Johann Kaspar Riesbeck

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Namenszug Riesbecks.[1]
Riesbecks Biograf Johann Pezzl, zeitgenössischer Schattenriss.[2]

Johann Kaspar Riesbeck, auch Risbeck[3], Risbek[4] oder Rysbeck[5] (getauft 12. Januar 1754 in Höchst am Main, Kurmainz[6]; † 8. Februar 1786 in Aarau[7]), war ein in der Schweiz tätiger deutscher Schriftsteller. Seine Briefe eines Reisenden Franzosen über Deutschland fanden am Vorabend der Französischen Revolution europaweit Beachtung.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Das Meiste, was über Riesbeck bekannt ist, findet sich im Nachruf, den sein „Busenfreund“[8] Johann Pezzl (1756–1823) – damals Vorleser und Bibliothekar des kaiserlich-königlichen Staatskanzlers Kaunitz[9] – spätestens im April 1786[10] veröffentlichte. Pezzl verdankte dem zwei Jahre älteren Riesbeck seine Schriftstellerkarriere, gemeinsam hatten sie gegen Mönchtum und Ancien Régime gekämpft.[11] Ein angebliches Riesbeck-Porträt[12], dessen Original sich in der Grafischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich befindet, zeigt in Wirklichkeit Johann Kaspar Häfeli[13].

Riesbecks Vater Johann Melchior (1707–1761) war laut Pezzl „ein ziemlich wohlhabender Mann, der eine kleine Manufaktur von leinenen Schnupftüchern und dergleichen Waaren hatte“.[14] Er kam aus Soden bei Salmünster (Fürstabtei Fulda) und war der Sohn eines Tirolers. Die Mutter Maria Katharina geborene Schindling (1717–1777) stammte aus Höchst. Riesbeck hatte sieben Geschwister, von denen aber nur Maria Anna (1751–1807) das Erwachsenenalter erreichte. Mit sieben Jahren verlor er den Vater, den man gerade zum Bürgermeister vorgeschlagen hatte. Drei Wochen später schloss die Mutter eine zweite Ehe mit dem wohlhabenden Weber Matthäus Mühlfelder. Die Schwester verheiratete sich 1770 in Höchst mit dem italienischen Kaufmann Joseph Modest Prina.[15]

Katholische Aufklärung[Bearbeiten]

In Mainz – einem Zentrum
der katholischen Aufklärung –
ging es um 1770 recht weltlich zu.
(Landesmuseum Mainz.)

Seine erste Schulbildung erhielt Riesbeck bei den Antonitern in Höchst. 1768 ist er als „grammaticus studiosus“ in Mainz nachweisbar.[16] Laut Pezzl sollte er Geistlicher werden, zeigte dazu aber keine Lust.[17] Stattdessen studierte er ab etwa 1770 an der Universität Mainz Jura. Von seinen Lehrern Schlör[18] und Horix wurde er im Sinn der katholischen Aufklärung beeinflusst. Horix war ein Anhänger des Würzburger Kirchenrechtlers Barthel[19], der die Rechte der deutschen Fürstbischöfe gegenüber der Kurie und den Orden betonte.[20] Während Horix später dem Illuminatenorden beitrat, fehlen Belege für eine Mitgliedschaft Riesbecks.[21] Die Aufhebung der Gesellschaft Jesu durch Papst Clemens XIV. (1773) gab dem Kampf gegen das Mönchtum[22] Auftrieb, an dem Riesbeck später an vorderster Front teilnahm. Kurze Zeit studierte er auch an der lutherischen Universität Gießen.[23]

Pezzl berichtet: „Während dieser seiner Studierjahre, und besonders in den Herbstferien durchwanderte er alle benachbarte Gegenden seines Vaterlandes; den Rhein hinauf bis Straßburg, und hinunter bis Rotterdam. Auf diesen Wanderungen hatte ihm sein junger, hitziger Brausekopf verschiedene, zum Theil auch unangenehme, Abenteuer (…) zugezogen. Die Korrespondenten seines Vaters[24] brachten aber die Sache allemal ins Geleise, und spedirten ihn wohlbehalten wieder nach Hause.“[25]

Sturm und Drang[Bearbeiten]

Gegen Ende von Riesbecks Studien begann in Deutschland die Geniezeit. Goethe[26] veröffentlichte den Götz von Berlichingen (1773), Lenz den Hofmeister (1774), Wagner die Kindermörderin (1776); Klinger schließlich gab der Epoche mit seinem Sturm und Drang (1776) den Namen. Die erwähnten Autoren lebten in der Nachbarschaft von Höchst, was Riesbeck ermöglichte, sie persönlich kennen zu lernen. Pezzl schreibt: „Sein empfänglicher Kopf konnte sich der nahen Glut unmöglich erwehren, fieng ebenfalls Feuer; und so schwärmte er einige Zeit in Frankfurt, Hanau, Darmstadt ec. ec. herum, machte Balladen, Mord- und Gespenster-Geschichten, und trieb Geniewesen.“ Dieser Rausch habe aber nicht lange angehalten, „ob er ihm schon eine Falte eindrückte, die er sein ganzes Leben hindurch nie wieder ganz zu verwischen vermochte.“ Riesbeck ging nach Mainz und bereitete sich auf den Staatsdienst vor. Doch die Minister Groschlag und Bentzel, auf die er seine Hoffnung setzte, verloren mit dem Tod des aufgeklärten Kurfürsten Emmerich Joseph (1774) ihre Ämter.[27]

Das 1763 eingeweihte
Theater am Kärntnertor in Wien.

Riesbeck lebte nun abwechselnd in Mainz, Höchst und Frankfurt von seinem Erbe. Am letztgenannten Ort scheint er – wie der erwähnte Wagner – vorübergehend Sekretär des Iren Hermann Ludolf Ibbeken alias William Thompson gewesen zu sein, der Englischlehrbücher und Theaterstücke in deutscher Sprache veröffentlichte[28]. Am Karneval von 1775 besuchte Riesbeck in weiblicher Begleitung einen Ball in Mainz. Da gab ein geistlicher Libertin „zu einer Scene Anlaß, in der Risbecks Temperamentshitze und Eifersucht bis zur derben Thätlichkeit gegen den Domherrn ausbrach.“ Dieser Zwischenfall zwang ihn, Mainz zu verlassen.[29]

Schauspieler in Wien[Bearbeiten]

1775–1777 lebte Riesbeck in Wien. Laut Pezzl beabsichtigte er zuerst, „sich unter seinen dortigen Landsleuten Freunde zu machen, und sich um eine Stelle bei der Reichshofrathskanzlei zu bewerben“. Pezzl fährt fort: „Ob dieses Bemühen mißlang; oder, ob er von selbst jenen Gedanken wieder aufgab, kann ich nicht ganz zuverläßig sagen.“[30]

