Küssaburg

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Küssaburg
Bechtersbohl und die Küssaburg

Bechtersbohl und die Küssaburg

Alternativname(n): Burg Küssaberg
Entstehungszeit: 1125 bis 1141
Burgentyp: Höhenburg,Gipfellage
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Grafen
Ort: Küssaberg-Bechtersbohl
Geographische Lage 47° 36′ 6,1″ N, 8° 21′ 13,7″ OKoordinaten: 47° 36′ 6,1″ N, 8° 21′ 13,7″ O
Höhe: 634 m ü. NN
Küssaburg (Baden-Württemberg)
Küssaburg
Der innere Burgbereich in einer Panoramaübersicht
Ruinenreste der Küssaburg
Blick von der Küssaburg nach Westen
Grundriss der Burg
Grundriss der Burg
Kupferstich von Conrad Meyer 1665, Bergsturz vom 25. Dezember 1664
Torturm ca. 1950
Bastion, ca. 1950

Die Küssaburg, auch Burg Küssaberg oder „Küssenberg“ genannt, (vielleicht abgeleitet aus dem Römischen Personennamen, ‚Cossinius‘ eher jedoch von Kissen, nach der Form des Berges, im alem. Chüssi;) ist die Ruine einer Gipfelburg auf 634 m ü. NN in Bechtersbohl, einem Ortsteil der Gemeinde Küssaberg im Landkreis Waldshut (Baden-Württemberg).

Die Höhenburg ist eines der bedeutendsten historischen Baudenkmäler am Hochrhein und ein Wahrzeichen des Landkreises Waldshut. Ihre erste Erbauung wird zwischen den Jahren 1125 und 1141 vermutet. Die Vorgängerburg war unter anderem im Besitz der Grafen von Küssenberg, des Bistums Konstanz und der Grafen von Sulz. Zerstört wurde die später zur Festung ausgebaute Burg durch einen von der Besatzung gelegten Brand am 8. März 1634 beim Herannahen der schwedischen Armee im Dreißigjährigen Krieg und durch einen Bergsturz am 25.  Dezember 1664. Im 19. Jahrhundert begann die Freilegung der Burgruine, die seither ein beliebtes Ausflugsziel der Region ist.[1]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruine liegt oberhalb der Ortschaft auf einer Höhe von etwa 634 Metern. Sie ist ein Wahrzeichen dieser Region und überblickt den Klettgau, der sich östlich der Burg erstreckt, und das Rheintal (Hochrhein). Man sieht sie außerdem vom Südschwarzwald und vom Aargau in der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genaue Entstehungsgeschichte ist unbekannt, doch wird spekuliert, dass der Küssenberg bereits von Kelten bewohnt war. Reste eines Steinwalls könnten Hinweise auf ein Oppidum, eine keltische Fluchtburg, sein. Außerdem wird vermutet, dass an gleicher Stelle vor etwa 2000 Jahren ein Wach- und Signalturm stand, um das Teilstück der römischen Heeresstraße von Tenedo (Bad Zurzach/Schweiz) bis Juliomagus (Schleitheim/Schweiz) zu sichern. Am Fuß des Berges befand sich ein Gallo-römischer Umgangstempel

Erste urkundliche Belege über die Existenz der Burg, damals auch „Hochschloß“ genannt, stammen von 1141. Werner von Küssenberg war von 1170 bis 1178 Abt im Kloster St. Blasien. Graf Heinrich III. von Küssenberg, der letzte seines Stammes, verkaufte die Burg um 1240 an den Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne.

Durch Erbanspruch des Grafen von Lupfen entbrannte ein Streit über den rechtmäßigen Besitz der Küssaburg durch das Hochstift Konstanz. Später wurde ein Vergleich getroffen, in dem der Bischof 1251 die Anlage endgültig behalten durfte und der Graf dafür Stühlingen zugesprochen bekam, das ebenfalls aus dem Besitz des Grafen Küssenberg stammte. Damit entstand um 1120 aus der Landgrafschaft Klettgau die Landgrafschaft Stühlingen.

Unter der Herrschaft des Bistums Konstanz, das zur Verwaltung der Burg einen Vogt einsetzte, wurde die Burg ausgebaut und mit einer Ringmauer befestigt. Der Burg und der östlich anliegenden Siedlung wurde im Jahre 1346 das Stadtrecht zugesprochen. Einige Gemeinden, die heute auch unter dem Namen Küssaberg zusammengefasst sind, waren zu dieser Zeit als „Küssenberger Schloß und Tal“ mit eingemeindet worden. Von 1410 bis 1441 war der designierte Bischof von Konstanz Albrecht Blarer Burgvogt. Die Burg und das Anliegen wurden dann des Öfteren verpfändet. 1444 durch den Bischof von Konstanz, Heinrich von Hewen, an den Ritter Bilgeri von Heudorf. 1497 kauften die Grafen von Sulz, denen bereits Tiengen und der Klettgau gehörte, die Burg und die Vorstadt. Es wurde ein Preis von 6.000 Gulden gezahlt, und die Burg sollte solange von dieser Familie verwaltet werden, bis die männliche Erbfolge erloschen war.

Im Schweizerkrieg von 1499 waren die Küssaburg und die Stadt Tiengen völlig von den Eidgenossen zerstört worden. Die Besatzung der Küssaburg unter dem Kommando des legendären Remigius Mans, die, etwa 25 Mann stark, zum Größtenteil aus Bauern aus der Gegend bestand, meuterte, und zündete die Burg selbst an, damit sie den Feinden nicht in die Hände fallen konnte, und ergab sich einer Streitmacht von etwa 500 Eidgenossen, die über schwere Geschütze verfügte.[2] 20 Meuterer wurden nach ihrem Rückzug in Waldshut hingerichtet. Nach dem Frieden zu Basel wurde die ausgebrannte Burg an die Grafen von Sulz zurückgegeben. Die Stadt Tiengen blieb von Schaffhausen mehrere Jahre besetzt.

Die Klettgauer Bauern, die teils Leibeigene waren, litten unter der harten Abgabepflicht. Wer sich der Leibeigenschaft entzog, konnte sogar mit dem Verlust seiner gesamten Habe bestraft werden. Die Jahre 1524 und 1525 fielen in die Zeit, die von der Reformation und dem aufkommenden Selbstbewusstsein der Landleute geprägt war. Es wurde viel propagiert und die Menschen aufgehetzt; es mündete 1525 in den Deutschen Bauernkrieg. Die Klettgauer Bauern, militärisch schlecht ausgerüstet, unternahmen in diesem Jahr vier vergebliche Versuche, die von etwa 40 österreichischen Söldnersoldaten und anderen Burgbewohnern unter Graf Rudolf V. von Sulz besetzte Küssaburg zu stürmen. Die größte Schlacht erlebte die Burg am 4. November 1525, einem Samstag, um 15 Uhr. Stunden zuvor hatte das Bauernheer, verstärkt durch 200 Schweizer und ein Geschütz aus Waldshut, westlich von Grießen sich den 700 Landsknechten des Adels gestellt. Mit Hieb- und Stichwaffen ausgerüstet wagten sie den Sturm auf die Burg. Das aufständische Bauernheer konnte mit seinen Waffen aber bei weitem nicht so gut umgehen wie die Soldaten, die obendrein über Hakenbüchsen und Armbrüste verfügten. Die Chronik des Berners Valerius Anshelm berichtet, dass rund 200 Bauern umkamen und viele Häuser zerstört wurden: „Weiber und Kinder sind in der Nacht unter so jämmerlichem Schreien und Weinen gen Kaiserstuhl geflohen, dass man sie aus Erbarmen einlassen musste“. Auf dem Grießener Friedhof ging tief in der Nacht der ungleiche Kampf zu Ende, die Bauern mussten sich ergeben. Es war nicht nur das Finale des Bauernkriegs, sondern auch das Ende des Versuches, die Reformation im Klettgau einzuführen. Es folgte ein grausames Strafgericht. Die Soldaten aus Zürich wurden laufengelassen, doch dem Anführer der Bauern, dem Grießener Claus Wagner, wurden ebenso wie dem reformierten Pfarrer Hans Rebmann die Augen ausgestochen. Viele Bauern, die mit dem nackten Leben davonkamen, wurden Opfer der plündernden Soldateska, mussten Geldbußen entrichten oder wurden verstümmelt, indem man ihnen Finger abhackte.[3]

