Oliver Kalkofe

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Kalkofe mit Bühnenprogramm bei Fernsehkritik-TV (2012)

Oliver Lars Fred[1] Kalkofe (* 12. September 1965 in Hannover) ist ein deutscher Satiriker, Kolumnist, Buchautor, Schauspieler und Synchronsprecher.

Biografie[Bearbeiten]

Oliver Kalkofe wuchs in Langenhagen-Engelbostel und Peine auf. Nach dem Abitur 1984 machte er eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten und Wirtschaftsdolmetscher in Englisch und Französisch und studierte Publizistik, Anglistik und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Er lebt mit seiner Ehefrau und seiner Stieftochter in Berlin.

Radio[Bearbeiten]

Oliver Kalkofe als Märchenerzähler „Onkel Hotte“

Seine Medienkarriere begann Kalkofe als Radiomoderator bei Radio RST. Mit dem Wechsel zum kommerziellen Radiosender ffn wechselte er in das komödiantische Fach. Dort schuf er zahlreiche Charaktere im Rahmen der Comedysendung Frühstyxradio (mit Oliver Welke, Dietmar Wischmeyer, Sabine Bulthaup, Andreas Liebold u. a.), die von anderen Radiosendern bundesweit übernommen wurden (etwa Horst Horstmann alias Märchenerzähler Onkel Hotte, Jürgen Ferkulat alias Gürgen, der Ferkelwämser in Die Arschkrampen).

Unter anderen erreichte die Figur des Onkel Hotte im Sendegebiet (vorwiegend Niedersachsen) eine hohe Bekanntheit und führte zu mehreren CD-Veröffentlichungen, in denen dann ein merkwürdiger Typ mit Hornbrille, Doppelrippunterhemd und Plüschtier-Hausschuhen ausgefallene Märchengeschichten zum Besten gab. Diese Märchengeschichten handeln meistens von Zwergen: Spiel mir das Lied vom Zwerg oder von Übergewichtigen: Tante Vettel. Charakteristisch für die Figur des Onkel Hotte war zudem das Verfälschen der deutschen Sprache: „gesägt, tun getan“.

Fernsehen[Bearbeiten]

Seinen deutschlandweiten Durchbruch hatte er mit der (unverschlüsselten) Fernsehsendung Kalkofes Mattscheibe auf Premiere, die zuvor schon als Radiosendung auf radio ffn lief. Inhalt der Sendung ist „konstruktive Medienkritik“ in Form von satirischen Kommentaren zu Ausschnitten von Fernsehsendungen. Kalkofe tritt dabei häufig als einer der Mitwirkenden der Sendung verkleidet auf (oft auch in Frauen- und Doppelrollen) und imitiert deren Stimme und Gestik. Ebenso wurde gelegentlich auch der Originalbeitrag optisch manipuliert: Beispielsweise wurde die Moderatorin Carolin Reiber zum Platzen gebracht, und in einer anderen Folge vom Blitz getroffen. Für die Mattscheibe erhielt er 1996 den Grimme-Preis. Nach vierjähriger Pause, unterbrochen durch einige Sondersendungen für die ARD, liefen von 2003 bis 2005 neue Folgen auf ProSieben. Nach einer weiteren Pause begann die nächste Staffel am 24. Juni 2008.[2]

Kalkofe trat auch mit dem Schlagermoderator Achim Mentzel auf. Mentzel war als ostdeutscher Moderator einer Volksmusiksendung zunächst nur Opfer der Mattscheibe, bis er den Spieß umdrehte und auf einer Schultafel, die Teil der Kulisse seiner Sendung war, der Satz „Kalki ist doof“ erschien. Kalkofe nahm den Ball auf, und es entwickelte sich über die Zeit ein reger Austausch von kleinen Gehässigkeiten via Fernseher. Inzwischen bekam Mentzel von Kalkofe eine kleinere Rolle in dessen Edgar-Wallace-Parodien Der Wixxer und Neues vom Wixxer.

Im Februar 2012 war er als Kino-Kolumnist einmal die Woche zu Gast bei Gottschalk Live.

