Schiersteiner Brücke

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Koordinaten: 50° 2′ 12,8″ N, 8° 12′ 28,8″ O

A643 Schiersteiner Brücke
 Schiersteiner Brücke
Die Schiersteiner Brücke vom Raiffeisenwarenzentrallager Wiesbaden aus gesehen. Im Hintergrund die Rettbergsaue und dahinter Mainz
Offizieller Name Rheinbrücke Wiesbaden-Schierstein[1]
Nutzung Autobahnbrücke
Überführt

Bundesautobahn 643

Querung von

Rhein, Rettbergsaue

Ort MainzWiesbaden
Unterhalten durch Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement
Konstruktion Balkenbrücke
Gesamtlänge 1282 m
Breite 26 m
Längste Stützweite 205 m
Tragfähigkeit max. 40 t pro Fahrzeug
Fahrzeuge pro Tag 80.000 Kfz/Tag
Baubeginn 1959
Fertigstellung 1962
Eröffnung 13. Dezember 1962[1]
Planer Paul Stern
Lage
Schiersteiner Brücke (Hessen)
Schiersteiner Brücke

Die Schiersteiner Brücke ist eine 1282 Meter lange, insgesamt vierspurige Autobahnbrücke der A 643 über den Rhein. Zwischen dem 12. April und 7. November 2015 war sie nur noch für Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen und maximal 2,2 Metern Breite befahrbar.[2][3][4] Zuvor war sie seit dem 10. Februar 2015 komplett gesperrt.

Sie überspannt bei Strom-Kilometer 504,400 das untere Ende der beidseitig vom Rhein umströmten Rettbergsaue zwischen Wiesbaden-Schierstein und Mainz-Mombach. Neben den weiter flussaufwärts liegenden Brücken Theodor-Heuss-Brücke und Weisenauer Brücke (A 60) ist sie die dritte Straßenquerung des Rheins bei Mainz und Wiesbaden.

Die Brücke besteht aus sechs Teilbrücken (davon hundert Meter aus Spannbeton) und wurde von 1959 bis 1962 erbaut. Sie verfügt über einen kombinierten Rad- und Fußweg auf beiden Seiten der Fahrspuren. Etwa in der Mitte befindet sich rheinaufwärts eine Treppe, die Fußgängern den Zugang zur Insel Rettbergsaue ermöglicht (wegen des Neubaus der Schiersteiner Brücke ist dieser Weg jedoch seit Herbst 2013 gesperrt).

Zuständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der größte Teil der Brücke in Hessen liegt und der kleinere in Rheinland-Pfalz, kümmert sich aufgrund vor Jahren getroffener Absprache zwischen den beiden Ländern allein die hessische Landesverwaltung um die Unterhaltung der Schiersteiner Brücke. Die Aufgabe fällt in den Verantwortungsbereich des Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagements in Wiesbaden. Die rheinland-pfälzische Landesverwaltung wird dagegen an der Weisenauer Brücke alleinverantwortlich aktiv. Dies wird auch durch die jeweilige Namensgebung der Brücken deutlich. Schierstein gehört zu Wiesbaden (Hessen), Weisenau zu Mainz (Rheinland-Pfalz).

Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücke von 1962[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen beinhaltete 1956 unter anderem den Stadtring Mainz–Wiesbaden mit dem Bau der Rheinbrücken Wiesbaden-Schierstein, Mainz-Weisenau und der Mainbrücke Hochheim. Die Planungen für die Rheinbrücke Wiesbaden-Schierstein begannen 1955. Man prognostizierte 7100 Kfz pro Tag; 23.000 Kfz pro Tag wurden für möglich gehalten. Der Planfeststellungsbeschluss folgte am 13. Juli 1959. Den Bauwerksentwurf erstellte das Büro Leonhardt und Andrä in Zusammenarbeit mit Louis Wintergerst. Den Zuschlag für die Überbauten bekam am 28. September 1959 das Düsseldorfer Stahlbauunternehmen Hein Lehmann AG, das mit einem Sondervorschlag von Hellmut Homberg den Querschnitt verbesserte und 23 % an Stahlmassen gegenüber dem Verwaltungsvorschlag einsparte. Insgesamt wurden bei den Überbauten 7895 t Baustahl benötigt und das gesamte Bauwerk kostete 32 Mio. DM.[1]

Brückenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiersteiner Brücke von Hessen nach Rheinland-Pfalz
Verkehrsbeeinflussungsanlage an der AS Mombach

Die Schiersteiner Brücke beginnt kurz nach der Autobahnanschlussstelle Wiesbaden-Äppelallee auf der hessischen Seite und führt über den Rhein. Um Höhenunterschiede zu vermeiden, wurde die Brücke auf der rheinland-pfälzischen Seite über die Anschlussstelle Mainz-Mombach hinaus als knapp einen Kilometer lange Hochstraße Lenneberg verlängert. Es entstand ein Brückenbauwerk mit 31 Feldern, das das Mombacher Oberfeld überspannt und die Rheinbrücke mit der Hochterrasse am Lenneberg (Mainz-Gonsenheim, nähe Naturschutzgebiet Mainzer Sand) verbindet. Dies hat zur Folge, dass die Anschlussstelle Mombach zu einer der wenigen gehört, die auf einer Brücke liegen.

Die Brücke wurde ursprünglich für eine über sie führende Bundesstraße gebaut, sodass es an der besagten Anschlussstelle nur sehr kurze Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen gibt. Dafür wurden aber mehrere Beleuchtungsanlagen angebracht, um die Anschlussstelle auszuleuchten. Aus Kostengründen blieben diese allerdings dunkel und wurden Ende April 2013 abgebaut. Ebenfalls an der AS Mombach befinden sich zwei Verkehrsbeeinflussungsanlagen, diese sind aber ebenfalls (ungefähr seit Ende der 1980er Jahre) außer Betrieb.

Der A 643 fehlen zwischen den AS Gonsenheim und Mombach Standstreifen, was auch bei kleinen Verkehrsunfällen oder Autopannen unweigerlich sofort zum Stau führt, da rund 80.000 Fahrzeuge täglich über die Brücke rollen. Sie ist die letzte Brücke oberhalb des Mittelrheins bis zur 85 Kilometer entfernten rheinabwärts gelegenen Südbrücke in Koblenz.

Zwei Wendeltreppen ermöglichten den Zugang von Fußgängern und Radfahrern auf der linken und rechten Seite der Brücke. Zusätzlich besteht auf der östlichen Seite im Sommer die Möglichkeit zur Rettbergsaue über einen entsprechenden Treppenabgang zu kommen. Wegen des Neubaus der Schiersteiner Brücke ist dieser Weg jedoch seit Mitte August 2013[5] gesperrt. Durch die Fahrbahnabsenkung im Februar 2015 mussten beide Wendeltreppen abgerissen werden, ebenso wurde die westliche Wendeltreppe auf der Schiersteiner Seite abgebrochen. Seit Februar 2015 sind beide Wege für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Es soll eine neue Zugangswegführung auf der Ostseite demnächst (Stand: April 2015) gebaut werden.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über die Rettbergsaue Richtung Mainz
Blick über die Rettbergsaue Richtung Wiesbaden

Die Straßenüberführung besteht aus sechs einzelnen Brücken. Das erste Bauwerk, anschließend an die selbst als Brückenbauwerk ausgeführte Anschlussstelle Mainz-Mombach, ist die Flutbrücke Mombach, eine zweifeldrige Verbundbrücke mit einer Länge von 46,4 m + 52,2 m = 98,6 m. Das nächste Bauwerk ist die kleine Strombrücke, eine gevoutete Stahlbrücke mit drei Feldern und 70 m + 170 m + 70 m = 310 m Länge. Es folgt über einer Rheininsel die dreifeldrige Flutbrücke Rettbergsau, eine Verbundbrücke mit konstanter Konstruktionshöhe, die 3 × 70 m = 210 m lang ist. Das vierte Bauwerk ist die große Strombrücke über dem rechten Rheinarm, eine dreifeldrige gevoutete Stahlbrücke mit 85 m + 205 m + 85 m = 375 m Länge. Die anschließende Flutbrücke Schierstein ist wiederum eine Verbundbrücke mit konstanter Konstruktionshöhe und (70 m + 60 m + 55 m =) 185 m Länge. Nach einem 4,39 m breiten Trennpfeiler folgt abschließend eine Spannbetonbrücke mit 3 × 32,88 m = 98,64 m Länge.

Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweisschild: Sie fahren oben, wir bauen unten. Deshalb 60 km/h.
Die Säule in der Mittelleitplanke überwacht die Einhaltung der Geschwindigkeit

Von 1997 bis 2000 erfolgte für 21 Millionen DM[1] eine Instandsetzung der Konstruktion aus Stahl, Stahlverbund und Spannbeton. Auch der Fahrbahnbelag der Brücke wurde dabei zwischen Mombach und Schierstein, nebst den auf beiden Seiten vorhandenen Zweirad- und Fußgängerweg komplett erneuert. Nach einem Gutachten von 2006 zu Rissen in der orthotropen Fahrbahnplatte gilt das Bauwerk als nicht mehr sanierungsfähig und es wurde eine vorläufige Restnutzungsdauer bis 2015 festgelegt. Dies hat zur Folge, dass die Brücke halbjährlich auf eventuelle Schäden überprüft werden muss. Normalerweise werden in Deutschland Brückenbauwerke alle drei Jahre einer einfachen Überprüfung und alle sechs Jahre einer Hauptüberprüfung unterzogen. Ein Neubau der Schiersteiner Brücke war in Planung.

Aufgrund des schlechten Bauzustandes wurde das vorher bestehende Tempolimit von 100 km/h im Spätsommer 2006 auf 80 km/h gesenkt. Seit Frühjahr 2007 wurde es weiter auf 60 km/h, zwischen den Anschlussstellen Mombach und Äppelallee, heruntergesetzt. Seit dem 21. August 2007 gibt es darüber hinaus auf der Wiesbadener Seite Richtung Mainz ein großes Hinweisschild: Sie fahren oben, wir bauen unten. Deshalb 60 km/h, da von der Fahrbahn aus keine Baustelle erkennbar ist. Am 7. März 2008 wurde nun auch das gleiche Schild auch auf Mainzer Seite kurz vor der Hochstraße Lenneberg aufgestellt. Seit dem 19. September 2008 wird die Geschwindigkeit durch einen festinstallierten Blitzer auf der Wiesbadener Seite in Richtung Mainz kontrolliert. Auf der Gegenseite ist keine feste Anlage geplant, jedoch stehen hier nach wie vor häufig mobile Radarstationen.[6][7]

Darüber hinaus wurde vom zuständigen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen eine Internetpräsenz mit aktuellen Informationen eingerichtet. Seit diesem Zeitpunkt herrscht nun auf der kompletten Brückenlänge, also auch auf der Hochstraße Lenneberg eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.

Sperrung der Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweistafel an der A 63 kurz vor dem Autobahnkreuz Mainz-Süd weist auf die Sperrung hin.
Umfahrungsrouten der gesperrten Brücke.

Am 10. Februar 2015 wurden gegen 22:00 Uhr erhebliche Schäden festgestellt, nachdem in der Nähe Bauarbeiten an den neuen Brückenpfeilern für den Neubau der Schiersteiner Brücke durchgeführt worden waren.[8] Ein Pfeiler der Vorlandbrücke hatte sich um 20 cm geneigt, wodurch ein Lager herausgesprungen war und die Fahrbahn sich um etwa 30 cm absenkte.[9] An der Brücke entstanden dadurch Risse. Die Brücke wurde unverzüglich gesperrt.

In der Folge der Sperrung kam es in der gesamten Region Mainz/Wiesbaden zu erheblichen Verkehrseinschränkungen. Die Theodor-Heuss-Brücke zwischen dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel und der Mainzer Innenstadt ist für dieses Verkehrsaufkommen nicht ausgelegt. Die nächste leistungsfähige Brücke stromaufwärts ist die 11 km entfernte Weisenauer Brücke der A 60, stromabwärts ist dies die 84 km entfernte Südbrücke der Bundesstraße 327 in Koblenz.[9][10][11][12][13]

Am 2. April 2015 wurde der Überbau der beschädigten Mombacher Vorlandbrücke mit insgesamt 20 Pressen zwischen 8 und 16 Uhr in Zwei-Zentimeter-Schritten erfolgreich in die Ursprungslage angehoben. In den folgenden Tagen stand die Kartierung und Verpressung der verbliebenen Rissbreiten (größer 0,4 mm) an. Eine abschließende Probebelastung erfolgte am 10. April.[14][15] Die Brücke blieb bis zum Ende der Osterferien 2015 gesperrt und wurde am Abend des 12. April für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen wieder freigegeben.[2]

Zur Feststellung der Schadensursache beauftragte der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz das Ingenieurbüro für Grundbau und Felsbau WBI mit der Erstellung eines Gutachtens. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, „(…) dass durch die Herstellung der GEWI-Pfähle Auflockerungen im Baugrund entstanden sind, die zu Sackungen unterhalb des Fundaments der Achse 33 Ost geführt haben und infolgedessen zur Schiefstellung von Fundament und Stütze, die wiederum zu dem beobachteten Lager- und Brückenschaden geführt hat.“[16]

 Commons: Closure of Schiersteiner Brücke 2015 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Eingeschränkte Brückennutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweistafel seit 12. April 2015
Ein LKW auf der mittleren Spur (noch nicht im Bild) versucht über die Brücke zu fahren, an der AS Äppelallee sind bereits die Ampeln rot und die Schranken geschlossen (27. April 2015)

Nachdem die Brücke in die ursprüngliche Lage gehoben worden war, konnte nach anschließenden Belastungstests am Abend des 12. April die Brücke nur noch für Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen und maximal 2,2 Metern Breite freigegeben werden. Ein kompliziertes Warnsystem, das Gewichtssensoren, Schranken und Warnleuchten beinhaltet, soll Fahrzeuge, die die Maximalgröße und/oder -gewicht überschreiten daran hindern, die Brücke zu überqueren. Bereits in der Nacht vom 12. auf den 13. April 2015 versuchte ein LKW-Fahrer die Brücke zu überqueren. Das Warnsystem konnte ihn allerdings stoppen. Er wurde durch die Polizei von der Autobahn geleitet.[17] In den ersten beiden Tagen versuchten mehr als 70 Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen trotzdem die Brücke zu befahren.[18] Allein auf Wiesbadener Seite hat sich die Schranke bis Anfang Mai über 400 mal geschlossen und es wurden 310 Strafzettel ausgestellt.[19]

Anfang August 2015 gab das Hessische Innenministerium bekannt, dass die „Brückenwache“ durch die Hessische Polizei rund 3700 Euro am Tag bzw. rund 110.000 Euro im Monat kostet, da annähernd 2000 Beamtenstunden für den Einsatz, mit vier Beamten von montags bis freitags in der Zeit von 06:30 bis 19 Uhr und mit zwei Beamten von 19 bis 06:30 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen, anfallen.[20] Das Rheinland-Pfälzische Innenministerium nennt keine Kosten und teilte mit:

„In Rheinland-Pfalz werden solche Kosten von Polizeieinsätzen nicht erfasst. Es handelt sich um eine ureigene Aufgabe der Polizei, für die keine Kosten – etwa wie bei Einsätzen rund um Fußballspiele – berechnet werden“

Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums: Allgemeine Zeitung (Mainz) vom 8. August 2015; S. 5

Für den LKW-Verkehr bis 40 Tonnen wurde die Brücke am 7. November 2015 wieder freigegeben.

Grenzstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Brücke befindet sich ein Grenzstein mit den Wappen von Rheinland-Pfalz und Hessen, der 1961 von Raimund Eser hergestellt wurde. Gestiftet wurde er vom Wilhelm Dyckerhoff Institut, Wiesbaden.

Neubau ab 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neue Brücke wird zwischen dem Silogebäude und der bestehenden Brücke gebaut. (2007)
Baufeld Rettbergsaue im April 2014
Baufeld Rettbergsaue im April 2015

Die neue Brücke ist mit zwei getrennten Überbauten geplant, die jeweils 21,72 Meter breit und für drei Fahr- und einen Standstreifen sowie einen Rad- und Gehweg ausgelegt sind. Zuerst soll ein Überbau auf der Unterstromseite des bestehenden Bauwerks errichtet werden. Nach dessen Fertigstellung wird die alte Brücke abgebrochen und anschließend in der Trasse des bestehenden Bauwerks, teilweise unter Verwendung der alten Gründung, der zweite Überbau errichtet. Der Zwischenabstand der Brücken ist nicht konstant. Er ist auf der Mainzer Uferseite durch die vorgegebene Lage des Fahrbahnüberganges der bestehenden Abfahrtsrampe Mainz-Mombach bestimmt und beträgt dort 18,75 Meter.

Wiesen im Naturschutzgebiet Mombacher Rheinufer (es hat eine Fläche von 0,355 km2) dienen unter anderem Weißstörchen als Nahrungsbiotope. Über eine eventuelle Beeinträchtigung der Tiere durch die Bauarbeiten liegen keine belastbaren Erkenntnisse vor.

Für den Brückenneubau wurde ein Realisierungswettbewerb durchgeführt. Den ersten Platz erhielt im Dezember 2007 ein Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft aus dem Ingenieurbüro Grontmij BGS und dem Architekturbüro Ferdinand Heide. Dieser sieht eine 1285 m lange Hohlkastenbrücke mit teilweise gevouteten Hohlkastenquerschnitten vor.

Laut Planung sollte der eigentliche Bau im Mai 2013 beginnen, die Fertigstellung voraussichtlich 2019.[21] Der Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der Schiersteiner Brücke wurde vom hessischen Verkehrsminister Dieter Posch am 5. Januar 2012, vom rheinland-pfälzischen Infrastrukturminister Roger Lewentz am 2. März 2012 unterzeichnet.[22][23] Als Vorbereitungsmaßnahme für den geplanten Bau der unterstromigen Brücke wurden im März 2012 im Bereich des Schiersteiner Kreuzes erste Rodungsarbeiten durchgeführt.[24][25] Am 7. Juni 2013 wurde die Vergabe des Auftrags für den Neubau der Rheinbrücke Schierstein mit einer Auftragssumme von rund 173,4 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) bekanntgegeben.[26]

Mit dem Spatenstich am 12. September 2013 startete der Neubau offiziell.[27] Nach der Einrichtung der Baustelle begannen im Oktober 2013 die Gründungsarbeiten für die neuen Brückenpfeiler.[28] Diese Arbeiten waren bis Anfang 2014 geplant.[29] Für einen Pfeiler als Auflage für die Stahlüberbauten werden 800 Kubikmeter Beton verarbeitet.[30] Im Laufe des Jahres 2014 begann die Montage der Stahlüberbauten. Der flussabwärts liegende Teil sollte eigentlich bis Mitte 2016 fertig gestellt werden und danach der Abriss der bestehenden Brücke und Neubau des 2. Teils beginnen. Durch die Absenkung des Brückenpfeilers 2015 verzögert sich diese Maßnahme. Bis Spätsommer 2017 soll dieser Teil nun befahrbar und bis zum Jahr 2020Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren soll die gesamte Brücke fertiggestellt sein.[31]

