Hammersbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Hammersbach in Hessen; zu anderen Bedeutungen siehe Hammersbach (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hammersbach
Hammersbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hammersbach hervorgehoben
50.2288888888898.9838888888889134Koordinaten: 50° 14′ N, 8° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Main-Kinzig-Kreis
Höhe: 134 m ü. NHN
Fläche: 20,15 km²
Einwohner: 4712 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 234 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63546
Vorwahl: 06185
Kfz-Kennzeichen: MKK, GN, SLÜ
Gemeindeschlüssel: 06 4 35 013
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Köbler Weg 44
63546 Hammersbach
Webpräsenz: www.hammersbach.de
Bürgermeister: Michael Göllner (SPD)
Lage der Gemeinde Hammersbach im Main-Kinzig-Kreis
Niederdorfelden Schöneck (Hessen) Nidderau Maintal Hanau Großkrotzenburg Rodenbach (bei Hanau) Erlensee Bruchköbel Hammersbach Neuberg (Hessen) Ronneburg (Hessen) Langenselbold Hasselroth Freigericht (Hessen) Gründau Gelnhausen Linsengericht (Hessen) Biebergemünd Flörsbachtal Jossgrund Bad Orb Wächtersbach Brachttal Schlüchtern Birstein Sinntal Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Steinau an der Straße Steinau an der Straße Bad Soden-Salmünster Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Bayern Landkreis Offenbach Offenbach am Main Frankfurt am Main Landkreis Fulda Vogelsbergkreis Landkreis Gießen Wetteraukreis HochtaunuskreisKarte
Über dieses Bild

Hammersbach ist eine Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis am nordöstlichen Rand des Ballungsraumes Frankfurt Rhein-Main im Osten von Hessen. Sie liegt in der südlichen Wetterau etwa 15 km nordöstlich von Hanau. Durch das heutige Gemeindegebiet verlief der Obergermanisch-Raetische Limes.

Geografie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Hammersbach grenzt im Norden an die Gemeinde Limeshain und die Stadt Büdingen (beide Wetteraukreis), im Osten an die Gemeinde Ronneburg, im Süden an die Gemeinde Neuberg, im Südwesten an die Stadt Bruchköbel sowie im Westen an die Stadt Nidderau.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Hammersbach besteht aus den Ortsteilen Marköbel und Langen-Bergheim, sowie dem Weiler Hirzbacherhöfe und der Domäne Baiersröderhof.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit Natursteinen markierte Lage des Kastellbades von Kastell Marköbel im Kirchhof der Marköbeler Kirche.
Marköbel: Untertor

Archäologische Funde im Gemeindegebiet von der Jungsteinzeit über die Hallstattzeit bis zur keltischen Latenezeit (etwa 5000 bis 50 Jahre vor Chr.) weisen auf eine prähistorische Besiedlung hin.

Die Römer errichteten auf dem Gebiet Marköbels das Kastell Marköbel auf rechteckigem Grundriss von der Größe der Saalburg, durch das der Krebsbachübergang durch den Limes überwacht wurde. Dadurch wurde auch der Handel entlang der Hohen Straße – einem alten Handelsweg, der die Rhein Main Region mit dem östlichen Germanien verband – kontrolliert. Interessant in dieser Hinsicht ist auch, dass genau an dieser Stelle der Limes einen leichten Knick in dem ansonsten geraden Verlauf aufweist. Die Römer haben also durchaus bewusst den wohl bereits bestehenden Handelsplatz mit in ihr Reich eingeschlossen.

Das Kastell war Garnisonsstandort einer nicht mehr nachvollziehbaren Kohorte. Die Ausgrabungsarbeiten des 1884 entdeckten Limeskastells sowie die Lokalisierung des Lagerdorfes und von Resten einer Therme zogen sich bis 1994 hin.

Die Entstehung der Orte, die in der heutigen Gemeinde Hammersbach zusammengefasst sind, weist keine Kontinuität zu dieser antiken Vorgeschichte auf. Urkundliche Erwähnung fand der Ortsteil Marköbel als „cavilla“ im Jahr 839. Langen-Bergheim (bis 1820 nur „Bergheim“ genannt) wurde erstmals als „bercheim“ im Jahr 1057 erwähnt. Die älteste urkundliche Erwähnung von Hirzbach als „hirzbach“ stammt aus dem Jahr 1128. Baiersröderhof wurde als „allodium rode“ im Jahr 1139 erwähnt.

Territorial sind alle Orte außer dem Baiersröderhof, der bis 1803 zu Kloster Ilbenstadt gehörte und nach der Säkularisation Preußische (1945 Hessische) Staatsdomäne wurde, im Mittelalter bis 1255 den Herren von Münzenberg zuzurechnen, doch nach deren Aussterben erfuhren sie eine unterschiedliche Geschichte. Marköbel und Hirzbach fielen an die Grafschaft Hanau; 1368 erhielt Marköbel Stadtrecht und wurde durch Ulrich IV. mit einer Ringmauer und zwei Stadttoren befestigt. Es war schon unter den Münzenburgern eine überregional unter dem Namen Köbeler Mess bekannte Marktgemeinde gewesen; diesen Namen behielt der Markt auch bei, als er 1220 durch Kaiser Friedrich II. in seine Residenz Gelnhausen verlegt worden war. Bergheim hingegen fiel an Büdingen und teilte fortan die Geschichte dieses Hauses bis zu seinem Aufgehen im Großherzogtum Hessen 1815.

Im Dreißigjährigen Krieg erlitten alle Ortsteile der heutigen Gemeinde erhebliche Zerstörungen; Marköbel wurde 1635 komplett niedergebrannt von den von Nördlingen westwärts auf dem Rückzug befindlichen protestantischen Truppen. Die zu Hanau-Münzenberg zählende Region fiel mit dem Aussterben der Hanauer 1736 an Hessen-Kassel und insoweit 1866 an Preußen. 1905 wurde die Stadtmauer in Marköbel abgebrochen.