Landgraf Rudolf V. von Sulz trug fortan den Beinamen „Der Bauern(be)zwinger“. Hinfort wurde die Anlage erweitert und zu einer Festung ausgebaut. 1595 ließ der Graf von Sulz den von Venedig kommenden Alchimisten Leonhard Thurneysser in Tiengen unter der Anklage der Schuldeintreibung verhaften und setzte ihn auf der Küssaburg fest. Thurneysser gelang es durch die Intervention von Freunden freizukommen, musste aber einen Teil seiner Bücher in der Küssaburg zurücklassen[4].

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der endgültige Niedergang der Burg besiegelt. Am 8. März 1634 zog eine schwedische Truppe unter Führung von Feldmarschall Gustaf Horn heran. Die kaiserliche Besatzung der Küssaburg sprengte die Burg, damit sie den Feinden nicht als Bollwerk und Stützpunkt dienen konnte.

Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 wurden Pläne zum Wiederaufbau erwogen, doch wegen Unrentabilität nicht umgesetzt. Am 25. Dezember 1664 richtete ein Bergsturz an der unbewohnten Burg weitere schwere Schäden an. Das Aufsehen erregende Ereignis und seine Topographie wurden durch den Kupferstecher Conrad Meyer 1665 in einem Einblattdruck dokumentiert[5]. Die Burg, der keine weitere strategische Bedeutung zukam, verfiel weiter. Bis zum Erwerb des Klettgaus durch das Großherzogtum Baden 1812 blieb sie im Besitz der Fürsten von Schwarzenberg. 1855 wurden der weitere Verfall und die Nutzung als Steinbruch unterbunden.

Erst 1932 bis 1939 wurde die Wehranlage wieder freigelegt. Sie ist seither ein beliebtes Ausflugsziel. Die Ruine wurde im Jahre 1978 aus der Hand Baden-Württembergs dem Landkreis Waldshut übergeben. Der Küssaburg-Bund pflegt die Burg vorbildlich.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Burgberg besteht aus Gesteinen des Weissen Jura, aus dem auch die Burgmauern erstellt sind. Die (erneuerte) Wappentafel mit dem Sulzer Wappen am Eingang und einige Formsteine wurden aus Bruchstein der darunterliegenden Ornatenton-Formation angefertigt, die einst in einem Steinbruch in der Nähe abgebaut wurden. Die Burg wurde von 1525 bis 1529 unter Rudolf V. von Sulz nach der damals neuesten Fortifikationstechnik ausgebaut. Vor der Burg, auf dem großen Vorplatz, befand sich eine Vorburg in der Art einer eigenen kleinen Stadt mit zeitweise eigenem Stadtrecht. Der Grundriß der Burg ist auf einer Hinweistafel am Eingang ersichtlich, die jeweiligen Gebäudeteile tragen die Nummern. In der ehemaligen Burgküche sind zwei Konsolsteine mit Fratzen erhalten. Die Bastion wird durch ein mächtiges Rondell geschützt wie die Sulzer es auch auf ihrer Burg Vaduz errichteten.

Das spätere Wappen der Grafen von Küssenberg nach der Abbildung in der Schlachtkapelle Sempach (1386)

Die Burg soll 136 Zimmer besessen haben. Bis zum 30-jährigen Krieg ging es wohl teils recht ausgelassen zu und her, wie Joseph Bader aus dem bis 1821 im Kapuzinerkloster Waldshut aufbewahrten Gästebuch der Küssaburg den Eintrag von "Anno 1611 den 18 May auf Schloss Küssaberg" zitiert:

Nicasius Beyer zum Edelbach / hat ordentlich schön verrichtet sein Sach / Wilkomm getruncken auch / wie sich gebürt nach altem Brauch / dabei sich also befand / das er das Bett nicht finden khunt

.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu diesem Trinkspruch passt auch das Wappen der Küssenberger das einen goldenen Stauf bzw. einen Nuppenbecher auf blauem Schild zeigt, die Helmzier besteht aus einem roten Kissen mit gleichfalls, daraufstehendem, Stauf bzw. Nuppenglas. Das Wappen ist überliefert in der Züricher Wappenrolle. Allerdings war im Jahr 1611 die Burg bereits durch die Sulzer (nach der Zerstörung der alten Anlage 1499) neu erbaut worden und ihr Allianzwappen Sulz-Brandis befindet sich daher auch über dem Eingang.

