Gelnhausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gelnhausen
Gelnhausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gelnhausen hervorgehoben
50.2008333333339.1919444444444159Koordinaten: 50° 12′ N, 9° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Main-Kinzig-Kreis
Höhe: 159 m ü. NHN
Fläche: 45,18 km²
Einwohner: 21.912 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 485 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 63571,
63589 (Tannengrundhof)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 06051
Kfz-Kennzeichen: MKK, GN, SLÜ
Gemeindeschlüssel: 06 4 35 010
Stadtgliederung: 6 Stadtteile/Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Obermarkt 7
63571 Gelnhausen
Webpräsenz: www.gelnhausen.de
Bürgermeister: Thorsten Stolz (SPD)
Lage der Stadt Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis
Niederdorfelden Schöneck (Hessen) Nidderau Maintal Hanau Großkrotzenburg Rodenbach (bei Hanau) Erlensee Bruchköbel Hammersbach Neuberg (Hessen) Ronneburg (Hessen) Langenselbold Hasselroth Freigericht (Hessen) Gründau Gelnhausen Linsengericht (Hessen) Biebergemünd Flörsbachtal Jossgrund Bad Orb Wächtersbach Brachttal Schlüchtern Birstein Sinntal Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Steinau an der Straße Steinau an der Straße Bad Soden-Salmünster Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Bayern Landkreis Offenbach Offenbach am Main Frankfurt am Main Landkreis Fulda Vogelsbergkreis Landkreis Gießen Wetteraukreis HochtaunuskreisKarte
Über dieses Bild
Luftbild von Gelnhausen (oben), Altenhasslau (Mitte), Hailer (unten)

Gelnhausen, die Barbarossastadt, ist Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises im Süd-Osten Hessens. Sie liegt auf halber Strecke zwischen Frankfurt am Main und Fulda am östlichen Rand des Rhein-Main-Gebietes.

Geografie[Bearbeiten]

Gelnhausen – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Geografische Lage[Bearbeiten]

Gelnhausen liegt am Südrand des Büdinger Waldes im Kinzigtal. Der Büdinger Wald ist ein nach Norden über die Kinzig vorspringender Spessart-Ausläufer, der zum Hessisch-Fränkischen Bergland (Kennziffer 14) gezählt wird. Dieser Ausläufer schiebt sich von Süden vor die gegen das Rhein-Main-Tiefland (Kennziffer 23) gerichtete Südabdachung des Vogelsberges. Als nordwest-südost-verlaufende Buntsandsteinscholle von 350 bis 410 m Höhe bildet er im Wesentlichen eine Sandsteinhochfläche, auf deren lehmigen Sandböden sich ein fast geschlossenes Waldgebiet befindet, zum größeren Teil Laubwälder, darunter auch schutzwürdige Edellaubbaumwälder. Die Landschaft hat hohe Bedeutung als Erholungsgebiet. Bedeutung für den Biotopverbund hat insbesondere das große unzerschnittene Gebiet nördlich von Gelnhausen. An der Grenze zum Vogelsberg im nördlichen Teil der Gemarkung des der Gemeinde Gründau zugehörigen Ortsteils Breitenborn befinden sich dagegen Basaltdecken und einer der größten Basaltbrüche Hessens.

Die Kinzig, die im Mittelalter ab Gelnhausen schiffbar war, durchfließt die Landschaft in einem weiten flachen Muldental von Osten nach Westen und am südlichen Rand durch das Stadtgebiet.