Weiter schreibt Pezzl: „Nachdem er einige Zeit in Wien privatisirt, schwur er endlich zum Altar Thaliens, und bestieg unter der Direktion des Hrn. Moll das Theater an dem Kärnthnerthor. Er spielte in Komödien, Tragödien, und Pantomimen: seine Rollen waren Könige, Prinzen, Minister, Liebhaber. (…) Auch schrieb er nun für die Bühne; bearbeitete ein paar englische Stücke für das deutsche Theater, so wie er auch ein paar Singspiele aus dem Französischen für eben diesen Gebrauch zuschnitt. Auf dem Theater selbst hab ich Risbecken nicht gesehn; aber nach der Art zu urtheilen, wie er mir manchmal einzelne Stellen auf seiner Stube vordeklamirte, muß er im komischen Fach kein schlechter Schauspieler gewesen sein.“[31]

Erzbischof Hieronymus Colloredo
auf einem Salzburger Taler.[32]
Briefe über das Mönchswesen. 4. Band, (Zürich) 1781.

Prag, Linz, Salzburg[Bearbeiten]

In Wien machte Riesbeck die Bekanntschaft des Schauspielers Karl Starke.[33] Laut Pezzl trieb dieser „politische Kannegießerei“ und erweckte dadurch in Riesbeck eine Neigung zum „stat(ist)ischen[34] und politischen Studium“. Im Frühjahr 1777 seien die beiden nach Prag gegangen. Dort hätten sie vergeblich über ein Engagement verhandelt.[35] Auf der Weiterreise seien sie in Linz auseinandergegangen, wo Riesbeck darauf mehr als ein halbes Jahr als Privatier gelebt habe.

Auf einmal habe er beschlossen, nach Italien zu reisen. In dieser Absicht sei er im Dezember 1777 nach Salzburg gekommen. Er sei dann dort geblieben, weil ihm „die schöne Gegend, und die wohlfeile Art zu leben“ gefallen hätten.[36] Im Fürsterzbistum Salzburg regierte der aufgeklärte Hieronymus Colloredo, bekannt als Arbeitgeber Mozarts (welcher sich damals auf Konzertreise befand). In Salzburg lernte Riesbeck Pezzl kennen, der dort Jura studierte. Pezzl schreibt über Riesbecks damalige Situation: „Er lebte für sich, ohne alle bestimmte Beschäftigung; und da frischte er seine (…) Kenntnisse in den schönen Wissenschaften wieder auf, las fleißig die neu erscheinenden Schriften, und trieb mit mehr Eifer das statistische, politische und historische Studium. Es erschienen nach dem Tode des bayerschen Kurfürsten Maximilian[37] eine Menge politischer Blätter. Risbeck schrieb auch ein paar, die einen ausserordentlich guten Abgang hatten. Eine davon hieß ungefähr: Gedanken über das Benehmen des preußischen Hofes (…) und war die Fortsetzung einer in Wien erschienenen Schrift.“[38]

Wahrscheinlich in Salzburg begann Riesbeck, der in jüngeren Jahren auch Gedichte schrieb, eine dramatische Posse in Versen mit dem Titel Die keusche Susanne. Laut Pezzl war sie im Geschmack von Voltaires Pucelle d’Orléans, „ein bischen profan, aber äusserst drollicht“.[39]

Dass der Stiefvater nach dem Tod der Mutter das Elternhaus erwarb, hielt Riesbeck noch einmal zwei Jahre über Wasser.[40] Dann teilte ihm die Schwester mit, mit der nächsten Post erhalte er zum letzten Mal Geld. Pezzl schreibt: „Also mußte er auf eigenen Erwerb denken, und wählte dazu das mühsame und undankbare Geschäft eines Schriftstellers.“[41]

Briefe über das Mönchswesen[Bearbeiten]

Laut Pezzl war es der Buchhändler Karl Friedrich Walliser[42], der Riesbeck vorschlug, eine Fortsetzung der Briefe über das Mönchswesen[43] zu schreiben.[44] Diese hatten bei ihrem Erscheinen 1771 Furore gemacht. Pezzl schreibt: „Sie waren das erste gut geschriebene Buch in Deutschland (…) das die Betrügereien, die Habsucht, Stupidität, Faulheit, den Verfolgungsgeist der Mönche in ihrer ganzen Blöße aufdeckte (…) es veranlaßte mehr ähnliche Schriften; der Kredit der Kapuzen fieng an zu sinken; und dieß war (…) der erste Schritt zu der heilsamen Revolution, die das Mönchswesen in dem aufgeklärten Deutschland in unsern Tagen betroffen hat[45]“. Als Autor sei allgemein Georg Michael von La Roche (1720–1788)[46] angesehen worden, der darum das Amt des kurtrierischen Regierungskanzlers verloren habe[47]. La Roche habe aber bloß dem wirklichen Verfasser Johann Jakob Brechter (1734–1772)[48] die Idee und Materialien zu dem Buch geliefert.[49]

Zürich um 1780.
Erstausgabe der Zürcher Zeitung.[50]

Riesbeck nahm den Vorschlag an. Er fand, „daß wir Katholiken noch Ursache genug haben, über die Möncherey zu schreyen“.[51] Doch laut Pezzl wagte Walliser nicht, das Buch in Salzburg drucken zu lassen; „er verhandelte das Manuscript an die Buchhändler Orell, Geßner, Füßli und Kompagnie in Zürich, als die Verleger des ersten Bandes (…) Dies gab Risbecken Gelegenheit, mit jenen Buchhändlern in Konnexion zu kommen. Er (…) that den Zürchern den Vorschlag, litterarische Arbeiten für ihre Handlung zu übernehmen; oder (…) selbst nach Zürch zu gehen, um in der Nähe desto bequemer für die Buchhandlung arbeiten zu können.“[52]

Riesbeck sprach Französisch und verstand Englisch und Italienisch.[53] Während er mit Zürich verhandelte, übersetzte er die Histoire de Zulmie Warthei einer Mademoiselle Motte[54]. Diese junge Französin hatte drei Liebesromane veröffentlicht, bevor sie mit knapp zwanzig Jahren – ohne die Sakramente zu empfangen – an Tuberkulose starb.[55] Die deutsche Fassung trägt den Titel Die Großmuth edler Herzen. Riesbeck konnte sich nicht verkneifen, die von Tugend und Idealismus triefende Handlung zu ironisieren.[56]

Zürcher Zeitung[Bearbeiten]

Wie Pezzl schreibt, zeigten die Briefe über das Mönchswesen den Zürcher Buchhändlern, „daß der Verfasser ein fähiger Kopf sey, ziemliche Kenntniße, und einen muntern, witzigen Styl in seiner Gewalt habe“. Sie stellten Riesbeck darum „auf ansehnliche Bedingungen“ ein und versahen ihn mit Reisegeld. Auf Anfang 1780 übersiedelte er nach Zürich.[57]