Am 18. Juli 2012 wurde bekannt, dass die Mattscheibe ab Herbst desselben Jahres auf dem Free-TV-Sender Tele 5 zurückkehren soll. Zunächst seien 30 neue Folgen zu je 15 Minuten geplant, die ab Oktober zu sehen seien.[3] Diese Rückkehr ins Fernsehen geschah dann wie angekündigt im Oktober 2012 unter dem Namen Kalkofes Mattscheibe Rekalked. Im Februar 2013 entschloss sich Tele 5 dazu, zehn weitere Folgen zu produzieren, die das Staffelende auf den Juli 2013 verschoben.[4]

Ebenfalls auf Tele 5 startete am 29. März 2013 die Reihe Nichtgedanken, in der Kalkofe aus Autobiografien von polarisierenden Persönlichkeiten wie Bushido oder Bettina Wulff vorliest. Sowohl der Titel als auch die Gestaltung der Serie spielen auf die Sendung Nachtgedanken an. Angekündigt sind 30 Folgen.[5] Seit Sommer 2013 moderiert er bei Tele 5 die Sendung Die schlechtesten Filme aller Zeiten (SchleFaZ), welche sich stark an der KTMA Serie Mystery Science Theater 3000 orientiert.[6]

Kolumnen[Bearbeiten]

Kalkofes Kolumne Kalkofes letzte Worte erscheint seit 1995 vierzehntäglich in der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm. Weiterhin schreibt er monatlich eine Filmkritik in der Cinema.

Sonstige Sprechrollen[Bearbeiten]

In den Computerspielen Die Siedler – Das Erbe der Könige und The Bard’s Tale spricht er jeweils eine Figur (bei Siedler den Mentor und bei the Bards Tale den Protagonisten). Seit 2007 wirkt er in der Hörspiel-Soap …und nebenbei Liebe als Sprecher der Rolle des Matthias Schwenk mit. In der Hörspielparodie Die Ferienbande und das bumsfidele Geisterschiff spricht er den cholerischen und politisch fragwürdigen Sportlehrer der Bande.

In der seit dem Jahr 2000 produzierten Gruselhörspielserie, Geisterjäger John Sinclair, übernimmt Kalkofe diverse Nebenrollen. Im Ableger der ZDF-Serie Löwenzahn Löwenzähnchen lieh er im Herbst 2012 dem Protagonisten der Sendung, dem Hund Keks, die Stimme.[7]

Rechtliche Auseinandersetzungen[Bearbeiten]

Der Sänger Klaus Baumgart (Klaus und Klaus) verklagte Kalkofe 1995, nachdem dieser ihn in seiner Sendung als „Freund Speckbulette“ bezeichnet hatte. Das Landgericht Oldenburg wies die Klage ab; wie sich später herausstellte, war die Klage durch Baumgarts Management lediglich aus PR-Gründen lanciert worden.[8]

Eine Klage der Produktionsfirma Fremantle gegen Premiere wurde 2000 vom Bundesgerichtshof (BGH) abgewiesen. Das Unternehmen hatte Klage eingereicht, da in Kalkofes Mattscheibe ohne Genehmigung Originalmaterial aus der Sendung Der Preis ist heiß gezeigt worden war, wobei die Satire – so die Sichtweise von Fremantle – geltendes Urheberrecht und Wettbewerbsrecht verletzte. In einer Pressemitteilung vom 13. April 2000 verlautbarte der BGH, dass Kalkofes Mattscheibe als urheberrechtlich neues und selbständiges Werk anzusehen ist und die durch die Rundfunkfreiheit (Art. 5 GG) geschützte Aufgabenstellung als nicht wettbewerbswidrig zu werten ist. Dieser Beschluss ist auch als „Kalkofe-Urteil“ bekannt.[9][10][11]

Filmografie[Bearbeiten]

Als Darsteller[Bearbeiten]

Als Synchronsprecher[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1991: Goldenes Kabel in Silber für die Radiomattscheibe
  • 1996: Adolf-Grimme-Preis für Kalkofes Mattscheibe
  • 1998: Deutscher Comedypreis für Kalkofes Mattscheibe
  • 2004: DVD Champion – Creative Award für Kalkofes Mattscheibe
  • 2007: DVD Champion – Creative Award für Neues vom WiXXer
  • 2010: Sprecherpreis beim Trickfilmfestival Stuttgart für seine Rolle als Einzeller "B.O.B." in Monsters vs. Aliens
  • 2011: Platin-Schallplatte für Kalkofes Mattscheibe Vol. 1
  • 2011: Goldene Schallplatte für Kalkofes Mattscheibe Vol. 2
  • 2011: KuH des Jahres gemeinsam mit neoParadise für seinen Auftritt in der gleichnamigen Sendung [12]

CDs[Bearbeiten]

