Großkrotzenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großkrotzenburg
Großkrotzenburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großkrotzenburg hervorgehoben
50.0822222222228.9847222222222112Koordinaten: 50° 5′ N, 8° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Main-Kinzig-Kreis
Höhe: 112 m ü. NHN
Fläche: 7,45 km²
Einwohner: 7440 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 999 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63538
Vorwahl: 06186
Kfz-Kennzeichen: MKK, GN, SLÜ
Gemeindeschlüssel: 06 4 35 011
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstr. 3
63538 Großkrotzenburg
Webpräsenz: www.grosskrotzenburg.de
Bürgermeister: Friedhelm Engel (CDU)
Lage der Gemeinde Großkrotzenburg im Main-Kinzig-Kreis
Niederdorfelden Schöneck (Hessen) Nidderau Maintal Hanau Großkrotzenburg Rodenbach (bei Hanau) Erlensee Bruchköbel Hammersbach Neuberg (Hessen) Ronneburg (Hessen) Langenselbold Hasselroth Freigericht (Hessen) Gründau Gelnhausen Linsengericht (Hessen) Biebergemünd Flörsbachtal Jossgrund Bad Orb Wächtersbach Brachttal Schlüchtern Birstein Sinntal Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Steinau an der Straße Steinau an der Straße Bad Soden-Salmünster Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Bayern Landkreis Offenbach Offenbach am Main Frankfurt am Main Landkreis Fulda Vogelsbergkreis Landkreis Gießen Wetteraukreis HochtaunuskreisKarte
Über dieses Bild
Gemeindegebiet von Großkrotzenburg

Die Gemeinde Großkrotzenburg liegt südlich von Hanau im Main-Kinzig-Kreis, Hessen, unmittelbar am Main. Über die Gemeindegrenzen hinaus ist Großkrotzenburg wegen seines Badesees bekannt. Insgesamt entfallen etwa zehn Prozent des Gebietes der Gemarkung auf Wasserflächen.

Das Kohlekraftwerk Staudinger der E.ON AG am Main ist mit seinen Kühltürmen eine Orientierungsmarke im östlichen Rhein-Main-Gebiet.

Geografie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Das Kraftwerk aus etwa 13 km Entfernung
Das Kraftwerk von der Limesbrücke

Großkrotzenburg grenzt im Norden an die Stadt Hanau, im Osten an die Gemeinde Kahl am Main (Landkreis Aschaffenburg), im Süden und Westen an die Gemeinde Hainburg (Kreis Offenbach).

Naherholung[Bearbeiten]

Das Strandbad Spessartblick

Zur Gemeinde Großkrotzenburg zählt das Strandbad Spessartblick. Im Sommer kann man sich hier an dem rund 150.000 m² großen Baggersee Freigericht-West (auch Großkrotzenburger See genannt) erholen. An den See grenzt eine große Liegewiese, die zum Sonnen einlädt. Die Wasserqualität des Sees ist zusammen mit der des gegenüber der Bundesstraße 8 auf bayerischer Seite gelegenen Sees Freigericht-Ost die beste der Seen der Kahler Seenplatte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die unterirdisch miteinander verbundenen Seen aus mehreren natürlichen Quellen gespeist werden. Der See hat seinen Ursprung im Braunkohletagebau, der bis in die 1920er Jahre in diesem Gebiet durchgeführt wurde. Später kam noch der Abbau von Sand und Kies hinzu.

Geschichte[Bearbeiten]

Bodenfunde weisen auf eine Besiedlung der Großkrotzenburger Gemarkung seit der Vorgeschichte (Bronzezeit, Urnenfelderzeit, Hallstattzeit, La-Tène-Zeit) hin. Um 100 n. Chr. besetzten die Römer das Gebiet und errichteten im heutigen Ortskern das Kastell Großkrotzenburg. Die römische Reichsgrenze, der Limes, erreichte von Norden kommend in Großkrotzenburg den Main, der von hier ab in Richtung Süden den weiteren Verlauf des Limes markierte, bis er sich zunächst als Neckar-Odenwald-Limes ab Wörth, später als Obergermanischer Limes ab Miltenberg vom Main in südlicher Richtung wieder entfernte. Die Besatzung des Kastells war die cohors IV Vindelicorum, die als einzige der Auxiliartruppen des römischen Militärs in Obergermanien in großem Umfang in einer Militärziegelei Bauziegel produzierte.

259/60 überrannten Alamannen den Limes, die zurückgebliebene Bevölkerung wurde um 500 von den Franken unterworfen und fiel um 850 als Geschenk an den Gaugrafen von Hessen. Kaiser Ottos I. Tochter Ida schenkte den Ort Ende des 10. Jahrhunderts dem Kollegialstift zum Heiligen Petrus in Mainz (Petrusstift), in dessen Besitz er mehr als 800 Jahre bis zur Säkularisation verblieb.

Während der Hexenverfolgungen wurden von 1628 bis 1630 in Großkrotzenburg 90 Menschen Opfer der Hexenprozesse: 69 Frauen und 21 Männer. 81 Namen sind überliefert.[2] Das Naturdenkmal Hexeneiche zwischen Großkrotzenburg und Kahl am Main wurde am 7. August 1970 durch einen Blitzeinschlag beschädigt; die schon im Dreißigjährigen Krieg nachgewiesene Eiche musste am 8. Juni 1971 gefällt werden. Eine neu angepflanzte Eiche und ein Gedenkstein erinnern an die Hexenverfolgungen. Informationen gibt es im Heimatmuseum Großkrotzenburg.

In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt: Cruzenburch (1175), Crozenburc (1282), Crocenburg trans Mogum (1292) und Gross Crotzenberg (1602).[3]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen besteht aus zwei gekreuzten goldenen Schlüsseln vor einer roten Burgmauer auf weißem Grund. Die Schlüssel sind Symbol für die beiden Diözesen Fulda und Mainz, denen Großkrotzenburg im Laufe der Jahre zugehörig war. Die rote Mauer steht für die römische Vergangenheit als Kastell.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
39,0 %
29,9 %
20,9 %
10,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,1 %p
-2,1 %p
+8,7 %p
-1,5 %p
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 39,0 10 44,1 11
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 29,9 7 32,0 8
KG Krotzebojer Grüne 20,9 5 12,2 3
FDP Freie Demokratische Partei 10,2 3 11,7 3
gesamt 100,0 25 100,0 25
Wahlbeteiligung in % 51,2 48,2

Partnerstädte[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der südwestliche Eckturm des Kastells Großkrotzenburg wurde in späterer Zeit als Gefängnis benutzt und ist deshalb gut erhalten.
Museum Großkrotzenburg, Außenansicht.

Als Sehenswürdigkeit ist vor allem der erhaltene Teil des Römerkastells zu erwähnen, welcher seit dem Sommer 2005 zum UNESCO-Welterbe gehört. Er besteht aus einem Eckturm, der als ältestes oberirdisches römisches Bauwerk diesseits des Rheins gilt, und einem Teil der Mauer des Kastells, das sich direkt an den Turm anschließt. Außerdem wurden am und im Main Reste einer Römerbrücke gefunden, auf die auch ein kleines Modell dieser Brücke am Mainufer hinweist. Die Umrisse der damaligen Eingangstore zum Kastell sind auf der Kirchstraße mit Pflastersteinen dargestellt, damit man sich ein Bild vom Ausmaß der Anlage machen kann.

Die römisch-katholische Kirche St. Laurentius wurde in den Jahren 1826-1828 durch den Baumeister Julius Eugen Ruhl in klassizistischem Stil errichtet und zuletzt in den Jahren 1997 bis 1998 renoviert, der Turm im Jahr 2009.[4]

Museen[Bearbeiten]

Das Heimatmuseum (siehe Weblinks) ist Sitz des Heimat- und Geschichtsvereins und versucht, die wechselvolle Geschichte Großkrotzenburgs abzubilden. Es ist in der 1894 erbauten alten Schule untergebracht, die sich neben dem Eckturm des alten Kastells befindet. Eine Ausstellung gedenkt der Hexenprozesse 1628 durch das Erzstift Mainz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Im Ort treffen sich die Landesstraßen L3309 und L3308. Bis zur Anschlussstelle 44 (Alzenau-Nord) der Bundesautobahn 45 sind es über die L3308 drei Kilometer.

Der Bahnhof Großkrotzenburg liegt an der Main-Spessart-Bahn Hanau-Würzburg.

Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die KreisVerkehrsGesellschaft Main-Kinzig (KVG) im Rahmen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes sicher.

Radfernwege[Bearbeiten]

Der Deutsche Limes-Radweg führt durch Großkrotzenburg. Er folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein bis nach Regensburg an der Donau.

Am linken Mainufer verlaufen der Main-Radweg und die D-Route 5 (Saar-Mosel-Main) über 1021 km von Saarbrücken über Trier, Koblenz, Mainz, Frankfurt am Main, Würzburg und Bayreuth bis zur tschechischen Grenze.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Großkrotzenburg sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe. Der Feuerwehrverein hat derzeit 500 Mitglieder. Ein Jugendzentrum ist Treffpunkt für Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 25 Jahren. Es befindet sich auf der Rückseite des Bürgerhauses.

Bildung[Bearbeiten]

In Großkrotzenburg gibt es zwei Schulen, die Geschwister-Scholl-Grundschule und das private Franziskanergymnasium Kreuzburg, das einen überregionalen Einzugsbereich hat.

Sport[Bearbeiten]

Großkrotzenburg hat ein Sportstadion, das sich im Besitz des örtlichen Fußballvereins befindet. Außerdem gibt es ein Hallenbad und ein Strandbad.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Ilse Werder, Hexenverfolgung im Kurfürstentum Mainz am Rande des Spessarts. Großkrotzenburg: Ströme von Blut an der Hexeneiche, in: Archiv Frauenleben im Main-Kinzig-Kreis: Hexenwahn und Teufelswerk, Hanau 2003, S. 59-66.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Großkrotzenburg, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 10. Juli 2014, abgerufen am 11. Juli 2014.
  4. Lucas Mangelmann: Großkrotzenburg. Pfarrkirche St. Laurentius. In: Kirchliche Denkmalpflege im Bistum Fulda – Jahresbericht 2009. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 62 (2010), S. 399–414 (408 ff).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großkrotzenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kastell Grosskrotzenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien