GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen

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Ort des Zugriffs: Bahnhof Bad Kleinen

Der GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen war ein Polizeieinsatz am 27. Juni 1993, bei dem die RAF-Terroristen Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams im mecklenburgischen Bad Kleinen festgenommen werden sollten. Die Festnahme von Birgit Hogefeld verlief erfolgreich. Bei einem anschließenden Feuergefecht erschoss Wolfgang Grams den GSG-9-Beamten Michael Newrzella. Grams beging nach dem mehrfach gerichtlich überprüften Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen Suizid. Unmittelbar nach dem Vorgang griffen verschiedene Medien Zeugenaussagen auf, die von einer „Exekution“ Grams’ durch Polizeibeamte berichteten, was zu einer Affäre wegen der Rolle der beteiligten Behörden und dem Rücktritt des Bundesinnenministers Rudolf Seiters führte und bis heute in Medien und insbesondere im linken Spektrum als möglicher – wegen unzureichender Spurensicherung nicht restlos aufklärbarer – Geschehensablauf erwogen wird. Durch den Einsatz wurde die Existenz der dritten RAF-Generation nachgewiesen und ihre personelle Zusammensetzung in Ansätzen greifbar.

Vorbereitung[Bearbeiten]

Dem seit 1985 als V-Mann des Verfassungsschutzes Rheinland-Pfalz tätigen Klaus Steinmetz war es Anfang der 1990er Jahre gelungen, in das Umfeld der Rote Armee Fraktion vorzudringen. Steinmetz nahm an diversen nichtmilitanten Aktionen teil und drang immer tiefer in die Szene ein. Ende Februar 1992 traf er Birgit Hogefeld in Paris. Im April 1993 traf Steinmetz erstmals auf Wolfgang Grams, allerdings ohne ihn sofort zu identifizieren. Der Verfassungsschutz beschloss, den Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt einzuschalten, um Hogefeld und Grams sowie ggf. weitere Mitglieder der RAF festnehmen zu lassen. Auf Wunsch des Verfassungsschutzes sollte die Aktion so durchgeführt werden, dass Steinmetz weiter als V-Mann eingesetzt werden konnte.

Vor dem Einsatz gab das Bundeskriminalamt die Einschätzung ab, der Bahnhof Bad Kleinen eigne sich nicht für eine Festnahme. Der Publikumsverkehr sei so gering, dass verdeckte Zivilbeamte auffallen würden. Der Zugriff solle daher nach der Ankunft zu einem späteren Zeitpunkt außerhalb des Bahnhofes stattfinden.[1]

Der Bahnhof wurde vom Bundeskriminalamt umfangreich überwacht, unter anderem wurden Wanzen und Überwachungskameras in Blumenkübeln und Mülleimern versteckt. Auf dem Schweriner See diente ein Boot des Bundesgrenzschutzes als Relaisstation, das zur Tarnung kurzfristig für circa 9.600 DM umlackiert worden war.[1]

Am 24. Juni 1993 trafen sich Hogefeld und Steinmetz in Bad Kleinen, fuhren weiter nach Wismar und bezogen dort eine nach ihrem Eintreffen gemietete Ferienwohnung. Steinmetz trug während der ganzen Zeit, ohne es zu wissen, in einem Laptop einen Peilsender und ein Abhörgerät bei sich, so dass er jederzeit zu orten war und die Gespräche mitgehört werden konnten. Trotz des Peilsenders dauerte es 24 Stunden, bis Steinmetz und Hogefeld in der Ferienwohnung geortet wurden, weil sich die Einsatzkräfte mit ihren Peilgeräten in der Wohnsiedlung aus Tarnungsgründen nicht frei bewegen durften.

Das Bundeskriminalamt observierte die Ferienwohnung von einem Nachbarhaus aus. Bei der Observation gab es eine Beobachtungslücke: Die auf Distanz eingesetzten Kräfte observierten nur die Vorderseite des Ferienhauses und bemerkten nicht, dass Hogefeld und Steinmetz über den Hinterausgang das Ferienhaus verließen, zumal der Laptop mit dem Peilsender in der Wohnung verblieben war. Erst bei der Rückkehr von Hogefeld und Steinmetz durch den Vordereingang wurde ihre Abwesenheit bemerkt.[1]

Als am 27. Juni 1993 keine weiteren Personen in der Ferienwohnung angekommen waren und offenbar die Abreise von Hogefeld und Steinmetz bevorstand, entwickelte die Einsatzleitung den Plan, Hogefeld auf dem Weg zwischen dem Ferienhaus und der nächsten Bushaltestelle zu fassen. Beim Verlassen der Ferienwohnung sagte Hogefeld zu dem Vermieter, sie wollten „noch Freunde treffen“. Aufgrund dieser Aussage wurde der bereits angelaufene Zugriff abgebrochen. Die Ermittler erhofften sich, weitere RAF-Mitglieder festzunehmen.[1]

Ausführung[Bearbeiten]

Am 27. Juni 1993 fuhren Hogefeld und Steinmetz zurück nach Bad Kleinen, um sich dort mit Grams zu treffen. Am dortigen Bahnhof und in der Umgebung waren zu diesem Zeitpunkt 38 Beamte des MEK des Bundeskriminalamtes, 37 Beamte der GSG 9 und 22 weitere Beamte im Einsatz.

