Wolfgang Ischinger

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Wolfgang Ischinger auf der 50. Münchner Sicherheitskonferenz

Wolfgang Friedrich Ischinger (* 6. April 1946 in Beuren) ist ein deutscher Jurist, Völkerrechtler und ehemaliger Diplomat.

Aufgaben und Positionen[Bearbeiten]

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bonn und der Universität Genf von 1966–1972, studierte er 1972–1973 Völkerrecht an der Fletcher School of Law and Diplomacy. Von 1973 bis 1975 war er als Mitarbeiter im Kabinett des UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim tätig. 1975 trat er in den Auswärtigen Dienst ein. In den folgenden Jahren war er unter anderem in den Botschaften in Washington, D.C. und Paris tätig. Von 1982 bis 1990 war er einer der engsten Mitarbeiter des damaligen Außenministers Genscher.

1993 bis 1998 war Ischinger Chef des Planungsstabs und dann Leiter der Politischen Abteilung (Politischer Direktor) im Auswärtigen Amt, von 1998 bis 2001 Staatssekretär des Auswärtigen Amts. Ab 2001 bis 2006 war er deutscher Botschafter in den Vereinigten Staaten von Amerika, sein dortiger Nachfolger war Klaus Scharioth.

Von März 2006 bis Ende April 2008 fungierte Ischinger als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im Vereinigten Königreich. Im Frühjahr 2008 wurde er auf eigenen Antrag vom Auswärtigen Dienst beurlaubt, um dem Wunsch der Bundesregierung entsprechend, den Vorsitz der Münchner Sicherheitskonferenz als Nachfolger von Horst Teltschik zu übernehmen.

Seit Anfang Mai 2008 ist er als „Generalbevollmächtigter für Regierungsbeziehungen“ für die Allianz SE in München („Global Head of Government Relations“) [1] tätig. Dieser Bereich wurde neu geschaffen.

Im Sommersemester 2009 war Ischinger Lehrbeauftragter am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und leitete dort ein Seminar zum Thema „Moderne Krisendiplomatie“.[2]

Seit April 2011 ist Ischinger Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seine Ernennung wurde außerhalb der Universität begleitet von Protesten, gegen die sich das Institut für Politikwissenschaft wandte. Sein Seminar wird wegen des ungewöhnlichen Erfahrungsschatzes Issingers von den Teilnehmern sehr geschätzt.[3] Er leitet seit mehreren Jahren Seminare zu dem Themengebiet Krisendiplomatie.[4]

Seit Mai 2011 fungiert Ischinger auch als Beirat von Fair Observer. [5]

Im Jahr 2012 war er Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz, einem informellen, privaten Treffen von einflussreichen Personen.

Wolfgang Ischinger ist in zweiter Ehe mit der Journalistin und Autorin Jutta Falke-Ischinger verheiratet und hat drei Kinder. Seine erste Frau Barbara Ischinger ist Bildungsdirektorin der OECD in Paris.

Außenpolitische Rolle[Bearbeiten]

Er hat in mehreren Schlüsselpositionen des Auswärtigen Diensts mitgewirkt an der Formulierung und Gestaltung der deutschen Balkan-Politik, insbesondere in Bosnien und im Kosovo, bei der Ausgestaltung des Verhältnisses zwischen NATO und Russland, ebenso wie bei den Erweiterungsprozessen der Europäischen Union und der NATO. Er war Mitglied der von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Putin eingesetzten hochrangigen Deutsch-Russischen Strategischen Arbeitsgruppe mit dem Ziel einer verstärkten bilateralen Zusammenarbeit.

Die Arbeit im Planungsstab des Auswärtigen Amts (1977–1979 und 1993–1995) ermöglichte Ischinger konzeptionelles außenpolitisches Arbeiten, das sich u. a. in Veröffentlichungen in deutschen, englischen und französischen Fachzeitschriften niederschlug. Besondere Aufmerksamkeit widmete er Grundfragen deutscher Außenpolitik, wie z. B. der Frage nach der Definition deutscher Interessen, der deutschen Sicherheits- und Abrüstungspolitik, der Fortentwicklung der Europapolitik und des Verhältnisses zu Russland, der Schritte zu einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik, ebenso wie Fragen regionaler Krisenpräventionspolitik, insbesondere auf dem Balkan.