Der Neubau der Brücke wurde durch eine Entscheidung der rot-grünen Landesregierung in Rheinland-Pfalz (Kabinett Beck V, Kabinett Dreyer I) verzögert, die Brücke vier- statt sechsstreifig auszuführen, während die schwarz-gelbe Landesregierung in Hessen (Kabinett Koch III, Kabinett Bouffier I) am sechsstreifigen Ausbau festhielt. Die Verzögerungen wurden als „Kleinstaaterei“ kritisiert. Die Investititonskommission des Bundes empfahl aufgrund dieses und weiteren Beispielen, den Ländern die Zuständigkeit für den Autobahnbau zu entziehen und diese zu zentralisieren.[32]

Info-Center[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2014 wurde auf Schiersteiner Seite in der Nähe des Hafens auf dem Gelände des RWZ Kraftfutterwerks Wiesbaden ein Infocenter eröffnet. Der Besuch ist nach Anmeldung bei Hessen Mobil möglich.[33]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mainzer Fastnachtskampagne 2015 widmete, bereits vor der Vollsperrung der Schiersteiner Brücke, Nick Benjamin der maroden Brücke mit Der Brigg geht’s nedd gut ein Lied.[34][35]

Neben dem regionalen SWR Fernsehen sendete auch 3sat in seinem Wirtschaftsmagazin makro einen ausführlichen Bericht über die Schiersteiner Brücke und die aus der Sperrung im Frühjahr 2015 resultierenden Schäden für die Wirtschaft.[36]

Eine weitere Rheinbrücke, die für den Schwerlastverkehr über 3,5 Tonnen gesperrt ist, ist die Rheinbrücke Leverkusen an der Bundesautobahn 1.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schiersteiner Brücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

