Max Hollein

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Max Hollein (2008)

Max Hollein (* 7. Juli 1969 in Wien) ist ein österreichischer Kurator und Museumsdirektor. Seit Juni 2016 hat er die Leitung des Fine Arts Museums of San Francisco übernommen.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Hollein wurde als Sohn des Architekten Hans Hollein 1969 in Wien geboren. Er studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Während dieser Zeit war er unter anderem als freier Mitarbeiter der Wirtschaftsredaktion der Tageszeitung „Der Standard“ tätig. Nach dem erfolgreichen Abschluss beider Studien 1994/95[3] erfolgte der Umzug nach New York, wo er als Projektleiter für Ausstellungen am Solomon R. Guggenheim Museum arbeitete. Von 1996 bis Ende 2000 folgte eine enge Zusammenarbeit mit Guggenheim-Direktor Thomas Krens, zunächst als „Executive Assistant to the Director“ und ab 1998 als „Chief of Staff and Manager of European Relations“ – verantwortlich für wesentliche Projekte wie etwa den Aufbau der Ausstellungshallen „Deutsche Guggenheim Berlin“ und „Guggenheim Las Vegas“, für Ausstellungstourneen, Eröffnungsaktivitäten des Guggenheim Museum Bilbao sowie für Kontakte zu europäischen Kulturinstitutionen, Sammlern, Medien, Kuratoren und Sponsoren.

Als Direktor der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main kam Hollein 2001 nach Frankfurt am Main. Seit 2006 war er bis Mai 2016 zusätzlich zu seinem Posten in der Schirn Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung.

Hollein ist verheiratet mit der Modedesignerin und Autorin Nina Hollein. Das Paar hat drei Kinder und lebt seit 2016 in San Francisco.

Nachdem schon früher über Verhandlungen mit anderen Häusern, etwa dem Pariser Centre Pompidou, berichtet worden war,[4] wurde im März 2016 bekannt, dass Max Hollein nach 15 Jahren Tätigkeit in Frankfurt am Main ab Juni 2016 die Leitung der Fine Arts Museums of San Francisco übernimmt.[1][2]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Hollein war Direktor der Schirn Kunsthalle, die ab Oktober 2001 unter seiner künstlerischen und kaufmännischen Leitung stand, sowie seit Januar 2006 Direktor des Städel und des Liebieghaus. Zu den Höhepunkten seines Programms an der Schirn, die er national und international neu positioniert hat, zählen die Ausstellungen „Frequenzen [Hz] – Audiovisuelle Räume“, „Shopping – 100 Jahre Kunst und Konsum“, „Henri Matisse: Mit der Schere zeichnen“, „Traumfabrik Kommunismus – Die visuelle Kultur der Stalinzeit“, „Yves Klein“, „Die nackte Wahrheit – Klimt, Schiele, Kokoschka und andere Skandale“, „Op Art“, „Impressionistinnen. Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond“, „Georges Seurat. Figur im Raum“, „Edvard Munch – Der moderne Blick“ sowie in Kooperation mit der Liebieghaus Skulpturensammlung „Jeff Koons. The Painter & The Sculptor“. Seit Jahren zählt die Schirn zur bestbesuchten Kunstinstitution der Rhein-Main-Region.

Die Liebieghaus Skulpturensammlung erlebte unter der Leitung von Max Hollein die größte Infrastrukturmaßnahme seit 1990: die Sammlungsbereiche vom Mittelalter bis zum Klassizismus und Ostasiens sowie das zu Studioli-Räumen umgestaltete Dachgeschoß präsentieren sich seit 2008 in einem gänzlich veränderten Farb-, Licht- und Vermittlungskonzept. Die ebenfalls 2008 gezeigte Ausstellung „Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulpturen“ wurde zu einer der erfolgreichsten Ausstellungen in der Geschichte des Liebieghauses. Ihren Abschluss fand die Neugestaltung im Frühjahr 2009 mit der Neuaufstellung des Sammlungsbereichs Antike, in den nun auch Werke des Klassizismus integriert sind, sowie der Eröffnung eines neu geschaffenen Schaudepots. Ausstellungen wie „Jean-Antoine Houdon. Die sinnliche Skulptur“ (2009), „Sahure – Tod und Leben eines großen Pharao“ (2010), „Niclaus Gerhaert. Der Bildhauer des Mittelalters“ (2010/11) sowie in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle „Jeff Koons. The Sculptor“ (2012) sorgen für einen regen zusätzlichen Publikumszulauf ins Liebieghaus.