Orell, Gessner, Füssli & Cie. lancierten damals gerade ein neues politisches Blatt, die Zürcher Zeitung.[58] Pezzl berichtet: „Risbeck hatte ihnen in seinen Briefen gemeldet, daß er Sprachen könne, auch die zu einer Zeitung allenfalls nöthigen statistischen, geographischen und politischen Kenntniße besitze; und dieß war die Hauptursache, warum sie ihn nach Zürich gezogen hatten.“ Von einer Empfehlung Goethes, welche durch die neuere Literatur geistert[59], ist bei Pezzl nicht die Rede. Dieser unterstützte Riesbeck bei der Redaktionsarbeit, nachdem er ihm Ende 1780 nach Zürich gefolgt war.[60]

Neben dem in Salzburg entstandenen Band der Briefe über das Mönchswesen veröffentlichte Riesbeck – anonym, wie das Original erschienen war – zwei weitere Fortsetzungen. Über seine Arbeitsweise erzählt Pezzl: „Ich habe gesehen, wie er die Briefe über das Mönchswesen nur auf einzelne Blätter schrieb, und sie so von der Hand weg eines nach dem andern in die Druckerey gab; ja oft vom lezten bloß die lezte Phrase auf ein Papierfleckchen notirte, und nach einigen Tagen bloß von der einzelnen notirten Phrase im Zusammenhange weiter schrieb, als ob er das ganze Manuscript vor sich hätte.“[61] Nebenbei übersetzte Riesbeck die Sketches of the Natural, Civil, and Political State of Swisserland (sic) von William Coxe (London 1779) und die Description des Alpes pennines et rhétiennes von Marc-Théodore Bourrit (Genf 1781). So verdiente er mehr als vereinbart.[62]

1780 in Zürich hingerichtet:
Johann Heinrich Waser.

Von Limmat-Athen enttäuscht[Bearbeiten]

In anderer Hinsicht aber enttäuschte ihn Athen an der Limmat, wie Zürich gelegentlich genannt wird. Im Mai 1780 wurde dort der Statistiker Johann Heinrich Waser, ein Gegner der herrschenden Zunft-Oligarchie[63], enthauptet. Dies brachte die Stadt international in Verruf.[64] Riesbeck war insofern in den Fall involviert, als ihn der Verlag beauftragte, das Register zum Historisch diplomatischen Jahrzeitbuch des Hingerichteten (Zürich 1779) zu vollenden.[65] Der Justizmord an Waser dürfte dazu beigetragen haben, dass Riesbeck – mit Pezzls Worten – den Glauben an die „so hochgerühmten schweitzerischen Götzen, die da sind: Freiheit, Offenherzigkeit, Unschuld der Sitten, Gleichheit der Stände, Uneigennützigkeit, Biedersinn ec. ec.“ verlor[66].

Dem Berner Karl Viktor von Bonstetten schrieb Riesbeck: „Der Geist von Zürich ist schwerfällig, finster, zurükhaltend und hauptsächlich auf den Gewinn des täglichen Brodtes angestrengt. Selbst gegen die so starken Reitze der Gegend um die Stadt ist er größtentheils fühllos.“[67] Es gab kein Theater, nicht einmal gemischte Gesellschaften. Pezzl formulierte: „Sie sperren ihre Weiber und Töchter ein, wie die Türken (…)“[68] Riesbeck habe zuerst in einem kleinen Kreis pfeifenrauchender Geistlicher verkehrt, dann bloß noch im Haus des „in jedem Betracht liebenswürdigen Dichter Geßners“ (sic). Außer dem Aufklärer Johann Jakob Steinbrüchel (1729–1796) und dem Regimekritiker Leonard Meister (1741–1811) hätten die übrigen Zürcher armen Fremden gegenüber „eine beinahe beleidigende Gleichgültigkeit und Geringschätzung“ gezeigt.[69] Wäre Riesbeck dazu gekommen, geplante Briefe über die Schweitz[70] zu schreiben, hätten diese ein unvorteilhaftes Bild des Landes gezeichnet.[71] Bald habe er ans Weiterziehen gedacht: „Er machte erst einen Plan nach Wien[72]; dann nach Paris[73], wo er Büschings, Tozens[74], Schlözers, Dohms Schriften für die Franzosen umarbeiten, und ein französisches Journal nach dem Muster von Schlözers Briefwechsel[75] anlegen wollte.“[76]

Briefe eines Reisenden Franzosen[Bearbeiten]

1783 erschien Riesbecks opus magnum. Es trägt den Titel: Briefe eines Reisenden Franzosen über Deutschland. An seinen Bruder zu Paris. Uebersetzt von K. R. Laut Pezzl fing Riesbeck es an, „um sich füglich zur Reise, wo sie immer hingehen würde, zu rüsten“. Wenn er auch Erinnerungen an die Reisen seiner Jugend einarbeitete, handelt es sich doch weitgehend um eine Auswertung fremder Berichte. Die Buchform und die Anonymität entbanden ihn vom Zwang zur Kürze und zur Zurückhaltung, dem er als Zeitungsmacher unterworfen war. Pezzl schreibt, anfangs habe Riesbeck eine trockene, systematische Faktensammlung vorgeschwebt. Dann aber seien die mit leichter Hand verfassten Voyages en différens pays de l’Europe des Trientiner Grafen Carlantonio Pilati di Tassullo (1733–1802)[77] sein Vorbild geworden. Über den Druck habe er mit Nicolai in Berlin verhandelt.[78] Darum stehe in den Briefen – anders als in Reiseberichten anderer Schriftsteller – viel Positives über Preußen.[79] Schließlich habe Riesbeck das Werk doch Orell, Gessner, Füssli & Cie. überlassen.[80]

Forsthaus in Sihlwald bei Zürich.
Gabriel Lory/Marquard Wocher: Aarau von Westen, 1786.