Eine gemeinsame Landesgeschichte haben Marköbel und Langen-Bergheim erst wieder seit 1919 (Weimarer Republik). Seit 1945 zählen sie zum Land Hessen.

Mitte der 1980er Jahre fanden umfangreiche Restaurierungsarbeiten an der historischen Bausubstanz der Gemeinde statt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Namensgeber der heutigen Gemeinde Hammersbach, die im Rahmen der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1970 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Langen-Bergheim (bis zum Jahr 1820 Bergheim) aus dem Landkreis Büdingen und Marköbel mit Hirzbach und der Staatsdomäne Baiersröderhof aus dem Landkreis Hanau zur Gemeinde „Hammersbach“ im Landkreis Hanau[2] entstand, ist der gleichnamige Bach, der in der Gemarkung Langen-Bergheim entspringt und im Ortsteil Marköbel in den Krebsbach mündet.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,1 %
34,9 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+8,6 %p
-1,7 %p
-6,9 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 65,1 15 56,5 13
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 34,9 8 36,6 8
FDP Freie Demokratische Partei 6,9 2
gesamt 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 50,4 54,3

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Historisches Rathaus in Marköbel
  • Auf dem Friedhof von Marköbel wurde 1994 ein 4,7 m langer Mauerrest des römischen Limeskastells aufbereitet und zugänglich gemacht. Im Übrigen ist von dem römischen Lagerdorf, das durch das heutige Marköbel komplett überbaut wurde, nichts mehr zu erkennen außer der Trasse der Hauptstraße und Nordstraße, welche exakt den Kastellgrundriss wiedergeben.
  • Von der weitgehend abgerissenen Marköbler Stadtmauer, die im Mittelalter außen von einem 14 m breiten und 3 m tiefen Graben mit Gebück-Hecke umgeben war, steht noch das Untertor (Gelnhäuser Pforte), das im Obergeschoss als Gefängnis diente und das Stadtwappen des Marköbler Gerichts mit Richtschwert (übernommen ins Hammersbacher Gemeindewappen) trägt, sowie ein Wehrturm am ehemaligen Obertor (Rödertor).
  • Der bis 1986 als Gemeindeverwaltung genutzte Marköbler Rathausbau in Fachwerk von 1686 (1987/88 restauriert) ersetzt ein älteres Spilhaus ((Vorläufer des heutigen Rathauses) aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg (1391 erstmals erwähnt)). Dieses diente im Untergeschoss als Weinkeller, im offenen Erdgeschoss als Markthalle und im Obergeschoss als Gericht, Archiv und Verwaltungssitz. Ein Marktbrunnen (Spillesborn) ist nicht mehr vorhanden. An der Hauptstraße im Marköbler Ortszentrum liegen im Übrigen weitere Fachwerkhäuser aus der gleichen Zeit.
  • Die heutige Staatsdomäne Baiersröder Hof wurde erstmals 1139 erwähnt. Heute findet dort jährlich eine Ausstellung historischer Landwirtschaftsmaschinen aus dem regionalen Bereich statt.
  • Die Antoniterkapelle im Ortsteil Hirzbach geht auf das Jahr 1254 und eine Schenkung Reinhard I. an den Orden zurück. Die renovierte Kapelle kann besichtigt werden (siehe Hauptartikel: Hirzbacher Kapelle).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die Landwirtschaft Haupteinnahmequelle. Weinbau, den die Römer eingeführt hatten, wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wegen Reblausbefall zu Gunsten des Obstanbaus aufgegeben.

Heute gehört die Gemeinde zum Einzugsgebiet der Metropolregion Rhein-Main.

Verkehr[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 wurde an der A 45 bei Langen-Bergheim die neue Anschlussstelle Hammersbach eingeweiht.

Bildung[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet befinden sich zwei Kindergärten und die Astrid-Lindgren-Schule (Grundschule).

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

Am nord-östlichen Rand des Ortsteils Langen-Bergheim wurde das bereits bestehende Gewerbegebiet „Am Schulzehnten“ seit 2004 durch ein neues Gewerbe- und Wohngebiet „Am Lachbach“ ergänzt. Das gesamte neue Baugebiet umfasst 13 Hektar, wovon 6 Hektar Gewerbegebiet und 3 Hektar Wohngebiet sind. Die restlichen Flächen sind Verkehrs-, Park- und Grünflächen. Die Flächen des Gewerbegebietes werden vorwiegend von Einzelhandelsbetrieben genutzt.

In Vorbereitung ist seit mehreren Jahren ein interkommunales Gewerbegebiet östlich der A 45 zusammen mit den Kommunen Büdingen, Limeshain und Altenstadt.

Sport[Bearbeiten]

Mit dem KSV Langen-Bergheim und der SG Marköbel haben beide Ortsteile ihren eigenen Fußballverein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Erlass des Hessischen Ministers des Innern vom 5. Januar 1971 — IV A 11 — 3 k 08/05 (99) — 13/70 — Betrifft: StAnz. 3/1971 S. 110

Literatur[Bearbeiten]

Gemeindevorstand (Hrsg.); 1150 Jahre Marköbel – 850 Jahre Baiersröderhof (1989), 525 S. Peter Jüngling, „Diese Capell steht noch heutzu tag …“ – Beiträge zur Geschichte der Marienkapelle von Hirzbach, Gemeinde Hammersbach, Main-Kinzig-Kreis. Hanauer Schr. zur Archäologie und Geschichte 2, 2004, 218 S.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hammersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien