Hattingen
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
|
||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen | |
| Regierungsbezirk: | Arnsberg | |
| Kreis: | Ennepe-Ruhr-Kreis | |
| Höhe: | 90 m ü. NN | |
| Fläche: | 71,4 km² | |
| Einwohner: |
55.388 (31. Dez. 2011)[1] |
|
| Bevölkerungsdichte: | 776 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 45525, 45527, 45529 | |
| Vorwahl: | 02324 | |
| Kfz-Kennzeichen: | EN, WIT | |
| Gemeindeschlüssel: | 05 9 54 016 | |
| LOCODE: | DE HAT | |
| NUTS: | DEA56 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Rathausplatz 1 45525 Hattingen |
|
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeisterin: | Dagmar Goch (SPD) | |
| Lage der Stadt Hattingen im Ennepe-Ruhr-Kreis | ||
Hattingen ist die zweitgrößte Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im südlichen Teil des Ruhrgebiets.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Hattingen wurde auf einer Terrasse der Ruhr gegründet und hat einen gut erhaltenen historischen Kern mit zahlreichen Fachwerkhäusern. Die Mittelstadt liegt auf einer Höhe von 60 bis 306 m über NN.
Die Nachbarstädte Hattingens sind die kreisfreien Städte Bochum, Essen und Wuppertal sowie Sprockhövel, Witten (beide Ennepe-Ruhr-Kreis) und Velbert (Kreis Mettmann). Südlich liegt mit der so genannten Elfringhauser Schweiz ein beliebtes Naherholungsgebiet.
Hattingen ist in die Stadtteile Blankenstein, Bredenscheid-Stüter, Hattingen-Mitte, Holthausen, Niederbonsfeld, Niederelfringhausen, Niederwenigern, Oberelfringhausen, Oberstüter, Welper und Winz-Baak unterteilt.
Geschichte [Bearbeiten]
Hattingen wird 990 erstmals als Reichshof Hatneggen urkundlich erwähnt. Seine Lage zwischen dem Bergischen Land mit seinen Metallprodukten im Süden und der Hellwegzone im Norden mit ihren Textilwaren begünstigten den Handel. Der 1396 mit dem Grafen Dietrich von der Mark geschlossene Befestigungsvertrag gilt heute als Stadtwerdung Hattingens. 1554 tritt Hattingen der Hanse bei.
Als Ruhrgebietsstadt war im 19. und 20. Jahrhundert der Kohleabbau sehr wichtig. Es gab mehrere Zechen in Hattingen. Bereits 1787 wurden der Rauendahler Schienenweg, eine Schienenstrecke von Rauendahl bei Hattingen bis zur Ruhr, in Betrieb genommen. Dabei handelte es sich um die weltweit erste Kohlen-Transport-Bahn.
Für mehr als 100 Jahre war die Henrichshütte Hauptarbeitgeber in Hattingen (zeitweise 10.000 Beschäftigte), das Unternehmen trug mit der Gründung von Arbeitersiedlungen (Hüttenau, Müsendrei unter anderem) auch bedeutend zur Entwicklung des heutigen Hattinger Stadtteils Welper bei.
Gegründet 1854 durch Henrich zu Stolberg-Wernigerode wurde „die Hütte“ zu einem der größten Eisenverhüttungs- und Stahlproduzenten der Region. Grund für die Standortwahl im damals von Landwirtschaft geprägten Hattingen war der Fund von Eisenerz auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Welper. Das Vorkommen war unergiebig, und einzig der Straßenname Müsendrei erinnert heute an den Schacht Müsen III, aus dem Eisenerz gefördert wurde.
1987 wurde als Folge des Niedergangs der Kohle- und Schwerindustrie im Ruhrgebiet der letzte Hochofen der Henrichshütte stillgelegt. Hattingen hat den folgenden Strukturwandel zwar besser gemeistert als manche Nachbarstadt, muss aber immer noch mit einer vergleichsweise hohen Arbeitslosenquote (10,2 % im Januar 2007) zurechtkommen. Jedoch ist sie von Februar bis November durchschnittlich um 1,5 % gesunken und liegt somit im November 2007 bei 8,7 %.
Viele ehemalige Gebäude der Henrichshütte sind mittlerweile abgerissen. Das Gelände wird seit einigen Jahren zu einem „Gewerbe- und Landschaftspark“ umgebaut und beheimatet einen der sieben Standorte des Westfälischen Industriemuseums.