Im Städel hatte Max Hollein seit Beginn seiner Tätigkeit zahlreiche neue Ausstellungsformate eingeführt: von kleinen, ausgewählten Kabinettausstellungen unter anderem zu Wilhelm Lehmbruck, Martin Kippenberger und Andrea Mantegna über die Reihe „Konstellationen“ mit Werken zeitgenössischer Kunst aus der Sammlung des Städel bis zu bedeutenden Überblicksschauen wie „Gärten“, „Albrecht Dürer: Die Druckgraphiken“, „Hexenlust und Sündenfall. Die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien“, „Cranach der Ältere“, „Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“, „Ernst Ludwig Kirchner. Retrospektive“, „Beckmann&Amerika“ sowie die große, international viel beachtete Ausstellung „Botticelli“. Mit 367.000 Besuchern war sie die mit Abstand erfolgreichste Schau in der Geschichte des Städel.

Unter Max Hollein wurde auch die größte bauliche Erweiterung des Städel durchgeführt. Ende 2011 wurden die Sammlungsbereiche Alte Meister und Kunst der Moderne nach einer umfangreichen Sanierung wiedereröffnet. Im Februar 2012 wurde ein unterirdischer Erweiterungsbau – die Gartenhallen – mit zusätzlichen 3000 m² Sammlungsfläche für die Gegenwartskunst eröffnet. Im Zuge einer groß angelegten Kampagne, an der sich die Stadt Frankfurt, das Land Hessen, namhafte Firmen, Stiftungen sowie unzählige Bürger beteiligten, konnte das Städel Museum die Gesamtkosten von 52 Mio. Euro für Sanierung und Erweiterung zur Hälfte aus privaten und zur anderen Hälfte aus öffentlichen Geldern finanzieren. Durch Ankäufe und Schenkungen wird darüber hinaus der Bestand des Museums in allen Sammlungsbereichen kontinuierlich ergänzt. Unter der Führung von Max Hollein konnte das Städel Museum seinen Bestand signifikant ausbauen. Zwischen 2006 und 2012 kamen allein 1.200 Neuzugänge ins Städel.

Neben seiner Direktorentätigkeit war Max Hollein Kommissär und Kurator des amerikanischen Pavillons bei der VII. Architekturbiennale in Venedig im Jahr 2000, Beauftragter für den österreichischen Pavillon bei der Biennale di Venezia 2005 sowie Kurator des Salzburger Avantgardefestivals „kontra.com“ anlässlich des Mozart-Jahres 2006. Er ist Mitglied in verschiedenen Jurys und Beratungsgremien, darunter Mitglied des Aufsichtsrats der „Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH“ (Berliner Festspiele, Berliner Filmfestspiele, Martin-Gropius-Bau, Haus der Kulturen der Welt). Kurator von Ausstellungen wie „Shopping“, „Jonathan Meese“ „Julian Schnabel“, „3’“, „Carsten Nicolai“ sowie Herausgeber zahlreicher Ausstellungskataloge. Hollein verfasste vielfältige Publikationen und Vorträge zur zeitgenössischen Kunst und Kunst der Moderne sowie zum Museumswesen. 1999 erschien sein Buch „Zeitgenössische Kunst und der Kunstmarktboom“, 2006 die Publikation „Unternehmen Kunst. Entwicklungen und Verwicklungen“ in der Statement Reihe.

Max Hollein ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung Giersch[5] und Mitglied in zahlreichen Aufsichts- und Beratungsgremien internationaler Kulturinstitutionen, darunter die Eremitage (Sankt Petersburg),[6] das Palais de Tokyo in Paris, das Istanbul Modern,[7] die Neue Galerie New York, die Ludwig-Stiftung[8] und die Bundeskunsthalle in Bonn.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zeitgenössische Kunst und der Kunstmarktboom. Böhlau, Wien/ Köln/ Weimar 1999, ISBN 3-205-99133-8.
  • als Herausgeber: Erró: Portrait and Landscape/Portrait und Landschaft. Hatje Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3168-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Max Hollein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Direktor des Städel-Museums Max Hollein verlässt Frankfurt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. März 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 23. März 2016]).
  2. a b Jori Finkel: Fine Arts Museums in San Francisco Picks Max Hollein as Next Director. In: The New York Times. 22. März 2016, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 23. März 2016]).
  3. Max Hollein: Aktuelle Vertriebsformen im Handel mit zeitgenössischer bildender Kunst. Diplomarbeit. Wirtschaftsuniversität Wien, Wien 1994, OBV;
    —: Zeitgenössische Kunst während des Kunstmarktbooms. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1995, OBV.
  4. Nils Bremer: Städel-Direktor Max Hollein verlässt Frankfurt - Neue Stelle bei Fine Arts Museums of San Francisco. In: Journal Frankfurt. 23. März 2016, abgerufen am 23. März 2016.
  5. Gremien, Website der Stiftung Giersch, abgerufen am 12. Dezember 2013.
  6. International Consultative Council. Website der Eremitage (Sankt Petersburg), abgerufen am 16. Januar 2014.
  7. International Advisory Board. Website der Istanbul Modern, abgerufen am 16. Januar 2014.
  8. Organe in Wien, Website der Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, abgerufen am 16. Januar 2014.
  9. Kulturministerin Claudia Schmied überreicht Max Hollein das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst auf APA vom 12. Juli 2010 abgerufen am 12. Juli 2010.