  • 1991: Die Arschkrampen – „Is mir schlecht!“ (mit Dietmar Wischmeyer)
  • 1992: Onkel Hotte – „Onkel Hottes Märchenstunde“
  • 1992: Onkel Hotte Teil 3 – „Ein Zwerglein hängt im Walde“
  • 1993: Herr Radioven – Hallooooooooooooooooooooooooooo! (mit Andreas Liebold)
  • 1993: Onkel Hotte – „10 Kleine Glatzenköpp“
  • 1995: Onkel Hotte Teil 2 – „Spiel mir das Lied vom Zwerg“
  • 1996: Kalk & Welk (mit Oliver Welke)
  • 1997: Onkel Hotte – „Hotte X, Die unheimlichen Märchen des Horst Horstmann“
  • 1998: Kalkofes Mattscheibe
  • 1999: Kalk & Welk – „Zwei Engel der Barmherzigkeit“ (mit Oliver Welke)
  • 2000: Super R-Win rettet die Welt
  • 2001: Onkel Hotte – „Planet der Zwerge“
  • 2004: 1500 Jahre Frühstyxradio: Am Anfang war das Ei
  • 2005: Die Arschkrampen – „Satan Ziege!“ (mit Dietmar Wischmeyer)
  • 2007: Und nebenbei Liebe (Staffel 1 Folge 1–10)
  • 2007: Der Wixxer (Hörspiel)
  • 2007: Neues vom Wixxer (Hörspiel)
  • 2008: Und nebenbei Liebe (Staffel 2 Folge 1 -6)
  • 2008: Kalkofe liest Asmussen – Oliver Kalkofe liest „Lachen ist gesund“ von Fips Asmussen (Hörbuch)
  • 2009: Sherlock Holmes und Dr. Watson (Wupp! Die Dimensions-Jäger) (mit Bernhard Hoëcker)
  • 2010: Hui Buh Das Schlossgespenst: Im Bann des Schwarzspukers
  • 2010: Die Arschkrampen – Sooo saahddas aus ! (2 CDs)
  • 2010: Die Arschkrampen – Arschkrampen Testament (3 CDs)
  • 2011: Kalkofe liest Fragen Sie Dr. Ozzy!
  • 2012: Agatha Christies Vier Frauen und ein Mord
  • 2012: Die Abenteuer des Sherlock Holmes: Das blaue Karfunkel / Das gesprenkelte Band
  • 2012: Die Abenteuer des Sherlock Holmes: Ein Skandal in Böhmen / Die Liga der Rotschöpfe
  • 2012: Die Abenteuer des Sherlock Holmes: Die fünf Orangenkerne / Der Mann mit der entstellten Lippe
  • 2012: Die Abenteuer des Sherlock Holmes: Eine Frage der Identität / Das Rätsel von Boscombe Valley
  • 2012: Kalkofe liest „Nackt unter Krabben“ von Marie Matisek (Hörbuch, 4 CDs)
  • 2012: Kalkofes Radio – Mattscheiben komplett (16 CDs)
  • 2013: Kalkofe liest Mutter bei die Fische
  • 2013: Die Abenteuer des Sherlock Holmes: Die Beryll-Krone / Die Blutbuchen
  • 2013: Die Abenteuer des Sherlock Holmes: Der Daumen des Ingenieurs / Der adlige Junggeselle
  • 2013: Die Memoiren des Sherlock Holmes: Silberstern / Das gelbe Gesicht

Bücher[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oliver Kalkofe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Mensch, Otto!“ vom 25. September 2009 (nicht mehr abrufbar)
  2. ProSieben bringt „Kalkofes Mattscheibe“ zurück“, bei DWDL.de.
  3. „Mattscheibe“ 2012, spiegel.de, abgerufen am 19. Juli 2012
  4. „Mattscheibe“ 2012 wird verlängert, dwdl.de, abgerufen am 14. Februar 2013
  5. Kalkofes Nichtgedanken, kalkofe.de, abgerufen am 2. April 2013
  6. Spiegel Online: Trash-Offensive bei Tele 5: Porno-Recken im Haifischbecken, abgerufen am 17. August 2013
  7. [1], bei DWDL.de
  8. Der Fall „Speckbulette“, bei granatenmäßig recherchiert.
  9. Satire auf Fernsehshow
  10. BGH-Urteil: Kalkofe darf weiterhin Fernsehsatire betreiben!
  11. BGH-Urteil: Freie Benutzung geschützter Laufbilder aus einer Fernsehshow – „Mattscheibe“ Az. I ZR 282/97
  12. Preisträger Medien-KuH 2011