Steckborn

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Steckborn
Wappen von Steckborn
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Frauenfeld
BFS-Nr.: 4864i1f3f4
Postleitzahl: 8266
UN/LOCODE: CH FEH (Feldbach TG)
Koordinaten: 716018 / 280700Koordinaten: 47° 40′ 0″ N, 8° 59′ 0″ O; CH1903: 716018 / 280700
Höhe: 400 m ü. M.
Fläche: 8,8 km²
Einwohner: 3726 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 423 Einw. pro km²
Website: www.steckborn.ch
Steckborn Aussicht Stadt und See.JPG

Karte
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Steckborn, in der schweizerdeutschen Ortsmundart Stäckbore [ˈʃtɛkχˌbɔrə],[2] ist eine politische Gemeinde im Bezirk Frauenfeld im Kanton Thurgau, Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steckborn liegt am Südufer des Untersees, am Hang des Seerückens und auf den Deltas von zwei Tobelbächen. Auf der anderen Seite des hier nur 1 bis 2 Kilometer breiten Untersees liegt die deutsche Gemeinde Gaienhofen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Sedimentablagerungen sind am Nordabhang des Seerückens flache Bachdeltas entstanden. Steckborn liegt auf solchen Flächen und wurde in der Jungsteinzeit (ab 4300 bis 2200 Jahre vor Chr.) erstmals nachweislich besiedelt. Es entstanden Pfahlbausiedlungen, in der «Schanz» und in der «Turgibucht», von denen Funde wie Keramikgefässe, Steinbeilklingen und Feuersteingeräte im örtlichen Museum (Turmhof) zu besichtigen sind.[3]

Auch die Römerzeit (15 v. Chr. bis 400 n. Chr.) hat am Untersee Spuren hinterlassen. Einige Funde aus dem weiter seeabwärts gelegenen Tasgetium (heute Eschenz) sind im Turmhof ausgestellt; darunter ein einmaliger Steckkalender. Nach den Römern folgten die Alemannen als Einwanderer und vermischten sich mit der gallo-römischen Bevölkerung. Aus dieser Zeit sind Grabfunde mit wertvollen Beigaben vorhanden. Man vermutet auch, dass möglicherweise der Ortsname damals entstanden sein könnte.

Erste Erwähnung / Stadtrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Steckborn ist in der Mitte des 9. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Insel Reichenau bekannt. Vermutlich wurde das Dorf damals der Abtei Reichenau geschenkt. Um 1300 wurde der «Turmhof», das Wahrzeichen Steckborns erbaut. Er diente dem damaligen Abt des Klosters Reichenau, Diethelm von Kastell, als Sitz am Südufer des Untersees. In seiner Amtszeit gelang es dem Abt, für Steckborn beim Kaiser Heinrich VII das Stadtrecht zu erlangen. Die entsprechende Urkunde vom 26. Januar 1313 ist im Kantonsarchiv in Frauenfeld aufbewahrt.

Stadtmauer / Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kleine Städtchen wurde befestigt. Teile der Stadtmauer sind heute noch erhalten. Das geschlossene Ortsbild wurde vorwiegend aufgrund einer geplanten Überbauung erreicht. Einige wichtige alte Bauten stehen unter Bundesschutz, Steckborn ist im Bundesinventar der wertvollen Ortsbilder enthalten.

Kirche / Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Reformation trat Steckborn im Jahre 1515 geschlossen zum neuen Glauben über. Die niedere Gerichtsbarkeit blieb weiterhin beim Kloster Reichenau. Im Jahre 1766 wurde am Platz von Vorgängerbauten die Stadtkirche vom bekannten Baumeister Franz Anton Bagnato als paritätische Kirche neu erstellt. Die heute evangelische Stadtkirche erhielt 1833 bis 1835 einen Turm. 1848 wurde mit den andern thurgauischen Klöstern das Zisterzienserinnenkloster Feldbach aufgehoben. Im 1962/1963 hat der katholische Konfessionsteil eine eigene Kirche erstellt.[4]

1798 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1798 kam es als Folge der französischen Revolution zu Veränderungen. Auch die niedere Gerichtsbarkeit ging an die Eidgenossenschaft über. Mit der Gründung des Kantons Thurgau wurde Steckborn als Zentrum am Untersee zum Bezirkshauptort. Das Bezirksgericht Steckborn tagte seither im Rathaus.