Grams traf um 14:00 Uhr ein und besuchte mit Hogefeld und Steinmetz die Bahnhofsgaststätte. Der Abteilungspräsident des Bundeskriminalamtes Rainer Hofmeyer schloss einen Zugriff in der Gaststätte, auf dem Bahnsteig und im Zug aus, da dadurch Unbeteiligte gefährdet gewesen wären. Somit blieb der Fußgängertunnel, der zu den Gleisanlagen führte, als einzige Festnahmemöglichkeit.[1]

Um 15:15 Uhr verließen Hogefeld, Grams und Steinmetz die Bahnhofsgaststätte. Ein GSG-9-Beamter, der die Gaststätte vom Bahnsteig 3/4 aus beobachtete, informierte seine Kollegen, die am gegenüberliegenden Tunneleingang postiert waren. Ein weiterer ziviler Beamte im Tunnel gab das Zeichen für den Zugriff, den sieben GSG-9-Beamte durchführten. Aufgrund eines missverständlichen Funkspruches ging der Beobachter irrtümlich davon aus, dass der Zugriff bereits erfolgt sei, und begab sich in der Annahme, der Einsatz sei beendet, zehn Sekunden später in den Tunnel, wo er zu seiner Überraschung den unverhafteten Grams sah.[AB 1] Durch dieses auffällige Verhalten des Beobachters ging die Einsatzleitung davon aus, dass Grams gewarnt war, und die sich im Tunnel den Zielpersonen nähernden Beamten der GSG 9 mussten sofort den Zugriff beginnen, obwohl der Abstand über 15 Meter betrug. Eigentlich war geplant gewesen, bei der Überwältigung die Schrecksekunde zu nutzen und deshalb erst bei einem Abstand von fünf Metern die Festnahme zu starten; erst bei einer Distanz von weniger als zehn Metern lässt sich die Schrecksekunde erfahrungsgemäß nutzen.[1]

Tode von Wolfgang Grams und Michael Newrzella[Bearbeiten]

Bahnsteig 3/4, auf dem der Schusswechsel stattfand, mit Blick auf das Gleisbett 4 (rechts) und den Ausgang der Unterführung (Hintergrund Mitte). Die vollständig sichtbare Person befindet sich etwa in der Position, von der Grams auf seine Verfolger schoss (Foto Sommer 2008)
Gleis 4, auf das Wolfgang Grams während des Schusswechsels rücklings fiel, gesehen aus der damaligen Position der GSG-9-Beamten (Foto August 2011)

Während Hogefeld und Steinmetz im Tunnel ohne Gegenwehr festgenommen wurden, floh Grams auf den Bahnsteig 3/4 und eröffnete das Feuer auf die ihm nacheilenden GSG-9-Beamten.[2] In dem wahrscheinlich zwischen 8 und 15 Sekunden dauernden Schusswechsel[AB 2] verletzte er den Beamten Michael Newrzella so schwer, dass dieser später im Krankenhaus starb. Wolfgang Grams wurde von fünf Kugeln der Beamten nicht lebensgefährlich getroffen und fiel auf Gleis 4, wo er auf dem Rücken liegen blieb.[AB 3] Mit einem Kopfschuss wurde er ins Universitätsklinikum Lübeck geflogen, wo auch er wenige Stunden später starb.[AB 4] Ein weiterer GSG-9-Beamter wurde durch Grams schwer verletzt;[AB 5] diese beiden sind die einzigen aufgeklärten Gewalttaten der dritten RAF-Generation.[3] Eine Schaffnerin auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig 5 wurde durch Schüsse der Beamten verletzt.[1]

Michael Newrzella (geboren am 6. September 1967) war der erste GSG-9-Beamte, der bei einem Einsatz starb, und zugleich das letzte Opfer der RAF. Er hatte seine Dienstwaffe nicht gezogen, weil die Taktik der GSG 9 grundsätzlich auf einen Zugriff ohne die Anwendung von Schusswaffen ausgerichtet war. Im Abschlussbericht der Bundesregierung wird vermutet, Newrzella habe Grams körperlich überwältigen wollen und sich im Feuerschutz seiner Kollegen sicher gefühlt.[AB 6] Es gab vor allem im politisch linken Spektrum Spekulationen darüber, Newrzella sei durch einen Querschläger aus der Waffe eines Kollegen umgekommen, die sich nicht bestätigten.

Wolfgang Grams starb – soweit seit dem rechtsmedizinischen Gutachten der Stadtpolizei Zürich unstrittig – durch einen aufgesetzten Kopfschuss, der aus seiner eigenen Schusswaffe abgegeben worden war. Es war lange umstritten und ist es bis heute bei den Eltern und Unterstützern Grams’, ob er sich den Schuss selbst in auswegloser Lage zufügte oder ob nacheilende GSG-9-Beamte, möglicherweise aus Rache für den sterbenden Kollegen Michael Newrzella, Grams bereits auf dem Gleis liegend dessen Waffe entwanden und erschossen, was durch ein Gutachten des Rechtsmediziners Wolfgang Bonte im Juni 1994 nahegelegt wurde.[4]

Nach dem im Januar 1994 vorgelegten Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft Schwerin auf der Grundlage von 142 Zeugenaussagen und mehreren Gutachten[5] hat Grams Suizid begangen, indem er sich den tödlichen Kopfschuss selbst zufügte.[6][AB 7] Ein durch Bernd Brinkmann (Universität Münster) angefertigtes Gutachten kommt zu dem Schluss, es sei aufgrund der Blutspuren auf Waffe und Kleidung der Polizisten „nicht denkbar“, dass der Schuss von ihnen abgegegen worden sei; er hält eine Selbsttötung für „sehr viel wahrscheinlicher … als eine Fremdtötung“.[7] Das am 20. November 1993 veröffentlichte Gutachten der Stadtpolizei Zürich bestätigt einen „typischen Selbstmord-Einschußkanal“[8] und geht „aller Wahrscheinlichkeit nach“ davon aus, dass Grams sich die tödliche Verletzung selbst zugefügt hat.[9] Diese Ergebnisse wurden im Abschlussbericht der Bundesregierung am 9. März 1994 bestätigt.[10] Die Einstellung der Ermittlungen gegen die Polizeibeamten und das amtliche Ergebnis wurden in nachfolgenden Verwaltungs- und Gerichtsverfahren ohne Erfolg angegriffen, zunächst durch eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Rostock, dann ein vergebliches Klageerzwingungsverfahren beim Oberlandesgericht Rostock mit anschließender erfolgloser Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht.[11] Grams’ Eltern klagten daraufhin beim Landgericht Bonn gegen den Bund auf Schadensersatz der Kosten, die ihnen durch den Tod des Sohnes entstanden waren. Das erkennende Gericht kam zu der Überzeugung, dass die Geschehnisse nicht restlos aufklärbar seien, für eine vorsätzliche Tötung Grams’ durch GSG-9-Beamte aber „auch nach Ausschöpfen aller Erkenntnismöglichkeiten“ keinerlei Umstände sprächen. Die Klage wurde abgewiesen.[12] Das Urteil wurde rechtskräftig; auch eine letzte Überprüfung der verschiedenen Justizverfahren beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ergab am 5. Oktober 1999 keine Rechtsverstoße.[13]

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Die hektischen ersten Tage und Wochen nach dem misslungenen Einsatz waren von Fehlinformationen und Versäumnissen der staatlichen Behörden, aber auch von Spekulationen und Fehlschlüssen in der Berichterstattung der Medien begleitet. Es meldeten sich verschiedene Zeugen, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in die behördliche Version der Ereignisse erschütterte.