Zwischen 2007 und 2013 lag auf Grund der EU-Erweiterung die geografische Mitte der EU exakt bei 50° 10′ 21″ N, 9° 9′ 0″ O50.17259.15 im südlichsten Teil von Meerholz,[2] einem Stadtteil Gelnhausens: inmitten eines Feldes am Fuße des „Niedermittlauer Heiligenkopfes“. Am 26. Januar 2007 hisste der hessische Europaminister Volker Hoff an dieser Stelle symbolisch eine Flagge der Europäischen Union.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 859 mm. Der Niederschlag liegt im oberen Viertel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. 73 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar; am meisten regnet es im Juni. Im niederschlagreichsten Monat fällt etwa 1,5 mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 3 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Gelnhausen grenzt im Norden und Westen an die Gemeinde Gründau, im Nordosten an die Stadt Wächtersbach, im Osten an die Gemeinde Biebergemünd, und im Süden unmittelbar an die Gemeinde Linsengericht und die Gemeinde Hasselroth.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Gelnhausen besteht neben dem Stadtkern (Stadtteil Mitte) aus den Stadtteilen Hailer, Haitz mit Kaltenborn, Höchst, Meerholz und Roth.

Geschichte[Bearbeiten]

Obermarkt

Mit langgestrecktem Unter- und Obermarkt, fünf erhaltenen Tortürmen und Teilen der alten Stadtbefestigung hat sich die frühere Reichsstadt ihr mittelalterliches Gepräge erhalten.

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts nannte sich ein (zuvor in Langenselbold ansässiger) Zweig des Adelsgeschlechts der Reginbodonen nach Gelnhausen.

Die Stadtgründung von Gelnhausen erfolgte im Jahr 1170 durch Kaiser Friedrich I. (Barbarossa), was ihr den heute geläufigen Beinamen „Barbarossastadt“ einbrachte.

Die Blüte war von kurzer Dauer. Die Verpfändung der Stadt durch Kaiser Karl IV. 1349 und der Dreißigjährige Krieg warfen sie auf regionale Bedeutung zurück.

1974 verlor Gelnhausen zunächst den seit kurhessischer Zeit bestehenden Status einer Kreisstadt. Im Juli 2005 wurde jedoch die Verwaltung des Main-Kinzig-Kreises aus Hanau hierhin verlegt. Der Kreis erhielt anstelle von HU das KfZ-Kennzeichen MKK. Seit dem 1. Januar 2013 ist es möglich, in Gelnhausen und Umgebung wieder mit dem alten Kennzeichen "GN" zu fahren.[3]

Seit 1994 befindet sich das Kreiswehrersatzamt für den Großraum Frankfurt in Gelnhausen.

Seit einem schweren Hagelsturm im Mittelalter, der die Stadt vor einer weitgehenden Zerstörung durch eine Feuersbrunst bewahrte, begeht man in jedem Jahr am 15. August den sogenannten Hageltag im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

Historische Namensformen sind:[4]

  • Geylhausen (1058)
  • Geilenhusen, de (1133)
  • Gelenhusen (1158)
  • Geilnhusen (1170)
  • Gelnhusen (1223)
  • Geilenhusen, de (1232)

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1970 wurden die ehemals selbständigen Gemeinden Haitz und Roth eingegliedert. Am 1. April 1971 kam Hailer hinzu. Höchst und Meerholz folgten am 1. Juli 1974.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

(jeweils am 31. Dezember)

  • 1998: 21.656 Einwohner
  • 1999: 21.750 Einwohner
  • 2000: 21.799 Einwohner
  • 2001: 21.835 Einwohner
  • 2002: 21.670 Einwohner
  • 2003: 21.773 Einwohner
  • 2004: 21.808 Einwohner
  • 2006: 21.763 Einwohner
  • 2007: 21.660 Einwohner
  • 2009: 21.496 Einwohner
  • 2011: 21.863 Einwohner
  • 2012: 22.163 Einwohner
  • 2013: 22.350 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

In der folgenden Tabelle werden die Ergebnisse der letzten Kommunalwahl vom 27. März 2011 sowie der beiden vorausgegangenen Wahlen 2006 und 2001 dargestellt:

Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011[6]
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
 %
2001
Sitze
2001
Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
42,8 %
28,8 %
12,1 %
7,7 %
4,2 %
3,5 %
0,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+9,6 %p
-12,7 %p
+12,1 %p
-6,4 %p
-1,9 %p
-1,5 %p
+0,9 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 42,8 16 33,2 12 29,7 11
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,8 11 41,5 16 44,6 17
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 12,1 4
6,6 2
BfG Bürger für Gelnhausen 7,7 3 14,1 5 12,6 5
FDP Freie Demokratische Partei 4,2 2 6,1 2 2,7 1
Die Linke Die Linke 3,5 1 5,0 2
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 0,9 0
REP Die Republikaner 2,6 1
GBG Grüne Bürgerliste Gelnhausen 1,3 0
gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung 48,9 % 46,9 % 50,7 %

Die Fraktionsvorsitzenden in der Stadtverordnetenversammlung sind:

  • CDU: Jürgen Degenhardt
  • SPD: Ewald Desch
  • Grüne: Bernd Wietzorek
  • BG: Bodo Delhey
  • FDP: Daniel Chr. Glöckner
  • Linke: Herbert Vetter
Rathaus Gelnhausen

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 26. November 2006 wurde Thorsten Stolz (SPD) zum neuen Bürgermeister gewählt. Er konnte sich gegen Thilo Allwardt (CDU) in der Stichwahl durchsetzen. Am 11. April 2007 übernahm Stolz die Amtsgeschäfte von Jürgen Michaelis (CDU), der nach 30 Jahren an der Spitze der Stadt in den Ruhestand wechselte.

Wappen[Bearbeiten]

Die älteste bekannte Version des Wappens ist aus dem 15. Jahrhundert. Es zeigt den Schild, der sich in der Mitte des heutigen Wappens befindet. Der Adler tauchte um 1248 auf. Das damalige Wappen zeigte den Reichsadler in einem Stadttor. Auf dem Tor befanden sich der Kaiser und seine Frau. In späterer Zeit tauchte dieser Adler auf allen Siegeln auf – mal unter einem Stadttor, mal alleine. Im 16. Jahrhundert wurde das Wappen um einen kleinen Brustschild ergänzt, der ein Abbild des Originalwappens aus dem 15. Jahrhundert ist. Im 18. und 19. Jahrhundert variierte das Thema vielfältig: ein Adler mit Schild (sowohl ein- als auch zweiköpfig), der Adler ohne Schild oder auch nur der Schild.

Die aktuelle Version des Wappens stammt aus dem Jahr 1964 und basiert auf einem Wappen aus dem 16. Jahrhundert.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ansicht auf Gelnhausen. In der Bildmitte die Marienkirche.

Museen[Bearbeiten]

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Das Gebäude der früheren Augusta-Schule auf der Nordseite des Obermarktes beherbergt das Heimatmuseum. Hier finden sich Ausstellungsstücke aus allen Epochen der Geschichte von Gelnhausen. Die ältesten Fundstücke aus der Gegend sind 300.000 Jahre alt.

Eine besondere Einrichtung ist der sogenannte Fund des Monats. Hierbei wird ein Exponat aus dem Museum im Foyer des Rathauses ausgestellt.

Turmuhrenmuseum[Bearbeiten]

Dieses Museum, das von einer Privatperson betrieben wird, zeigt 35 Turmuhrwerke aus den Jahren 1520 bis 1996. Des Weiteren gibt es eine Reihe von Einzelteilen und Zubehör zu sehen.

Flugzeugmuseum[Bearbeiten]

Bis 2013 gab es das privat betriebene „Museum für Flugzeugtechnik und Geschichte Friedhelm Wagner“ im Stadtteil Hailer. In sieben Räumen wurden auf einer Fläche von über 200 Quadratmetern mehr als 3.200 Exponate aus dem Bereich Luftfahrt gezeigt. Neben Motoren, Aggregaten, Instrumenten und Bordzubehör waren Originalunterlagen zu sehen. Der Luftfahrt im Kinzigtal war hierbei ein besonderes Augenmerk gewidmet.