Steckborn blieb bis 2010 Bezirkshauptort. Nach der neuen Bezirksaufteilung des Kantons Thurgau ist es nunmehr eine politische Gemeinde im Bezirk Frauenfeld. Der Gerichtsstand wurde ebenso nach Frauenfeld verlegt.

Schreibweisen des Namens im Laufe der Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stegboron
  • Stecciboron
  • Stecheboron
  • Stegborin
  • Stekeborivn
  • Steckboren

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Wappen Steckborns zeigt in blau einen goldenen Ring und zwei goldene, diagonal eingesteckte Stäbe mit Knauf. Es vereinigt wahrscheinlich ein älteres Stadtwappen (Ring) mit einer Variante des Familienwappens Labhart (Stäbe).

Das ältere Stadtwappen in Form eines goldenen Rings kommt im Glasgemälde von 1543 im Rathaus Stein am Rhein vor; später erscheint es nur noch auf der Feldbacher Glocke von etwa 1683–1687. Der Ring ist vielleicht dem Wappen der Landenberg oder der Knöringer entnommen und könnte mit dem Übergang der Stadtherrschaft von der Reichenau an das Hochstift Konstanz im Jahre 1540 zusammenhängen. Verwandte Formen haben die Gemeindewappen des Nachbarortes Berlingen sowie von Allensbach.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist mit einer Station der Seelinie Schaffhausen–Kreuzlingen–Rorschach sowie mit der Postautoverbindung Steckborn–Frauenfeld an den öffentlichen Verkehr angeschlossen.

Gewerbe/Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemaligen Klosterräume auf dem Feldbachareal konnten ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Gewerbebetriebe und neu entstehende Industrien genutzt werden. Der Erfinder und Firmengründer Friedrich Gegauf begann hier mit der Produktion der ersten Hohlsaum-Nähmaschine der Welt. Daraus ist die heutige Weltfirma Bernina Nähmaschinenfabrik entstanden.

Später kaufte der Fabrikant Samuel Bächtold die Landflächen und stellte in seinem Betrieb vor allem Petrolmotoren und andere Maschinen her. Im Jahre 1923 wurde im ehemaligen Klosterareal eine Kunstseidefabrik eingerichtet. Dieser Betrieb der Textilchemie war bis 1974 ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.

Heute dient das Feldbachareal als Freizeiteinrichtung, als Standort eines Schulhauses, eines Seminarhotels und des Phönix-Theaters (Theater im Pumpenhaus). Nutzungen für Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Wohnen bestehen ebenfalls.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Steckborn geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Steckborn gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Deucher (1831–1912), Arzt und Politiker (FDP), Bundesrat 1883–1912
  • M. C. Escher (1898–1972), niederländischer Grafiker, lebte nach seinem Wegzug aus Italien bis 1935 hier.[5]
  • Maria Dutli-Rutishauser (1903–1995), Schriftstellerin, lebte ab 1927 bis zu ihrem Tode in Steckborn
  • Hans Baumgartner (1911–1996), Fotograf und Lehrer, Ehrenbürger von Steckborn

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steckborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 852.
  3. Vorarlberger Landesmuseum Bregenz. In: Aufgelistet! Funde von Pfahlbauten am Untersee. In: Südkurier vom 9. September 2011.
  4. Unsere Kirche auf der Webseite der kath. Pfarrei St. Jakobus Steckborn, abgerufen am 12. Juli 2016.
  5. J. L. Locher, Flip Bool, Bruno Ernst: M.C. Escher, his life and complete graphic work. Abradale Press/Harry N. Abrams, New York 1982; Ausg. 1992, S. 32, 34, 47.