Unzulängliche Spurensicherung[Bearbeiten]

Die Tatortarbeit dauerte über 9 Stunden (27. Juni, 16:00 Uhr bis 28. Juni, 1:20 Uhr).[AB 8] Nach ihrer Festnahme wurde Birgit Hogefeld erst im Auto des BKA durchsucht, wo die Beamten eine Waffe mit Magazinen entdeckten. Die Durchsuchung und Entwaffnung hätte bereits direkt nach ihrer Festnahme im Tunnel stattfinden müssen.[AB 9] Das Projektil, welches für den tödlichen Kopfschuss bei Grams verantwortlich war, wurde nicht gefunden. Dagegen wurden noch Tage nach Abschluss der Spurensicherung am Tatort Hülsen und Geschossteile im Gleisbett gefunden, sogar an der Stelle, an der Grams zuletzt lag.[4]

Vor der Obduktion am 28. Juni 1993 wurde anscheinend auf Weisung des BKA unter anderem Grams’ Kopf gewaschen, einige Haare weggeschnitten und weggeworfen. Um Grams sicher identifizieren zu können, wurden dem Leichnam Fingerabdrücke genommen und zu dem Zweck die Hand gewaschen.[AB 10][14] Das hat eventuell Schmauch-, Blut- und Gewebespuren vernichtet, die das Geschehen hätten rekonstruieren lassen können. Der Kriminalwissenschaftler Wolfgang Lichtenberg bezeichnete diesen Vorgang als „nicht korrekt“.[15]

Staats- und Medienaffäre durch Zeugenaussagen[Bearbeiten]

Klaus Bednarz’ Kommentar im WDR-Fernsehmagazin Monitor begründete wenige Tage nach dem Einsatz Zweifel an der offiziellen Version
Hans Leyendeckers Spiegel-Titelgeschichte verstärkte kurz darauf den Eindruck, Grams sei von Beamten hingerichtet worden
Der damalige Bundesinnenminister Rudolf Seiters trat im Zusammenhang dieser Medienberichte zurück

Auch widersprüchliche Aussagen von Zeugen und staatlichen Stellen sorgten für Spekulationen. Einige Geschehnisse konnten nicht geklärt werden, da sich Mitglieder der GSG 9 in ihren Aussagen widersprachen.[AB 11] Der damalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl behauptete am Abend des Einsatzes öffentlich und wahrheitswidrig, Hogefeld habe bei ihrer Verhaftung den Schusswechsel eröffnet.[16] Am 1. Juli 1993 sendete das Fernseh-Magazin Monitor den Augenzeugen-Bericht einer Verkäuferin des Kiosks auf dem Bahnsteig, auf dem der Schusswechsel stattgefunden hatte, Grams sei „regelrecht hingerichtet worden“, was Klaus Bednarz wie folgt kommentierte: „ein ungeheuerlicher Vorgang, der in der Geschichte der Bundesrepublik – zumindest so weit bekannt – nicht seinesgleichen hat“.[17] Daraufhin trat der damalige Bundesinnenminister Rudolf Seiters am 4. Juli 1993 zurück. Er übernehme damit „politische Verantwortung“ für „offensichtlich[e] Fehler, Unzulänglichkeiten und Koordinationsmängel innerhalb von Bundesbehörden“ beim Einsatz und seiner Aufarbeitung.[18] Einen Tag später machte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel mit dem Titel „Der Todesschuss. Versagen der Terrorfahnder“ auf.[19] Im Heft berichtete der investigative Autor Hans Leyendecker über das Geschehen und berief sich auf einen vermeintlichen GSG-9-Beamten, der am Tatort anwesend gewesen sein will, als Informanten, dass dessen Kollegen Grams „wie [bei] eine[r] Exekution“ hingerichtet hätten, obwohl er bereits kampfunfähig gewesen sei.[20] Vor allem im linken Spektrum hat sich dieser Verdacht ab Anfang Juli 1993 verbreitet. Die RAF-Kommandoebene bezeichnete die Ereignisse in einem Schreiben an Agence France Presse als „Terroraktion“ von „Killertruppen“. Es kam zu Protestdemonstrationen in mehreren Städten gegen die Polizeiaktion und den als Mord bezeichneten Tod Grams’.[21] Auch Jahre nach den Vorfällen sind Texte oder Bücher veröffentlicht worden, die die Ergebnisse der staatsanwaltlichen Untersuchungen und gerichtlichen Überprüfungen bezweifeln oder angreifen.[22] Auch in öffentlich-rechtlichen Medien sind Zweifel geblieben. Die Sendung Monitor hielt auch nach dem Ergebnis der staatsanwaltlichen Untersuchungen 1994 die Mordthese aufrecht.[23] 2013 stellte die ARD-Dokumentation Endstation Bad Kleinen von Anne Knauth ergebnisoffen Indizien für Mord bzw. Selbstmord nebeneinander.[17] Der Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wurde einen Tag nach dem Erscheinen der Spiegel-Ausgabe 27/1993 von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger aufgrund des „Informationschaos“ in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Ebenso trat der Leiter des BKAs, Hans-Ludwig Zachert, der sich während der Vorfälle im Urlaub befunden hatte, zurück. BKA-Vize Gerhard Köhler wurde ins Innenministerium versetzt. Abteilungspräsident Rainer Hofmeyer wurde auf einen anderen Posten im BKA versetzt,[AB 12] seine Abteilung später aufgelöst.[1] Auch die GSG 9 geriet immer stärker in Kritik wegen ihres offensichtlich kopflosen Einsatzverhaltens mit vielen Fehlschüssen und späteren unplausiblen Aussagen zum Hergang. In den Medien wurde spekuliert, ob der „Mythos von Mogadischu“ die eigene Fähigkeit der Eliteeinheit, Fehler einzugestehen, verhindere. Bundeskanzler Helmut Kohl stellte sich daraufhin bei einem öffentlichen Besuch am 22. Juli 1993 vor die GSG 9 und bezeichnete Grams als „Mörder“,[24] woraufhin dessen Eltern Strafanzeige gegen Kohl „wegen des Verdachtes der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und des Verdachtes der üblen Nachrede“ stellten.[25] Mitte August 1993 stellten Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und der neue Innenminister Manfred Kanther einen Zwischenbericht vor, der Versäumnisse und Fehler der Behörden darstellte.[9]

