. Mai 2003, abgerufen am 6. Dezember 2019.
  9. Carole Fleming: The Radio Handbook. 2. Auflage. Routledge, London, New York 2002, ISBN 0-415-22615-5, S. 35–36.
  10. Live Audio Commentary – Registration. September 2009, abgerufen am 6. Dezember 2019 (englisch).
  11. Veel gestelde vragen. Abgerufen am 7. Dezember 2019 (niederländisch).
  12. Radio Barça. Abgerufen am 10. Dezember 2019 (spanisch).
  13. Dennis Wegner: Haimspiel.de stellt Liveradio nach der Saison ein. In: Haimspiel.de. 20. Januar 2019, abgerufen am 28. Juni 2020.