Bauwerke[Bearbeiten]

Kaiserpfalz[Bearbeiten]

Kaiserpfalz
Kaiserpfalz Säulengruppe

Die Kaiserpfalz (auch „Barbarossaburg“ genannt) wurde gleich nach der Stadtgründung südöstlich von Gelnhausen auf einer Kinziginsel – wahrscheinlich auf dem Platz der früheren Burg der Reginbodonen – gebaut. Sie war eine der kleineren Pfalzbauten Friedrichs I. Zusätzlich zu ihrer Funktion als Pfalz des deutschen Königs diente sie auch als Verwaltungssitz für das um den Pfalzbau liegende Königsgut. Um ihre Funktion zu unterstreichen, wurde sie in deutlich sichtbarem Abstand zum eigentlichen Stadtgebiet gebaut. Dies führte zu dem Effekt, dass bis zum Jahr 1895 die Gebäudeansammlung um die Burg herum eine eigenständige Gemeinde gebildet hat.

Die Pfalz war zehn Jahre nach Stadtgründung Schauplatz eines wichtigen Reichstags. Heinrich dem Löwen wurde auf diesem Reichstag 1180 in Abwesenheit der Prozess gemacht, und seine Länder wurden neu aufgeteilt.

1186 wurde hier das Gelnhauser Privileg ausgestellt.

Es handelt sich bei der Kaiserpfalz um die besterhaltene Pfalz der Stauferzeit. Ihre Steinmetzarbeiten sind herausragend für die damalige Zeit. Als Fundament für ihren Bau dienten etwa 12.000 Baumstämme.

Aufgrund der baulichen Expansion der Stadt liegt die Kaiserpfalz nun mitten im Ortskern. Heute ist sie eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Gelnhausen, die auch von Besuchern besichtigt werden kann.

Romanisches Haus[Bearbeiten]

Das besonders an der Schauseite mit staufischen Bauelementen reich verzierte Gebäude am Untermarkt war im Mittelalter Sitz des kaiserlichen Vogts und des kaiserlichen Gerichts der Reichsstadt, dann wohl auch von Bürgermeister und Rat, bis diese in das Rathaus am Obermarkt, ein ehemaliges Handelshaus, umzogen. Das Romanische Haus ist heute im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde, das mittelalterliche Rathaus am Obermarkt noch heute in dieser Nutzung.

Hexenturm[Bearbeiten]

Hexenturm in Gelnhausen

Der Hexenturm ist ein original erhaltener Geschützturm aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Erbaut wurde er zwischen 1447 und 1478 während der Hussitenkriege, um die Stadt gegen Angriffe der Taboriten (einer radikalen Gruppe von Hussiten) zu schützen. Deren Bewaffnung umfasste nämlich auch kleinere Belagerungsgeschütze. Da diese auf Wagen des Trosses fest montiert waren, stellten sie eine in dieser Form unbekannte Gefahr dar. Der mit 24 Metern Gesamthöhe und 9 Metern Durchmesser für seine Zeit recht beachtliche Rundturm war eine Reaktion auf diese technische Neuentwicklung.

In der ersten Zeit seines Bestehens hatte er den Namen Fratzenstein. Seinen heutigen Namen erhielt er dadurch, dass während der Hexenverfolgungen dort vermeintliche Hexen eingekerkert wurden.

Der Bau wurde an die bestehende Stadtmauer angelehnt. Seine Position wurde so gewählt, dass die Brücke zwischen Gelnhausen und der Gemeinde Burg von ihm aus geschützt werden konnte.

Ein trauriges Stück Geschichte fand auch in Gelnhausen statt: die Hexenverfolgung. In den Jahren 1584 bis 1633 wurden in Gelnhausen mindestens 54 Personen, überwiegend Frauen, gefoltert und hingerichtet. Ort der Gefangenschaft war der sogenannte „Hexenturm“. Mahnend wurde nach dessen Renovierung im April 1986 im Garten des früheren Befestigungsturmes eine Gedenktafel mit 31 Namen von Opfern dieses Verfolgungswahns sowie die Plastik der Künstlerin Eva-Gesine Wegener „Die Rufende“ in das Ensemble installiert. Im Obergeschoss des Gebäudes befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte der Hexenverfolgung.