Sowohl der Spiegel-Informant als auch die Kioskverkäuferin stellten sich im Lauf der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin als unglaubwürdig heraus. Während die Kioskverkäuferin in mehreren Vernehmungen unterschiedliche, einander widersprechende Darstellungen des Vorfalls beschrieb, beruhte der Bericht des nur Leyendecker bekannten Spiegel-Informanten auf Angaben, die bereits oberflächlich nicht stimmen konnten, weshalb überhaupt eine Anwesenheit am Tatort für die Ermittler als unwahrscheinlich gilt.[AB 13][26] Hans Leyendecker rückte nach dem Ermittlungsergebnis von seiner Darstellung ab. 2007 sagte er dem Deutschlandfunk, er habe die Aussage seines Informanten überbewertet: „Ich hatte dieser Aussage eine zu große Bedeutung gegeben, sie zu wenig relativiert und das Ganze zu stark aufgeblasen. Dadurch entstand der Eindruck, dass das, was dieser Zeuge gesagt hat, auch korrekt gewesen sei. Das kann man so nicht behaupten.“[27] Später ergänzte Leyendecker, er habe „heute grundlegende Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit“ und die „Killerthese … für mich ausgeschlossen“.[28] Diese Titelgeschichte sei für den Spiegel „in der Wirkung verheerend“ gewesen: „eigentlich hätte ich auch gefeuert werden müssen“.[27]

Butz Peters nennt diese Ereignisse des Sommers 1993 in seiner journalistischen Aufarbeitung des Einsatzes eine „Staatskrise bisher ungekannten Ausmaßes“ für die Bundesrepublik;[29] BKA-Chef Zachert urteilte später, „die Republik“ habe damals „gewankt“.[30] Für Hans Leyendecker war Bad Kleinen „schon ein Ereignis, das die Republik ins Wanken brachte, denn die Frage war ja, ob Staatsbeamte Grams per Kopfschuss liquidiert und dann den Staat belogen hatten“.[31] Der Germanist Andreas Musolff befand den „politischen Schaden“ angesichts der Verunsicherung der Bevölkerung und der potenziellen Radikalisierung der linken Szene als „immens“.[9] Ganz anders charakterisierte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die Ereignisse im Rückblick: „Das war keine Staatskrise, es handelte sich schlicht um eine mediale Schmutz- und Desinformationskampagne, wie es sie noch nicht gegeben hatte“.[32] Der damalige Journalist des Bayerischen Rundfunks Holger Lösch schrieb 1994 – mit einem Vorwort des entlassenen Generalbundesanwalts Alexander von Stahl – ein Buch über den Medienskandal Bad Kleinen,[33] das „alle Zweifel an der offiziellen Version als scheinheilig bezeichnet“,[34] was in konservativen Medien 2013 wieder aufgegriffen wurde.[35] Der Politikwissenschaftler Alexander Straßner sprach resümierend differenzierter von einer „teilweise unsachlichen medialen Aufbereitung“.[36] Der Journalist Andreas Förster sieht im damaligen Fehlverhalten von Behörden, insbesondere des Verfassungsschutzes, eine Wurzel des späteren Versagens gegen den rechtsextremen Terror des NSU.[37]

Auswirkungen auf die RAF[Bearbeiten]

Die Polizei wurde während des Einsatzes auf ein sich konspirativ verhaltendes Pärchen am Bahnhofsvorplatz aufmerksam, von dem auch Videoaufnahmen bestehen, die aber nicht veröffentlicht wurden. Sie wurden nicht überprüft, um den Erfolg des Zugriffs nicht zu gefährden, es wurde aber vermutet, dass es sich um die RAF-Mitglieder Ernst Volker Staub und Daniela Klette handeln könne, auch wenn sie nach den Videoaufnahmen nicht zu identifizieren waren.[38] Auch Fingerabdrücke deuten nach FAZ-Informationen darauf hin, dass Staub und Klette am Einsatzort in Bad Kleinen anwesend waren.[39] Unklar bleibt, ob und wie Klette und Staub mit Grams, Hogefeld oder Steinmetz Kontakt aufgenommen haben. Durch die Festnahme Hogefelds konnten die Ermittler ihren Rucksack in einem Schließfach im Bahnhof Wismar sicherstellen. Darin fanden sie Briefe und Tonbänder, durch die sich mehrere Personen dem engen Umfeld der Kommandoebene zuordnen ließen und die Einblick in die Kommunikations- und Vorgehensweise der bis dahin weitgehend unbekannten dritten RAF-Generation gewährten. Die Funde belegten häufige Kontakte aus der Kommandoebene zu Familienangehörigen, was die dritte RAF-Generation von ihren Vorgängern der 1970er Jahre unterschied, die mit ihrem Gang in den Untergrund sämtliche Verbindungen zu ihrem früheren bürgerlichen Leben gekappt hatten.[40]

