Sankt Radegund bei Graz

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Sankt Radegund bei Graz
Wappen von Sankt Radegund bei Graz
Sankt Radegund bei Graz (Österreich)
Sankt Radegund bei Graz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Graz-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: GU
Fläche: 21,55 km²
Koordinaten: 47° 11′ N, 15° 29′ OKoordinaten: 47° 10′ 52″ N, 15° 29′ 22″ O
Höhe: 717 m ü. A.
Einwohner: 2.089 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 97 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8061
Vorwahl: 03132
Gemeindekennziffer: 6 06 42
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 10
8061 Sankt Radegund bei Graz
Website: www.radegund.info
Politik
Bürgermeister: Hannes Kogler (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(15 Mitglieder)
10
3
2
10 
Von 15 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Sankt Radegund bei Graz im Bezirk Graz-Umgebung
Deutschfeistritz Dobl-Zwaring Eggersdorf bei Graz Feldkirchen bei Graz Fernitz-Mellach Frohnleiten Gössendorf Gratkorn Gratwein-Straßengel Hart bei Graz Haselsdorf-Tobelbad Hausmannstätten Hitzendorf Hitzendorf Kainbach bei Graz Kalsdorf bei Graz Kumberg Laßnitzhöhe Lieboch Nestelbach bei Graz Peggau Raaba-Grambach Sankt Bartholomä Sankt Marein bei Graz Sankt Oswald bei Plankenwarth Sankt Radegund bei Graz Seiersberg-Pirka Semriach Stattegg Stiwoll Thal Übelbach Premstätten Vasoldsberg Weinitzen Werndorf Wundschuh Graz SteiermarkLage der Gemeinde Sankt Radegund bei Graz im Bezirk Graz-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick vom Schöckl auf Sankt Radegund
Blick vom Schöckl auf Sankt Radegund
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Kalvarienberg, mit „Heiliger Stiege“ (rechts oben)
Ungarische Madonna
Prießnitzquelle
Kurhaus
Ruine Ehrenfels in der Klamm, um 1820, Lith. J.F. Kaiser

Sankt Radegund bei Graz (kurz: St. Radegund oder nur Radegund) ist eine Gemeinde mit 2089 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) in der Steiermark am Fuße des Schöckl rund 15 Kilometer nordöstlich von Graz.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt Radegund bei Graz liegt im Grazer Bergland in der Oststeiermark ca. 15 km nördlich der Landeshauptstadt Graz. Die Gemeinde liegt am Fuße des Schöckl (1445 m). Sankt Radegund liegt im Quellgebiet des Rabnitzbaches, eines Nebenflusses der Raab.

Im Gemeindegebiet befinden sich mit dem Zwölferkogel (1192 m), der Erhardhöhe (1049 m) und dem Hohenberg (1048 m) drei weitere Gipfel über 1000 m.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende sieben Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2015[1]):

  • Diepoltsberg (242)
  • Ebersdorf (176)
  • Kickenheim (109)
  • Rinnegg (526)
  • Sankt Radegund bei Graz (727)
  • Schöckl (118)
  • Willersdorf (165)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Rinnegg, St. Radegund und Schöckl.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Semriach Stenzengreith Stenzengreith
Stattegg Nachbargemeinden Kumberg
Stattegg Weinitzen Kumberg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Radegund wurde im 6. Jahrhundert von den Slawen besiedelt. Im Jahre 1186 scheint in der Chronik ein “Kirchlein” auf, wenige Jahrzehnte später erfolgte auch die Errichtung der Pfarre St. Radegund. In den Urbaren wird die Pfarrgründung aber erst hundert Jahre später zur Kenntnis genommen und auch die Schutzheilige der Kirche wird erst im Jahre 1295 als diese genannt. In einer Urkunde des Jahres 1403 scheint erstmals auch der Name “Radigundtstarff” auf.