Verfall und Erhaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Breitenfeld über die Küssaburg auf die Glarner Alpen mit Hausstock, Ruchi, Ortstock, Muttenstock und Selbstsanft

Nach ihrer letzten Zerstörung durch ein Feuer wurde sie von den Bauern im Umfeld als Steinbruch genutzt. Trotz allem ist sie immer noch imposant und lässt erahnen, welch eine mächtige Burg sie einst war. Sie galt als uneinnehmbar. Von der gern besuchten und zum Aussichtsturm umfunktionierten Schildmauer ist der Blick bei klarer Sicht frei mit dem Panorama der schneebedeckten Gipfel der Schweizer Alpen - nach Bechtersbohl am Fuße der Küssaburg, nach Lauchringen und zum Vitibuck, vom Randen bis nach Bad Zurzach in das Rheintal und weit in den Schwarzwald. Seit vielen Jahren kümmert sich der Küssaburg-Bund um den Erhalt der Burg.

Die Küssaburg in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Küssaburg war nur selten ein Objekt für Künstler, allerdings skizzierte William Turner sie 1802, wohl während einer Vorbeireise. In der Neuzeit war sie eher beliebt als Aufführungsort für Freilichtspiele, etwa von Alexander Würtenbergers »Elsbeth vom Turmhof« oder Stücken von Ferdinand Hasenfratz.

Fotogalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Weiß, Christian Ruch, Die Küssaburg. Herausgegeben vom Küssaburg-Bund e.V., o. O. 2009.
  • Robert Feger, Burgen und Schlösser in Südbaden. Eine Auswahl. Weidlich, Würzburg 1984, ISBN 3-8035-1237-9.
  • Norbert Nothhelfer (Hrsg.), Der Kreis Waldshut. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart/Aalen 1975, ISBN 3-8062-0124-2.
  • Gemeinde Lauchringen (Hrsg.), Brigitte Matt-Willmatt, Friedrich Hoggenmüller: Lauchringen. 1985.
  • Arthur Hauptmann: Burgen einst und jetzt - Burgen und Burgruinen in Südbaden und angrenzenden Gebieten. Verlag Südkurier, Konstanz 1984, ISBN 3-87799-040-1, S. 259–263.
  • Heinz Voellner: Die Burgen und Schlösser zwischen Wutachschlucht und Hochrhein. 1979.
  • Helmut Bender, Karl-Bernhard Knappe, Klauspeter Wilke: Burgen im südlichen Baden. 1979, ISBN 3-921340-41-1.
  • Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Freiburg im Breisgau, 1892, Band III - Kreis Waldshut; S. 133–142 online
  • Christian Roder: Die Schloßkaplanei Küssenberg und die St. Annenkapelle zu Dangstetten. In: Freiburger Diözesan Archiv.
  • Gemeinde Küssaberg (Hrsg.), Emil Müller-Ettikon, Kurzer Überblick über die Geschichte Küssabergs. 1986.
  • Samuel Pletscher, Küssenberg im badischen Klettgau. Schleitheim, 1883.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Salzmann: Die Küssaburg. In: Südkurier vom 6. Mai 2010
  2. Vgl. Die Belagerung und Kapitulation Tiengens im Schwabenkrieg 1499. Festschrift für Thomas Zotz, Thorbecke 2004, S. 156.
  3. Dirk Salzmann: Der Bauernkrieg im Klettgau und die Küssaburg. In: Südkurier vom 6. Mai 2010
  4. Paul H. Boerlin: Leonhard Thurneysser als Auftraggeber, Birkhäuser, 1976, S.28
  5. Jahrbuch des Landkreises Waldshut, Band 2, Schriftenreihe des Landkreises Waldshut, Waldshut, 1965/66