Wietzen

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Wappen Deutschlandkarte
Wietzen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wietzen hervorgehoben

Koordinaten: 52° 43′ N, 9° 5′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Nienburg/Weser
Samtgemeinde: Weser-Aue
Höhe: 45 m ü. NHN
Fläche: 40,59 km2
Einwohner: 2095 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einwohner je km2
Postleitzahl: 31613
Vorwahl: 05022
Kfz-Kennzeichen: NI
Gemeindeschlüssel: 03 2 56 036
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausstraße 14
31607 Marklohe
Website: www.marklohe.de
Bürgermeister: Hans-Jürgen Bein (CDU)
Lage der Gemeinde Wietzen im Landkreis Nienburg/Weser
Steinhuder MeerNordrhein-WestfalenLandkreis DiepholzLandkreis OldenburgLandkreis SchaumburgLandkreis HeidekreisLandkreis VerdenRegion HannoverBalgeBinnenBinnenBinnenBinnenBückenDiepenauDrakenburgEstorf (Weser)EystrupEystrupGandesbergenHämelhausenHämelhausenHaßbergenHaßbergenHassel (Weser)Hassel (Weser)HeemsenHilgermissenHoyaHoyerhagenHusum (bei Nienburg)LandesbergenLeeseLiebenau (Niedersachsen)LinsburgLinsburgMarkloheNienburg/WeserPennigsehlRaddestorfRehburg-LoccumRodewaldRohrsenSchweringenSteimbkeSteyerbergSteyerbergStöckseStolzenauUchteWarmsenWietzenWarpeKarte
Über dieses Bild

Wietzen ist eine Gemeinde im Landkreis Nienburg/Weser, Niedersachsen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wietzen liegt zwischen Wesermarsch und Geest und gehört zur Samtgemeinde Weser-Aue. Die Kreisstadt Nienburg liegt in 13 km Entfernung.

Südlich von Wietzen entspringt der in die Weser mündende Bückener Mühlenbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 11. Jahrhunderts wurde im Gebiet der Gemeinde Wietzen die Burg Stumpenhusen erbaut, von der jedoch heute nichts mehr erhalten ist. Der im 19. Jahrhundert noch als Motte erkennbare Burghügel von ca. 40 m Durchmesser im Ortsteil Stumpenhusen wurde völlig einplaniert.[2] Hier saßen bis 1204 die Edelherren, ab 1181 Grafen von Stumpenhusen, Vorfahren der Grafen von Hoya, an die über die Grafen von Wölpe der Besitz nach 1301 überging, wodurch Wietzen seine historische Bedeutung verlor. Auch die Errichtung der bemerkenswerten, heute noch vorhandenen St.-Gangolf-Kirche im 12. Jahrhundert geht auf diesen Adelssitz zurück.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform schloss sich die Gemeinde Wietzen zum 1. April 1970 der Samtgemeinde Marklohe an, die am 1. November 2021 in der neugebildeten Samtgemeinde Weser-Aue aufging. Am 1. März 1974 wurde die vorher selbstständige Gemeinde Holte in die Gemeinde Wietzen eingegliedert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1961 1970 1987 1992 1997 2002 2007 2008 2009 2010 2011
Einwohner 2341 2287 2041 2133 2260 2213 2174 2148 2158 2145 2113

(1961 am 6. Juni, 1970 am 27. Mai, jeweils mit Holte[4]; ab 1987 jeweils am 31. Dezember[5])

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2021[6]
Wbt.: 60,21 % (2016: 54,75 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
58,86 %
27,41 %
10,14 %
3,58 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2016
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
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  -4
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−6,91 %p
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Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde besteht aus zwölf Ratsfrauen und Ratsherren sowie dem nebenamtlichen Bürgermeister.

(Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)[6]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der aktuellen Kommunalwahlperiode (2021–2026) fungiert Hans-Jürgen Bein (CDU) als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatstube Wietzen: 1984 wurde im Auftrag des Gemeinderates Wietzen vom Heimatpfleger Heinrich Lüdeke eine Heimatstube in der "Alten Schule" eingerichtet. Hier sollten die bäuerliche Arbeitswelt, altes Handwerk und dörfliche Wohnkultur vorgestellt werden. 1995 zum ersten Mal räumlich erweitert, verfügt die Heimatstube heute u. a. über Tischler-, Maler-, Stellmacher- und Schmiedewerkstätten. Eine Backstube ist auch vorhanden. 2007 wurde der alte Bahnhofschuppen von 1922 durch den Förderverein der Heimatstube an diesen Standort versetzt und restauriert. Hier werden insbesondere große alte Landmaschinen ausgestellt. Mit der Grundschule Wietzen verbindet die Heimatstube Wietzen seit vielen Jahren eine Schul- und Museumspädagogische Zusammenarbeit.

Geschichtswerkstatt Wietzen: Sie wurde auf Initiative von Helmut Rode im Januar 2011 eröffnet und steht unter dem Motto der in den 1970er Jahren in Skandinavien gegründeten Geschichtswerkstätten: "Grabe – wo du steht". Die Dorfgeschichte von Wietzen soll sichtbar gemacht werden gemäß der Aussage des Hans von Keler "Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden auf dem wir stehen und bauen".

