Küsnachter Dorfbach

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Küsnachter Dorfbach
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Der Dorfbach in seinem unteren Teil

Der Dorfbach in seinem unteren Teil

Daten
Gewässerkennzahl CH
Lage Kanton Zürich; Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Zürichsee → Limmat → Rhein
Quelle Hintere Guldenen
47° 18′ 35″ N, 8° 39′ 7″ O47.30978.6519736
Quellhöhe ca. 736 m ü. M.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung in den Zürichsee47.31758.57686412Koordinaten: 47° 19′ 3″ N, 8° 34′ 37″ O; CH1903: 686055 / 241360
47° 19′ 3″ N, 8° 34′ 37″ O47.31758.57686412
Mündungshöhe 412 m ü. M.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied ca. 324 m
Länge 8 km[1]
Einzugsgebiet 12 km²[2]
Abfluss[2] MQ
300 l/s
Gemeinden Küsnacht, Zumikon

Der Küsnachter Dorfbach ist ein Bach im schweizerischen Kanton Zürich. Er mündet in Küsnacht in den Zürichsee.

Verlauf[Bearbeiten]

Der Küsnachter Dorfbach entspringt am Sumpfgebiet der Hinteren Guldenen an der Westflanke des Pfannenstiels südlich der Forch und westlich von Egg, wo er sich im Wald- und Wiesengebiet aus mehreren kleinen namenlosen Bäche bildet.

Im Bereich von Limberg am Küsnachter Berg heisst der Bach noch Rüsselbach, benannt nach einem Flurnamen. Im Oberlauf fliesst der Bach zuerst auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometern nach Nordwesten. An der Tobelmühle, wo der Bach sich schon einen tieferen Einschnitt gegraben hat, wurde mit dem Wasser des Dorfbachs eine Mühle betrieben, der Name Mühletobel für diesen Teil des Bachlaufes erinnert daran. Südlich von Zumikon biegt der Bach nach Südwesten ab und fliesst durch das stark eingekerbte und bewaldete Küsnachter Tobel. Bei der Oberen Mühle verlässt der Bach das Tobel, durchquert das Dorf Küsnacht und mündet am Küsnachter Horn in den Zürichsee.

Küsnachter Tobel[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Aufschluss mit Schichtungen der Sedimente

Das Küsnachter Tobel entstand am Ende der letzten Eiszeit vor rund 16'000 Jahren, als sich der Linthgletscher aus dem Zürichseebecken zurückzog. Als der Eisrand noch vom Weiler Limberg im Küsnachter Berg über Gössikon zum Zollikerberg verlief, verhinderte das Eis den Abfluss des Wassers nach Westen, es floss über den Zollikerberg in den Werenbach. Erst als sich der Gletscher endgültig zurückgezogen hatte, floss der Bach direkt dem neu entstandenen Zürichsee zu.

In seinem Oberlauf bestehen die Tobelflanken im Bereich der Tobelmühle aus der Moränendecke, mit der weite Teile des Pfannenstiels bedeckt sind. Im unteren Teil durchschnitt der Bach die Sedimente der Oberen Süsswassermolasse, aus denen hier der Untergrund besteht. An einigen Stellen können die Schichtungen – Mergel, Silt, Sandstein und vereinzelte feine Kohleflöze – gut beobachtet werden.

Das erodierte Material lagerte der Bach am Küsnachter Horn ab, einem weit in den See hinausragenden Delta, das heute zu einer Parkanlage ausgestaltet ist.

Heute[Bearbeiten]

Das Küsnachter Tobel ist ein beliebtes Ausflugsziel. Es ist durch einen Spazierweg erschlossen, der vom Ausgang des Tobels bis zum Quellgebiet führt. Der Weg wurde 1895 als Zugang zu den Verbauungen erstellt, vorher war das Tobel nahezu unzugänglich. An geologisch interessanten Stellen machen Hinweistafeln auf Besonderheiten der Sedimentationsgeschichte der Molasse, die Entstehungsgeschichte des Tobels und auf geologische Erscheinungen aufmerksam. Im untersten Teil ist ein Waldlehrpfad angelegt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Alexanderstein[Bearbeiten]

Im unteren Teil des Tobels liegt der Alexanderstein, ein fünf Meter hoher Findling aus Taveyannaz-Sandstein. Früher wurde er wegen seiner Form und Grösse Wöschhüüslistein (Waschhäuschenstein) genannt. Der Stein wurde vor rund 20'000 Jahren während der letzten Eiszeit auf dem Linthgletscher vom Hausstock in den Glarner Alpen an den Zürichsee transportiert. Zuerst lag der Findling auf einer flachen Wallmoräne oberhalb des Dorfes. Als der Küsnachter Bach gegen das Ende der Eiszeit die Moräne durchschnitt, rutschte der Stein in das entstehende Tobel und senkte sich zusammen mit der Talsohle. Benannt wurde der Stein vom Küsnachter Verein Wulponia. Dieser ehrte damit sein Gründungsmitglied, den jung verstorbenen Geologen Alexander Wettstein (1861–1887), der das Küsnachter Tobel erforscht hatte.[3]

Drachenloch[Bearbeiten]

Im mittleren Teil des Tobels liegt das nach einer Sage benannte Drachenloch; eine mehrere Meter tiefe Höhle in der rechten Seitenwand des Tobels, wo abgelagerter Eiszeitschotter aus löchriger Nagelfluh ausgewaschen wurde. Die Drachenhöhle ist ein beliebter Kletterplatz für Kinder.[4]

Ruine Wulp[Bearbeiten]

An der Südflanke des Tobels liegt auf einer kleinen Anhöhe die Ruine Wulp. Die Reste der einstigen Burg Wulp sind über einen steilen Fussweg in etwa zehn Minuten zu erreichen.

Findlingsgarten[Bearbeiten]

Am Eingang des Tobels wurde mit Findlingen aus der Region ein Spielplatz eingerichtet.[5]

Überschwemmungen[Bearbeiten]

Karte des Einzugsgebiets

Wegen seines grossen Einzugsgebiets von knapp 13 Quadratkilometern sammelt der Bach bei heftigen Niederschlägen enorme Mengen Wasser. Wie aus einem Trichter strömen die Wassermassen – vermischt mit Geröll und Geschiebe – am Ausgang des Tobels auf das Dorf zu. Dieses führte wiederholt zu schweren Überschwemmungen.

Überschwemmung 1787[Bearbeiten]

Die erste gut dokumentierte Flutkatastrophe ereignete sich am 8. Juli 1778. Nach einem heftigen Gewitter an der Westflanke des Pfannenstiels sammelten sich im Oberlauf des Baches riesige Wassermassen. Keine Stunde nach Beginn des Unwetters erreichten die Fluten gegen 22 Uhr das schlafende Küsnacht. Die Flutwelle traf das Dorf unvorbereitet und mit gewaltiger Wucht. Sie zerstörte zahlreiche Gebäude und riss 63 Menschen in den Tod.

Überschwemmung 1878[Bearbeiten]

Hundert Jahre nach der letzten Katastrophe trat der Dorfbach am 3. Juni 1878 erneut über die Ufer. Da das Wasser nicht unter der im Jahr 1838 zu tief angelegten Brücke bei der Seestrasse durchfliessen konnte, überschwemmte er den unteren Dorfteil und richtete erhebliche Schäden an. Ein Mann ertrank.

1946[Bearbeiten]

Ein weiteres Hochwasser ereignete sich am 14. Juli 1946, als innerhalb von 90 Minuten 74 Millimeter Regen fielen. Der Bach richtete an Seitenmauern und Sperren schwere Schäden an; Menschen kamen keine zu Schaden. Besonders gross waren die Schäden im Bereich des Küsnachter Horns. Die zu Tage getretenen Schwachstellen wurden beseitigt, die Mauern verstärkt.

Sage[Bearbeiten]

Die steten Überschwemmungen und Verwüstungen fanden ihren Niederschlag in der Sage «Der Drache vom Küsnachter Tobel». Die Geschichte erzählt von einem Drachen, der immer wieder aus seiner Höhle im Tobel ausbricht und alles verschlingt, was ihm begegnet. Ein Ritter setzt dem Spuk mit Hilfe einer geweihten Kerze, seines Schwerts und Unserer Lieben Frau, die den Drachen mit einer diamantenen Kette an den Felsen band, ein Ende. Im Tobel erinnert das sogenannte Drachenloch daran. Die katholische Kirche Küsnachts ist dem heiligen Georg geweiht, dem Drachentöter.

Hochwasserschutz[Bearbeiten]

Um weitere Überschwemmungen zu verhindern, wurden umfangreiche Hochwasserschutzmassnahmen getroffen.

Erste Etappe 1778[Bearbeiten]

Als erste Massnahme wurde der Bach schon 1778 im Bereich des Dorfes begradigt und in einem neun Meter breiten Bett kanalisiert. Dies vermochte 100 Jahre lang Überschwemmungen zu verhindern.

Zweite Etappe 1880–1890[Bearbeiten]

Um Stauungen zu verhindern, wurde 1880 als erstes die Brücke über die Seestrasse um 60 Zentimeter angehoben. Im Tobel wurden in der Folge mehrere Verbauungen erstellt, unter anderem mehrere Wildbachsperren aus Trockenmauerwerk. Weil diese Massnahmen am 7. Juli 1891 einem Hochwasser nicht standhielten, wurde eine umfassende Verbauung des Tobels beschlossen.

Dritte Etappe 1895–1899[Bearbeiten]

Im Tobel wurde mit grossem materiellem und finanziellem Aufwand eine Wildbach-Sperrentreppe errichtet; über hundert Sperren aus Holz, Steinkästen, Trockenmauern und Beton wurden eingebaut. Zwischen den Sperren wurden mit Steinen die Ufer befestigt. Die grösste Sperre beim Tobelausgang ist acht Meter hoch. Durchschnittlich wurde das Gefälle des Baches auf einer Länge von 2,5 Kilometern von 4 % auf 1–2 % gesenkt. Gleichzeitig wurden auch die vier grössten Zuflüsse verbaut, später noch kleinere Seitenbäche. Die Leitung der Arbeiten hatte Jean Pfister, der in Küsnacht den Übernamen «Bach-Pfister» erhielt.

Vierte Etappe 1946[Bearbeiten]

Nachdem am 14. Juli 1946 ein Hochwasser vor allem am Küsnachter Horn an den Bachmauern schwere Schäden angerichtet, im Tobel Sperren beschädigt oder zerstört sowie Keller und Gärten unter Wasser gesetzt hatte, wurden mehrere Mauern noch einmal verstärkt. Seither blieb Küsnacht von Schäden durch Hochwasser verschont.

Fauna[Bearbeiten]

Der Küsnachter Dorfbach zählt zu den wichtigsten Laichplätzen für die Seeforellen des Zürichsees. Die Zahl der laichenden Tiere ist aber bescheiden. Viele Jungtiere werden hier ausgesetzt. Mit baulichen Massnahmen wurden 2011 erste hinderliche Passagen, die durch den Hochwasserschutz entstanden sind, fischgerechter umgebaut.[6][7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Frey: In Küsnachter Jahresblätter 1974, S. 28–39
  • Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Krailigen – Plentsch. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1905, S. 17, Stichwort Küsnachterbach  (Scan der Lexikon-Seite).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Küsnachter Dorfbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Küsnachter Tobel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Krailigen – Plentsch. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1905, S. 17, Stichwort Küsnachterbach  (Scan der Lexikon-Seite).
  2. a b Dorfbach Küsnacht vor Zürichsee. Stelle 432: monatliche Stichproben. In: Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, Abteilung Gewässerschutz. Abgerufen am 21. April 2013 (PDF; 122 kB).
  3. Erratiker.ch (PDF; 65 kB)
  4. Goldküste
  5. Findlingsgarten
  6. Seeforellen-Management im Kanton Zürich Konzept 2010–2018. Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, abgerufen am 21. April 2013 (PDF; 876 kB).
  7. Walter Bernet: Ein Weg zu den Laichplätzen. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. August 2011, abgerufen am 21. April 2013.