Thundorf TG

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TG ist das Kürzel für den Kanton Thurgau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Thundorff zu vermeiden.
Thundorf
Wappen von Thundorf
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Frauenfeld
Postleitzahl: 8512
BFS-Nr.: 4611 (Politische Gemeinde)
frühere BFS-Nr.: 4612 (Ortsgemeinde)
Koordinaten: 714879 / 267395
Höhe: 546 m ü. M.
Höhenbereich: 469–706 m ü. M.
Fläche: 15,62 km²  (Pol. Gemeinde)[1]
8,25 km² (Ortsgemeinde)[2]
Einwohner: 1513 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 97 Einw. pro km²
Website: www.thundorf.ch
Thundorf

Thundorf

Lage der Gemeinde
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Thundorf (im einheimischen Dialekt: [ˈtuəndɔ(ː)rfˑ] oder [ˈtuəndərəfˑ])[4][5] ist eine Ortschaft[6] und eine politische Gemeinde im Bezirk Frauenfeld des Kantons Thurgau in der Schweiz.

1803 bis 1994 bildeten die Ortsgemeinden Lustdorf und Thundorf die Munizipalgemeinde Thundorf. 1995 vereinigten sich diese mit der von der Munizipalgemeinde Lommis abgetrennte Ortsgemeinde Wetzikon (TG) zur politischen Gemeinde Thundorf.[7]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild von 2011

Das heutige Gemeindegebiet umfasst etwa das obere Thunbachthal mit den umgebenden, bewaldeten Anhöhen, die sich im Norden vom Stählibuck gegen Osten über das Grüt bis zum Wachtbühl oberhalb von Lustdorf ziehen, wogegen im Süden nur der Nordhang des Immenbergs und Wetzikon mit dem Holzacker zu Thundorf gehören.

Die Ortschaft Thundorf liegt auf etwa 550 Metern über dem Meeresspiegel nordwestlich der Einmündung des Lommisbachs in den Thunbach, dessen Tal sich hier in einem leichten Bogen nach Südwesten hin öffnet. Auf dem Boden der bis zur Vereinigung mit Lustdorf und Wetzikon bestehenden Ortsgemeinde Thundorf liegen ausserdem die Kirchensiedlung Kirchberg, Ufhofen und weitere Weiler.

Thundorf und Lustdorf sind von Frauenfeld, Tobel und Weinfelden her durch eine Postautolinie erschlossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früh- und Hochmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schenkungsurkunde mit Erstbeleg von Thundorf.

Die erste Erwähnung Thundorfs findet sich in einer auf den 1. August 888 datierten Urkunde (in villa, quae dicitur Tuomdorof), in der Arnolf von Kärnten die Schenkung des Hofs Erchingen mit den umliegenden Besitzungen ans Kloster Reichenau bestätigt.[8] Beim Ortsnamen handelt es sich um eine Zusammensetzung aus dem althochdeutschen Personennamen Duomo/*Tuomo mit dem Grundworte dorf, das in alamannischen Siedlungsnamen sehr verbreitet ist und ‚Weiler, Hof, Dorf, Gut, Stadtviertel‘ bedeuten kann.[5]

1093 und 1116 treten ein Immo von Thundorf und sein Sohn Lütold als Zeugen für Schenkungen ans Kloster Allerheiligen zu Schaffhausen auf. 1247 erscheint ein Neffe des Chorherrn Friedrich von Beromünster als stellensuchender Priester namens Rüdiger von Thundorf, der 1259, nun selbst Chorherr zu Heiligenberg bei Winterthur, Urkundenzeuge für das Kloster Töss ist.[8]

Spätmittelalter und Neuzeit bis 1798[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrschaft und Rechtsordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vogteirecht und Kehlhof zu Thundorf lagen 1361 als Lehen der Habsburger bei den Hofmeistern von Frauenfeld. Später wurde die Vogtei an die Herrschaft Weinfelden verpfändet und ging 1466 an Hans von Wängi über, der sie 1492 wieder auslöste. 1527 wurde die Gerichtsherrschaft Thundorf an Joachim vom Rappenstein verkauft und fortan gemeinsam mit der Herrschaft Wellenberg verwaltet, welche 1537 an die Herren von Ulm, 1669 dann zunächst an Heinrich Eschern und 1694 schliesslich an die Stadt Zürich gelangte, bei der sie bis zu ihrer Aufhebung 1798 blieb. Aus dem Jahr 1463 eine Offnung überliefert, in der die Zuständigkeit des Gerichts, die Gerichtstäge, verschiedene Strafbestimmungen, den Herren zuständige Abgaben und Dienste und ein Tavernenrecht festgeschrieben sind. Ab 1527 wurde die Offnung zum Teil an Wellenberger Rechtsnormen angeglichen. Seit dem späten 17. Jahrhundert ist daneben eine von den Einwohnern Thundorfs gegebene Gemeindeordnung belegt.[8]