Unter anderem war Ischinger 1995 mit dem damaligen US-amerikanischen Sonderbeauftragten für den Balkan Richard Holbrooke am Zustandekommen des Friedensvertrages von Dayton für Bosnien-Herzegowina beteiligt. Von Juli bis Dezember 2007 vertrat Ischinger die Europäische Union in den sogenannten Troika-Verhandlungen (gemeinsam mit USA und Russland) mit Belgrad und Pristina über die Zukunft des Kosovo.[6] Ischinger meldet sich regelmäßig in den außen- und sicherheitspolitischen Debatten zu Wort, unter anderem mit einer monatlichen Kolumne auf der Homepage der Münchner Sicherheitskonferenz.[7] Zuletzt forderte er mehr europäische Unterstützung für US-Präsident Barack Obama und setzte sich für ein stärkeres europäisches Engagement in Afghanistan ein.[8] Als Mitglied der Global Zero-Kommission engagiert er sich für die Vision einer nuklearfreien Welt. [9]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Ischinger ist Mitglied der Kuratorien der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), von SIPRI (Stockholm), der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), Berlin, der American Academy in Berlin, des American Institute for Contemporary German Studies (AICGS), Washington (D.C.), des East-West Institute New York, von AFS Deutschland, des Council on Public Policy, des Youth-for-Understanding-Stiftungsrats, des Center for European Reform (CER), London, und des Atlantic Council of the United States. Ischinger ist Mitglied des Aufsichtsrates der Allianz SE. Außerdem ist er Mitglied des European Advisory Council von Investcorp, London/New York und der Trilateralen Kommission.

Werke[Bearbeiten]

  • Kurt Hesse, Wolfgang Ischinger: Die Entwicklungsschwelle. Duncker und Humblot, Berlin 1973. ISBN 3-428-02957-7.
  • Wolfgang Ischinger: Die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik nach Amsterdam. Zentrum für Europäische Integrationsforschung, Bonn 1998. ISBN 3-933307-14-7.

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2008 erhielt Ischinger die Leo-Baeck-Medaille.

Am 5. Oktober 2009 wurde Wolfgang Ischinger von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.[10]

Am 8. Mai 2010 wurde Wolfgang Ischinger von Ministerpräsident Stefan Mappus mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Ischinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Allianz SE ernennt Global Head of Governmental Affairs. 18. Februar 2008 (Pressemitteilung der Allianz Group, online, abgerufen am 6. November 2013).
  2. Tobias Bunde, Moderne Krisendiplomatie – Eindrücke aus der diplomatischen Praxis im Seminar an der Ludwig-Maximilians-Universität München, www.securityconference.de
  3. http://www.welt.de/politik/deutschland/article116312418/Antimilitaristen-machen-mobil-gegen-die-Bundeswehr.html
  4. http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/hochschule_artikel,-Heute-Antrittsvorlesung-Sicherheitspartner-Russland-_arid,133820.html
  5. [1] Beiratsliste Fair Observer
  6. Vgl. EU ernennt Ischinger, auf www.n-tv.de.
  7. MONTHLY MIND; monatliche Kolumne auf www.securityconference.de
  8. Wolfgang Ischinger, Sein Scheitern wäre auch unser Scheitern, in: The European, 28. Oktober 2009; sowie: Wolfgang Ischinger und Timo Noetzel, Afghanistan darf nicht scheitern, Monthly Mind Oktober 2009
  9. Website der Global Zero Commission
  10. http://www.bundespraesident.de/-,2.649426/Ordensverleihungen-zum-Tag-der.htm?global.printview=2