Ferrero (Unternehmen)

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Ferrero International S. A.
Ferrero S.p.A.
Logo von Ferrero
Rechtsform S. A. / S.p.A.
Gründung 1946
Sitz Luxemburg, LuxemburgLuxemburg Luxemburg
(rechtlicher Sitz)
Alba, ItalienItalien Italien
(operativer Sitz)
Leitung Giovanni Ferrero
Mitarbeiter 30.105 (2013)
Umsatz 8,1 Mrd. EUR (2013)
Gewinn 795 Mio EUR (2013)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Nahrungsmittel
Produkte SüßwarenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website ferrero.com

Ferrero ist ein international tätiger italienischer Süßwarenhersteller.

Die aus 36 Gesellschaften bestehende Unternehmensgruppe betreibt weltweit 21 Produktionsstätten und beschäftigt rund 30.105 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2013 erwirtschaftete Ferrero einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro. Die Unternehmensholding Ferrero International S. A. ist als Aktiengesellschaft in Luxemburg eingetragen, hat ihren operativen Hauptsitz aber in der piemontesischen Stadt Alba.

Der Sitz der deutschen Ferrero liegt in Frankfurt am Main, die Produktionsstätte im 105 Kilometer entfernten Stadtallendorf. Die folgenden Ausführungen beziehen sich vorwiegend auf Ferrero in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten]

Ferrero International[Bearbeiten]

Ferrero Hauptsitz, Pino Torinese, Italien

Das Unternehmen wurde 1946 von dem 1898 geborenen Konditor Pietro Ferrero senior in Alba (Italien) gegründet. Pietro Ferrero ist der Erfinder von Nutella, einer Nuss-Nougat-Creme, die das Unternehmen seit den 1940er Jahren in Italien bereits unter dem Namen Pasta gianduja verkaufte. 1951 verbesserte Pietro Ferrero die Rezeptur und benannte das Produkt um in Supercrema, bis in Italien der Begriff „Super“ in Produktnamen verboten wurde.

Nach Pietro Ferreros Tod übernahm kurze Zeit seine Witwe, Piera Cillario Ferrero, die Geschäfte, ihr folgte der gemeinsame Sohn, Michele Ferrero. Unter seiner Leitung erlangte das Unternehmen Weltruhm. 1962 heiratete Michele Maria Franca Fissolo. Von 1997 bis 2011 leitete Giovanni Ferrero das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Pietro Ferrero junior, der jedoch im April 2011 verstarb. Die Ferrero-Gruppe ist heute unter der Leitung des Sohnes Giovanni Ferrero in der dritten Generation familiengeführt und vollständig in Familienbesitz.

1984 stieg Ferrero mit der Ferrero Asia Limited in den chinesischen Markt ein. Heute ist Ferrero auch in Osteuropa, den USA, Südamerika sowie im Fernen Osten aktiv. Großes Medieninteresse erweckte das Unternehmen, als es 2000 mit Blick auf die eigene Marke Kinder-Schokolade die Verwendung des Domain-Namens „kinder.at“ durch andere unterbinden wollte. Vor Gericht unterlag es in allen Instanzen.

Im Sommer 2014 übernahm Ferrero den größten türkischen Haselnussverarbeiter Oltan zu einem ungenannten Preis, um die Versorgung mit der in vielen seiner Produkte enthaltenen Zutat langfristig abzusichern.[1][2] Die EU-Kommission genehmigte die Übernahme im September 2014.[3]

Ferrero Deutschland[Bearbeiten]

Ferrero Deutschland wurde im September 1956 in Stadtallendorf gegründet. Zuerst firmierte die Ferrero oHG unter dem Namen Assia GmbH (Assia ist italienisch für Hessen). Anfänglich verfügte die deutsche Ferrero über fünf Mitarbeiter: einen Turiner Ingenieur, eine deutsche Sekretärin und drei Arbeiter aus dem Mutterwerk in Alba. Zunächst wurde nur das Produkt Cremalba in 200-g-Bechern produziert und verkauft. Sechs Monate später hatte Ferrero Deutschland schon über 60 Mitarbeiter, gegen Ende 1957 bereits 150. Noch im gleichen Jahr erreichte das Werk in Stadtallendorf die gesetzten Produktionsziele. Später wurde der Verwaltungssitz in Frankfurt am Main angesiedelt, nachdem die ursprünglich ausgesuchte, näher am Produktionsstandort gelegene Stadt Marburg keine ausreichende Gewerbefläche zur Verfügung stellen wollte, um nicht mit einer anderen größeren Firma nach den Behringwerken ihren Charakter als Universitätsstadt aufs Spiel zu setzen.

