Olympische Sommerspiele 2020

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Spiele der XXXII. Olympiade
Offizielles Logo
Austragungsort Tokio (Japan)
Wettbewerbe ? in 33 Sportarten
Eröffnung 24. Juli 2020 (geplant)
Schlussfeier 9. August 2020 (geplant)
Stadion Olympiastadion Tokio

Die Olympischen Spiele 2020 (offiziell Spiele der XXXII. Olympiade) sollen vom 24. Juli bis zum 9. August 2020 in Tokio stattfinden.

Die japanische Hauptstadt trug bereits 1964 die Spiele aus. Auch 1940 war Tokio für die Austragung der Spiele vorgesehen, musste sie aber nach dem Ausbruch des Japanisch-Chinesischen Kriegs am 16. Juli 1938 an das IOC zurückgeben. Darüber hinaus bewarb sich die Stadt erfolglos um die Spiele 1960 und 2016.

Bewerbungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende der Bewerbungsfrist wurden beim IOC sechs Bewerbungen eingereicht. Am 8. Dezember 2011 wurde ausgelost, in welcher Reihenfolge die Bewerber alle Präsentationen, darunter die am Entscheidungstag in Buenos Aires, durchführen sollten. Diese Reihenfolge lautete: Istanbul, Tokio, Rom, Baku, Doha und Madrid.[1] Nachdem Rom seine Bewerbung zurückgezogen hatte, waren noch fünf mögliche Austragungsorte übrig geblieben, etwa drei Monate später, am 23. Mai 2012, gab das IOC bekannt, dass Istanbul, Tokio und Madrid den Status einer Kandidatenstadt erreichten.

Die Mitglieder des IOC entschieden am 7. September 2013 in Buenos Aires über den Austragungsort der Olympischen Spiele 2020. In der ersten Wahlrunde erreichte Tokio 42 Stimmen. Zwischen Madrid und Istanbul gab es einen Gleichstand von 26:26 Stimmen. Eine Stichwahl (49:45 Stimmen) entschied, dass Istanbul in die Endabstimmung kam. Dort erhielt Tokio 60 Stimmen (Istanbul 36).[2]

Ort Land Runde 1 Stichwahl Runde 2
Tokio JapanJapan Japan 42 60
Istanbul TurkeiTürkei Türkei 26 49 36
Madrid SpanienSpanien Spanien 26 45

Korruptionsverdacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben der Pariser Finanzstaatsanwaltschaft sollen im Juli und Oktober 2013 zwei Zahlungen mit dem Betreff "Tokyo 2020 Olympic Game Bid" ("Tokio 2020 Olympiabewerbung") von einem japanischen Konto an die Firma Black Tidings in Singapur geflossen sein, wobei es um eine Summe in Höhe von 2,8 Millionen Singapur-Dollar (rund 1,8 Millionen Euro) ging.[3] Der Inhaber von Black Tidings stand Papa Massata Diack nahe, dem Sohn des früheren Präsidents des Leichtathletikweltverbandes (IAAF), Lamine Diack, gegen die die französische Justiz im Zusammenhang mit dem Doping und Korruption beim IAAF ermittelt, in diesem Zusammenhang auf die verdächtigen Zahlungen hingewiesen wurde und ein gesondertes Korruptionsermittlungsverfahren eröffnete.[3] Ende Oktober 2017 wurde ein Mailverkehr zwischen Lamine Diack und seinem Sohn Papa Massata Diack vom Tag der IOC-Entscheidung für Tokio publik, der aus Sicht der Strafermittler der Pariser Sonderstaatsanwaltschaft "Parquet National Financier" (PNF) besondere Beweiskraft hat, weil diesem zufolge Lamine Diack tatsächlich Einfluss auf das Stimmverhalten des afrikanischen Blocks hatte, der sich auf keinen Fall für Madrid aussprechen sollte.[4][5] Anders als der in Frankreich unter Hausarrest stehende Lamine Diack, konnte Papa Massata Diack in Senegal abtauchen, weil er seit 2016 von Interpol gesucht wird.[5]

Wettkampfstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Wettbewerbe sollen innerhalb von acht Kilometern um das olympische Dorf ausgetragen werden. Badminton, Bahnradfahren, Basketball, Fechten, die Fußballspiele, Golf, der Moderne Fünfkampf, die Mountainbikewettbewerbe, Reiten, Ringen, Rugby, Schießen, Segeln und Taekwondo, fänden außerhalb dieses Bereiches statt. Innerhalb des 8-km-Radius sollen sich die Sportstätten auf die Heritage Zone im Norden (u. a. mit dem Olympiastadion; Sportarten: Leichtathletik, Tischtennis, Handball, Judo, die Straßenradrennen, Gewichtheben und Boxen) und die Tokyo Bay Zone im Süden (u. a. mit dem Medienzentrum; Sportarten: Volleyball, BMX, Turnen, Tennis, Triathlon, Marathon, Beach Volleyball, Hockey, Reitsport, Rudern, Kanu, Bogenschießen und Schwimmsport) aufteilen.

Aufgrund der hohen Tokioter Hotelkapazität von über 100.000 Zimmern ist der Bau eines Mediendorfes nicht nötig.[6]

Heritage Zone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tokyo Bay Zone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wakasu-Insel
Das Konferenzzentrum des Tokyo Big Sight

Weitere Wettkampfstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußballstadien außerhalb Tokios[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettkampfprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst gab die Exekutive des IOCs am 12. Februar 2013 ihren Beschluss bekannt, Ringen zur Austragung 2020 aus dem olympischen Wettkampfprogramm zu nehmen. Die Sportart war seit der Wiedereinführung der Olympischen Spiele im Jahr 1896 mit Ausnahme der Spiele 1900 in Paris fester Bestandteil im Programm. Der Moderne Fünfkampf blieb dagegen im Programm, obwohl es im Vorfeld Gerüchte gab, dass er aus dem Programm fiele.[9] Auf der gleichen Sitzung bestätigte das IOC 25 Kernsportarten sowie zwei weitere Sportarten für die Spiele 2020.[10] Eine 28. Sportart blieb noch offen.

Auf seiner Sitzung im Mai 2013 hatte das Exekutiv-Komitee des IOC von acht möglichen Sportarten (Baseball/Softball, Karate, Rollsport, Sportklettern, Squash, Wakeboarden, Wushu und Ringen) drei ausgewählt, unter denen die Vollversammlung eine zur Ergänzung des Programms 2020 bestimmen konnte. In diese Auswahl kamen Baseball/Softball und Squash sowie das Ringen, welches sich nach dem Ausschluss aus dem Wettkampfprogramm nach einer Grunderneuerung des Weltverbands FILA und zahlreichen prominenten Protesten gegen die Streichung erneut um einen Platz im Wettkampfprogramm beworben hat.[11] Im Vorfeld dieser Entscheidung fusionierten die bisher getrennten Weltverbände für Baseball und Softball Ende 2012 zur World Baseball Softball Confederation (WBSC).[12]

Letztendlich nahm die IOC-Vollversammlung am 8. September 2013 die Sportart Ringen wieder in das olympische Programm für 2020 und 2024 auf.[13]

Um die Olympischen Spiele für ein jüngeres Publikum attraktiver zu machen, nahm das IOC am 9. Juni 2017 Streetball (eine Basketball-Variante bei der zwei Teams mit je drei Spielern auf einen Korb spielen) und BMX-Freestyle als neue Disziplinen auf. Darüber hinaus wurden folgende neue Wettbewerbe ins Programm genommen - dabei war ein großer Augenmerk auf gemischte Mannschaftswettbewerbe gelegt worden:[14][15]

Bahnradsport

  • Madison (Frauen)
  • Madison (Männer)

Bogenschießen

  • Team (Mixed)

Fechten

  • Team (Frauen)
  • Team (Männer)

Judo

  • Team (Mixed)

Leichtathletik

  • 4x400 m Mixed Staffel

Schwimmsport

  • 800 m Männer
  • 1500 m Frauen
  • 4 × 100 m Mixed Staffel

Tischtennis

  • Doppel (Mixed)

Triathlon

  • Team (Mixed)

Neue Sportarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Austragungsort der Baseball-Spiele wird u. a. der Tokyo Dome sein

Im Zuge der Agenda 2020 des IOC hat der Gastgeber die Möglichkeit, zusätzliche Sportarten zu benennen, die bei den Olympischen Spielen ausgetragen werden sollen.[16] Obwohl sich das IOC eine Obergrenze von Athleten und Sportarten gesetzt hat, werden keine Sportarten aus dem Programm der vorherigen Spiele gestrichen. Am 3. August 2016 gab das IOC bekannt, dass für 2020 folgende fünf Sportarten in das Programm der olympischen Sportarten aufgenommen werden:[17][18]

  • Baseball (nur für Männer) / Softball (nur für Frauen)
  • Karate
  • Sportklettern
  • Skateboard
  • Surfen

Base- und Softball waren bereits zwischen 1992 und 2008 Teil des olympischen Programms.

