Pitasch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Pitasch
Wappen von Pitasch
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Surselva
Politische Gemeinde: Ilanz/Glioni2
Postleitzahl: 7111
Koordinaten: 736155 / 176967Koordinaten: 46° 43′ 48″ N, 9° 13′ 12″ O; CH1903: 736155 / 176967
Höhe: 1060 m ü. M.
Fläche: 10,79 km²
Einwohner: 99 (31. Dezember 2013)
Einwohnerdichte: 9 Einw. pro km²
Website: www.ilanz-glion.ch
Pitasch

Pitasch

Karte
Pitasch (Schweiz)
Pitasch
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2014

Pitasch (Audio-Datei / Hörbeispiel [piˈtaːʃ]?/i) war bis am 31. Dezember 2013 eine politische Gemeinde im Val Lumnezia im damaligen Bezirk Surselva des schweizerischen Kantons Graubünden. Am 1. Januar 2014 fusionierte Pitasch mit den ehemaligen Gemeinden Castrisch, Duvin, Ilanz, Ladir, Luven, Pigniu, Riein, Rueun, Ruschein, Schnaus, Sevgein, Siat zur neuen Gemeinde Ilanz/Glion.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber (weiss) auf grünem Dreiberg drei grüne Tannen

Übernahme des Siegelmotivs aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ins Wappen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt auf einer Terrasse zwischen dem Rieinertobel (romanisch Val Renastga) im Norden und dem Pitascherboden (romanisch Val da Pitasch) im Süden. Obwohl geografisch in der Val Lumnezia gelegen, gehörten die Orte Riein und Pitasch wegen ihrer Nähe zu Ilanz und der dortigen Talebene des Rheines, schon vor ihrer Fusion mit Ilanz politisch zur Gruob, die romanisch Foppa heisst. Das regionale Zentrum Ilanz ist 4,5 km von Pitasch entfernt. Historisch wichtig war der einstige Passübergang übers Güner Lückli ins Safiental und von dort weiter nach Italien. Das einstige Gemeindegebiet stieg vom Glenner bis zum Güner Horn, (romanisch Piz Gün, 2851 m ü. M.) von West nach Ost an. Vom gesamten ehemaligen Gemeindegebiet von 1081 ha sind 531 ha von Wald und Gehölz bedeckt. Weitere 339 ha können landwirtschaftlich genutzt werden, zumeist als Maiensässe. Nebst 195 ha unproduktiver Fläche (überwiegend Gebirge) gibt es 16 ha Siedlungsfläche.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1950 2000 2004 2013
Einwohner 96 105 125 118 117 99

Im Jahre 2004 lebten im Dorf ausser zwei Bewohnern alles (= 98,32 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Bevölkerung spricht mehrheitlich Sursilvan und ist reformiert. Hauptbeschäftigung ist die alpine subventionierte Berglandwirtschaft und Vereinzelte pendeln für einen Erwerb ausserhalb des Dorfes ins Regionalzentrum Ilanz oder weiter talabwärts ins Churer Rheintal. Die Bevölkerung ist heute mehrheitlich zweisprachig. Schulort ist Ilanz. Am Taleingang des Pitascher Tobels zweigt bei der Pitascher Mühle (einer Gaststätte) die Zufahrtstrasse zu diesem Terrassen- und Wiesendorf ab, das einen beachtlichen Waldbestand besitzt. Pitasch war lange Zeit Ferienort für Erholungssuchende des Blauen Kreuzes und konnte seine Einwohnerzahl dank Zweitwohnungsnehmern stabilisieren. Das soziale Leben spielt sich in Dorfvereinen ab. Die reformierte Kirchgemeinde Pitasch ist Teil der Pastorationsgemeinschaft Luven/Flond/Pitasch/Duvin.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Siedlungsspuren sind keine zu finden. Pitasch wird bereits um 801–850 als "Pictaui" und im Jahre 960 als "Pictaso" in Urkunden aus dem 16. Jahrhundert erwähnt. Der Bündner Historiker Otto Clavadetscher vermutete einen Wortstamm, dem auch die französische Stadt Poitiers zugrunde liegt. Pictaui war die römische Bezeichnung für einen Siedlung an einer Weggabelung. Der Weg von Ilanz nach Pitasch über das Güner Lückli spielte bis zur Eröffnung der Viamala-Weges von 1473 eine wichtige Rolle als Transitroute in den Süden und für den Viehhandel in die Lombardei. Er wurde insbesondere auch von den Walsern des Safientales oft benutzt. Der Gebirgspasse spielte aber auch im europäischen Saumverkehr über die Alpenpässe eine wichtige Rolle. 1477 wurden der Maierhof von Pitasch und die Alp Moliet (am Passweg zum Güner Lückli gelegen) durch die Lugnezer Vögte Gilli de Mont und Hertli von Capol aus Villa aufgeführt. Sie kontrollierten und unterhielten die Passroute ins Safiental und Richtung Italien.

In Pitasch ist bereits um 840 ein königliches Gut nachgewiesen. Kaiser Otto I., der Grosse, übertrug dann seine Güter dem Bischof von Chur, der bis 1538 Lehensherr blieb. Ausgrabungen an der reformierte Kirche bezeugten zudem eine Nonnenpforte, welche den Einfluss des Klosters Cazis in Pitasch nachwies. Im Mittelalter herrschten verschiedene bischöfliche Ministerialgeschlechter in Pitasch und Castrisch als Lehensträger. Nachfolger waren die Freiherren von Belmont und nach deren Aussterben, jene von Sax-Misox. Letztere verkauften 1483 ihre Herrschaftsrechte dem Churer Bischof. 1526 erfolgte die Reformation und zwölf Jahre später kauften sich die Pitascher frei. Gemeinsam mit Riein bildeten sie eine reformierte Pfarrgemeinde, zeitweise auch mit dem Nachbarort Duvin. In der Neuzeit war das Dorfleben zur Hauptsache durch den bäuerlichen Alltag geprägt. Das Dorfbild ist weitgehend noch intakt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die reformierte Kirche wurde um 950 erbaut. An der Nordfassade finden sich Bilder des Waltensburger Meisters[2].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pitasch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • [1] Pitasch im e-lir (rätoromanisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reformierte Kirchgemeinde Pitasch; Pastorationsgemeinschaft Luven/Flond/Pitasch/Duvin
  2. Denise Ellenberger: Kirche Pitasch GR (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 432). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1988.