Scheldetalbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dillenburg–Wallau (Lahn)
Strecke der Scheldetalbahn
Streckennummer (DB): 3721
Kursbuchstrecke (DB): 366 (1987)
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: Adhäsion 60 
Zahnstange 60 
Zahnstangensystem: ABT
Strecke – geradeaus
von Cölbe
Bahnhof, Station
37,00 Biedenkopf
   
(Bahnstrecke Kreuztal–Cölbe)
Haltepunkt, Haltestelle
32,50 Wallau (Lahn) (bis 2001 Bahnhof)
BSicon STRrg.svgBSicon ABZrf.svgBSicon .svg
32,30 Abzweig
BSicon SBRÜCKE.svgBSicon SBRÜCKE.svgBSicon .svg
32,20 B 62 / B 253
BSicon STRrf.svgBSicon STR.svgBSicon .svg
32,10 nach Kreuztal
Brücke über Wasserlauf (groß)
31,71 Lahn
Brücke über Wasserlauf (mittel)
31,46 Hammerweiher-Graben
Straßenbrücke
31,21 Brückenstraße
   
31,13 Breidenstein
Brücke (mittel)
31,01 Goldbergstraße
   
30,66 Anst. Seibel & Reitz
   
30,10 Holzverladung Breidenstein
   
29,42 Wiesenbach
   
29,39 Kreisstraße 109
   
29,21 Boxbach
   
29,10 Anst. Christmann & Pfeifer
   
28,90 Perf (2004 verlegt und Bahndamm durchbrochen)
   
28,54 Grünbrücke (bis 2004 Perfdurchlass)
   
28,00 Breidenbach (Bis 1987 PV, dann Werksbahnhof)
   
26,3 B 253
   
25,5 Perf
   
24,5 Wolzhausen
   
23,5 Quotshausen
   
21,9 Niedereisenhausen
   
21,8 L 3331
   
21,6 L 3042
   
19,5 Gönnern
   
17,5 Viadukt Frechenhausen
   
17,3 L 3288
   
17,1 Frechenhausen
   
15,3 Lixfeld
   
15,1 L 3042
   
13,4 Hirzenhain
   
13,0 L 3043
   
12,1 L 3042
   
9,3 Herrnberg
BSicon exKDSTa.svgBSicon exHST.svgBSicon .svg
8,0 Grube Königszug/Nikolausstollen
BSicon exSTRlf.svgBSicon exABZlg.svgBSicon .svg
7,9 Abzweig
BSicon .svgBSicon exSTR.svgBSicon exKDSTa.svg
Grube Prinzkessel
BSicon .svgBSicon exBUE.svgBSicon exBUE.svg
5,5 L 3363
BSicon .svgBSicon exHST.svgBSicon exSTR.svg
5,4 Oberscheld Ort
BSicon .svgBSicon exABZrg.svgBSicon exSTRrf.svg
5,3 Abzweig Anschlussbahn
   
4,8 Oberscheld Hochofen Hp
   
von Oberscheld-Augustusstollen
   
4,5 Oberscheld-Hochofen
   
2,6 Viadukt Niederscheld
   
2,4 Anst. Schelder Hütte
   
2,1 Niederscheld Nord
   
1,3 Adolfshütte
   
1,1 Anst. Isabellenhütte
BSicon STRrg.svgBSicon xKRZo.svgBSicon eABZqr.svg
1,0 Zum Gbf/Anschluss Adolfshütte
BSicon ENDExe.svgBSicon exSTR.svgBSicon .svg
0,8 Streckenende
BSicon exSTRlf.svgBSicon exABZlg.svgBSicon .svg
0,5 Verbindungskurve zur Dillstrecke
   
0,4 Dillstrecke von Wetzlar
Bahnhof, Station
0,0 Dillenburg
Straßenbrücke
-0,3 L 3362
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
-1,3 Dietzhölztalbahn nach Ewersbach
Strecke – geradeaus
Dillstrecke nach Siegen

