Sigrid Kehl

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Sigrid Kehl (* 23. November 1932 in Berlin) ist eine deutsche Opernsängerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigrid Kehl studierte zunächst Gesang am Thüringischen Landeskonservatorium in Erfurt. Später setzte sie ihre Ausbildung an der Musikhochschule Berlin in Berlin in den Fächern Klavier und Gesang fort.

1956 debütierte sie, noch als Mitglied im Opernstudio, an der Berliner Staatsoper als Elevin in der kleinen Rolle des Polowetzer Mädchens in der Oper Fürst Igor; Dirigent war Horst Stein. 1956 gewann sie den 2. Preis beim Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau. Daraufhin wurde sie von dem damaligen GMD Helmut Seydelmann nach Leipzig engagiert.

1957 wurde sie festes Ensemblemitglied am Opernhaus Leipzig. Kehl blieb über 35 Jahre Ensemblemitglied. Sie sang am Opernhaus Leipzig im Verlauf ihrer Karriere über 70 Rollen vom lyrischen Mezzosopran-Fach bis zum dramatischen Sopran-Fach. Sie begann mit klassischen Anfängerrollen wie Ines in Der Troubadour, dem Polowetzer Mädchen oder Mercedes in Carmen. Später nahm sie die dramatischen Mezzo-Rollen in ihr Repertoire auf: Amneris in Aida, Prinzessin Eboli in Don Carlos, Venus in Tannhäuser und Brangäne in Tristan und Isolde. Hinzu kamen die klassischen Hosenrollen wie Octavian in Der Rosenkavalier oder Orpheus in Orpheus und Eurydike. 1964 sang sie am Opernhaus Leipzig die Rolle der Amme in der Strauss-Oper Die Frau ohne Schatten; Regie führte Joachim Herz.

Anfang der 1970er Jahre vollzog Kehl den Fachwechsel ins dramatische Sopran-Fach. Ihre erste Sopran-Rolle am Opernhaus Leipzig war 1970 die Leonore in Fidelio. 1974 sang sie am Opernhaus Leipzig in der legendären Ring-Inszenierung von Joachim Herz alle Brünnhilden. 1981 folgte am Opernhaus Leipzig ihre erste Isolde; Dirigent war Kurt Masur. In der Spielzeit 1982/83 übernahm sie am Opernhaus Leipzig die Rolle der Kundry in einer Neuinszenierung von Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal.

Ab 1971 hatte sie einen Gastvertrag mit der Berliner Staatsoper. Sie debütierte dort 1971 als Amme in der Frau ohne Schatten-Inszenierung von Harry Kupfer. Außerdem trat sie an der Komischen Oper in Berlin als Penelope in Il ritorno d’Ulisse in patria; Regie: Götz Friedrich auf. An der Wiener Staatsoper gastierte sie erfolgreich als Ortrud in Lohengrin (1975–1976) und als Venus (1979). Im März 1977 übernahm sie als Einspringerin innerhalb von wenigen Stunden die Titelrolle der Oper Elektra am Theater Hagen; sie rettete damit die Premiere der Neuinszenierung. In der Spielzeit 1980/81 (Premiere: Januar 1981) übernahm sie am Theater Hagen noch einmal kurzfristig eine Premierenrolle in Elektra, diesmal die Partie der Klytämnestra (als E´rsatz für die erkrankte Kollegin Rose Wagemann).

Ab 1960 gastierte Kehl auch international; sie sang unter anderem am Grand Théâtre de Genève, in Bern, am Opernhaus Graz (1972, als Sextus in La clemenza di Tito), am Bolschoi-Theater in Moskau (als Fricka in Das Rheingold), in Prag (als Küsterin), Budapest, Sofia und Varna. Am Teatro La Fenice in Venedig sang sie unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta ebenfalls die Rollen Ortrud und Brangäne.

Ihre letzte neu studierte Rolle war die Herodias in Salome. Diese sang sie in Venedig am Teatro La Fenice (1969) und an der Staatsoper Dresden (Inszenierung: Joachim Herz). Mit der Rolle der Küsterin in der Oper Jenůfa von Leoš Janáček nahm sie 1989 Abschied von der Bühne; sie hatte diese Rolle in der Spielzeit 1968/69 unter dem Dirigenten Václav Neumann in Leipzig erstmals erarbeitet. Kehl hatte für die Rollen Kundry und Küsterin für die Spielzeit 1989/90 noch einen Rollen-Vertrag; sie zog es jedoch vor, aufgrund der Veränderungen in der Wende-Zeit selbst zu kündigen. Sie wurde zum Ehrenmitglied des Leipziger Opernhauses ernannt.

Seit 1979 unterrichtete sie als Gesangsprofessorin an der Musikhochschule Leipzig.

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie sang nahezu alle großen dramatischen Rollen der Opernliteratur. Sie übernahm dabei sowohl Rollen im Sopranfach als auch im Mezzosopranfach. Als Höhepunkte ihrer künstlerischen Tätigkeit als Sängerin galten ihre Verkörperungen der Amme in Die Frau ohne Schatten und die Brünnhilden in Der Ring des Nibelungen. Eine weitere wichtige Rolle Kehls war Marie in der Oper Wozzeck von Alban Berg.

Das durch Rundfunkaufnahmen, Live-Mitschnitte und Schallplatten überlieferte musikalische Werk von Sigrid Kehl wurde in den letzten Jahren teilweise auch auf CD wiederveröffentlicht. Zu ihren Schallplattenaufnahmen gehören Mercedes in Carmen (1960; Gesamtaufnahme mit Soňa Červená, Rolf Apreck; Dirigent: Herbert Kegel), Zenobia in Radamisto (Gesamtaufnahme), Preziosilla in Die Macht des Schicksals (Querschnitt/Auszüge mit Hanne-Lore Kuhse, Martin Ritzmann) und Prinzessin Eboli in Don Carlos (Querschnitt/Auszüge mit Kuhse/Ritzmann; Dirigent: Heinz Fricke). Außerdem erschien ein Solo-Recital mit dem Titel Ein Opernabend mit Sigrid Kehl. Alle Aufnahmen wurden ursprünglich in der DDR bei dem Schallplattenlabel Eterna veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl J. Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Dritte, erweiterte Auflage. K. G. Saur, München 1999. Band 3: Hirata-Möwes, S. 1792.
  • Sigrid Kehl: Reduziert kann ich nicht sein. Gespräch mit Sigrid Kehl in: Orpheus, Juli 1993, Seite 10–12.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]