Alexandra Konstantinowna Kostenjuk

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Fondation Neva Women's Grand Prix Geneva 11-05-2013 - Alexandra Kosteniuk.jpg
Alexandra Kostenjuk 2013
Name Alexandra Konstantinowna Kostenjuk
Schreibweisen rus. Александра Константиновна Костенюк
Land RusslandRussland Russland
Geboren 23. April 1984
Perm
Titel Großmeister (2004)
Weltmeisterin 2008 - 2010
Aktuelle Elo-Zahl 2543 (September 2014)
Beste Elo-Zahl 2543 (September 2014)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Alexandra Konstantinowna Kostenjuk (russisch Александра Константиновна Костенюк; * 23. April 1984 in Perm) ist eine russische Schachspielerin. Sie war in den Jahren 2008 bis 2010 die zwölfte Schachweltmeisterin. Sie errang 2004 den Großmeistertitel (GM). Im Juli 2012 wurde sie als Verdienter Meister des Sports Russlands ausgezeichnet.

Schachkarriere[Bearbeiten]

Seit ihrem zweiten Lebensjahr lebte sie in Moskau. Im Alter von fünf Jahren erlernte sie das Schachspiel von ihrem Vater Konstantin Wladimirowitsch. Alexandra Kostenjuk machte schnell Fortschritte. Ihre ersten Erfolge feierte sie in Juniorenturnieren. Im Jahr 1994 gewann sie den ersten Europameistertitel bei den Mädchen unter 10 Jahren. Einen Monat später belegte sie den zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft der unter 10-Jährigen. Später gewann sie entsprechende Titel, so wurde sie zum Beispiel 1996 Weltmeisterin der Mädchen unter 12 Jahren.

Im Jahr 1997 erhielt sie im Alter von 13 Jahren den Titel Internationale Meisterin der Frauen (WIM). Im Februar 1998 erreichte sie im Alter von 13 Jahren und zehn Monaten alle erforderlichen Normen für den Titel als internationale Frauengroßmeisterin (WGM), der ihr dann erst im November 1998 auf dem FIDE-Kongress bei der 33. Schacholympiade in Elista verliehen wurde. Im Jahr 2000 wurde sie Internationaler Meister (IM). Der Titel eines Großmeisters (GM) wurde Kostenjuk 2004 nach dem Gewinn der europäischen Einzelmeisterschaft der Frauen in Dresden verliehen.

Bei den Chess Classic in Mainz 2002 spielte Kostenjuk einen Schnellschach-Wettkampf gegen Elisabeth Pähtz, den sie mit 6:5 gewann. Weitere Schritte in ihrer Karriere waren der Gewinn der Europameisterschaft 2004 sowie der Sieg bei der Russischen Meisterschaft 2005.

Alexandra Kostenjuk, EuroChess 2007

Im September 2005 gewann sie das Blitzturnier Golden Blitz in Moskau im Finale gegen Almira Scripcenco. Bei einem Schnellschach-Turnier auf Schloss Villandry gewann Kostenjuk am 21. Oktober 2007 eine Partie gegen Laurent Fressinet nach 237 Zügen, was einen Rekord für die längste entschiedene Partie darstellt.[1] Als Weltmeisterin war Kostenjuk für den Schach-Weltpokal 2009 qualifiziert, unterlag jedoch in der ersten Runde Şəhriyar Məmmədyarov mit 0:2.

Da ihr Ehemann Schweizer ist, verfügt auch Kostenjuk über einen Schweizer Pass. Im Juli 2010 nahm sie an der Schweizer Landesmeisterschaft der Männer teil [2] und kam auf Platz 4. Die schweizerische Einzelmeisterschaft der Frauen gewann sie 2011. Bei der Schweizerischen Einzelmeisterschaft 2013 in Grächen wurde Alexandra Kosteniuk als erste Frau Schweizer Herren-Meister.[3]

Schachweltmeisterin[Bearbeiten]

Alexandra Kostenjuk nahm frühzeitig Anlauf, den Titel der Schachweltmeisterin zu erringen. Bei der Weltmeisterschaft 2001 stand Kostenjuk erstmals im Finale, verlor dort jedoch gegen Zhu Chen den Wettkampf nach Tie-Break mit 5:3. Bei der Frauen-WM 2004 in Elista scheiterte Kostenjuk dagegen bereits in der zweiten Runde an Viktorija Čmilytė. Im September 2008 erreichte ihre Laufbahn schließlich ihren bisherigen Höhepunkt. Bei der Weltmeisterschaft in Naltschik gewann sie den Titel durch ein 2½:1½ im Finale gegen Hou Yifan. Im Halbfinale hatte sich Kostenjuk zuvor gegen Pia Cramling durchgesetzt. Im Jahr 2006 und 2008 gewann sie in Mainz außerdem die Chess960-Weltmeisterschaft der Frauen. Bei der Frauenweltmeisterschaft 2010 in Antakya schied sie in der dritten Runde gegen die spätere Finalistin Ruan Lufei aus. Ihre Nachfolgerin wurde die 16-jährige Hou Yifan.[4]

Autorin und Schachtrainerin[Bearbeiten]

Parallel zum praktischen Schach konzentrierte sich Kostenjuk darauf, Schachbücher zu verfassen und als Trainerin zu wirken. Ihr erstes teilweise autobiografisches Werk How I became Grandmaster at age 14 wurde 2001 veröffentlicht und wurde bereits in drei Sprachen (Russisch, Englisch und Spanisch) übersetzt. Es ist ein Lehrbuch, in dem sie auch davon berichtet, wie sie selbst das Schachspiel erlernt hat. Im Juli 2003 schloss sie die Hochschule für Sport ab und ist seitdem geprüfte Schachtrainerin. Unter Chess is Cool betreibt sie einen Schach-Podcast. Ihr zweites Buch, Play like a champion erschien 2007.

Privates[Bearbeiten]

Alexandra Kostenjuk ist mit ihrem Manager Juan Diego Garces Montoya (* 1959) verheiratet und wurde im Jahr 2007 Mutter einer Tochter. Ihre jüngere Schwester Oksana (* 1987) ist ebenfalls Schachspielerin. Neben dem Schach verfolgt sie andere Interessen, darunter Poesie und Sport. Aufmerksamkeit erregte insbesondere ihre Neigung, wiederholt als Fotomodell für sich und den Schachsport zu werben, ihr Motto lautet "beauty and intelligence can go together".[5] Daneben hat Kostenjuk auch in einem Film mitgespielt.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Alexandra Kostenjuk nahm an acht Schacholympiaden der Frauen teil, nämlich 1998 (in der dritten Mannschaft), 2002, 2004, 2006, 2008, 2010, 2012, 2014. Sie gewann diese mit der russischen Frauenmannschaft 2010, 2012 und 2014 und erreichte 2014 außerdem das beste Einzelergebnis am dritten Brett.[6][7] Außerdem nahm sie an den Mannschaftsweltmeisterschaften der Frauen 2011 und 2013 teil[8] sowie an den Mannschaftseuropameisterschaften der Frauen 2003, 2005, 2007, 2009, 2011 und 2013. Sie gewann diese mit Russland 2007, 2009 und 2011 und gewann 2003 am Reservebrett, 2009 am ersten Brett, 2011 am vierten Brett und 2013 am zweiten Brett jeweils die Einzelwertung.[9]

Vereine[Bearbeiten]

In der Schweizer Nationalliga A hatte Kostenjuk in der Saison 2014 einen Einsatz beim SK Trubschachen. In der britischen Four Nations Chess League spielte sie in der Saison 2003/04 für Numerica 3Cs, in der niederländischen Meesterklasse in der Saison 2004/05 für Hotels.nl/Groningen. Die deutsche Frauenbundesliga gewann Kostenjuk 2005 mit dem OSC Baden-Baden. Zwischen 2003 und 2014 nahm sie sechsmal am European Club Cup der Frauen teil und gewann diesen 2003 mit dem ŠK Internet-CG Podgorica.[10] Individuelle Goldmedaillen gewann sie 2012 am ersten Brett[10] und 2014 am zweiten Brett von SHSM Nashe Nasledie.[11]

Werke[Bearbeiten]

  • How I Became Grandmaster at 14. Moscow 2001, ISBN 978-5-829300432
    • (im Original) Как стать гроссмейстером в 14 лет. Moscow 2001, ISBN 5-89069-053-1
  • mit Natalia Kosteniuk: Как научить шахматам : дошкольный шахматный учебник. Russian Chess House 2008, ISBN 978-5-94693-085-7.
  • Diary of a Chess Queen. Mongoose Press 2010, ISBN 978-0-979148279

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bericht bei ChessBase, mit Video
  2. Weltmeisterin Kostenjuk fordert Schweizer Elite, 2. Juli 2010 (abgerufen am 9. August 2012)
  3. 113. Schweizer Schach-Einzelmeisterschaften 2013 in Grächen
  4. Women's Chess World Championship 2010, englisch, abgerufen am 16. Dezember 2010
  5. Lucy Cockcroft: Glamorous Russian swimsuit model wins Women's World Chess Championship. The Telegraph, 18. September 2008, abgerufen am 16. November 2013 (englisch).
  6. Alexandra Kostenjuks Ergebnisse bei Schacholympiaden der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  7. Ergebnisse der Schacholympiade 2014 der Frauen auf chess-results.com
  8. Alexandra Kostenjuks Ergebnisse bei Mannschaftsweltmeisterschaften der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  9. Alexandra Kostenjuks Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  10. a b Alexandra Kostenjuks Ergebnisse bei European Club Cups der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  11. Brettwertungen des European Club Cups der Frauen 2014 (englisch)