Pezzl fährt fort: „Indessen hatte seine Gesundheit sehr abgenommen, wozu Melankolie, Gram, und verschiedene unangenehme kleine häusliche Vorfälle[81] das ihrige reichlich beigetragen hatten. Er entschloß sich also, noch vor Vollendung der Briefe über Deutschland von Zürich weg, und auf ein ganz einsames Landhaus zu ziehen.“ Bei seiner Krankheit handelte es sich um Tuberkulose. Gesund zu werden hoffte er wohl in Sihlwald bei Zürich, wo sein Arbeitgeber Gessner jeweils im Sommer das Amt des Sihlherrn ausübte. Laut Pezzl rieten Riesbecks Freunde aber von einem solchen Rückzug in die Einsamkeit ab, „weil ihm gesellschaftlicher Umgang zur Erhaltung seiner Gesundheit und Munterkeit das unentbehrlichste Bedürfniß war. Statt dem Lande schlug man ihm also vor, ein kleines Städtchen zu wählen, wo er die städtische und ländliche Lebensart und Luft im Nothfall mit einander verbinden könnte. Also zog er zu Ende des Monats Januar 1783 nach dem Städtchen Arau, im Kanton Bern, und vollendete dort die Briefe über Deutschland gänzlich.“[82]

Übersiedlung nach Aarau[Bearbeiten]

Damit trennten sich die Wege Riesbecks und Pezzls. Letzterer unterschlägt wohl aus Rücksicht auf Kaunitz, dass Österreichs Verbündeter Frankreich wiederholt gegen Berichte der Zürcher Zeitung protestiert hatte.[83] Offenbar nahm Zürichs Rat eine Beschwerde des französischen Botschafters zum Anlass, Riesbeck zum freiwilligen Verlassen der Stadt aufzufordern.[84] Die bernische Untertanenstadt Aarau bot nicht nur die Möglichkeit, sich notfalls ins benachbarte österreichische Fricktal abzusetzen, sondern war auch ein Zentrum der Opposition gegen das Ancien Régime, weshalb sie nach der Helvetischen Revolution (1798) einige Zeit lang Hauptstadt der Helvetischen Republik war. Vom März 1783 bis zu seinem Tod war Riesbeck beim ersten Pfarrer der Stadt, Dekan Johann Jakob Buess (1724–1786), in Kost.[85] Dort befreundete er sich mit dem Helfer (Diakon) des Aarauer Kapitels, Martin Imhof (1750–1822).

Im ersten Band der Briefe eines Reisenden Franzosen beschreibt er Deutschlands Süden: Stuttgart (S. 1–39), Augsburg (S. 40–78), München (S. 78–150), Salzburg (S. 150–216), Passau (S. 217–230), Linz (S. 230–241). Die Hälfte der Raumes ist Wien gewidmet (S. 241–550). Im zweiten Band folgt der Norden: Dresden (S. 3–48), Leipzig (S. 48–115), Berlin (S. 116–268), Hamburg (S. 268–326), Hannover (S. 326–337), Kassel (S. 337–361), Würzburg (S. 362–380), Frankfurt am Main (S. 381–395), Mainz (S. 396–495), Köln (S. 496–539). Entsprechend dem damals noch unscharfen Deutschland-Begriff werden auch Städte einbezogen, wo nicht oder nur teilweise Hochdeutsch gesprochen wurde, nämlich Prag (1. Band, S. 550–598), Amsterdam (2. Band, S. 539–569) und Ostende (2. Band, S. 569–587).

Bonstätten schwärmte nach der Lektüre: „Endlich ein vortreffliches deutsches Buch, in allen Absichten vortrefflich (…)“ Die Briefe eines reisenden Franzosen seien würdig, Montesquieus Lettres persanes an die Seite gestellt zu werden.[86] Pezzl schreibt über das Werk: „Es herrscht ein munterer, witziger Ton darin, der zwar manchmal auch zu bitter wird, und die Wahrheit der Satyre, oder einem epigrammatischen Einfall aufopfert. Ein aufmerksamer Leser merkt es dem Buch leicht ab, wo der Verfasser persönlich gewesen ist oder nicht. Im ersten Fall ist er sehr genau in Beschreibung des Lokalen, und malt einige Gegenden, wie z. B. die am Rhein, und (die) der Donaufahrt vortrefflich. Im zweiten Fall hat er von Freunden und Büchern geborgt, und füllt die Lücken der Lokal-Beschreibungen mit zum Theil paradoxen, zum Theil aber sehr scharfsinnigen Reflexionen und Räsonnements aus. Unleugbar ist es, daß es dem Buche hie und da, besonders wo es auf Zahlen ankömmt, sehr an Genauigkeit fehle; auch, daß Risbeck hie und da aus Partheilichkeit oder kleiner alter Rachsüchteley sehr wider seine eigne Ueberzeugung geschrieben habe, wie ich aus ganz sicherer Quelle weiß (…)“[87]

Erstausgabe der Briefe
eines Reisenden Franzosen.
Ein anderer kritischer Reisender: Riesbecks Gulliver-Übersetzung.

Über die Rezeption sagt Pezzl: „Unter den litterarischen Produkten des Jahrs 1783 haben wenige so viel Aufsehn und Lärmen gemacht; sind so allgemein durch ganz Deutschland gelesen, und so verschieden aufgenommen und beurtheilt worden, wie die Briefe des reisenden Franzosen.[88] Als Verfasser nannte man unter anderen Franz Michael Leuchsenring.[89] Das Werk wurden in mehrere Sprachen übersetzt.[90]

Posthum veröffentlichte Werke[Bearbeiten]

Pezzl schreibt: „Die Lebensart der Berner ist um vieles geselliger und munterer als jene der Zürcher. Risbeck fand sich also in Arau anfangs wieder ziemlich vergnügt und munter.“ Er begann eine volkstümliche Geschichte der Deutschen, der er Michael Ignaz Schmidts gleichnamiges Werk[91] zu Grunde legte.[92] Nebenbei übersetzte er Jonathan Swifts gesellschaftskritische Satiren Das Märchen von der Tonne und Gullivers Reisen neu – Arbeiten, die ebenfalls erst nach seinem Tod erschienen. 1784 und 1785 nahm Riesbeck als Gast an den Jahresversammlungen der Helvetischen Gesellschaft in Olten teil.[93]

Pezzl fährt fort: „Die ersten Zerstreuungen, welche ihm die Abänderung seines Aufenthalts gewährt hatte, waren nach einigen Monaten wieder vorüber. Nun traten abermal Schwermuth, Unzufriedenheit mit seinem Schicksal und seinem Aufenthalt, und noch andere häusliche Unannehmlichkeiten und Widerwärtigkeiten ein (…)“[94] Der aus Brugg stammende Johann Georg Zimmermann ärgerte sich, dass „einer der ersten und geistreichsten Schriftsteller Deutschlands“ in Aarau leben müsse, „wo Niemand ihn zu kennen und zu schätzen weiß“.[95]

Im März 1785 bat Riesbeck Bonstetten, für den er vom Französischen ins Deutsche übersetzte, um einen Kredit[96] und durch Imhof den Verleger Johann Heinrich Füssli (1745–1832) um einen Vorschuss. Laut Imhof war er hauptsächlich durch seine Krankheit in finanzielle Bedrängnis geraten, obwohl er äußerst bescheiden lebte.[97] Zwar erhielt er das Geld[98], doch schrieb Bonstetten nach einem Besuch in Aarau an Füssli: „Mit R. bin ich gar nicht zufrieden. Das Liebchen im haus wo er gast ist will mir gar nicht gefallen, so wenig als die kleinigkeit die er sich daraus macht das vorherbezahlte gelt mit arbeit zu bezahlen.“[99] In einem Dankesbrief Riesbecks an Bonstetten heißt es: „Die ersten Frühlingstage thaten mir nach dem traurigen Winter so wohl, daß ich verschiedne Freünde auf dem Land besuchte. Noch nie hatte ich es so nöthig, neüe Kräfte zum Leben zu sammeln.“[100] Im Juni klagte Riesbeck Nicolai, ein im Fricktal tätiger Exjesuit wolle ihn aus Aarau vertreiben und habe mit seinen Anschwärzungen in verschiedenen wichtigen Häusern Gehör gefunden.[101]