Die olympischen Sportarten 2020

Badminton
Base- und Softball
Baseball
Softball
Basketball
Basketball
Streetball
Bogenschießen
Boxen
Fechten
Fußball
Gewichtheben
Golf
Handball
Hockey
Judo

Kanusport
Kanurennsport
Kanuslalom
Karate
Leichtathletik
Moderner Fünfkampf
Radsport
Bahnradsport
BMX-Freestyle
BMX-Race
Mountainbike
Straßenrennen
Reiten
Dressur
Springen
Vielseitigkeit

Ringen
Freistil
Griechisch-römisch
Rudern
Rugby
7er-Rugby
Schießen
Schwimmsport
Schwimmen
Synchronschwimmen
Wasserball
Wasserspringen
Segeln
Skateboard
Sportklettern

Surfen
Taekwondo
Tennis
Tischtennis
Triathlon
Turnen
Gerätturnen
Rhythmische Sportgymnastik
Trampolinturnen
Volleyball
Beachvolleyball
Volleyball

Vermarktung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das IOC verkaufte die europäischen Fernseh- und Multiplattform-Übertragungsrechte an Discovery Communications, die Mutter von Eurosport.[19]

Zum 25. Juni 2015 richtete Premierminister Shinzō Abe den Kabinettsposten eines „Olympiaministers“ ein, der mit Toshiaki Endō besetzt wurde. Mit einer Kabinettsumbildung vom 3. August 2016 wurde dieser von Tamayo Marukawa abgelöst.

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprünglich geplante Logo wurde am 24. Juli 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es soll ein stilisiertes „T“ darstellen. Ein roter Kreis in der rechten oberen Ecke soll ein schlagendes Herz, die Flagge Japans sowie eine „vereinigte Welt“ symbolisieren, und ein schwarzer Balken in der Mitte für Vielfältigkeit stehen. Das Logo wies erhebliche Ähnlichkeit zum Logo des Théâtre de Liège in der belgischen Stadt Lüttich auf, die dessen Urheber anwaltlich auf eine Urheberrechtsverletzung prüfen ließ.[20] Am 1. September 2015 wurde bekanntgegeben, dass auf das Logo verzichtet werde.[21] Die Logo-Wahl wurde daraufhin neu ausgeschrieben.[22]