Die Anwesenheit des V-Manns Steinmetz am Einsatzort wurde auf Anordnung des rheinland-pfälzischen Innenministers Walter Zuber einen Monat lang geleugnet, da der Verfassungsschutz den Plan hatte, Steinmetz weiterhin als V-Mann einzusetzen. Den beteiligten Beamten und dem Generalbundesanwalt Stahl wurden dafür keine Aussagegenehmigungen erteilt; Augenzeugen in der Bahnhofsgaststätte wurde eingeredet, es seien nur zwei Personen anwesend gewesen, und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verweigerte die Aussage darüber im Innen- und Rechtsausschuss des Bundestages. Steinmetz wurde vom BKA vernommen, es gab ein Ermittlungsverfahren und einen Haftbefehl gegen ihn. Für eine Anklage reichten die Beweise nicht aus. Anschließend wurde er seinem V-Mann-Führer beim Verfassungsschutz übergeben. Ende Juli wurde diese Vernehmung und damit auch die Identität Steinmetz’ – zuerst durch einen am 22. Juli 1993 in der taz abgedruckten offenen Brief Hogefelds – öffentlich, nachdem bereits am 28. Juni das ARD-Morgenmagazin über einen dritte Anwesenden berichtet hatte, der V-Person sei.[41] Innerhalb des RAF-Umfelds legte Hogefeld den Kontakt zu Steinmetz in einem weiteren offenen Brief dar.[42] Nachdem seine Rückkehr in die linke Szene dadurch ausgeschlossen war, wurde er im August 1993 in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen und lebt heute unter einer neuen Identität im Ausland.[1] Da das Hereinfallen auf einen V-Mann für die Kommandoebene – die für ihr Leben im Untergrund auf Vertrauen und Diskretion des Umfelds angewiesen war – höchste Schwierigkeiten bedeutete, veröffentlichten die übriggebliebenen, nicht inhaftierten RAF-Mitglieder am 6. März 1994 eine ausführliche[43] und am 29. November 1996 eine weitere Erklärung zu Steinmetz.[44]

Birgit Hogefeld äußerte sich im Lauf des Prozesses, der gegen sie wegen Beteiligung an terroristischen Anschlägen von Mitte November 1994 bis 1996 am Oberlandesgericht Frankfurt am Main geführt wurde, immer wieder zu den Ereignissen von Bad Kleinen.[45] Auch wenn sie der Überzeugung blieb, Grams sei getötet worden, setzte sie sich zunehmend kritisch mit ihrer persönlichen Vergangenheit sowie der Gegenwart und Zukunft der Roten Armee Fraktion auseinander. In ihrem Prozess-Schlusswort erklärte sie im Oktober 1996, die Auflösung der RAF sei „lange überfällig“,[46] was in der Wissenschaft allgemein als wesentlicher Faktor für die im April 1998 folgende Auflösungserklärung betrachtet wird.[47] Heribert Prantl ist allerdings der Ansicht, der Auflösungsprozess sei durch den Einsatz von Bad Kleinen verzögert worden und hätte sich ohne die dortigen Ereignisse nicht fünf Jahre hingezogen. Er nennt Bad Kleinen „böse interpretiert“ den „letzte[n] Erfolg der RAF: Das Festnahme-Fiasko gab dem Linksterrorismus die Chance, die angebliche Ermordung des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams durch den Staat in ihre Propaganda einer „staatlichen Vernichtungsstrategie“ einzubetten“.[48] Die Germanistin Sandra Beck sieht in Bad Kleinen nach dem Zusammenbrechen der Erzählungen über die Todesnacht von Stammheim den „neuen RAF-Mythos“.[49] Auch laut Butz Peters wurde Bad Kleinen zum „allerletzten Mythos“ und zur „Dauerlegende“ der RAF, was für ihre Unterstützerszene über Jahre zum Fokus von Demonstrationen und Kampagnen wurde, für die RAF selbst aber „das Waterloo. Eine Niederlage, von der sie sich nie wieder erholt“.[50] Der Journalist Willi Winkler ist der Ansicht, „Klaus Steinmetz brachte die RAF an ihr Ende“, während der RAF-Experte des Verfassungsschutzes, Winfried Ridder, dafür „vorrangig die gesellschaftliche Isolierung revolutionärer Politik und die grundlegende Umbruchsituation Anfang der 90er Jahre“ verantwortlich macht und nicht so sehr das Ereignis.[51] Dagegen urteilt der Politikwissenschaftler und Experte für die dritte RAF-Generation Alexander Straßner, für die RAF sei damals „die Götterdämmerung angebrochen, die Diskussion um die Ereignisse von Bad Kleinen begann in der öffentlichen Selbstzerfleischung zu münden“,[52] nämlich die im September 1993 erfolgende Spaltung der RAF in einen mit dem Staat gesprächsbereiten Flügel um Peter-Jürgen Boock, Birgit Hogefeld und die aktive Kommandoebene und einen jede Kooperation ablehnenden Flügel um Brigitte Mohnhaupt.[53] Für Alexander Straßner bestätigt sich in der häufigen Bezugnahme auf Bad Kleinen in den folgenden Äußerungen aktiver und inhaftierter RAF-Mitglieder die Bedeutung als „tiefgreifende Zäsur für die dritte Generation“ mit „traumatischen Konsequenzen“.[54] Durch die „Konfrontation der Mythen“ RAF und GSG 9 seien beide „entmythisiert“ worden.[55] Die Germanistin Anne-Kathrin Griese kommt hingegen zum Schluss: „Keine dieser Ansichten, ob die vom geplanten Staatsmord, die vom mediengemachten Skandal oder die von der Instrumentalisierung der Ereignisse zur Legenden- und Mythenbildung vermag hinlänglich zu überzeugen. Blinde Flecke kennzeichnen alle Perspektiven.“[34]

Kulturelle Rezeption[Bearbeiten]

Medialisierungen des Gedenkens[Bearbeiten]

Auf dem Bahnhofsgelände gibt es keinen Hinweis auf das Ereignis; eine Gedenktafel für Michael Newrzella befindet sich in Neustrelitz, eine solche für Wolfgang Grams wurde privat von Unterstützern im Juli 1993 im Bahnhofstunnel installiert, in der folgenden Nacht aber von der Deutschen Bahn abgenommen.[56]

Rolf Sachsse rückt das Foto des sterbenden Wolfgang Grams ein in den „Status von Ikonen“ berühmter Bilder der RAF-Geschichte und deutet es als „die Zeche des frühen Todes im Ruhm“, und zwar „als Nachkömmling“ der Toten von Stammheim.[57]

Literarische, musikalische und performative Verarbeitungen[Bearbeiten]