Die Geschichtswerkstatt Wietzen möchte den Strom der Dorfgeschichte erarbeiten, "um unserem Leben, dem Leben unserer Bezugsgruppe, unserer gegenwärtigen "Schicht" – einen Sinn zu geben" (Zit. Rode). Die Geschichtswerkstatt versteht sich als Bestandteil der Heimatstube Wietzen und arbeitet eng mit dem Dorfkulturkreis Wietzen e. V. zusammen. Bisher (Stand: Dezember 2011) wurde ein aktueller Flyer "Wietzener Geschichtszahlen", die Broschüre "Die St. Gangolf Kirche zu Wietzen – die Grafen von Stumpenhusen" und ein Band mit den Erzählungen und Gedichten von Elfriede Thies herausgeben.

Heimatpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkulturkreis Wietzen: Die Landjugend Wietzen und der örtliche Gemischte Chor gründeten 1962 den Dorfkulturkreis Wietzen. Ihr Anliegen war die Nutzung einer Freilichtbühne, um durch Chorgesang und Volkstanz altes heimatliches und bäuerliches Kulturgut zu pflegen und zu erhalten.

Heute gestaltet der Dorfkulturkreis die Vortragsreihe "Wietzen – wie es früher war", berichtet auf plattdeutsch vom Leben alter Zeiten und stellt das Entstehen und den Werdegang Wietzener Betriebe dar. Jedes Jahr werden mehrere Wanderungen in der Ortschaft Wietzen und Holte und umzu angeboten. Im Sommer zieht ein Sommerfest mit Gottesdienst auf Plattdeutsch, viel kultureller Unterhaltung und dem berühmten Butterkuchen aus dem Steinbackofen alt und jung auf die Mühlbach-Freilichtbühne. So behalten Bürgersinn und Gemeinschaftsgeist immer eine Heimat im Dorf, und Wietzen bleibt Lebensraum von Rang.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Baudenkmale in Wietzen.


Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bredenbeck's Open: Am Pfingstsonntag findet seit 2002 im Ortsteil Bredenbeck das Crossgolfturnier „Bredenbeck's Open“ statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt direkt an der Bundesstraße 6 von Bremen nach Hannover. In unmittelbarer Nähe führt außerdem die Bundesstraße 214 von Nienburg nach Sulingen durch die Gemarkung.

Der nächste Bahnhof ist in Nienburg an der Hauptstrecke Bremen–Hannover.

Wietzen liegt an der seit 1997 stillgelegten Bahnstrecke Nienburg–Sulingen. Der Personenverkehr wurde hier bereits am 27. September 1969 eingestellt, der Güterverkehr 1992. Der Bahnhof Wietzen wurde zwischenzeitlich abgerissen, die Bahnstrecke jedoch nicht abgebaut (Stand November 2011).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Arbeitgeber in der Gemeinde war die Niederlassung der Wiesenhof Geflügelspezialitäten im Ortsteil Holte. Im Januar 2019 gab Wiesenhof bekannt, den Standort zu schließen, über 200 Festangestellte waren betroffen. Das Werksgelände wurde 2020 von der ACTO GmbH, einem Unternehmen der chemischen Industrie, übernommen.[8]

Weitere Wirtschaftsfaktoren sind die Logistikbranche, das Bauhandwerk und der Einzelhandel. Zudem ist die Landwirtschaft wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde, auch mit angegliederten Betrieben, wie Landtechnik und Vertrieb der erzeugten Produkte.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Lüdeke und Hermann Claus (Hrsg.): Wietzen wie es früher war.
  • Heinrich-Detlev Gadesmann: „Nur malen, malen und allein sein“. Ernst Thoms. Historische Schriftenreihe des Landkreises Nienburg/Weser (Hrsg.). Sonderausgabe 1991.
  • Martin Last: Wietzen als Zentrum adliger Herrschaft des hohen Mittelalters. Burg/Hof – Eigenkirche/Grablege. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte (NsJbLG) 55, 1983, S. 139–180.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wietzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle A100001G: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2021 (Hilfe dazu).
  2. Burgen und Schlösser im Landkreis Nienburg - Detailseite (Memento vom 27. März 2009 im Internet Archive)
  3. Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 2, Niedersachsen und Bremen, 1969, S. 491.
  4. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 199.
  5. LSKN-Online
  6. a b Samtgemeinde Weser-Aue - Gemeinde Wietzen Wahl des Gemeinderates 2021. In: votemanager.kdo.de. Abgerufen am 3. Dezember 2021.
  7. Samtgemeinde Marklohe. Abgerufen am 3. Dezember 2021.
  8. Acto GmbH plant erste eigene Produktionsstätte in Holte. In: Interkommunales Netzwerk Heemsen-Liebenau-Marklohe-Steimbke. 29. Mai 2020, abgerufen am 3. Oktober 2020 (deutsch).