Am 25. April 2016 wurde ein neues Logo des Künstlers Asao Tokolo vorgestellt. Es wurde aus rund 15.000 Einsendungen ausgewählt und stellt ein blaues Schachbrettmuster dar, welches eine „verfeinerte Eleganz und Komplexität“ sowie die unterschiedlichen Länder, Kulturen und Denkweisen symbolisieren soll. Die Gestaltung weist zudem Bezüge zur Geschichte Japans auf: Das karierte Muster wurde häufig in der Edo-Zeit verwendet und ist in Japan als ichimatsu moyō (jap. 市松模様) bekannt. Zudem ist die verwendete Farbe Indigo eine traditionelle japanische Farbe.[23]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die europäischen Fernseh- und Multiplattform-Übertragungsrechte verkaufte das IOC an Discovery Communications, die Mutter von Eurosport.[24] Am 11. August 2017 einigten sich der Medienkonzern sowie die Sender ARD und ZDF nach langen Verhandlungen auf den Erwerb von Sublizenzen. Die beiden deutschen Sender dürfen nun „Livestrecken“ von den kommenden vier Olympischen Spielen in Funk, Fernsehen und auch in ihren Mediatheken ausstrahlen.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Olympische Sommerspiele 2020 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Games organisers present activity reports to IOC Executive Board. In: olympic.org. Internationales Olympisches Komitee, 8. Dezember 2011; abgerufen am 12. April 2012 (englisch).
  2. dpa: Olympia: Tokio Gastgeber der Sommerspiele 2020. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. September 2013; abgerufen am 11. September 2013.
  3. a b Ermittler untersuchen verdächtige Zahlungen, Olympia 2020, auf: spiegel.de, vom 12. Mai 2016, abgerufen 24. Oktober 2017
  4. Silke Bernhart: Flash-News des Tages – Brisante Mails: Tokio 2020 rückt weiter ins Zwielicht, Notizen, auf: leichtathletik.de, vom 23. Oktober 2017, abgerufen 24. Oktober 2017
  5. a b Thomas Kistner: "Wir müssen das während der Pause klären", Olympia-Skandal, auf: sueddeutsche.de, vom 22. Oktober 2017, abgerufen 24. Oktober 2017
  6. Venue Plan. In: tokyo2020.jp. Japanisches Olympisches Komitee; abgerufen am 25. März 2012 (englisch).
  7. Design by architect Kengo Kuma picked for Tokyo’s new Olympic stadium. In: japantimes.co.jp. Japan Times, 22. Dezember 2015; abgerufen am 19. Januar 2016 (englisch).
  8. Associated Press: IOC approves switch of cycling venues for 2020 Tokyo Olympics. In: japantimes.co.jp. Japan Times, 9. Dezember 2015; abgerufen am 24. Januar 2016 (englisch).
  9. Sommerspiele 2020: IOC verbannt Ringen aus dem Olympia-Programm. In: spiegel.de. 12. Februar 2013; abgerufen am 12. Februar 2013.
  10. IOC Executive Board recommends 25 core sports for 2020 Games. In: olympic.org. Internationales Olympisches Komitee, 12. Februar 2013; abgerufen am 25. Februar 2013.
  11. Drohendes Olympia-Aus: IOC wählt Ringen auf die Shortlist. In: spiegel.de. 29. Mai 2013; abgerufen am 30. Mai 2013.
  12. Eine Runde weiter. In: bsvbb.de. Baseball und Softball Verband Berlin/Brandenburg; abgerufen am 4. Juni 2013.
  13. IOC entscheidet: Traditionssport bleibt olympisch: Ringen bleibt olympische Sportart. In: focus.de. Focus, 8. September 2013; abgerufen am 9. September 2013.
  14. Auch Streetball und BMX Freestyle werden olympisch. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juni 2017; abgerufen am 9. Juni 2017.
  15. Neue Wettbewerbe in Tokio 2020. In: spiegel.de. Der Spiegel, 9. Juni 2017; abgerufen am 10. Juni 2017.
  16. Olympische Agende 2020 „20 Plus 20“ Empfehlungen. Abgerufen am 9. August 2016 (PDF).
  17. Selim Baykara: Olympia 2020: Neue Sportarten, Termin und Austragungsort im Überblick. In: giga.de. GIGA, 2. August 2016; abgerufen am 3. August 2016.
  18. Olympics: Five new sports confirmed for Tokyo 2020 Olympic Games - BBC Sport. In: bbc.com. British Broadcasting Corporation, 4. August 2016; abgerufen am 7. August 2016 (englisch).
  19. IOC vergibt sämtliche TV- und Multiplattform-Übertragungsrechte in Europa für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 an Discovery und Eurosport. In: presseportal.de. news aktuell, 29. Juni 2015; abgerufen am 30. Juni 2015.
  20. Kyodo News: Tokyo Olympics emblem said to look similar to Belgian theater logo. In: japantimes.co.jp. Japan Times, 30. Juli 2015; abgerufen am 30. Juli 2015 (englisch).
  21. Sport-Informations-Dienst: Tokio 2020 verzichtet auf umstrittenes Logo. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, 1. September 2015; abgerufen am 3. September 2015.
  22. The Tokyo Organising Committee of the Olympic and Paralympic Games: Special webpage for the Tokyo 2020 Games emblems. In: tokyo2020.jp. Abgerufen am 7. Januar 2016.
  23. The Tokyo Organising Committee of the Olympic and Paralympic Games: Tokyo 2020 Games Emblems. Winning Design. 25. April 2016; abgerufen am 25. April 2016 (englisch).
  24. IOC vergibt sämtliche TV- und Multiplattform-Übertragungsrechte in Europa für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 an Discovery und Eurosport. In: presseportal.de. news aktuell, 29. Juni 2015; abgerufen am 6. April 2016.
  25. Olympia jetzt doch live bei ARD und ZDF. In: tagesschau.de. Abgerufen am 11. August 2017.