St. Radegund als Kurort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heilende Klima und die radioaktiven Quellen von St. Radegund waren schon zu Zeiten der Monarchie bekannt, und so entwickelte sich St. Radegund zu einem weit über die Grenzen hinaus bekannten Kaltwasser- und Luftkurort mit einer Kuranstalt.

Als offizielles Gründungsdatum gilt das Jahr 1841, in dem der Arzt August Demelius um Genehmigung zur Führung einer Kaltwasserheilanstalt ansuchte.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Erhöht geteilt; oben in Gold zwei schwarze Wolfsköpfe mit roten Augen und Zungen, unten in Rot ein goldenes Holzschaff.

Die Wolfsköpfe verweisen auf Radegundis, die nach der Überlieferung Opfer von Wölfen wurde, das Holzschaff bezeichnet den Kurort.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1869

1880
1890
1900
1910
1923
1934

953

976
1093
1061
1111
1025
1134

1939

1951
1961
1971
1981
1991
2001

1129

1312
1358
1524
1709
1971
2001

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sankt Radegund bei Graz

Kalvarienberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der St. Radegunder Kalvarienberg gilt als einer der schönsten Volkskalvarienberge Österreichs. Der Weg führt an 22 Stationskapellen, deren Bauplätze erst durch Felssprengungen gewonnen wurden, hinauf zur Kreuzigungsgruppe und Kalvarienbergkirche. Das zweite große Gebäude birgt die Heilige Stiege, deren 14 mit Reliquien ausgestattete Marmorstufen nur auf den Knien erklommen werden dürfen.

Novystein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Novystein ist ein 20 Meter hoher Obelisk, der auf einem 910 m hohen Hügel steht. Er wurde im Jahr 1883 für den Kurarzt Dr. Gustav Novy errichtet und trägt die Widmung „Dem Wohltäter vieler Leidenden, dem großen Meister Gustav Novy, von dankbaren Kurgästen“.

Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Pfarrkirche ist ein spätgotischer Bau aus den Jahren 1490–1513. In ihr befinden sich spätgotische Fresken über den Seitenaltären sowie ein gotisches Netzrippengewölbe an der Decke. Die Kirche ist der heiligen Radegundis von Wellenburg geweiht. Der erste Eindruck der Pfarrkirche lässt vermuten, dass es sich um eine ehemalige Wehranlage handeln kann.

Quellenwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St. Radegunder "Quellenwege" verbinden 22 im 19. Jahrhundert gefasste Quellbrunnen. Viele der Quellen tragen Vornamen der noblen Damenwelt der Kurgesellschaft, wie etwa Bertha-, Melanie-, Katharina-Quelle.

Das Brunnenheiligtum Ungarische Madonna wurde von ungarischen Kurgästen aus Dankbarkeit für Heilerfolge gestiftet. Es trägt eine Nachbildung der ungarischen Königskrone (Stephanskrone).

Ruine Ehrenfels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Ehrenfels wurde 1229 erstmals erwähnt. Sie diente den Ehrenfelsern (aus dem Geschlecht der Herren von Graz)[2] als Wohnsitz und zur Festigung ihrer Besitzungen um Graz. Die Ruine befindet sich heute in Privatbesitz und kann nur von außen besichtigt werden.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt Radegund und der Schöckl bilden ein beliebtes Naherholungsgebiet der Grazer Stadtbevölkerung.

Im Gemeindegebiet sind zahlreiche Sportmöglichkeiten - vor allem in der Natur - vorhanden: Wandern, Wintersport, Paragliding, Reiten, Mountainbiken, Rodeln, Downhillen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern. Die Gemeinderatswahl 2015 brachte einen Umsturz der politischen Kräfte. Die bis dahin führende SPÖ verlor knapp 23 Prozent der Stimmen und vier Mandate. Drei davon gingen an die ÖVP, die nunmehr mit knapp 63 Prozent die absolute Mehrheit in der Gemeinde übernommen hat, und eines an die Grünen.