Im Gegensatz zu Imhof schreibt Buess, Riesbecks Lungentuberkulose habe sich erst im Sommer 1785 wieder bemerkbar gemacht. Mit einem lokalen Arzt[102] unzufrieden, konsultierte Riesbeck den international bekannten Dr. Hotze in Richterswil. Die Krankheit verunmöglichte es ihm, den ersten Band der Geschichte der Deutschen zu vollenden.[103]

Auf dem Schindanger verscharrt?[Bearbeiten]

Den nächsten Winter überlebte er nicht. Ein Freund – Buess? – berichtete Imhof, der nun Pfarrer in Wattwil war: „Risbek besizt eine solche Seelenruhe, die seiner würdig ist – ich scheide ruhig und gelassen von dieser Welt – mein Gewißen überzeügt mich, keinen Menschen vorsezlich beleidigt zu haben, mir war ich allein Feind.“[104] Riesbeck starb mit erst 32 Jahren. Der Aarauer Seidenbandfabrikant Johann Rudolf Meyer beglich seine unbezahlten Arzt- und Apothekerrechnungen, „ob er ihn schon wenig persohnlich gekant hat“.[105]

Aus Vorderösterreich wurde kolportiert, Aaraus Ratsherren, die alle Messerschmiede seien, hätten Riesbeck „auf dem Schindanger verscharren“ lassen, weil kein katholischer Pfarrer aus der Nachbarschaft bereit gewesen sei, ihn zu bestatten.[106] Laut den Monatlichen Nachrichten aus der Schweiz war dies „eine Lüge, eben so ehrrührig für den Magistrat als für den Verstorbenen“, laut der Erlanger Real-Zeitung „eine boshafte Erdichtung“. Der Rat versprach demjenigen, welcher deren Richtigkeit erweisen könne, 100 neue Louisdor.[107] Buess ließ den Brief veröffentlichen, welchen er nach Riesbecks Tod an dessen Schwester gerichtet hatte. Darin heißt es: „Sein Leichnam war von acht ansehnlichen Herren seiner hiesigen Freunde zu Grabe getragen, und noch vier andere brave Bürger giengen neben der Leiche her. Er hatte ein zahlreiches Leichengefolge, welches ich als Hausvatter mit aufrichtigen Tränen aufführte.“

Pezzl schreibt: „Risbeck war von mittelmäßiger Größe, schmächtig, und gut gebaut. Er hatte ein offnes, sprechendes Gesicht, mit einer hohen gewölbten Stirne, und überhaupt eine etwas romantische Physiognomie; einen agilen Körper, leichte Manieren, und sehr guten Anstand. (…) In seinem Umgang war er ausserordentlich lebhaft, gesprächig und witzig. Er war im Stande, eine ganze Gesellschaft aufzumuntern und bey guter Laune zu erhalten. (…) Er liebte Scherz, Schmauß, und Freude; und war, wie jeder Mann von Geist, ein eifriger Verehrer des schönen Geschlechtes. Eine starke Dosis Leichtsinn hieng ihm bis an sein Ende an, welches seine ökonomischen Umstände manchmal in grosse Verwirrung brachte. (…) Uebrigens war er ein guter, wohlthätiger, verträglicher Mann, der keine Seele beleidigte, sich in alle Gesellschaften schicken, und alles mitmachen konnte, was zur Ermunterung seines Zirkels diente. Schade! daß er gar zu geschwinde lebte, und sich dadurch seine Tage zu sehr kürzte.“[108]

Der aus Ulm stammende Schriftsteller Johann Georg Heinzmann (1757–1802), damals Mitarbeiter der Hallerschen Buchhandlung in Bern, wusste im Voraus, dass Riesbecks „würdiger Freund P…“ dessen Leben beschreiben werde. Dies weist darauf hin, dass er mit der Veröffentlichung des Nachrufs befasst war.[109]

Über den Reisenden Franzosen schrieb Heinzmann: „(…) die redlichen Schweitzer, die zu nächst an seinem Grabe weinen, beklagen den Menschenfreund und Weisen. Sanft ruhe seine Asche im Schooße der Freiheit!“[110] Johann Georg Meusel kommentierte knapp: „Sein Tod ist Verlust für Aufklärung.“[111]

Werke[Bearbeiten]

  • Briefe über das Mönchswesen von einem katholischen Pfarrer an einen Freund. 2. Band, (Zürich) 1780, 3. Band, (Zürich) 1780, 4. Band, (Zürich) 1781.
  • Zürcher Zeitung. Januar 1780–Januar 1783.
  • Briefe eines Reisenden Franzosen über Deutschland. An seinen Bruder zu Paris. Uebersetzt von K. R. 2 Bände, (Zürich) 1783. (Die Originalausgabe ist der 2., billigeren von 1784 vorzuziehen, die entgegen der Ankündigung des Verlags keine Verbesserungen aufweist.)
  • Lettres sur l’Allemagne. Vienne 1787.[112]
  • Travels through Germany, in a series of letters; written in German by the Baron of Riesbeck. 3 Bände, London 1787; 2 Bände, Dublin 1787.[113]
  • Voyage en Allemagne, dans une suite de lettres, par M. le Baron de Riesbeck, traduites de l’anglois. Mit Porträts, Plänen und Karten. 3 Bände, Paris 1787.[114]
  • Joh. Kaspar Risbeks, Verfasser der Reise eines reisenden Franzosen durch Deutschland, Geschichte der Deutschen. 1. Band (Von den ältesten Zeiten bis zu Friedrich den Rothbart), Zürich 1788.[115]
  • Bref, rörande Tyskland, skrifne af en resande fransos til sin broder i Paris. 2 Teile, Götheborg 1789.[116]
  • Voyages en Allemagne de Risbeck (…) traduits de l’allemand. Mit Karte und zwei Porträts. 3 Bände, Paris 1792.

