Christoph Maria Herbst

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Christoph Maria Herbst bei der Deutschlandpremiere von „King Ping“ in Wuppertal am 29. Oktober 2013
Herbst in der Sendung Markus Lanz, 2011

Christoph Maria Herbst (* 9. Februar 1966 in Wuppertal) ist ein deutscher Schauspieler sowie Hörbuch- und Synchronsprecher. Für seine Darstellung des Stromberg in der gleichnamigen Comedy-Fernsehserie erhielt er unter anderem 2006 den Grimme-Preis und dreimal in Folge den Deutschen Comedypreis als bester Schauspieler.[1]

Leben[Bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Herbst ist das jüngste Kind einer katholischen Familie. Sein Vater war Beamter, seine Mutter Hausfrau.[2] Auch seine älteren Schwestern Stefanie und Isabell tragen den Zweitnamen Maria. Bereits in der Schule beteiligte er sich an Kabarett-Projekten und einer Theater-AG.[3] Er schloss die Schule (davon 9 Jahre in einer Klasse mit Holger Wienpahl[4]) mit dem Abitur am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal-Elberfeld ab. In seiner Kirchengemeinde war er Lektor und Oberministrant.[2]

Danach erlernte er in den Jahren 1985 bis 1987 den Beruf des Bankkaufmanns bei der Deutschen Bank. Die Berufsausbildung absolvierte er als Jahrgangsbester im IHK-Bezirk Wuppertal-Solingen-Remscheid.

Theater[Bearbeiten]

Schon während seiner Bankausbildung war Herbst in der freien Theaterszene in Wuppertal aktiv. Dort war er 1986 an der Gründung des privaten Theaters in Cronenberg mit angeschlossener Schauspielschule beteiligt und trat unter anderem in Neil Simons Barfuss im Park und William Shakespeares Macbeth auf.

1989 erhielt er nach vielen vergeblichen Bewerbungen bei Schauspielschulen ein Engagement am Landestheater Dinslaken.[5] Zwischen 1992 und 1996 folgten Engagements in verschiedenen Produktionen am Stadttheater Bremerhaven, darunter als Bräutigam in Bluthochzeit oder als Romeo in Romeo und Julia. Von 2002 bis 2003 war Herbst im Metropol-Theater in München in der gleichnamigen Theateradaptation der Woody Allen–Komödie Broadway Danny Rose zu sehen.

Seit 2005 tritt er neben Bastian Pastewka, Michael Kessler und Jürgen Tonkel wiederkehrend in der Komödie Männerhort am Berliner Theater am Kurfürstendamm vor ausverkauftem Haus auf.[6][7] Das erfolgreiche Ensemble bestritt 2008 eine bundesweite Tournee, Stationen waren unter anderem das Winterhuder Fährhaus in Hamburg und das Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen.

Im Rahmen der Nibelungenfestspiele 2009 in Worms stand Herbst in Das Leben des Siegfried als Hagen auf der Bühne.

Fernsehen[Bearbeiten]

Christoph Maria Herbst im November 2011

1997 trat Christoph Maria Herbst im Fernsehen erstmals in Sketchup – The Next Generation in Erscheinung. Von 2001 bis 2003 agierte er als Nebendarsteller in der Sat.1-Comedy-Reihe Ladykracher und wurde dafür mit dem Deutschen Comedypreis 2002 ausgezeichnet.

2004 startete auf ProSieben die erste achtfolgige Staffel der als Mockumentary angelegten Comedy-Serie Stromberg mit Christoph Maria Herbst als Abteilungsleiter Bernd Stromberg. Nach einigen Startschwierigkeiten schloss sich 2005 mit zehn Folgen eine zweite und 2007 mit acht Folgen eine dritte Staffel an. Für seine von der Fachpresse gelobte Darstellung des sogenannten Ekelchefs wurde Herbst mit mehreren Preisen geehrt, darunter dem Adolf-Grimme-Preis 2006 sowie dem Deutschen Comedypreis 2005, 2006 und 2007. Ursprünglich sollte die im Mai 2009 abgedrehte vierte Staffel die letzte sein. Herbst äußerte sich in diesem Zusammenhang, er sei nicht daran interessiert, sich an eine einzige Rolle zu klammern und die Marke Stromberg auszumelken.[8] Am 22. Juli 2010 wurde jedoch bekannt, dass neben einem Film[9] auch eine fünfte Staffel in Planung sei.[10] Diese lief am 8. November 2011 an.[11]