Die Scheldetalbahn ist eine ehemalige Nebenbahn, die von Dillenburg über Breidenbach nach Wallau (Lahn) führte und zur Erschließung des Lahn-Dill-Gebietes erbaut wurde. Sie führte von Wallau aus zunächst flussaufwärts durch die Täler der Perf und ihres Nebenflusses Gansbach, um schließlich, nach der Überquerung der Wasserscheide zwischen Oberer Lahn und Dill, flussabwärts der namensgebenden Schelde zu folgen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft baute das erste Teilstück von Dillenburg über Oberscheld-Hochofen zum Auguststollen und nahm es am 11. Februar 1872 für Güterverkehr in Betrieb. Der Personenverkehr folgte ab dem 1. März. Am 7. August wurden beide Bergwerksanschlüsse nach Oberscheld Ort verlängert. Personenverkehr gab es hier ab 1896. Die Eröffnung der Gesamtstrecke fand erst am 1. Mai 1911 durch die Preußischen Staatseisenbahnen statt.

Am 30. Mai 1987 wurde der Personenverkehr eingestellt, gleichzeitig wurde auch der Güterverkehr auf dem steileren Abschnitt Dillenburg–Niedereisenhausen eingestellt. Vier Jahre später, am 1. Juni 1991 endete auch der Güterverkehr zwischen Niedereisenhausen und Breidenbach. In den Jahren danach bis circa 1993 wurde ein Großteil der Strecke nach und nach abgebaut. Durch die Flurbereinigung sind außer dem Viadukt in Niederscheld kaum noch Spuren der ehemaligen Scheldetalbahn zu finden. Der Güterverkehr Wallau–Breidenbach endete – vorerst – am 15. Dezember 2002.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Endpunkt der Personenzüge: Der Bahnhof Biedenkopf im Jahre 1898

Grundsätzlich endeten Personenzüge nicht in Wallau, sondern wurden von Beginn an bis Biedenkopf durchgebunden. Bemerkenswert war, dass dabei zwischen Herrnberg und Hirzenhain ein Steilstreckenabschnitt mit einer maximalen Steigung von circa 60 Promille zu überwinden war, der bis 1923 sogar mit einer Zahnstange (System Abt) ausgerüstet war. Danach waren dort spezielle Triebfahrzeuge mit Steilstreckenzulassung notwendig, zum Einsatz kamen zur Dampflokzeit die Baureihe 94.5–17 des Bahnbetriebswerks Dillenburg, nach 1972 Uerdinger Schienenbusse mit Steilstreckenzulassung sowie Diesellokomotiven der Baureihe 213.

Die meisten Personenzüge endeten nicht im Bahnhof Dillenburg, sondern fuhren über die Dietzhölztalbahn weiter bis nach Ewersbach. Aus diesem Grunde bildete die Scheldetalbahn seit 1911 auch eine Kursbucheinheit mit der Dietzhölztalbahn.

Betrieblicher Mittelpunkt und Kreuzungsbahnhof der Scheldetalbahn war Gönnern, dort wurde nach Ende der Dampflokzeit im Jahre 1972 die Lok 94 1538 als Denkmal aufgestellt, inzwischen wurde die Lok betriebsfähig aufgearbeitet. In den letzten Jahren gab es nur noch wenige Zugpaare pro Tag, zuletzt werktags zu Schulzeiten nur zwei, zu Schulferienzeiten sogar noch weniger. Am Wochenende ruhte der Verkehr ganz.

Im Jahr 2002 ging die Strecke in das RegioNetz Kurhessenbahn über, das zum EIU DB RegioNetz Infrastruktur GmbH gehört. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2002 herrschte auf dem verbliebenen Restabschnitt zwischen Wallau (Lahn) und Breidenbach noch geringer Güterverkehr. Im Zuge des Programms MORA C von DB Cargo wurde die Bedienung des Tarifpunktes Breidenbach (der mittlerweile als Anschlussgleis über die Ausweichanschlussstelle [ehemaliger Bahnhof] Wallau bedient wurde) eingestellt und im April 2004 zwischen dem ehemaligen Haltepunkt Wiesenbach und der Firma Buderus in Breidenbach ab- und teilweise auch überbaut. Seitdem befindet sich ein Prellbock unweit des ehemaligen Bahnsteigs in Wiesenbach.