Andres Veiels Film Black Box BRD von 2001 nutzt eine Schilderung von Grams’ letzte Minuten ästhetisiert als Eingangsszene.[58] Die provokative Holzskulptur Der Bahnhof von Bad Kleinen des Künstlers Günter Schumann (2001) zeigt Grams’ Tod als Erschießung durch einen Polizisten.[59]

In seinem 2005 veröffentlichten Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten stellt Christoph Hein die Ereignisse und die Ermittlungen aus der Sicht der Familie eines fiktiven getöteten Terroristen, Oliver Zurek, dar. Auch wenn Hein ausdrücklich betont, seine Romanfiguren frei erfunden zu haben,[60] weisen die Romanschilderungen starke Parallelen zum Fall Wolfgang Grams auf; Harald Martenstein sprach von einer möglicherweise „literarisch verfremdete[n] Dokumentation“.[61] Heins Romans wurde von Armin Petras für die Theaterbühne adaptiert und 2007 im Maxim-Gorki-Theater Berlin aufgeführt;[62] 2009 folgte eine Inszenierung von Axel Vornam am Theater Heilbronn.[63]

Das Thema haben weitere Buchautoren fiktionalisiert aufgegriffen. So behandelte der Krimi-Autor Wolfgang Schorlau die Ereignisse von Bad Kleinen in seinem Roman Die Blaue Liste (2003), Andreas Hoppert in seinem Politthriller Der Fall Helms (2002),[64] und Serdar Somuncu in seinem Roman Zwischen den Gleisen (2012)[65] auf.

Die aus der linken Szene stammende Band Dritte Wahl beschäftigt sich in dem Lied Bad K. mit den Ereignissen vom 27. Juni 1993. Das Lied Kopfschuss der Punk-Band WIZO spielt ebenfalls auf das Geschehen in Bad Kleinen an. Auch die Punk-Band Slime erinnert im Lied Gewalt an den gewaltsamen Tod von Wolfgang Grams. Eine Anspielung auf die Ereignisse in Bad Kleinen findet sich auch im Liedtext von position gleis 3 | 270693, das 1994 auf dem Konzeptalbum Musik wird niemals langsam von Michael Dubach, Max Goldt und Nino Sandow veröffentlicht wurde.

Die Wirren um die Rekonstruktion des Hergangs inspirierten auch Satire und Kabarett. Wiglaf Droste begann sein Was in Bad Kleinen wirklich geschah mit dem Satz: „Am 27. Juni 1993 auf dem Bahnhof in Bad Kleinen, Mecklenburg, erschießt der GSG-9-Beamte Michael Newrzella zunächst sich selbst.“[66]

Literatur[Bearbeiten]

Fernseh-Dokumentationen[Bearbeiten]

Zum 20. Jahrestag des Einsatzes wurden 2013 zwei Dokumentarfilme gesendet, die die Ereignisse mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Sichtweisen rekonstruierten:[67]

Weblinks[Bearbeiten]

