Murat (Cantal)

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Murat
Wappen von Murat
Murat (Frankreich)
Murat
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Département Cantal
Arrondissement Saint-Flour
Kanton Murat
Gemeindeverband Hautes Terres
Koordinaten 45° 7′ N, 2° 52′ OKoordinaten: 45° 7′ N, 2° 52′ O
Höhe 868–1.360 m
Fläche 20,26 km2
Einwohner 1.878 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 93 Einw./km2
Postleitzahl 15300
INSEE-Code
Website www.murat.fr

Murat ist eine französische Gemeinde mit 1.878 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2017) im Département Cantal in der Region Auvergne-Rhône-Alpes; sie gehört zum Arrondissement Saint-Flour und zum Kanton Murat.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil ehemaliger
INSEE-Code
Fläche
(km²)
Höhenlage
(m)
Einwohnerzahl
(2016)[1]
Chastel-sur-Murat 15044 13,79 1000–1360 .0116
Murat (Verwaltungssitz)00 15138 06,47 868–1163 1.799

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Murat liegt im Tal des Alagnon, duckt sich unterhalb des westlichen Vorgebirges der Monts du Cantal. Der Ort ist von drei Basaltfelsen umgeben, Reste alter vulkanischer Kamine, den Rocher de Bredons, de Bonnevie und de Chastel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

10. bis 17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner Lage entwickelte sich Murat ab dem 10. Jahrhundert und gelangte im 12. und 13. Jahrhundert zu Wohlstand. Im 14. Jahrhundert war Murat eine befestigte Stadt: im Schutz seiner Mauern befand sich an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt eine lebhafte Stadt. Zu der Zeit war jeder der drei Vulkankegel mit einer Festung bestückt.

Murat war während des Hundertjährigen Kriegs im Besitz der Engländer, dann der Grafen von Armagnac, des Hauses Savoyen und der Bourbonen. 1633 ließ Richelieu die imposante Burg auf dem Roche de Bonnevie, die nacheinander den Familien Murat, Cardaillac und Armagnac gehört hatte, schleifen, wozu sechs Monate benötigt wurden.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs war Murat eine Hochburg der Résistance. Die Altstadt, die Place de l’Hôtel de Ville und die Place du Balat waren 1944 Schauplatz dramatischer Ereignisse: am 12. Juni nahmen die Deutschen im Ort Verhöre und Festnahmen vor. Gegen 15 Uhr drang eine Gruppe von 75 Widerstandskämpfern in die Stadt ein und eröffnete das Feuer, wobei der Offizier Hugo Geissler, Sicherheitschef in Vichy, getötet wurde. In der Dämmerung zogen sich die Deutschen Richtung Saint-Flour mit 13 eigenen Toten und 3 gefallenen Milizionären zurück. Am 24. Juni kamen sie zurück, durchsuchten die Stadt und verhafteten 119 Einwohner, von denen 107 deportiert wurden. Nur 34 von ihnen überlebten.

Die Franzosen aus Murat wurden über Compiègne zum KZ Neuengamme deportiert und die meisten im Außenlager Bremen-Farge eingesetzt. Anfang Juni 2012 wurde in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ein Denkmal enthüllt, das von der Stadt Murat gestiftet wurde, um an die Geschehnisse in Murat zu erinnern und um dort der deportierten und verstorbenen Einwohner zu gedenken.[2][3][4]

Am 1. Januar 2017 wurde die Gemeinde Chastel-sur-Murat mit den Ortsteilen Chastel-sur-Murat, Brugiroux, Brujaleine, Entremont, La Chevade, La Denterie, Le Moulin de Brujaleine, L’Haut-Mur und Le Lapsou nach Murat eingemeindet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Einwohnerzahlen (Census)
1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2008 2011 2013 2016
Chastel-sur-Murat 176 153 126 106 100 96 125 133 133 122 116
Murat 2.438 2.587 2.605 2.435 2.409 2.153 2.077 2.045 1.947 1.893 1.799
Murat 2.614 2.740 2.731 2.541 2.509 2.249 2.202 2.178 2.080 2.015 1.915
Quelle: Cassini und INSEE

Die (Gesamt-)Einwohnerzahlen der Gemeinde Murat wurden durch Addition der bis Ende 2016 selbständigen Gemeinden ermittelt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die mittelalterliche Altstadt. Murat besitzt noch viele Häuser aus dem Mittelalter und der Renaissance, darunter sieben geschützte Bauten, die in der Liste der Monuments historiques eingetragen sind:
    • Die Stiftskirche Notre- Dame des Oliviers (Place Gandilhon-Gens-d’Armes) aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammend und in der Folgezeit immer wieder erweitert.
    • Die Markthalle (gegenüber der Stiftskirche) mit ihrem metallenen Dachstuhl (19. Jahrhundert)
    • Die ehemalige Vogtei (Place Gandilhon-Gens-d’Armes): aus dem 16. Jahrhundert mit einem Mauerwerk aus mit Kalk ausgefugten Vulkansteinen
    • Das Renaissancehaus (Place Marchande)
    • Das Tribunal (Rue du faubourg Notre-Dame), der ehemalige Dominikanerkonvent Sainte-Catherine de Sienne, 1771 abgebrannt und danach wieder aufgebaut
    • Das Konsulatshaus (Rue du faubourg Notre-Dame) mit einer Fassade vom Ende des 15. Jahrhunderts.
    • Die Ferme de la Pradal
  • Die Maison de la faune, ein ehemaliges Privathaus aus dem 17. Jahrhundert, das heute ein Naturkundemuseum beherbergt.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Patrick Cabanel: „Chère Mademoiselle...“. Alice Ferrières et les enfants cachés de Murat, 1941–1944. Préface de Mona Ozouf. Calmann-Lévy, Paris 2010, ISBN 978-2-7021-3978-3.[5][6]
  • Katharina Hertz-Eichenrode: „Vergeltungsaktionen“ in Murat, Meensel-Kiezegem und Putten. In: Oliver von Wrochem (Hrsg.): Repressalien und Terror. Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78721-7, S. 172–190.
  • Christel Trouve: Keiner wagte, die Überlebenden zu fragen – Die familiäre Weitergabe der Erinnerungen an die Razzia in Murat. In: Oliver von Wrochem (Hrsg.): Repressalien und Terror. Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78721-7, S. 191–202.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Murat (Cantal) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen rückwirkend zum 1. Januar 2016
  2. (fr) Antoine Sauret, Robert Navarre: L'indicible horreur du calvaire des déportés. (Titel übersetzt: Der unbeschreibliche Schrecken vom Leidensweg der Deportierten). En: Cantal Ouvrier et Paysan, mai 1965. (Memento des Originals vom 15. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cantalpassion.com
  3. Klaus Witzeling: Bekannte Orte, historisch gesehen. In: Hamburger Abendblatt, vom 29. Mai 2012, Beilage Museumswelt Hamburg, Frühjahr 2012, S. 16.
  4. Senatorin weiht Mahnmal für Deportierte aus Murat ein. In: Bergedorfer Zeitung, vom 7. Juni 2012.
  5. Besprechung des Buches "Chère Mademoiselle ..." in Französisch
  6. Ferrières war eine Mathematik-Lehrerin an der Mädchenoberschule der Stadt. Sie half, in der Gegend jüdische Kinder zu verstecken und im Versteck zu unterrichten. Die Helfer retteten die Kinder dadurch vor den Deutschen, vor der Vernichtung. Ferrières wurde dafür als erste Französin 1964 als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet, als zweite Person dieser Nationalität überhaupt. Sie war die Schwägerin von Jean Cavaillès. Die ebenfalls beteiligte Lehrerin Marthe Cambou (Barnet) erhielt 2004 diese Ehrung. Weiterhin war Marie Sagnier (1898–1996) als Direktorin der Schule besonders beteiligt und wurde daher 1985 geehrt. An Sagniers späterem Wirkungsort Clermont-l’Hérault gibt es auch ein örtliches Gedenken und eine Erinnerungstafel (Memento des Originals vom 7. Juli 2012 im Webarchiv archive.today) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/clermontherault.blogs.midilibre.com