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Die Großmuth edler Herzen, oder: Die durch widrige Schicksale geprüfte und standhafte Liebe in der Geschichte des Chevalier d’Ulmy[117] und der Miß Zulmie Warthei. In: Erzählungen für fühlende Herzen. Aus dem Französischen, 2. Bändgen, Frankfurt/Leipzig (Salzburg) 1779[118]; Separatdruck, Frankfurt/Leipzig (Salzburg) 1780.
  • William Coxe: Briefe über den natürlichen, bürgerlichen und politischen Zustand der Schweitz (…) an Wilhelm Melmoth, Esq. Zürich 1781.
  • Mark Theodor Bourrit: Beschreibung der Penninischen und Rhätischen Alpen. Zürich 1782.
  • Karl Viktor von Bonstetten: Rede bey Installation Herrn Landvogt Tscharners zu Wiflisburg. In: Schweizerisches Museum (Zürich), Februar 1785, S. 673–688.[119]
  • (Derselbe:) Fragment einer Reise durch das Bisthum Basel und die Gebürge von Neufchatel, im Augustmonathe 1783. In: Helvetischer Kalender fürs Jahr 1786 (Zürich), S. 1–24.[120]
  • Dr. Jonathan Swifts Mährchen von der Tonne. Eine neue Uebersetzung mit Erläuterungen von dem Verfasser der Briefe eines reisenden Franzosen. Zürich 1787.
  • Lemuel Gullivers Reisen zu verschiedenen entfernten Nationen. Aus dem Englischen des D. Jonathan Swift neu übersetzt von dem Verfasser der Briefe eines reisenden Franzosen durch Deutschland. Zürich 1788.

Literatur[Bearbeiten]