Kirche und Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1275 ist zu Thundorf ein Leutpriester bezeugt. Der Kirchensatz wurde nach dem Tod des hochverschuldeten Kaspar Hofmeisters 1486 versteigert und kam 1495 durch Kauf an die Gemeinde. [8] 1496 wurde die Kollatur durch die Pfarrei Thundorf-Kirchberg erworben.[7] Zwischen 1528 und 1530 wird die Reformation vollzogen. Für 1631 ist ein vom Pfarrer abgehaltener Schulunterricht bezeugt. Seit 1717 ist der Schulbesuch unentgeltlich. Das erste Schul- und Gemeindehaus stammt aus der Zeit um 1700 und wurde um 1805 vergrössert. 1844 wurde der klassizistische Neubau mit Türmchen südlich der Hauptstrasse bezogen. [8]

Neuste Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thundorf im Jahr 1947
Gemeindehaus, erbaut 1842–1845 von Jakob Wellauern.

Nachdem in der Helvetik die Verwaltung Thundorfs zunächst einer Agentschaft zu Horrenwylen, seit 1800 zu Kirchberg übertragen war, bildete der Ort 1803 zusammen mit Lustdorf die neue Munizipalgemeinde Thundorf.[8] Das Schloss Wellenberg mit seinen Gütern wurde 1873 von Thundorf abgetrennt und an die Gemeinde Wellhausen angeschlossen.[8]

In Thundorf wurde neben Ackerbau vor allem auch Vieh- und Milchwirtschaft betrieben. In Aufhofen entstand 1900 die Käserei. Im 19. Jahrhundert existierte der Weinhandel Bachmann. Seit 1967 produziert die Fela AG in Thundorf Leiterplatten und seit 1999 Erfassungsgeräte für die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe. Im 20. Jahrhundert wuchs die Gemeinde durch den Bau zahlreicher Wohnhäuser.[7]

1995 entstand die heutige Gemeinde Thundorf durch die Vereinigung der drei Ortsgemeinden Thundorf, Lustdorf und Wetzikon, das von 1803 bis 1994 Teil der Munizipalgemeinde Lommis war.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thundorf-coat of arms.svg

Die erste Wappenbeschreibung aus dem Jahr 1840 lautet: „Ein Bach, die Thun und drei Sterne, die Ortschaften Thundorf, Kirchberg und Aufhofen darstellend.“ Die Anpassung an die gängigen heraldischen Regeln und die Festschreibung der Farben rot-weiss-rot führten zur heute gültigen Blasonierung:[8] In Rot ein weisser Balken begleitet von drei sechseckigen Sternen (2/1).[9]

Der weisse Balken in Rot ist die Flagge Österreichs, welches Kehlhof, Vogtei und Kirchensatz den Hofmeistern von Frauenfeld verliehen hatte. Die drei Sterne wurden von einem älteren Wappen übernommen.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung im Gebiet der heutigen Gemeinde Thundorf[10]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1950 1990 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 1190 1307 1436
Munizipalgemeinde 553 793 721 851
Ortsgemeinde 320 595 502 683
Quelle [7] [10]

Von den insgesamt 1436 Einwohnern der Gemeinde Thundorf im Jahr 2018 waren 110 bzw. 7,7 % ausländische Staatsbürger. 806 (56,1 %) waren evangelisch-reformiert und 301 (20,10 %) römisch-katholisch. Die Ortschaft Thundorf zählte zu diesem Zeitpunkt 1086 Bewohner.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 bot Thundorf 276 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 38,0 % in der Land- und Forstwirtschaft, 40,7 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 21,2 % im Dienstleistungssektor tätig.[1]

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde wird von einem siebenköpfigen Gemeinderat geführt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stählibuckturm wurde 1908 auf Initiative des Verkehrsvereins Frauenfeld erbaut.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Thundorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  2. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Eugen Nyffenegger/Oskar Bandle & al.: Thurgauer Namenbuch 1.2: Die Siedlungsnamen des Kantons Thurgau (K–Z). Huber, Frauenfeld 2003, ISBN 978-3-7193-1309-8, p. 1259 s. v. Thundorf. Dortige Lautschrift: túəndǭrf̄, túəndərəf̄, mundartnahe Schreibungen: Tuendorf, Tuedereff.
  5. a b Philipp Obrist/Andres Kristol: Thundorf TG (Frauenfeld) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 873f.
  6. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  7. a b c d Erich Trösch: Thundorf. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  8. a b c d e f g h Clemens Hagen/Alfred Kessler & al.: Ortsgeschichte von Thundorf. Hrsg. von der Bürgergemeinde Thundorf, Frauenfeld 1982, p. 13 (a)/p. 24 (b)/p. 28ff. (c)/p. 33ff. (d)/p. 183f. (e)/p. 45f. (f)/p. 52ff./148 (g)/p. 125/127. (h)/p. 132f. (i).
  9. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  10. a b Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.