Mandatstand nach der Gemeinderatswahl 2015:

Die letzten Gemeinderatswahlen brachten die folgenden Ergebnisse:

Partei 2015 2010
Sti.  % M. Sti.  % M.
ÖVP 751 63 10 535 43 7
SPÖ 260 22 03 555 45 7
Die Grünen 186 16 02 093 7 1
U.N.S. (Unabhängig, Neutral, Sozial) nicht kandidiert 062 5 0
Wahlbeteiligung 70 % 75 %
Bürgermeister
  • 1945–1946 Franz Troger
  • 1946–1950 Anton Maier (ÖVP)
  • 1950–1961 Franz Reithofer (ÖVP)
  • 1961–1964 Ernest Kerbler (ÖVP)
  • 1964–1972 Karl Wallner (ÖVP)
  • 1972–1984 Robert Abeska (ÖVP)
  • 1984–1995 Johann Kogler (ÖVP)
  • 1995–2009 Alfred Mailänder (SPÖ)
  • 2009–2010 Helmuth Hauswirth (SPÖ)
  • seit 2010 Hannes Kogler (ÖVP)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt Radegund liegt abseits der großen Hauptverkehrsstraßen. Die Weizer Straße (B 72) von Graz nach Weiz ist rund fünf Kilometer entfernt. Von Graz ist Sankt Radegund über eine Landesstraße erreichbar. Die Pyhrn Autobahn (A9) ist ungefähr 15 Kilometer entfernt und über die Anschlussstelle Graz-Nord (175) erreichbar.

In Sankt Radegund befindet sich kein Bahnhof. Der Hauptbahnhof Graz ist etwa 18 Kilometer entfernt.

Die Entfernung zum Flughafen Graz beträgt rund 27 Kilometer.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1889 Gustav Novy (1831–1896), Arzt und Leiter der Kuranstalt in St. Radegund 1863–1896
  • 1917 Peter Hierhold, Bürgermeister von St. Radegund 1892–1898, 1904–1921
  • 1923 Benedikt Paulitsch, Pfarrer von St. Radegund 1907–1926
  • 1934 Mathäus Leitner
  • 1934 Otto von Habsburg (1912–2011)
  • 1934 Karl Maria Stepan (1894–1972), Landeshauptmann der Steiermark 1934–1938
  • 1934 Franz Zelburg (1883–1950), Sicherheitsdirektor für das Land Steiermark 1934–1936
  • 1950 Karl Timmerer, Bürgermeister von St. Radegund 1936–1938
  • 1951 Josef Joham (1889–1959), Generaldirektor der CA
  • 1951 Josef Ketterer, Konzerndirektor der CA
  • 1951 Karl Weninger, Generaldirektor des Hypotheken-Kreditinstituts Wien
  • 1951 Udo Illig (1897–1989), Landesrat
  • 1951 Norbert Horvatek (1888–1982), Landeshauptmann-Stellvertreter
  • 1951 Eduard Speck (1884–1973), Bürgermeister von Graz 1945–1960
  • 1951 Walter Kamschal (1909–1981), Zentraldirektor der Schöcklseilbahnen-AG
  • 1988 Robert Abeska (1918–2008), Bürgermeister von St. Radegund 1972–1984
  • 1988 Otto Feil, Arzt in St. Radegund
  • 1988 Reinfried Haubenhofer (1917–2016), Volksschuldirektor in St. Radegund 1960–1981
  • 2011 Gottfried Terler, Obmann des Kalvarienbergvereines in St. Radegund

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Februar 1931 hat der österreichische Raketenpionier Friedrich Schmiedl auf dem Schöckl die erste Postrakete gestartet und ungefähr 100 Briefe nach Sankt Radegund transportiert.

Im Gemeindegebiet befindet sich auf 1430 Meter Höhe das Stubenberghaus der Sektion Graz des Österreichischen Alpenvereins.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard A. Reismann, Harald D. Gröller (Hgg.): St. Radegund. Ein steirischer Kurort und seine Geschichte. 2 Bände. St. Radegund 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt Radegund bei Graz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2015 nach Ortschaften
  2. siehe dazu auch: Aribo II.