Bundesautobahn 643

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Bundesautobahn 643 in Deutschland
Bundesautobahn 643
Karte
Verlauf der A 643
Basisdaten
Betreiber: Bundesrepublik Deutschland
Gesamtlänge: 8 km

Bundesland:

Die Bundesautobahn 643 (Abkürzung: BAB 643) – Kurzform: Autobahn 643 (Abkürzung: A 643) – hat eine Länge von acht Kilometern und verläuft von Wiesbaden über den Rhein nach Mainz bis zum Autobahndreieck Mainz.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte des Mainzer Rings

Die A 643 wurde 1966 erbaut und bildet zusammen mit der A 60 den Mainzer Autobahnring. Geplant war die Autobahn auch in dem Abschnitt von Wiesbaden nach Taunusstein-Neuhof; dieses Projekt wurde bis auf einen Abschnitt der Bundesstraße 417 nie realisiert.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Die A 643 beginnt in Wiesbaden aus der Schiersteiner Straße heraus, die in ihrem kompletten Verlauf Bestandteil der Bundesstraße 262 ist. Sie kreuzt innerhalb der hessischen Landeshauptstadt die A 66 beim Schiersteiner Kreuz, überquert die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz über den Rhein mit der Schiersteiner Brücke, führt mit der Hochstraße Lenneberg am Mainzer Stadtteil Mombach vorbei, durchquert das Naturschutzgebiet Mainzer Sand und endet beim Autobahndreieck Mainz in der A 60.

Verkehrsführung ab 2015[Bearbeiten]

Hinweistafel seit 12. April 2015

Am 10. Februar 2015 wurde die A643 um etwa 22:00 Uhr zwischen den Anschlussstellen Wiesbaden-Äppelallee und Mainz-Gonsenheim in beiden Richtungen komplett gesperrt. Durch eine Fahrbahnabsenkung im Bereich der Anschlussstelle Mombach, die sich zwischen der Hochstraße Lenneberg und der Schiersteiner Brücke befindet, wurde fast der gesamte Autobahnstreckenverlauf zwischen der Anschlussstelle Äppelallee bis zum Dreieck Mainz vom 10. bis 16. Februar 2015 für den Verkehr gesperrt. Anschließend war nur noch die Schiersteiner Brücke zwischen Mombach und Schierstein bis zum 12. April 2015 gesperrt. Nachdem die Brücke wieder erfolgreich in die Ausgangslage gebracht werden konnte, wurden vor den Anschlussstellen Mombach von Gonsenheim kommend sowie zwischen Schiersteiner Kreuz und Anschlussstelle Wiesbaden-Äppelallee ein so genanntes Weight-in-Motion-System (WIM) installiert. Dieses misst im drüberfahren das zulässige Gewicht und Breite der Fahrzeuge. Sollte ein Fahrzeug das entweder schwerer als 3,5 Tonnen oder breiter als 2,2 Meter ist, schaltet sich eine Ampel auf rot und eine Schranke versperrt die Zufahrt zur Brücke. Das Fahrzeug muss dann die Anschlussstelle Mombach oder Äppelallee nutzen und von der Autobahn abfahren. Hierzu wurde im jeweiligen Vorlauf die beiden Fahrspuren pro Richtung getrennt. Jeweils die linke Fahrspur führt über die Schiersteiner Brücke, die rechte Fahrspur dient zur Abfahrt an den Anschlussstellen Äppelallee oder Mombach. Auf der getrennten linken Fahrspur findet dann die Überprüfung statt. Ein weiteres WIM-System befindet sich an der Auffahrt Mombach Richtung Wiesbaden. Die Auffahrt Äppelallee Richtung Mainz bleibt komplett gesperrt, beziehungsweise dient nur noch für Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge als Zufahrt. Die Abfahrt Mombach von Wiesbaden kommend bleibt wegen des Brückenneubaus geschlossen, die Umleitung führt über die nächste Anschlussstelle Gonsenheim, dort wurde extra dafür ein Kreisverkehr eingerichtet um es den Fahrzeugen zu ermöglichen an der Anschlussstelle drehen zu können.

Geplanter Ausbau[Bearbeiten]

Blickrichtung von Wiesbaden nach Mainz. Im Vordergrund das Schiersteiner Kreuz mit Bauarbeiten für den Umbau und im Hintergrund die Schiersteiner Brücke, rechts daneben die Raiffeisen Warenzentrale (2013).
gleiche Stelle im April 2015

Im Rahmen der Erneuerung und Erweiterung der Schiersteiner Brücke wird auch über eine Verbreiterung der Autobahn bis zum Schiersteiner Kreuz auf hessischer Seite und bis zum Dreieck Mainz auf rheinland-pfälzischer Seite diskutiert. Diese Kosten für den sechsstreifigen Ausbau der Autobahn, vom Autobahndreieck Mainz bis zum Schiersteiner Kreuz, wurden 2008 auf 200 Millionen Euro geschätzt.[1]

Von Naturschutzverbänden wurde eine Beibehaltung der vierstreifigen Ausbauvariante unter Einbeziehung der zwei Standstreifen im Bedarfsfall, sowie Landschaftsbrücken über die Autobahn in Höhe der vorhandenen Wege des Naturschutzgebiets Mainzer Sand angeregt. Hierzu wurde ein überparteiliches und überkonfessionelles Bündnis gegründet.[2] Der Koalitionsvertrag der rot-grünen Rheinland-Pfälzischen Regierung von 2011 (Kabinett Beck V) wurde als Ziel der Partner definiert dieses Modell umzusetzen.[3] Damit wird nur die Schiersteiner Brücke sechsstreifig ausgebaut. Die Strecke zwischen Dreieck und Anschlussstelle Mombach bleibt vierstreifig, die zulässige Höchstgeschwindigkeit soll von derzeit 100 auf 80 km/h gesenkt werden. Das Gebiet genießt höchsten Schutz auf europäischer Ebene, denn es ist als FFH- und als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Autobahn hatte bei ihrem Bau in den 1960er Jahren das intakte Gebiet zweigeteilt.

Auch das Naturschutzgebiet Mombacher Rheinufer wird durch die möglichen Baumaßnahmen ebenso betroffen. Die dort liegenden Wiesen dienen u. a. den Weißstörchen in der Region als wichtige Nahrungsbiotope. Dort muss mit größter Rücksicht vorgegangen werden.

Als Kompensationsmaßnahme für durch den Ausbau notwendige Eingriffe in den wertvollen Weichholzauenbestand der Rettbergsaue wird der verlandete Altrheinarm der Schönborn’schen Aue vor Geisenheim wieder renaturiert werden. Dort soll eine Auenwaldlandschaft mit ihrer typische Auenvegetation entstehen.[4]

Am 11. September 2013 erfolgte der offizielle erste Spatenstich unter der Teilnahme von Verkehrsminister Peter Ramsauer.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Obwohl die Autobahn in Wiesbaden beginnt, beginnt die Kilometermarkierung nicht bei Kilometer 0,0 sondern bei 300,0 und steigt dann in Fahrtrichtung Mainz ab.

Die Autobahnanschlussstelle Mombach gehört zu einer der wenigen in Deutschland, die auf einer Brücke liegen. Da die Schiersteiner Brücke bereits zwei Jahre vor der Hochstraße fertiggestellt wurde, wurden die entsprechenden Auf- und Abfahrten zweistreifig angelegt. Die Hochstraße Lenneberg wurde erst 1964 fertiggestellt und angeschlossen. Diese Auf- und Abfahrten wurden jedoch nur mit sehr verkürzten Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen ausgestattet, da beide Brücken ursprünglich als Bundesstraße geplant und gebaut wurden. Aus diesem Grund befinden sich in diesem Bereich auch Straßenlaternen und Verkehrsbeeinflussungsanlagen, die aber bereits seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr im Betrieb sind.

Zwischen den Fahrbahnen auf Wiesbadener Seite befindet sich ein festinstalliertes Geschwindigkeitsmessgerät (Blitzer) bei km 297.

Im Dezember 2012 veröffentlichte der ADAC eine Statistik, in der die A 643 zu den zehn gefährlichsten Autobahnen bezüglich Falschfahrern gehört.[5] In den Jahren 2010 und 2011 gab es 23 mal Falschfahrermeldungen auf der kurzen Autobahn. In absoluten Zahlen liegt die A 661 (Darmstadt – Bad Homburg) mit 50 und die A 98 (Weil am Rhein – Tiengen) mit 30 Falschfahrermeldungen vor der A 643. Hochgerechnet auf 100 km und pro Jahr ergeben sich statistisch 142,0 Falschfahrermeldungen und damit ebenfalls „Platz 3“. Gefährlicher sind nach dieser Statistik nur noch die A 980 (Waltenhofen AD – Allgäu) mit 156,9 und A 255 (Hamburg-Süd – Neue Elbbrücken) mit 166,7 statistischen Falschfahrermeldungen pro 100 km und Jahr.[6][7][8]

Touristische Hinweisschilder[Bearbeiten]

An der Autobahn befindet sich nach der AS Gonsenheim und vor dem Beginn der Hochstraße Lenneberg eine so genannte Unterrichtungstafel, die auf mehrere Sehenswürdigkeiten in Wiesbaden hinweist. Dazu zählen das Kurhaus Wiesbaden, der Kochbrunnen und die Russisch-Orthodoxe Kirche auf dem Neroberg.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesautobahn 643 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

In den Nachrichten:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Projektinformation: www.schiersteinerbruecke.de von Hessen Mobil.
  2. Bündnis: Nix in den (Mainzer) Sand setzen (PDF; 43 kB).
  3. Koalitionsvertrag (PDF; 966 kB) – Den sozial-ökonomischen Wandel gestalten.
  4. Renaturierung eines Altrheinarms. Auf: Projekt A 643 Neubau Rheinbrücke Schierstein, Hessen Mobil
  5. Falschfahrer in Deutschland: Die zehn gefährlichsten Autobahnen. ADAC 12/2012; JPG-Datei, 25. Dezember 2012.
  6. ADAC-Statistik: A643 zwischen Mainz und Wiesbaden gehört zu gefährlichsten Geisterfahrer-Autobahnen. In: Allgemeine Zeitung Mainz; abgerufen 20. Dezember 2012.
  7. Viele Geisterfahrer auf A643 – ADAC – Strecke zwischen Mainz und Wiesbaden eine der gefährlichsten Routen. (dpa) In: Allgemeine Zeitung Mainz, Rhein Main Presse, 21. Dezember 2012, S. 1.
  8. Ken Chowanetz: Auf der A643 lauert Gefahr – Statistik: ADAC ermittelt Geisterfahrer-Häufigkeit auf deutschen Autobahnen. In: Allgemeine Zeitung Mainz, Rhein Main Presse, Panorama, 21. Dezember 2012.