Darstellungen staatlicher Institutionen

Darstellungen linker Initiativen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Egmont R. Koch: Zugriff im Tunnel – Das tödliche Drama von Bad Kleinen. Dokumentation. In: Das Erste, ausgestrahlt am 27. Juni 2013 (YouTube).
  2. Eine grafische Rekonstruktion findet sich bei Hans Leyendecker: „Tötung wie eine Exekution.“ In: Der Spiegel, Ausgabe 27/1993, S. 24–29, hier S. 28 (PDF). Siehe auch Grafische Rekonstruktion. In: Bad Kleinen und die Erschiessung von Wolfgang Grams, Nadir.org, 2003.
  3. Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Argon, Berlin 2004, ISBN 3-87024-673-1, S. 738.
  4. a b Bad Kleinen: Sog. Griff zur Entwindung. In: Der Spiegel, 6. Juni 1994. Eine Diskussion der Argumente für und wider Entwindungsgriff in Landgericht Bonn, Urteil vom 29. September 1998, Aktenzeichen 1 O 274/96, Volltext bei Openjur, Randnummern 80 bis 83.
  5. Kamilla Pfeffer: Der Todesschuss von Bad Kleinen. Das Trauma des Hans Leyendecker. In: NR-Werkstatt 22: Tunnelblick. Mai 2012, S. 130–136, hier S. 135 (PDF).
  6. Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Argon, Berlin 2004, ISBN 3-87024-673-1, S. 699 f.
  7. Landgericht Bonn, Urteil vom 29. September 1998, Aktenzeichen 1 O 274/96, Volltext bei Openjur, Randnummern 71 bis 73. Siehe Randnummern 75 bis 78 für Gegengutachten, die über die Wahrscheinlichkeit keine Aussage machen, eine Selbsttötung aber zumindest nicht ausschließen.
  8. Ludger Hinder: Bad Kleinen: Verspäteter Freispruch. In: Focus, 3. Oktober 1993.
  9. a b c Andreas Musolff: Krieg gegen die Öffentlichkeit. Terrorismus und politischer Sprachgebrauch. Westdeutscher Verlag, Opladen 1996, ISBN 3-531-12463-3 (zugleich Habilitationsschrift, Universität Düsseldorf), S. 210.
  10. Butz Peters: Der letzte Mythos der RAF. S. 167–175.
  11. Butz Peters: Der letzte Mythos der RAF. S. 175–189.
  12. Landgericht Bonn, Urteil vom 29. September 1998, Aktenzeichen 1 O 274/96, Volltext bei Openjur. Zitat Randnummer 136. Siehe auch Randnummer 130: Das Gericht weist auf „die Tatsache“ hin, „daß keiner der Zeugen einen aufgesetzten Nahschuss durch einen der Beamten wahrgenommen und auch keines der eingeholten rechtsmedizinischen Gutachten einen Anhaltspunkt für eine solche Handlung ergeben hat“.
  13. Siehe auch Butz Peters: Der letzte Mythos der RAF. S. 189–200.
  14. Landgericht Bonn, Urteil vom 29. September 1998, Aktenzeichen 1 O 274/96, Volltext bei Openjur, Randnummer 119 f.
  15. „Das gehört zu den Todsünden“ – Interview mit dem Kriminalwissenschaftler Wolfgang Lichtenberg über die Spurensicherung in Bad Kleinen. In: Der Spiegel, 19. November 1993.
  16. Kamilla Pfeffer: Der Todesschuss von Bad Kleinen. Das Trauma des Hans Leyendecker. In: NR-Werkstatt 22: Tunnelblick. Mai 2012, S. 130–136, hier S. 130 (PDF).
  17. a b Dazu Petra Sorge: Bad Kleinen: Der verdrängte Medienskandal. In: Cicero, 24. Juni 2013 (Seite 2).
  18. Oliver Tolmein: Gravierende Pannen und politisches Desaster. In: Deutschlandfunk, 27. Juni 2013.
  19. Der Spiegel, Ausgabe 27/1993.
  20. Hans Leyendecker: Tötung wie eine Exekution. In: Der Spiegel, 5. Juli 1993.
  21. Andreas Musolff: Krieg gegen die Öffentlichkeit. Terrorismus und politischer Sprachgebrauch. Westdeutscher Verlag, Opladen 1996, ISBN 3-531-12463-3 (zugleich Habilitationsschrift, Universität Düsseldorf), S. 209.
  22. Als ausführliches Beispiel kann das Buch „Bad Kleinen und die Erschießung von Wolfgang Grams“ dienen, das in gekürzter Fassung bei nadir.org zu finden ist. Siehe auch die Darstellung der Ereignisse durch den Initiativkreis 10 Jahre nach dem Tod von Wolfgang Grams (Memento vom 7. August 2007 im Internet Archive) und journalistisch Martin Kröger: Hier werden Terroristen erschossen. In: Jungle World, 25. Juni 2003.
  23. Fernsehen: Bednarz bleibt stur. In: Focus, 17. Oktober 1994.
  24. Siehe dazu Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste. In: Deutscher Bundestag. 12. Wahlperiode. Drucksache 12/5514, 28. Juli 1993.
  25. Terrorismus: Der Klaus war ein Zocker. In: Der Spiegel, 26. Juli 1993.
  26. Siehe die ausführliche Beschäftigung mit dem Gehalt der Zeugenaussagen bei Landgericht Bonn, Urteil vom 29. September 1998, Aktenzeichen 1 O 274/96, Volltext bei Openjur, Randnummern 25 bis 67, zusammenfassend Randnummer 25: „Deren Aussagen erschienen der Kammer jedoch bereits für sich betrachtet nicht glaubhaft“; Randnummern 27 bis 34 zur Kioskverkäuferin und 46 bis 49 zu Leyendeckers Informanten.
  27. a b Deutschlandfunk-Interview – Leyendecker: Journalisten müssen Zipfel der Wahrheit suchen. In: Deutschlandfunk, 25. Mai 2008.
  28. Hans Leyendecker zu Bad Kleinen: „Wir müssen uns für unser Tun rechtfertigen“. In: Cicero, 25. Juni 2013 (Seiten 1 und 2).
  29. Butz Peters: Der letzte Mythos der RAF. Das Desaster von Bad Kleinen: Wer erschoss Wolfgang Grams? Ullstein, Berlin 2006, S. 7.
  30. Zitiert nach Thorsten Jungholt: Bad Kleinen: Vor 20 Jahren fielen die letzten Schüsse der RAF. In: Die Welt, 27. Juni 2013.
  31. Kamilla Pfeffer: Der Todesschuss von Bad Kleinen. Das Trauma des Hans Leyendecker. In: NR-Werkstatt 22: Tunnelblick. Mai 2012, S. 130–136, hier S. 133 (PDF).
  32. Helmut Kohl: Erinnerungen: 1990–1994. Droemer Knaur, München 2007, S. 597. Diese Aussage wird diskutiert bei Ingo Juchler: Narrationen in der politischen Bildung. Bd. 1: Sophokles, Thukydides, Kleist und Hein. Springer, Wiesbaden 2015, S. 118 f.
  33. Holger Lösch: Bad Kleinen. Ein Medienskandal und seine Folgen. Ullstein, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-548-36636-8.
  34. a b Anne-Kathrin Griese: Der familiäre Blick. Andres Veiel Black Box BRD & Christoph Hein In seiner frühen Kindheit ein Garten. In: Inge Stephan, Alexandra Tacke (Hrsg.): NachBilder der RAF. Böhlau, Köln u. a. 2008, ISBN 978-3-412-20077-0, S. 165–180, hier S. 165 f.
  35. Sven Felix Kellerhoff: Bad Kleinen – die „Exekution“ war ein Medienskandal. In: Die Welt, 27. Juni 2013; Petra Sorge: Bad Kleinen: Der verdrängte Medienskandal. In: Cicero, 24. Juni 2013.
  36. Alexander Straßner: Perzipierter Weltbürgerkrieg. Rote Armee Fraktion in Deutschland. In: ders. (Hrsg.): Sozialrevolutionärer Terrorismus. Theorie, Ideologie, Fallbeispiele, Zukunftsszenarien. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15578-4, S. 209–236, hier S. 226, Fn. 86.