  • Baÿreuther Zeitungen, 23. März 1786, S. 233, 1. Mai 1786, S. 339, 25. Mai 1785, S. 408 f.
  • Brünner Zeitung, 21. April 1786, S. 250 f.
  • (Johann Georg Heinzmann:) Kaspar Risbeck. In: Gemälde aus dem aufgeklärten achtzehenden Jahrhundert. 2. Theil, Bern/Leipzig 1786, S. 143–148.
  • (Johann Pezzl:) Biographisches Denkmal Risbeck’s, Verfasser der Briefe eines reisenden Franzosen und anderer Schriften. Kempten (= Bern?) 1786 MDZ München
  • Johann Jakob Buess: Brief an Riesbecks Schwester, 15. Februar 1786. In: Augspurgische Ordinari Postzeitung, 24. Mai 1786.
  • Monatliche Nachrichten aus der Schweiz (Zürich), Mai 1786, S. 71–73.
  • Johann Georg Meusel: Literarische Annalen der Geschichtskunde. 3. Stück, Bayreuth/Leipzig 1786, S. 281.
  • Prince Baris de Galitzin: Notice sur M. Risbeck. In: Mercure de France, 12. Juli 1788, S. 97–102. (Nachgedruckt unter anderem in: Nouvelles aménités littéraires, à l’usage des jeunes personnes de l’un et de l’autre sexe. 2me partie, Francfort sur le Main 1808, S. 199–204.)
  • Tf.: Rezension von Pezzl in Anhang zu dem drei und funfzigsten bis sechs und achtzigsten Bande der allgemeinen deutschen Bibliothek, 4. Abtheilung, Berlin/Stettin 1791, S. 2263–2268 (mit Anmerkungen des Herausgebers Friedrich Nicolai).
  • Johann Georg Meusel: Riesbeck (Kaspar). In: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. 11. Band, Leipzig 1811, S. 335–338.
  • Karl Georg Bockenheimer: Riesbeck, Johann Kaspar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 575.
  • August Welti: 150 Jahre Neue Zürcher Zeitung. Zürich 1930.
  • Leo Weisz: Johann Kaspar Risbeck. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 3416, 10. Dezember 1955, Nr. 3426, 11. Dezember 1955.
  • Derselbe: Die Redaktoren der Neuen Zürcher Zeitung bis zur Gründung des Bundesstaates, 1780–1848. Zürich 1961, S. 35–45.
  • Charles Tschopp: Johann Kaspar Riesbeck. In: Aarauer Neujahrsblätter 1968, S. 5–21.
  • Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck, der „reisende Franzose“ aus Höchst. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. 2., erweiterte Auflage (Höchster Geschichtshefte 1a). Frankfurt am Main-Höchst 1971.
  • Thomas Bürger: Aufklärung in Zürich. Die Verlagsbuchhandlung Orell, Gessner, Füssli & Comp. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Mit einer Bibliographie der Verlagswerke 1761–1798. Buchhändler-Vereinigung GmbH, Frankfurt am Main 1997. ISBN 3-7657-2033-X.
  • Bonstettiana: Karl Viktor von Bonstetten, Charles Victor de Bonstetten, Schriften. Schriften, Reden, Aufzeichnungen, Idyllen, 1762–1797, Bern 1997; Historisch-kritische Ausgabe der Briefkorrespondenzen Karl Viktor von Bonstettens und seines Kreises 1753–1832, Band 2, Bern 1997, Band 4, Göttingen 2002, Band 5, Göttingen 2005, Band 7, Bern 1998.
  • Thomas Maissen: Die Geschichte der NZZ 1780–2005. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2005. ISBN 3-03823-134-7.
  • Conrad Meyer: Das Unternehmen NZZ 1780–2005. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2005. ISBN 3-03823-130-4.
  • Heiner Boehncke/Hans Sarkowicz: Kommentar und Nachrede, in Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen, Die Andere Bibliothek, Berlin 2013, ISBN 978-3-8477-0012-8, S. 603–673.
  • Urs Hafner: Subversion im Satz. Die turbulenten Anfänge der „Neuen Zürcher Zeitung“ (1780–1798). Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2015. ISBN 978-3-03810-093-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Johann Kaspar Riesbeck – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Schäfer (1971), neben S. 26.
  2. Die Legende lautet irrtümlich „Joseph Pezzl“.
  3. Pezzl, S. 3/Anm.: „So schrieb er selbst seinen Namen, nicht Riesbeck (…)“
  4. Baÿreuther Zeitungen, 25. Mai 1786, S. 408; vergleiche Abbildung.
  5. Baÿreuther Zeitungen, 23. März 1786, S. 233, 25. Mai 1786, S. 409.
  6. Faksimile des Taufregisters bei Schäfer (1971), S. 28 („Riesbeck“).
  7. Faksimile des Sterberegisters ebendort, S. 29 („Ryßbeck“).
  8. Baÿreuther Zeitungen, 1. Mai 1786.
  9. Johann Georg Meusel: Erster Nachtrag zu der vierten Ausgabe des Gelehrten Teutschlandes. Lemgo 1786, S. 487.
  10. Die Baÿreuther Zeitungen erwähnen das Ehrengedächtniß und den Namen des Verfassers am 1. Mai 1786 auf S. 339.
  11. Pezzl schreibt auf S. 5: „Schwerlich ist jemand mit den Schicksalen Risbeck’s so bekannt, wie ich (…)“
  12. Johann Kaspar Lavater: Physiognomische Fragmente. 3. Band, Winterthur 1787, S. 282 f., Abb. LXXXVIII; Weisz (1955), Nr. 3416; Schäfer (1971), neben S. 26.
  13. Der Dargestellte hat keine „hohe gewölbte Stirne“ wie Riesbeck (Pezzl, S. 50) und war anders als dieser wortkarg (Lavater).
  14. Pezzl, S. 6.
  15. Schäfer (1971), S. 6 inkl. Anm. 7 f., S. 12.
  16. Ebendort, S. 6.
  17. Pezzl, S. 7 f.
  18. Johann Georg Schlör (1732–1783).
  19. Johann Kaspar Barthel (1697–1771).
  20. Schäfer (1971), S. 6 f.
  21. Richard van Dülmen: Der Geheimbund der Illuminaten. Stuttgart-Bad Cannstatt 1975, S. 61, 378, 444, 449.
  22. Vergleiche Derek Beales: Prosperity and Plunder. European Catholic Monasteries in the Age of Revolution, 1650–1815. Cambridge 2003.
  23. Pezzl, S. 8.
  24. Schäfer (1971), S. 6, bezieht dies auf Riesbecks Stiefvater.
  25. Pezzl, S. 8.
  26. Vergleiche Riesbeck (1783), 1. Band, S. 86–88, 2. Band, S. 74, 79–88, 379.
  27. Pezzl, S. 10–12.
  28. Vergleiche Erich Mertens zu Hermann Ludolf Ibbeken. http://www.jung-stilling-forschung.de/Ibbeken.pdf
  29. Pezzl, S. 13 f.
  30. Ebendort, S. 14 f. Zu den besagten Landsleuten rechnet Schäfer, S. 11, Georg Michael von La Roche (siehe unten), der sich zeitweise in Wien aufhielt. Wäre Riesbeck aber wirklich mit La Roche bekannt gewesen, hätte Pezzl dies erwähnt.
  31. Pezzl, S. 15–17. Die zitierten Angaben ließen sich nicht verifizieren. Riesbeck könnte unter einem Künstlernamen aufgetreten sein.
  32. In Salzburg gab Riesbeck innerhalb zweier Jahre die letzten 500 Gulden seines Erbes aus. Ein Taler zu zwei Gulden musste also etwa für drei Tage reichen.
  33. Starkes Geburtsdatum wird mit 1743 angegeben. Pezzl, S. 17, schreibt, er sei aus einer guten Familie in Hamburg gekommen und habe eigentlich „A—k“ (Albeck?) geheißen. Konrad Schiffmann: Drama und Theater in Österreich Ob der Eins, Linz 1905, S. 106/Anm. 4, lässt ihn in Linz geboren werden. 1770 wurde er nach Brünn engagiert und erhielt bei seinem Debüt als Paul Werner in Minna von Barnhelm „ausserordentlichsten Beyfall“. (Genaue Nachrichten von beyden kaiserlich-königlichen Schaubühnen. 2. Theil, Wien 1773, S. 213 f., 229.) 1774 debütierte er in Eszterháza (Ungarn). (Litteratur- und Theater-Zeitung, Berlin, 26. Juni 1779, S. 410.)
  34. Als Statistik wurden damals generell die Staatswissenschaften bezeichnet.
  35. Der Direktor der deutschen Schaubühne in Prag, Johann Joseph von Brunian, reiste im April 1777 mit einem Teil der Truppe nach Dresden und übergab die Leitung des Hauses dem Schauspieler Maximilian Scholz. (Litteratur- und Theater-Zeitung, 24. November 1781, S. 744.)
  36. Pezzl, S. 17–19.
  37. Um das Erbe Maximilian III. Josephs († 1777) entbrannte der Bayerische Erbfolgekrieg zwischen Friedrich II. von Preußen und Kaiser Joseph II.