2007 strahlte Sat.1 mit Hilfe! Hochzeit! – Die schlimmste Woche meines Lebens eine weitere Comedy-Reihe mit Herbst als Hauptdarsteller aus, für die er ebenfalls mit dem Deutschen Comedypreis als „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet wurde. Im November 2010 war Christoph Maria Herbst in dem Pro7-Krimi Kreutzer kommt in der Hauptrolle des Ermittlers Kreutzer zu sehen, welcher nach eigenem Bekunden „jeden Fall in einem abgeriegelten Raum in vier Stunden 37 Minuten und 48 Sekunden löst“.[12]

Film[Bearbeiten]

Seine Kinokarriere startete Herbst 1998 in Der wirklich letzte Junggeselle. Es folgten die Kurzfilme Morgen (2001) und Lassie (2002). Ganz im Gegensatz zu seinen überwiegend komödiantisch geprägten Charakteren übernahm Herbst 2003 die Rolle eines von einer schwerwiegenden Tat unter Druck gesetzten Mannes, den Hauptdarsteller Martin in dem von Johannes Grebert produzierten Kurzfilm-Thriller Im Dunkeln. Im Laufe desselben Jahres stand er im Rahmen weiterer Comedy–Produktionen vor der Kamera, darunter in Aus der Tiefe des Raumes, in Michael Herbigs (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 und in der Edgar-Wallace-Parodie Der WiXXer. An der Seite von Oliver Kalkofe, Thomas Fritsch und Oliver Welke sowie weiteren bekannten Komikern verkörpert er hier den Butler Alfons Hatler, der in seiner Erscheinung und seinem sprachlichen Ausdruck an Adolf Hitler angelehnt ist.

2004 folgten Der Fischer und seine Frau, Erkan & Stefan in Der Tod kommt krass, der Kurzfilm Lorenz lacht sowie die Komödie Vom Suchen und Finden der Liebe, in der Herbst neben Moritz Bleibtreu, Alexandra Maria Lara und Anke Engelke agierte. 2006 war er in den deutschen Kinos als Nebendarsteller in Til Schweigers Komödie Wo ist Fred? und als Hauptdarsteller König Julius der 111. in Sebastian Niemanns Verfilmung Hui Buh – Das Schlossgespenst zu sehen.

Im ersten Quartal 2007 erschienen drei weitere Kinoproduktionen, bei denen sich Herbst jeweils in größeren Rollen präsentierte: Die schwarze Komödie Die Aufschneider, der Kinder- und Jugendfilm Hände weg von Mississippi und die Fortsetzung der Wallace-Parodie Neues vom WiXXer, in der Herbst erneut die Rolle des mittlerweile zum Leiter einer psychiatrischen Klinik aufgestiegenen Dr. Alfons Hatler übernahm. 2008 folgte der Fernsehzweiteiler Zwei Weihnachtsmänner mit Bastian Pastewka, ein Remake des Films Ein Ticket für Zwei. In der Kategorie „Beste Unterhaltung“ waren Herbst und Pastewka für diese Produktion für die Goldene Kamera 2009 nominiert.

Hörbuch und Hörspiel[Bearbeiten]

Christoph Maria Herbst am 21. Januar 2007 während seiner Lesetour

Neben seiner Tätigkeit als Theater-, Film- und Fernsehschauspieler ist Christoph Maria Herbst als Synchron- und Hörbuchsprecher beschäftigt. Gemeinsam mit Charlotte Roche tourte er 2005 mit einer Lesung aus einer 1978 publizierten Doktorarbeit zu dem Thema Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern durch Deutschland. Aufmerksamkeit erzielte Herbst überdies mit den Hörbuchinterpretationen der von Tommy Jaud verfassten Romane Vollidiot (2004), Resturlaub (2006) und Millionär (2007); Lesetourneen mit Auszügen aus erstem und letzterem Werk führten Herbst zuletzt 2009 an verschiedene Spielstätten im gesamten Bundesgebiet.