Die Kirschpraline Mon Chéri verhalf Ferrero zum endgültigen Durchbruch auf dem (west)deutschen Süßwarenmarkt. Schon 1957 stellte Ferrero täglich rund 9000 kg Mon Chéri her. Ein Jahr später wurde die Produktion auf 20.000 kg pro Tag erhöht. Der Begriff „Piemont-Kirsche“ ist eine reine Erfindung der Werbeabteilung. „Piemont“ ist angelehnt an die Herkunftsregion der Familie Ferrero. Eine Kirschsorte dieses Namens existiert nicht. Ein großer Teil der verwendeten Kirschen stammt aus der Ortenau (Stand 2008).

Heute beschäftigt Ferrero nach eigenen Angaben in Deutschland 3600 Menschen, der überwiegende Teil (rd. 3400) arbeitet am Standort Stadtallendorf. Hinzu kommen mehrere tausend Saisonkräfte, etwa für die Oster- oder Weihnachtsproduktion.

Parteispendenaffäre der hessischen CDU[Bearbeiten]

Im Zuge der Affäre um fehlerhafte Rechenschaftsberichte der hessischen CDU wurde bekannt, dass der CDU-Landesverband seit den 1980er Jahren regelmäßig Spenden von Ferrero erhalten hatte, diese aber nicht verbuchte. Nach Angaben des Bundestags summieren sich die Spenden auf insgesamt 255.646 Euro. In den CDU-Rechenschaftsberichten waren sie nicht aufgetaucht. Der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) verhängte gegen die hessische CDU daher eine Strafe von 511.000 Euro.

Wie das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf im Jahr 2000 feststellte, hat das Unternehmen für sein Werk im hessischen Stadtallendorf jahrelang zu niedrige Gewerbesteuer-Vorauszahlungen geleistet. Während die Prüfer für die Jahre 1993 und 1994 Vorauszahlungen von jeweils 40,2 Millionen DM für angemessen hielten, setzte die Finanzverwaltung der CDU-regierten Kommune lediglich 6,8 Millionen DM an. Für die Jahre 1994 bis 1996 musste Ferrero deshalb Gewerbesteuer in Höhe von 52 Millionen DM nachzahlen. Die Zinsgewinne, die Ferrero durch die niedrigen Vorauszahlungen erwirtschaftete, werden auf 13 Millionen DM geschätzt.

Markenrechtsstreit um Kinder[Bearbeiten]

Kinder-Schokolade

Ferrero muss künftig auch Produkte anderer Hersteller mit dem Namensbestandteil Kinder akzeptieren. Am 20. September 2007 wies der deutsche Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Klage von Ferrero ab, die dem Konkurrenten Haribo den Produktnamen Kinder Kram verbieten sollte. Der Begriff Kinder allein unterliege keinem markenrechtlichen Schutz, da es lediglich die Zielgruppe dieser Produkte benenne, urteilte das Gericht.[4]

Kritik[Bearbeiten]

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat auf ihrer Webseite „Kaefigfrei“ aufgedeckt, dass Ferrero Eier aus der nicht artgerechten Käfighaltung verwendet. Nachdem über 6.000 Unterschriften online gesammelt und intensive Gespräche mit dem Hersteller geführt worden waren, hat Ferrero im Jahr 2010 angekündigt, bis Ende 2012 auf Eier aus jeglicher Form der Käfighaltung zu verzichten, also sowohl auf Eier aus der bereits ab Beginn des Jahres 2012 in der Europäischen Union verbotenen konventionellen Käfighaltung als auch auf Eier aus der weiterhin dort erlaubten Haltung in sogenannten ausgestalteten Käfigen.[5]

In der Diskussion um die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln steht Ferrero in Kritik, da eine Nährwerttabelle auf den meisten Produkten fehlt.