  37. Andreas Förster: Verfassungsschutz: Das NSU-Versagen wurzelt in Bad Kleinen. In: Cicero, 26. Juni 2013.
  38. Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Argon, Berlin 2004, ISBN 3-87024-673-1, S. 738.
  39. Wiedergeburt der Roten Armee Fraktion? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Mai 2001. Siehe auch Butz Peters: Der letzte Mythos der RAF. Das Desaster von Bad Kleinen: Wer erschoss Wolfgang Grams? Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-07865-X, S. 258: In Grams’ Rucksack in Bad Kleinen fanden sich Papiere mit Staubs Fingerabdrücken.
  40. Alexander Straßner: Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“, S. 99; Terroristen: Feldpost aus dem Untergrund. In: Der Spiegel, 30. August 1993.
  41. ID-Archiv im IISG (Hrsg.): Bad Kleinen und die Erschießung von Wolfgang Grams. ID-Archiv, Berlin und Amsterdam 1994, ISBN 3-89408-043-4, S. 21 und 28 (PDF). Zum ersten ausführlichen Bericht über Steinmetz Terrorismus: Der Klaus war ein Zocker. In: Der Spiegel, 26. Juli 1993.
  42. Birgit Hogefeld: „Die Tatsache an sich ist ja mittlerweile weitgehend bekannt“. Zur Enttarnung von Klaus Steinmetz. In: Für eine linke Strömung (Hrsg.): arranca! (Zeitschrift) Nr. 2, September 1993.
  43. Zu Steinmetz, Aprilerklärung 1992 und „soziale Gegenmacht“. Erklärung vom 6. März 1994. Abgedruckt bei Martin Hoffmann (Hrsg.): Rote Armee Fraktion. Texte und Materialien zur Geschichte der RAF. ID-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-89408-065-5, S. 473.
  44. Stellungnahme der RAF-Kommandoebene, in: Interim, Nr. 401 vom 12. Dezember 1996. Siehe dazu auch Peters: Tödlicher Irrtum, S. 713 f.
  45. Siehe u. a. Alexander Straßner: Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“. S. 213.
  46. Birgit Hogefeld: „Vieles in unserer Geschichte ist als Irrweg anzusehen“. Das Schlußwort der Angeklagten. In: Hans-Jürgen Wirth (Hrsg.): Hitlers Enkel oder Kinder der Demokratie? Die 68er-Generation, die RAF und die Fischer-Debatte. Psychosozial, Gießen 2001, ISBN 3-89806-089-6, S. 195–236; Online-Auszug auf Nadir (Internetportal).
  47. Gudrun Schwibbe: „Wir müssen die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte endlich selbst anpacken“ – Rechtfertigung und Verantwortung im Kontext der „Geschichte der RAF“. In: Rolf Wilhelm Brednich (Hrsg.): Erzählkulturen. Beiträge zur kulturwissenschaftlichen Erzählforschung. Hans-Jörg Uther zum 65. Geburtstag. Campus, Berlin / New York 2009, S. 85–99, hier S. 86.
  48. Heribert Prantl: RAF-Desaster in Bad Kleinen. Erschütternder Einsatz. In: Süddeutsche Zeitung, 27. Juni 2013.
  49. Sandra Beck: Reden an die Lebenden und an die Toten. Erinnerungen an die Rote Armee Fraktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (= Mannheimer Studien zur Literatur- und Kulturwissenschaft. Bd. 43). Röhrig, St. Ingbert 2008, S. 18.
  50. Butz Peters: Der letzte Mythos der RAF. Das Desaster von Bad Kleinen: Wer erschoss Wolfgang Grams? Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-07865-X, S. 222 und 255 f.
  51. Winfried Ridder: Verfassung ohne Schutz. Die Niederlagen der Geheimdienste im Kampf gegen den Terrorismus. DTV, München 2013, S. 68.
  52. Alexander Straßner: Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“. S. 228.
  53. Siehe etwa Christian Rath: Von nun an Geschichte. In: die tageszeitung, 18. April 2008 (über die Auflösung der RAF).
  54. Alexander Straßner: Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“. S. 215 und 232.
  55. Alexander Straßner: Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“. S. 224.
  56. Butz Peters: Der letzte Mythos der RAF. Das Desaster von Bad Kleinen: Wer erschoss Wolfgang Grams? Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-07865-X, S. 242.
  57. Rolf Sachsse: Pentagramm hinter deutscher Maschinenpistole unter Russisch Brot. Zur Semiosphäre der Erinnerung an die Rote Armee Fraktion. In: Nicole Colin, Beatrice de Graaf, Jacco Pekelder, Joachim Umlauf (Hrsg.): Der „Deutsche Herbst“ und die RAF in Politik, Medien und Kunst. Nationale und internationale Perspektiven. Transcript, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-963-3, S. 131–140, hier S. 135.
  58. Siehe Jamie H. Trnka: “The Struggle Is Over, the Wounds Are Open”. Cinematic Tropes, History, and the RAF in Recent German Film. In: New German Critique. Nr. 101, 2007, S. 1–26, hier S. 26.
  59. Gunther Latsch: In flagranti. In: Der Spiegel, 15. August 2005. Eine Abbildung findet sich auf der Webpräsenz Schumanns.
  60. Rüdiger Bernhardt: Interpretation zu Christoph Hein. In seiner frühen Kindheit ein Garten (= Königs Erläuterungen und Materialien. Bd. 484). C. Bange, Hollfeld 2010, ISBN 978-3-8044-1889-9, S. 31.
  61. Harald Martenstein: Heins RAF-Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten: „Mein lieber Vater!“ In: Der Tagesspiegel, 27. Januar 2005.
  62. Recht und Wut: Maxim Gorki Theater. Armin Petras’ Inszenierung von Christoph Heins „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ – Kloster der Wut. In: Berliner Zeitung, 30. März 2007.
  63. Uwe Grosser: In seiner frühen Kindheit ein GartenHeilbronn - Axel Vornam inszeniert Heins „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ im Großen Haus. In: Heilbronner Stimme, 15. Juni 2009; Otto Paul Burkhardt: Trauer auf der langen Bank. In: Nachtkritik.de, Juni 2009.
  64. Martin Hostert: Das zweite Herz in seiner Brust. Besprechung. In: Fechenbach.de, zuerst in: Lippische Landeszeitung, 21. Februar 2005.
  65. Natasa Pejcinovic: Serdar Somuncu: Zwischen den Gleisen. Besprechung. In: TV-Kult.com, 22. April 2012.
  66. Wiglaf Droste: Was in Bad Kleinen wirklich geschah. Video. In: YouTube. Hochgeladen am 20. Mai 2010.
  67. Eine Auseinandersetzung mit beiden Filmen bei Petra Sorge: Bad Kleinen: Der verdrängte Medienskandal. In: Cicero, 24. Juni 2013.

Abschlußbericht der Bundesregierung zu der Polizeiaktion am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen/Mecklenburg-Vorpommern (online, PDF)

  1. S. 5 und 27.
  2. S. 6.
  3. S. 5–7.
  4. S. 31.
  5. S. 46.
  6. S. 28.
  7. S. 6–12 und 45.
  8. S. 28 f.
  9. S. 29 f.
  10. S. 31 f.
  11. S. 13–16.
  12. S. 34.
  13. S. 11–13.