  38. Pezzl, S. 19 f. Die erwähnten Schriften sind verschollen. In den Briefen eines Reisenden Franzosen (1. Band, S. 221) befürwortet Riesbeck den Anschluss Bayerns an Österreich.
  39. Ebendort, S. 51. Das unvollendete Werk ist verschollen.
  40. Schäfer (1971), S. 12 f.
  41. Pezzl, S. 21.
  42. Walliser war Faktor in der Mayr’schen Buchhandlung in Salzburg, ab 1780 Buchhändler in Klagenfurt.
  43. Briefe über das Mönchswesen von einem catholischen Pfarrer an einen Freund. (Zürich) 1771.
  44. Schäfer (1971), S. 13, zieht dies mit wenig überzeugender Begründung in Zweifel.
  45. Gemeint sind die Klosteraufhebungen Josephs II.
  46. Unehelicher Sohn des kurmainzischen Großhofmeisters Johann Philipp Graf Stadion.
  47. Laut Pezzl, S. 25 f., erfuhr er dies 1781 aus einem Brief von La Roches Frau Sophie an Johann Jakob Bodmer.
  48. Pezzl, S. 26/Anm.: „Brechter war ein geborener Augsburger, protestantischer Religion; erst Pfarrer in Biberach, nachher in dem Städtchen Schweigern bei Heilbron. Er starb am 23sten März 1772. Man hat von ihm auch noch Anmerkungen über das Basedowsche Elementarwerk und Briefe über den Emil des Rousseau.“
  49. Ebendort, S. 21–26.
  50. Die Nummern 1 und 2 redigierte Gessner. Auf den nachfolgenden Ausgaben hält der Postreiter das Horn nach links.
  51. Riesbeck (1780 f.), 2. Band, S. XVIII.
  52. Ebendort, S. 27 f.
  53. Ebendort, S. 51.
  54. Histoire de Zulmie Warthei. Par Mademoiselle M****. La Haye/Paris 1776. Eine wohlwollende Rezension erschien im Mercure de France, Januar 1777, S. 99–124.
  55. Joseph-Marie Quérard: Les écrivains pseudonymes. Paris 1854, S. 341.
  56. In der Vorrede unterschiebt Riesbeck der Autorin die Aussage, man solle bestimmte Aspekte der Wirklichkeit, „wie Noahs Kinder ihren Vater, bedecken“. Der Schluss des Werks lautet in der Übersetzung, anders als im Original, das wiedervereinigte Protagonistenpaar habe sich geliebt, „wie sich noch keine Leute in irgend einem Roman geliebt haben“.
  57. Pezzl, S. 29 f.
  58. Die Zeitung erschien mittwochs und samstags und umfasste vier Seiten im Format 16 x 20 cm.
  59. Laut Welti, S. 11, wäre Riesbeck gar „der Jugendfreund Goethes“ gewesen. Schäfer, S. 13, spekuliert auch über eine Empfehlung Lavaters.
  60. Pezzl blieb länger in Zürich als Riesbeck. Orell, Gessner, Füssli & Co. gaben von ihm autobiografische Briefe aus dem Novizziat (1780–1782), den Bestseller Faustin oder das philosophische Jahrhundert (1783) und Reise durch den Baierschen Kreis (1784) heraus.
  61. Pezzl, S. 52 f.
  62. Ebendort, S. 34 f.
  63. Vor seiner Hinrichtung sagte Waser zu Lavater: „Ohne aufruhr ist unserm staate nicht mehr zuhelfen (…) Es muß alles umgegoßen und die übermacht der (regierenden) familien gestürzt werden!“ (Stephan Meyer: Vorbote des Untergangs. Die Angst der Schweizer Aristokraten vor Joseph II. Zürich 1999, S. 353.)
  64. Ebendort, S. 31 f.: „Das Auffallende bei dieser Sache ist, daß die mit so vielem Eifer von diesem Prozeß schreibenden Schriftsteller alle zusammen die wahre Ursache von Wasers Enthauptung nicht wissen (…)“ Aus Rücksicht auf seinen Arbeitgeber Kaunitz behielt Pezzl diesen Grund für sich: Waser wollte Joseph II. zur Auslösung der Grafschaft Kyburg veranlassen, die vom Haus Österreich an Zürich verpfändet worden war. Er hatte jedoch noch keinen Kontakt mit der k. k. Diplomatie aufgenommen.
  65. Ebendort, S. 32 f.
  66. Ebendort, S. 38.
  67. Bonstettiana (Briefkorrespondenzen), Band 5, S. 224–229 (Aarau, 4. Mai 1785).
  68. Pezzl, S. 39–41.
  69. Ebendort, S. 41 f.
  70. Riesbeck (1783), 1. Bd, S. 46.
  71. Pezzl, S. 38 f.
  72. Laut Nicolai konnte Riesbeck nicht nach Wien gehen, weil er in den Briefen eines Reisenden Franzosen die Wiener Schriftsteller als servile Sprachrohre Josephs II. dargestellt habe. (Anhang zu dem drei und funfzigsten bis sechs und achtzigsten Bande der allgemeinen deutschen Bibliothek. 4. Abtheilung, S. 2266/Anm.)
  73. In Paris gab der als Deist aus Zürich verbannte Jakob Heinrich Meister die Correspondance littéraire, philosophique et critique heraus. Er war ein Jugendfreund von Verleger Füssli und hatte Gessners Idyllen übersetzt. (Bürger, S. 53, 162 f.)
  74. Eobald Toze (1715–1789).
  75. August Ludwig Schlözer’s (…) Briefwechsel, meist historischen und politischen Inhalts. Göttingen 1776–1782.
  76. Pezzl, S. 42.
  77. Den Haag 1777. 1768 waren bei Orell, Gessner & Cie. Pilatis Reflexionen eines Italiäners über die Kirche erschienen.
  78. Nicolai stellte dies später in Abrede. Hingegen habe ihm Riesbeck die oben erwähnten Briefe über die Schweiz angeboten. (Anhang zu dem drei und funfzigsten bis sechs und achtzigsten Bande der allgemeinen deutschen Bibliothek. 4. Abtheilung, S. 2266/Anm.)
  79. Diese Bemerkung Pezzls war für die Augen seines Arbeitgebers Kaunitz bestimmt, der während seiner ganzen Karriere mit den Annexionsplänen Friedrichs II. von Preußen konfrontiert war.
  80. Pezzl, S. 43 f.
  81. Möglicherweise Liebeshändel.
  82. Pezzl, S. 45 f.
  83. Welti, S. 12.
  84. Weisz (1961), S. 40.
  85. Buess.
  86. Bonstettiana (Briefkorrespondenzen), Band 4, S. 806 (an Johannes Müller, März 1784).
  87. Pezzl, S. 46–48.
  88. Ebendort, S. 4.
  89. Abbé Denina: La Prusse littéraire sous Frédéric II. 2. Band, Berlin 1790, S. 405 f.
  90. 1787 und 1788 ins Französische, 1787 ins Englische, 1789 ins Schwedische. In der Literatur erwähnte Übersetzungen ins Italienische und ins Niederländische ließen sich nicht ausfindig machen.
  91. Ulm 1778 ff.
  92. Pezzl, S. 48 f.
  93. Ulrich Im Hof/François de Capitani: Die Helvetische Gesellschaft. Band 2, Frauenfeld/Stuttgart 1983, S. 368.
  94. Pezzl, S. 50.
  95. Albrecht Rengger (Herausgeber): Johann Georg Zimmermann’s Briefe an einige seiner Freunde in der Schweiz. Aarau 1830, S. 327 (4. Februar 1785).
  96. Bonstettiana (Briefkorrespondenzen), Band 5, S. 162 f. (ca. 8. März 1785).
  97. Ebendort, S. 166 (9. März 1785).
  98. Die halbe Summe wurde von Gabriel Albrecht von Erlach (1739–1802) bezahlt.
  99. Bonstettiana (Briefkorrespondenzen), Band 5, S. 170 (12. März 1785).
  100. Ebendort, S. 224–229 (4. Mai 1785).
  101. Anhang zu dem drei und funfzigsten bis sechs und achtzigsten Bande der allgemeinen deutschen Bibliothek. 4. Abtheilung, S. 2267/Anm. (1. Juni 1785).
  102. Dr. Johann Heinrich Pfleger (1756–1808).
  103. Laut Meusel (1786) waren bei Riesbecks Tod 16 Bogen gedruckt.
  104. Bonstettiana (Briefkorrespondenzen), Band 5, S. 520 (3. Februar 1786).
  105. Ebendort, S. 612 f. (Mai 1786).
  106. Brünner Zeitung, 21. April 1786, S. 250 f.
  107. Real-Zeitung, 29. Mai 1786, S. 364.
  108. Pezzl, S. 50–52, 54.
  109. Heinzmann, S. 145. Bereits im Mai konnten die Monatlichen Nachrichten aus der Schweiz, S. 71 f., aus der Schrift des „Herrn Pezel“ zitieren.
  110. Heinzmann, S. 148.
  111. Meusel (1786).
  112. Nur Briefe 1–25.
  113. Übersetzer: Paul Henry Maty.
  114. Übersetzer: Pierre-Prime-Félicien Le Tourneur.
  115. Fertiggestellt durch Peter Adolf Winkopp, fortgesetzt von Joseph Milbiller.
  116. Übersetzer: Eric Forssén.
  117. Im französischen Original d’Ulny.
  118. Allgemeines Verzeichnis neuer Bücher (Leipzig), Oktober 1779, S. 762.
  119. Bonstettiana (Schriften, Reden, Aufzeichnungen, Idyllen 1762–1797), S. 160 f.: Übersetzung möglicherweise von Riesbeck.
  120. Ebendort, S. 136: Übersetzung vielleicht von Riesbeck.