Idyllischer Streckenverlauf der Scheldetalbahn

Seit April 2007 findet auf einem kurzen Teilstück der Scheldetalbahn wieder Güterverkehr statt. Um Windbruchholz von Orkan Kyrill abtransportieren zu können, wurde auf freier Strecke zunächst provisorisch die neue Holz-Verladestelle Breidenstein eingerichtet.[1] Hierbei wurde eine Ladestraße parallel zum Streckengleis gebaut, die das gleichzeitige Beladen von mehreren Holztransportwagen ermöglicht. Da sich ein langfristiger Bedarf für diese zentral gelegene Holzverladestelle abzeichnete, hat das Land Hessen den weiteren Ausbau der Verladekapazitäten gefördert. Wöchentlich werden bis zu fünf Ganzzüge mit 18 Wagen zu Sägewerken vorrangig in Süddeutschland und Österreich abgefahren.[2] Traktioniert werden die Güterzüge von der Kurhessenbahn, DB Cargo und anderen nichtbundeseigenen Eisenbahnen. Im Jahr 2008 wurden dadurch 9.600 LKW-Fahrten und 4,9 Millionen Lkw-Kilometer vermieden.[3]

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viadukt Niederscheld der Scheldetalbahn
3-bogiges Viadukt in Frechenhausen

Die Strecke ist heute zwischen Wiesenbach und Dillenburg mitsamt allen Anschlussbahnen komplett abgebaut. In folgenden Abschnitten ist die Trasse überbaut:

  • Breidenbach - Wolzhausen: Radweg
  • Niedereisenhausen: Gewerbegebiet
  • Niederscheld - Adolfshütte: Spielplatz, Fußweg und Häuser

Der ehemalige Streckenverlauf ist durch Bahndämme und Brücken noch gut zu erkennen. Zwischen Frechenhausen und Hirzenhain wurden die tiefen Einschnitte jedoch zwischen 2000 und 2010 verfüllt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Urs Kramer, Matthias Brodkorb: Abschied von der Schiene – Güterstrecken 1994 bis heute. Transpress, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-71333-8, S. 49.
  • Urs Kramer, Matthias Brodkorb: Abschied von der Schiene – Güterstrecken 1980 bis 1993. Transpress, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-71346-8, S. 48.
  • H. Schomann: Eisenbahn in Hessen – Eisenbahnbauten und -strecken 1839-1939. Wiesbaden 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 472–479.
  • M. und S. Zöllner: DB-Nebenbahnromantik der achtziger Jahre – Am Ende einer Epoche. Brilon 2003, ISBN 3-86133-329-5, S. 79–98.
  • Urs Kramer: Dillenburg–Wallau (Lahn). In: W. Machel (Hrsg.): Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland einst und jetzt. München 1999.
  • Wolfgang Fiegenbaum, Wolfgang Klee: Abschied von der Schiene – Stillgelegte Bahnstrecken im Personenzugverkehr Deutschlands 1980–1990. transpress, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-71073-0, S. 353–359.
  • J. Stiehl: Die Scheldetalbahn mit der Steilstrecke 1:17. In: Verein Eisenbahnfreunde Dillenburg (Hrsg.): Festschrift zum Tag der offenen Tür der DB. Dillenburg 1970, DNB 790697203, S. 30–33.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scheldetalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erster hessischer Bahnhof für Sturmholz bei Biedenkopf errichtet. In: Gießener Anzeiger. 3. Mai 2007.
  2. In Breidenstein bei Biedenkopf wird eine Verladestelle für Holztransporte für eine dauerhafte Nutzung umgebaut und erweitert. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, 23. November 2007, archiviert vom Original am 26. November 2007, abgerufen am 21. Mai 2009 (pdf).
  3. Dietmar Bosserhoff: Erhalt von Bahninfrastruktur ist Prämisse für Verkehrsverlagerungen. In: Güterbahnen. Heft 2/2009, S. 32, Alba Fachverlag Düsseldorf, ISSN 1610-5273