2008 las Herbst zudem den Debütroman Nicht mein Tag des Stromberg–Produzenten und Autoren Ralf Husmann, 2009 folgten Schachnovelle von Stefan Zweig und Kängt ein Guruh: Lyrik meets Comedy von Horst Evers. 2010 vertonte er den Mafiathriller Schneller als der Tod von Josh Bazell, gemeinsam mit Anneke Kim Sarnau wirkte er zudem in Plötzlich Shakespeare von David Safier mit. Darüber hinaus wird Herbst seit 2008 in den neuen Folgen der Hörspielserie Hui Buh als Sprecher für König Julius eingesetzt, den er bereits im zuvor genannten Kinofilm verkörperte.

Synchronisation[Bearbeiten]

Im Bereich der Synchronisation wird Herbst wie der Großteil seiner prominenten Kollegen primär auf Rollen in Animationsfilmen besetzt, darunter als Doktor Zwengelmann in Urmel aus dem Eis (2006), als Eddie in Urmel voll in Fahrt (2008), als Horton in Horton hört ein Hu! (2008), als Franz von Hahn in Mullewapp – Das große Kinoabenteuer der Freunde (2009) und als Charles, der gallische Hahn in Konferenz der Tiere (2010).

In der deutschsprachigen Fassung der Simpsons-Episode Frauentausch (17. Staffel) ist Herbst als Synchronsprecher für den Charakter Charles zu hören. Die Besonderheit in dieser Konstellation liegt darin, dass Charles in der Originalfassung von dem britischen Komiker Ricky Gervais gesprochen wurde, der wiederum aus der Stromberg-Vorlage The Office (UK) bekannt ist.

In dem französischen Kinofilm Willkommen bei den Sch’tis synchronisierte Herbst den Hauptdarsteller Dany Boon in der Rolle des Postboten Antoine Bailleul.

Literatur[Bearbeiten]

Ende 2010 wurde Herbsts erstes Buch Ein Traum von einem Schiff veröffentlicht. Der Satire-Roman handelt von einer Reise auf einem Kreuzfahrtschiff und wurde durch Herbsts Erlebnisse während der Dreharbeiten zu einem Traumschiff-Fernsehfilm inspiriert.[13] Aufgrund einer gerichtlichen einstweiligen Verfügung wurde die Erstauflage aus dem Handel zurückgezogen; der Verlag kündigte daraufhin eine zweite Auflage mit geschwärzten Textseiten an.[14] Der Verlag legte Berufung gegen die einstweilige Verfügung ein. Kurz vor dem Termin für die Urteilsverkündung zog die Klägerin in dem Berufungsverfahren ihren Verfügungsantrag zurück – der Verlag darf Ein Traum von einem Schiff wieder in der unzensierten Version verkaufen.[15]

Privatleben[Bearbeiten]

Herbst ist seit 2012 mit Gisi Herbst verheiratet.[16] [17] Er war von 2006 bis zur endgültigen Trennung 2009 mit Marie Zielcke liiert.[18][19][20]

Seit 2011 ist er Schirmherr des Kinder- und Jugendhospizes Balthasar in Olpe,[21] in dessen Werbeclip er mitwirkte.[22]

Herbst lebte nach eigenen Angaben mehrere Jahre als Vegetarier,[23] aß aufgrund schwieriger Versorgungssituationen allerdings bei Dreharbeiten auch gelegentlich Fleisch.[13] In einem Interview im März 2013 bezeichnete er Fertiggerichte als „Abfall“ und sagte, dass er vegan lebe.[24]

Filmografie[Bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten]