Inneres Holztor[Bearbeiten]

Das Johanniterhaus und das Innere Holztor um das Jahr 1900.
(Fotografie: Albrecht Meydenbauer)

Die erste steinerne Stadtmauer um Gelnhausen stammt aus dem Jahr 1220. Zusätzlich wurde die Stadt mit Schalentürmen gesichert, die einen quadratischen Grundriss hatten. Die von der Stadt abgewandte Seite wurde aus Stein errichtet, die zur Stadt zugewandte Seite wurden aus Kostengründen nur mit Holzschalen geschlossen. Die Türme sind an der von der Stadt abgewandten Seite rund, damit Kanonenschüsse den Türmen nicht so viel anhaben konnten.

Evangelische Marienkirche[Bearbeiten]

Marienkirche aus der Luft

Die Marienkirche in Gelnhausen ist die ehemalige Kirche des Prämonstratenserstifts Langenselbold. Sie stammt vermutlich aus dem späten 12. Jahrhundert und wurde 1223 das erste Mal urkundlich in einem Schutzbrief des Papstes Honorius III. für das Kloster Selbold erwähnt. In dieser Urkunde, die 1238 durch eine weitere bekräftigt wurde, sicherte der Papst den Chorherren des Klosters Selbold die Patronatsrechte über die Marienkirche zu. Diese Entscheidung hatte entsprechende Auswirkungen auf den Bau der Peterskirche.

Die Marienkirche verblieb bis zur Auflösung des Klosters im Jahre 1543 in dessen Besitz. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Kirche laut einem Vertrag mit der Stadt Gelnhausen lutherisch. Dieser friedliche Vorgang und der spätere Widerstand der Stadt gegen die Einführung der reformierten Konfession in Gelnhausen hatte deutliche Auswirkung auf die Marienkirche. Der Bildersturm blieb aus und das Innere der Kirche (insbesondere die Altäre und der mittelalterliche Lettner) blieb im Wesentlichen erhalten.

Die verschiedenen Bauabschnitte der Kirche sind in ihrem Äußeren und Inneren teilweise recht deutlich sichtbar. Der wohl auf das Jahr 1120 zurückgehende einschiffige Ursprungsbau (erhalten ist das Westportal) wird in staufischer Zeit zu einer dreischiffigen Basilika ausgebaut. Das Langhaus der Kirche und der Westturm sind im romanischen Stil erbaut. Die ursprünglich auch romanischen Seitenschiffe wurden allerdings um gotische Elemente erweitert. So wurden zum Beispiel die ursprünglichen Fenster zugemauert und durch darüber angebrachte gotische Fenster ersetzt. Nach Osten fortschreitend gehört der Bau der Frühgotik an.

Die ersten größeren Restaurierungsarbeiten gab es ab 1877. Diese dienten vor allem der Erhaltung des südlichen Turms. Ab 1945 wurden die Kriegsschäden nach und nach repariert. Seit etwa 1962 wurde die Kirche in mehreren Etappen restauriert. Hierbei wurden viele der Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert wieder rückgängig gemacht oder in ihrer Form entschärft. Zum Beispiel wurde die im 19. Jahrhundert eingebaute Kanzel wieder durch die hölzerne Kanzel aus der Renaissance-Zeit ersetzt. Für den weiteren Erhalt der Kirche wird eine Stiftung ins Leben gerufen. Als erstes Ergebnis von deren Arbeit kam es bereits im Jahr 2000 zu Renovierungsarbeiten an den fünf mittelalterlichen Chorfenstern.

Katholische Kirche St. Peter[Bearbeiten]

St. Peter

Der Ursprung von St. Peter liegt im frühen 13. Jahrhundert. Nach der Reformation wurde sie als Kirche aufgegeben und anderweitig – zeitweise sogar als Zigarrenfabrik – genutzt. 1920 kaufte die römisch-katholische Kirchengemeinde das Gebäude und ließ es wieder für gottesdienstliche Zwecke herrichten.

Ehemalige Synagoge[Bearbeiten]

Synagoge Gelnhausen

Die Ehemalige Synagoge Gelnhausen geht auf das Jahr 1656 zurück und hat die Novemberpogrome 1938 überstanden, weil die jüdische Gemeinde sich bis dahin schon aufgelöst hatte. Die Synagoge weist noch einen barocken Thoraschrein auf und ist seit 1986 ein Ort kultureller Begegnung in Gelnhausen.

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten]

Unterhalb des Schifftores nahe der Kinzig befindet sich der Jüdische Friedhof Gelnhausen. Er wurde im ausgehenden Mittelalter oder der frühen Neuzeit angelegt und bis 1938 genutzt.

Freizeit und Sport[Bearbeiten]

Durch Gelnhausen führen die folgenden Radwanderwege:

Neben vielen anderen zahlreichen Sportvereinen und Leistungsträgern wurden vor allem die in den 1980er und 1990er Jahren für den Turnverein Gelnhausen (TVG) startenden Athleten Harald Schmid und Edgar Itt national und international bekannt.

Der für den Schwimmverein Gelnhausen startende Wasserspringer Dieter Dörr nahm an den Olympischen Spielen in Montreal (1976) und Los Angeles (1984) teil. Die Damen- und Herrenmannschaft des Schwimmvereins schwammen lange Jahre in der 2. Bundesliga.

Der Basketballverein BC Gelnhausen spielt zur Saison 2012/2013 in der 2. Regionalliga.

In Gelnhausen gibt es ein interaktiv begehbares Ohr zum Gedenken an Philipp Reis, dem Erfinder des Telefons.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

In Gelnhausen finden regelmäßig Volksfeste statt. Am zweiten Wochenende im März der „Barbarossamarkt“ und am zweiten Wochenende im Oktober der „Schelmenmarkt“ mit allerlei Fahrgeschäften und anderen Attraktionen. Der „Schelmenmarkt“ ist das größte Volksfest des Kinzigtales. Der Name geht zurück auf die Schelme von Bergen, von denen ein Zweig in Gelnhausen ansässig war.

Grimmelshausen-Preis[Bearbeiten]

Der Johann-Jacob-Christoph von Grimmelshausen-Preis ist ein mit 10.000 Euro dotierter Literaturpreis. Er wird in jedem ungeraden Jahr am 15. September abwechselnd in Gelnhausen und in der Stadt Renchen vergeben. Neben dem Literaturpreis wird seit 2003 an noch nicht etablierte Autoren der Grimmelshausen-Förderpreis vergeben.

Philipp-Reis-Preis[Bearbeiten]

Der Johann-Philipp-Reis-Preis wurde 1987 anlässlich des 125. Jahrestages der Präsentation des Telefones durch Philipp Reis gestiftet. Träger der Stiftung sind die Städte Gelnhausen und Friedrichsdorf sowie die Deutsche Telekom AG und der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Seitdem wird der Preis alle zwei Jahre an Personen verliehen, die sich um die Nachrichtentechnik verdient gemacht haben.

Religion[Bearbeiten]

Siebenten-Tags-Adventisten-Kirche

Kirchen und Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

Evangelisch: Evangelische Kirchengemeinden Gelnhausen und Haitz/Höchst, Meerholz-Hailer, Gelnhausen-Roth.

Katholisch: St. Peter, Maria-Königin Meerholz-Hailer, St. Wendelin Gelnhausen-Höchst.

Freikirchlich: Adventgemeinde Gelnhausen, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Gelnhausen-Meerholz, Kirche des Nazareners.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Gelnhausen liegt an der A 66 zwischen Frankfurt am Main und Fulda. Es gibt zwei Autobahnanschlussstellen: „Gelnhausen-West“ (43) und „Gelnhausen-Ost“ (44). Die Bundesstraße 457 verbindet Gelnhausen mit dem benachbarten Wetteraukreis, vor allem mit der Nachbarstadt Büdingen.

Die früher durch Gelnhausen verlaufenden Bundesstraßen 40 und 43 wurden im Zuge des Baus der A 66 an das Land Hessen bzw. den Main-Kinzig-Kreis übergeben und in Landes- bzw. Kreisstraßen umgewandelt.

Der Bahnhof Gelnhausen liegt an der Kinzigtalbahn, Teil der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn von Frankfurt nach Göttingen. Hier hält der Regionalverkehr aus Richtung Fulda nach Frankfurt am Main (RE 50). Des Weiteren verbindet die Lahn-Kinzig-Bahn Gelnhausen mit Gießen. Schon vor Jahrzehnten stillgelegt wurde die Freigerichter Kleinbahn der Gelnhäuser Kreisbahnen und die schmalspurige Spessartbahn.

Im Westen der Stadt liegt ein öffentlicher Flugplatz, der für Kleinflugzeuge bis 3,5 Tonnen geeignet ist. Dort starten und landen sowohl Motorflugzeuge, Hubschrauber und UL-Flugzeuge als auch Segelflugzeuge.

An den Hängen des Gelnhäuser Stadtwalds verläuft der so genannte „Philosophenweg“, ein Panoramaweg mit Ausblicken auf die Stadt mit der Marienkirche und das Kinzigtal. Ein weiteres Netz von ca. 170 km markierten Wanderwegen erschließt sich vom Wanderparkplatz Auf der Dürich (Ausflugsgaststätte „Zum Blockhaus“). Auch der Hessische Radfernweg R3 geht durch Gelnhausen.

Medien[Bearbeiten]

Lokale Presseorgane sind das Gelnhäuser Tageblatt und die Gelnhäuser Neue Zeitung.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In Gelnhausen befindet sich das für den Kreis zuständige Amtsgericht sowie eine Jugendstrafanstalt.

  • Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW): Geschäftsstelle für den Geschäftsführerbereich Gelnhausen (Osthessen) und Ortsverband
  • Amt für Straßen- und Verkehrswesen Gelnhausen
  • Polizeistation Gelnhausen
  • Agentur für Arbeit Geschäftsstelle Gelnhausen
  • Finanzamt Gelnhausen
  • Main-Kinzig-Kliniken Gelnhausen

Truppenstationierung[Bearbeiten]

Bis in die 1990er Jahre waren in Gelnhausen zahlreiche amerikanische Soldaten fest stationiert. Bekanntester GI war in den 1960ern der spätere Außenminister Colin Powell. Er war anschließend auch Namensgeber einer Straße im Bereich der ehemaligen Kaserne. Heute sind nur noch zwei kleinere Areale bewohnt. Die ehemaligen Kasernenbauten im Westen der Stadt beherbergen heute vornehmlich Industriefirmen, Startup-Unternehmen sowie eine Reihe öffentlicher Behörden.

Bildung[Bearbeiten]

In Gelnhausen befinden sich folgende Schulen:

  • Die Kreisrealschule Gelnhausen (Gelnhausen-Mitte)
  • Das Grimmelshausen-Gymnasium (Gelnhausen-Mitte)
  • Die Philipp-Reis-Schule (Gelnhausen-Mitte)
  • Die Beruflichen Schulen Gelnhausen (Gelnhausen-Mitte)

Darüber hinaus befindet sich in Gelnhausen folgende Erwachsenenbildungseinrichtung mit überregionaler Bedeutung:

  • Das Burckhardthaus, Fortbildungsinstitut der Evangelischen Kirche in Deutschland, angeschlossen auch das Weiterbildungszentrum für Führung und Leitung; Träger: Evangelisches Institut für Jugend-, Kultur- und Sozialarbeit e. V.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Philipp Reis-Denkmal
Geburtshaus von Philipp Reis

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Heinrich Kreß (1902–1985), Landrat, Landtagsabgeordneter (CDU)
  • Jürgen Michaelis, Bürgermeister der Barbarossastadt Gelnhausen von 1977 bis 2007

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Ackermann: Gelnhausen. Die verpfändete Reichsstadt. Bürgerfreiheit und Herrschermacht. (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte Band 22), Marburg 2006. ISBN 3-921254-87-6.
  • Magistrat der Barbarossastadt Gelnhausen (Hrsg.): Bei der Burg Gelnhausen - eine neue Stadt (825 Jahre Stadtgeschichte), Gelnhausen 1995. ISBN 3-924417-09-1.
  • Deutscher Städteatlas. Bd. 1,4. Acta Collegii Historiae Urbanae Societatis Historicorum Internationalis – Serie C. Im Auftrag des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e. V. und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, hrsg. von Heinz Stoob, Wilfried Ehbrecht, Jürgen Lafrenz und Peter Johannek. Stadtmappe Gelnhausen. Dortmund-Altenbeken 1973. ISBN 3-89115-304-X.
  • Wolfgang Hartmann: Vom Main zur Burg Trifels – vom Kloster Hirsau zum Naumburger Dom. Auf hochmittelalterlichen Spuren des fränkischen Adelsgeschlechts der Reginbodonen. in: Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V. Pattloch, Aschaffenburg 52.2004 (s. Informationen zum Buch). ISSN 0433-843X
  • Walter Hotz: Gelnhausen (Die kleinen Kunstführer). Amorbach 1951.
  • Magistrat der Barbarossastadt Gelnhausen (Hrsg.): Ehemalige Synagoge Gelnhausen. Widmung als kulturelle Begegnungsstätte 25. September 1986, Gelnhausen 1986.
  • Rolf Müller: Alte Gelnhäuser erzählen. 2 Bände. Gelnhausen Naumann [u.a.] 1980, 1991.
  • Georg Wilbertz: Die Marienkirche in Gelnhausen, Königstein i. Ts. 2000 (Die Blauen Bücher), ISBN 978-3-7845-0590-9
  • Christine Wittrock: Kaisertreu und führergläubig. Impressionen aus dem Altkreis Gelnhausen 1918–1950. ISBN 3-937774-27-0.
  • Thomas Weyrauch: Zunft- und Handwerksurkunden der freien Reichsstadt Gelnhausen. Laufersweiler, Wettenberg 2004 (2. Aufl.). ISBN 3-930954-01-X.
  • Bernhard Ebert, Peter Musall: Barbarossastadt Gelnhausen : eine kleine Stadt mit großer Geschichte. Brentano-Buchhandlung, Gelnhausen, 1990.
  • Stadtverwaltung Gelnhausen (Hrsg.): Gelnhausen, die Barbarossastadt : 800 Jahre Stadtrechte. Bethge, Bad Homburg 1970.
  • Hans-Jürgen Freund: Carl Andreas Roth - Bäckermeister aus Tradition - Dichter aus Passion. Porträt des 1859 in Gelnhausen geborenen schreibenden Bäckermeisters, TRIGA - Der Verlag, Gründau-Rothenbergen. ISBN 978-3-89774-683-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Erde aller europäischer Mitgliedstaaten für den Mittelpunkt der Europäischen Union, Hessische Staatskanzlei 9. Mai 2008
  3. Nun gibt's wieder GN und SLÜ vom 28. Dezember 2012, abgerufen am 11. Februar 2013
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Gelnhausen, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 17. April 2014, abgerufen am 11. Juli 2014.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 362 und 363.
  6. Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gelnhausen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gelnhausen – Reiseführer