Der Hersteller der Milch-Schnitte erweckt in Werbekampagnen den Eindruck, das Produkt sei aufgrund des Milchanteils gesundheitsfördernd und eine Alternative zum Pausenbrot. Das Produkt enthält allerdings mit 60 % verhältnismäßig mehr Fett und Zucker als eine Sahnetorte, sodass übermäßiger Verzehr zu Übergewicht und damit einhergehenden Krankheiten führen kann.[6] Bei der Internet-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel für die Werbelüge des Jahres 2011 haben Verbraucher die Milch-Schnitte von Ferrero auf Platz eins gesetzt. Rund 43 % der Teilnehmer hielten die Werbung für das Milcherzeugnis als leichte Zwischenmahlzeit für den dreistesten Fall von Etikettenschwindel, wie die Verbraucherorganisation Foodwatch mitteilte.[7][8] Eine ähnliche Irreführung wird Ferrero für Yogurette vorgeworfen, die zu 36 Prozent aus Fett besteht und im Gegensatz zu dem, was in der Werbung suggeriert wird, eine hochkalorische Süßigkeit ist.

In den 1990er Jahren wurde Ferrero kritisiert, als Verbraucher-Zentralen in Milchschnitte, Kinder Pingui, Kinder Bueno und Kinder Maxi King Alkohol nachwiesen.[9] Dies ist problematisch, da sich Kinder so durch den Konsum dieser Süßigkeiten an den Geschmack von Alkohol gewöhnen können und hierdurch möglicherweise die Hemmschwelle zum Ausprobieren von "richtigem" Alkohol herabgesetzt wird. Ferrero reagierte auf die Kritik und gibt an, seit Mitte 2000 keinen Alkohol mehr als Zusatzstoff für seine Produkte zu verwenden.[10]

Wie auch andere Kakaounternehmen[11] steht Ferrero außerdem im Verdacht, Ausbeutung und Kinderarbeit in seiner Produktionskette für Kakao und Haselnüsse zu tolerieren.[12] Ferrero gibt an, dass 2009/10 10 % des verwendeten Kakao aus zurückverfolgbaren, nachhaltigem Anbau komme.[13] In seiner Sendung Ferrero Check kommt der WDR zum Schluss, dass es erstaunlich sei, dass Ferrero kein einziges Produkt auf dem Markt hat, das als Fair gekennzeichnet werden dürfe, ganz anders als etwa beim Hersteller Mars Incorporated.[14] Ferrero weist in Stellungnahmen auf sein „Engagement gegen missbräuchliche Kinderarbeit“ hin, dementiert die Vorwürfe jedoch nicht.[15]

Produkte[Bearbeiten]

Logo der Süßwarenmarke Kinder

Ferrero ist Dachmarke für eine Produktpalette von Einzelmarken und Markenfamilien[16][17]

Produktionsstätten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ferrero – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferrero - Corporate News, 16. Juli 2014
  2. Zutatensicherung: Ferrero kauft türkischen Haselnuss-Primus. Handelsblatt, 17. Juli 2014
  3. Ferrero darf türkischen Haselnuss-Spezialisten Oltan übernehmen, NZZ.ch
  4. Ferrero unterliegt im Streit um Marke „Kinder“. Markenrecht: Urteil beim BGH. In: abendblatt.de. Hamburger Abendblatt, 20. September 2007, abgerufen am 15. Juni 2011.
  5. Ferrero verzichtet auf Käfigeier. In: kaefigfrei.de. Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, 9. September 2010, abgerufen am 14. Juni 2011.
  6. Pressemitteilung von Foodwatch. Archiviert vom Original am 17. Juni 2012, abgerufen am 29. April 2011 (PDF; 79 kB).
  7. „Milch-Schnitte“ ist „Werbelüge des Jahres“. In: tagesschau.de. Abgerufen am 17. Juni 2011.
  8. Wie Ferrero reagiert. Von plumper Irreführung zu gewiefter Manipulation. In: Foodwatch. 8. September 2012, abgerufen am 29. März 2013.
  9. Kinderprodukte jetzt ohne Alkohol!
  10. Verbraucherschutzzentrale: Alkohol in Süßwaren
  11. Reportage/Dokumentation von Miki Mistrati im Auftrag des NDR, 43:23 Minuten, deutsche Erstausstrahlung am 6. Oktober 2010 in Das Erste: Schmutzige Schokolade. auf ardmediathek.de (Stelle: 40:02-41:30)
  12. FerreroCheck auf wdr.de
  13. Ferrero Second Corporate Social Responsibility Report 2009/2010, S. 65.
  14. FerreroCheck auf wdr.de
  15. Siehe PDF-Schriftverkehr – Ferrero möchte uns sprechen“ auf „SchokoFair.de
  16. Markenübersicht der Ferrero OHG mbH
  17. Markenübersicht der Ferrero S.p.A.