Buch[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2002
  • 2005
  • 2006
    • Adolf-Grimme-Preis für Stromberg
    • Deutscher Comedypreis als Bester Schauspieler für Stromberg
    • Jupiter-Filmpreis als Bester TV-Darsteller
    • GQ – Mann des Jahres in der Kategorie TV
    • Dreifach-Platin für über 150.000 verkaufte DVD-Ausgaben der ersten und zweiten Stromberg-Staffel
  • 2007
    • Goldener Spatz als Bester Schauspieler in Hui Buh und Hände weg von Mississippi
    • Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie Beste Sitcom für Stromberg
    • Deutscher Comedypreis als Bester Schauspieler für Stromberg und Hilfe! Hochzeit! – Die schlimmste Woche meines Lebens
  • 2009
    • Doppel-Platin für die DVD-Ausgabe der dritten Stromberg-Staffel
    • Vierfach-Platin je für die DVD-Ausgabe der ersten und zweiten Stromberg-Staffel
    • Deutscher Comedypreis in der Kategorie Beste TV-Komödie für Zwei Weihnachtsmänner (gemeinsam mit Bastian Pastewka)
  • 2010
    • Deutscher Comedypreis als Bester Schauspieler u. a. für Stromberg
    • Doppel-Platin für die DVD-Ausgabe der vierten Stromberg-Staffel
    • Fünffach-Platin für die DVD-Ausgabe der ersten Stromberg-Staffel
  • 2011
  • 2012
    • Jupiter-Filmpreis als Bester TV-Darsteller

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christoph Maria Herbst – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Agentur Contract
  2. a b „Ich bin zurzeit auf die Arschloch-Rollen abonniert“. Interview Herbsts durch Christian Aust, welt.de, 18. Februar 2007.
  3. Biographie von Herbst auf wissen.de. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  4. Holger Wienpahl – Von Beruf Philanthrop. Sabrina Hoffmann (teleschau – der mediendienst), Yahoo Lifestyle, Mai 2008 (monstersandcritics.de).
  5. Christoph Maria Herbst. Zusammenfassung der Radiosendung Leute mit Katja Heijnen vom 2. August 2009, SWR1 Rheinland-Pfalz.
  6. Pressemitteilung (Microsoft Word) der Komödie Berlin
  7. Protestieren und amüsieren: Erfolgsinszenierung „Männerhort“. In: Berliner Zeitung, 9. Oktober 2006.
  8. Stromberg endet nach vierter Staffel DWDL vom 14. Dezember 2007.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStromberg: Der Film. IMDb.de, abgerufen am 26. August 2010.
  10. Interview von DWDL mit Thilo Proff vom 22. Juli 2010.
  11. Stromberg – fünfte Staffel in TV Digital, 8. November 2011, aufgerufen am 8. Dezember 2011.
  12. Kreutzer kommt auf ProSieben.de
  13. a b Jörg Thomann: „Ich war noch nie so dünnhäutig wie gerade“. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 49/2010, 12. Dezember 2010, S. 59.
  14. Ausgeträumt? – EV gegen „Ein Traum von einem Schiff“ boersenblatt.net, 4. Februar 2011.
  15. Buch wieder unzensiert zu kaufen. focus.de, 8. März 2012.
  16. Die Frau fürs Leben, Teil eines Gesprächs von Herbst mit Gisela Steinhauer im WDR 2 Montalk, 17. Februar 2014 (Flash-Video).
  17. „Mir werden die Arschlöcher angeboten“. Christoph Maria Herbst im Interview mit Harald Hordych, sueddeutsche.de, 17. Mai 2010.
  18. Christoph Maria Herbst, Internationales Biographisches Archiv 17/2013 vom 23. April 2013 (wk), ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 07/2014, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 18. Februar 2014 (Artikelanfang frei abrufbar)
  19. Herbst und Zielcke: Liebes-Comeback gescheitert. News zu RTL exclusiv, 17. Januar 2010.
  20. Ihre aufgewärmte Liebe ist schon wieder kalt. Nicola Pohl, bild.de, 17. Januar 2010.
  21. Christoph Maria Herbst, Kinder- und Jugendhospiz Balthasar, abgerufen am 27. November 2012.
  22. Kinderhospiz Balthasar wirbt mit Stromberg-Darsteller Christoph Maria Herbst. Abgerufen am 27. November 2012.
  23. Ich habe mehr Kraft. Interview mit Herbst auf www.vegetarisch-geniessen.com
  24. Christoph Maria Herbst lebt vegan. Meldung der dpa. In: Abendzeitung, 5. März 2013.