In den Nachrichten:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eberhard Pelke, Alwin Dieter: Die neue Rheinbrücke Wiesbaden-Schierstein – Wettbewerb und Entwurf. In: Stahlbau. 82. Jahrgang, Heft 2, 2013, ISSN 0038-9145, S. 106–121.
  2. a b Rhein-Main-Gebiet: Schiersteiner Brücke wieder freigegeben. In: Spiegel online. 11. April 2015, abgerufen am 12. April 2015.
  3. Schiersteiner Brücke ab 20 Uhr offen hr-online.de vom 11. April 2015
  4. Freigabe schon heute 20.00 Uhr swr.de vom 12. April 2015
  5. Katja Mathes: Wiesbaden: Radweg unter der Schiersteiner Brücke gesperrt. Wiesbadener Kurier, 9. September 2013, abgerufen am 27. Oktober 2013.
  6. Fester Blitzer auf Bröckel-Brücke – Gerät auf A643 zwischen Wiesbaden und Mainz installiert, Allgemeine Zeitung vom 20. September 2008.
  7. Fester Blitzer auf der Brücke, Wiesbadener Kurier vom 20. September 2008.
  8. Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mainz auf der Website der Polizei Rheinland-Pfalz vom 11. Februar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.
  9. a b Vollsperrung auf der A643! Schäden an der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden von Frank Schmidt-Wyk auf allgemeine-zeitung.de und Live-Berichte: Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden in beide Richtungen gesperrt vom 11. Februar 2015.
  10. Das Chaos über dem Rhein in: FAZ, 11. Februar 2015.
  11. Fahrbahn abgesackt: Schiersteiner Brücke länger gesperrt, hr-online.de vom 11. Februar 2015.
  12. Baumängel an A643-Brücke – Zehntausende im Stau / „Kaputt gespart“: Wegen eines maroden Pfeilers und einer abgesenkten Fahrbahndecke ist die Schiersteiner Brücke auf unbestimmte Zeit vollgesperrt. Ihr Neubau komme laut DGB-Chef Muscheid „zu spät.“ auf welt.de vom 11. Februar 2015.
  13. Schiersteiner Brücke: Vollsperrung am Rhein, spiegel-online.de vom 11. Februar 2015.
  14. Anhebevorgang ist abgeschlossen vom 2. April 2015 auf schiersteinerbruecke.de
  15. A 643 - Baudokumentation Mombacher Vorlandbrücke auf lbm.rlp.de abgerufen am 14. April 2015
  16. A 643 - Schiersteiner Brücke: Gutachten zur Bauunfall-Ursache liegt vor. lbm.rlp.de, 1. Oktober 2015
  17. Erste Brummifahrer stecken fest (Memento vom 14. April 2015 im Internet Archive) auf Hit Radio FFH vom 12. April 2015
  18. Alexandra Eisen: Neue Schilder weisen Weg; Allgemeine Zeitung Mainz vom 16. April 2015; S. 5
  19. LKW-Navis warnen vor gesperrter Schiersteiner Brücke (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive) auf ffh.de vom 7. Mai 2015.
  20. Brückenwache kostet 3700 Euro am Tag – 2000 Beamtenstunden monatlich bei Hessens Polizei für Dienst auf der A643. In: Allgemeine Zeitung (Mainz) vom 8. August 2015; S. 5.
  21. Wiesbaden – A 643 – Rheinbrücke Schierstein/Schiersteiner Kreuz – Neubau; Übersicht von Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement zum Projektstand.
  22. Schiersteiner Rheinbrücke kann neu gebaut werden: Verkehrsminister Dieter Posch unterzeichnet Planfeststellungsbeschluss, Pressemitteilung des Landes Hessen vom 5. Januar 2012; zuletzt aufgerufen am 6. Januar 2013.
  23. Lewentz: Planfeststellung für Schiersteiner Brücke erlassen, Pressemitteilung des rheinland-pfälzischen Innenministeriums vom 2. März 2012; zuletzt aufgerufen am 6. Januar 2013.
  24. A 643 / A 66: Rodungsarbeiten zwischen Schiersteiner Kreuz und Anschlussstelle Wiesbaden Äppelallee: Temporäre Fahrstreifeneinengung auf Grund von Rodungsarbeiten bis Ende März 2012, Pressemitteilung des Landes Hessen vom 14. Februar 2012; zuletzt aufgerufen am 6. Januar 2013.
  25. Katja Rietze: Erste Arbeiten für Schiersteiner Brücke beginnen; (Memento vom 31. März 2012 im Internet Archive) Wiesbadener Kurier vom 27. März 2012.
  26. Öffentliche Ausschreibung Wiesbaden A643, Neubau Rheinbrücke Schierstein, online im Internet 15. Juli 2013.
  27. Katja Mathes: Neuer Brückenschlag zwischen Mainz und Wiesbaden. Wiesbadener Kurier, 12. September 2013, abgerufen am 27. Oktober 2013.
  28. Bohrpfahlgründung vom Ponton aus. F.A.Z., 25. Oktober 2013, abgerufen am 27. Oktober 2013.
  29. Katja Mathes: Gründungsarbeiten an der Schiersteiner Brücke haben begonnen. Wiesbadener Kurier, 24. Oktober 2013, abgerufen am 27. Oktober 2013.
  30. Birgit Emnet: Schiersteiner Brücke: 110 Lkw Beton für einen Pfeiler – Regierungspräsidentin besucht Baustelle. Rhein-Main-Presse, 17. September 2014, abgerufen am 24. Januar 2015.
  31. http://hessenschau.de/wirtschaft/nadeloehr-auf-schiersteinerbruecke-bleibt-laenger-bestehen,schiersteiner-bruecke-130.html
  32. Sven Böll, Alexander Neubacher: Marode Infrastruktur. Ruine Deutschland. In: Der Spiegel Online. Nr. 41, 10. Oktober 2016, S. 26–29 (spiegel.de [abgerufen am 11. Februar 2017]).
  33. Infocenter offiziell eröffnet vom 12. Dezember 2014.
  34. Bei der Sitzung der „Mombacher Bohnebeitel“ hat Sänger Nick Benjamin der Schiersteiner Brücke ein Lied gewidmet. Und dabei das Bauwerk sehr treffend beschrieben. SWR Fernsehen Video des 03:38 min vom 10. Februar 2015.
  35. Fastnachter lästern über Schiersteiner Brücke auf Mainzund.de vom 12. Februar 2015.
  36. Der Stau-GAU: Verkehrsinfarkt durch marode Brücke, 3sat makro-Sendung vom 20. März 2015.