Bevölkerung [Bearbeiten]
| Bevölkerungsentwicklung Hattingen | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1714 | 1804 | 1900 | 1939 | 1946 | 1950 | 1961 |
| Einwohner | 1.241 | 1.976 | 8.975 | 18.063 | 16.620 | 19.400 | 29.096 |
| Fläche km² | 5,29 | 5,32 | 8,26 | ||||
| Jahr | 1970 | 1975 | 1985 | 1990 | 1995 | 2000 | 2005 |
| Einwohner | 60.490 | 58.929 | 58.935 | 61.129 | 60.357 | 60.436 | 57.668 |
| Fläche km² | 71,36 | ||||||
Eingemeindungen [Bearbeiten]
Am 1. Januar 1970 wurde Hattingen um die bisherigen Gemeinden Blankenstein, Bredenscheid-Stüter, Niederelfringhausen, Oberelfringhausen, Oberstüter und Winz vergrößert.[2]
Politik [Bearbeiten]
| Parteien u. Wählergruppen |
Sitze | ||
|---|---|---|---|
| seit 2009 | 2004-2009 | 1999–2004 | |
| SPD | 19 | 19 | 20 |
| CDU | 15 | 18 | 21 |
| Grüne/FWI | 6 | 5 | 3 |
| FDP | 4 | 3 | 2 |
| Die Linke | 2 | - | - |
| NPD | - | 1 | - |
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Die Hattinger Altstadt ist mit ihren fast 150 mittelalterlichen Fachwerkhäusern ein beliebtes Ausflugsziel. Sie sind Ausdruck des Bürgerwillens in der Stadt, der sich in den 1960er Jahren gegen eine Flächensanierung und für die Objektsanierung aussprach. Die verkehrsfreie Fußgängerzone ist eine der ersten in Deutschland. Heute ist der Stadtkern attraktiv und insbesondere belebt. Die Häuser sind begehrte und wertvolle Immobilien.
Die bekanntesten historischen Gebäude der Stadt sind die St.-Georgs-Kirche, das Alte Rathaus, der Glockenturm und das wegen seiner Form sogenannte Bügeleisenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Hierin befindet sich das Museum des Heimatvereins. Von 1771 bis 1856 lebten in diesem Gebäude Tuchmacher, die auf ihren Webstühlen Tuche herstellten. Knaggen und Balken mit Voluten und Maskenschnitzereien bestimmen das Bild der Fassade.
In der Altstadt befinden sich viele Kneipen und Gaststätten. Einmal im Jahr ist im Sommer in Hattingen ein Altstadtfest mit Livemusik und vielen Ständen. Dazu kommen sehr viele Besucher und ehemalige Hattinger in die Stadt. Auch einmal im Jahr ebenfalls im Sommer ist auf dem Kirchplatz an der St.-Georgs-Kirche der „Kulinarische Altstadtmarkt“, an dem die Hattinger Restaurants ihre Spezialitäten anbieten und auf einer Bühne Livemusik läuft.
In der Nähe des Busbahnhofs an der alten Stadtmauer bewachen die von Zbigniew Frączkiewicz geschaffenen Eisenmänner den Zugang zur Stadt. Eher unauffällig liegt hier auch der Horkenstein.
Wegen seiner vielen Grünflächen ist Hattingen ein Naherholungsgebiet für viele Bewohner des Ruhrgebiets. Vor allem das Ruhrtal zieht bei gutem Wetter Tausende Radler und Spaziergänger an. Zwischen Hattingen, Bochum und Witten liegt der Kemnader See, der zahlreiche Wassersportmöglichkeiten bietet. Ruhraufwärts kann man auf dem RuhrtalRadweg bis ins Sauerland radeln. Ruhrabwärts führt der Weg vorbei am Baldeneysee in Essen in Richtung Duisburg am Rhein. An einigen Stellen ist der alte Leinpfad erhalten. Die historische RuhrtalBahn (Dampfbetrieb) hat auch 3 Haltepunkte in Hattingen.
Im Ruhrtal sind auf Hattinger Stadtgebiet gelegen die Burg Blankenstein, die Isenburg und Haus Kemnade mit der Musikinstrumentensammlung Hans und Hede Grumbt mit rund 1.800 Instrumenten und Spieluhren sowie dem in unmittelbarer Nähe der Wasserburg gelegenen Bauernhausmuseum. In den Bergen befindet sich der Bismarckturm Hattingen direkt am Ruhrhöhenweg. In Blankenstein befindet sich das Stadtmuseum Hattingen.
Auch die Henrichshütte als Teil des Westfälischen Industriemuseums zählt mit drei Rundwegen und dem 50.000 Quadratmetern großen Gelände zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Im Jahre 2005 beschloss die Stadt die Einrichtung des Deutschen Aphorismus-Archivs in den Räumlichkeiten des Stadtmuseums. In dem im selben Jahr gegründeten Förderverein zum Aufbau des Archivs der Aphorismen ist die Stadt Mitglied. Leitidee ist, Hattingen als Stadt der Schlagfertigen bekannt zu machen.
Bekannt ist auch der seit 1991 jährlich von der KUBISCHU – Kulturinitiative Hattingen Ruhr ausgeschriebene Hattinger Förderpreis, ein Literaturpreis für junge Schriftsteller und -innen im Alter von 16 bis 25 Jahren. Die Preisvergabe findet jeweils im Herbst nach einer Lesung der von der Jury ausgewählten Schlussrundenteilnehmer statt. Es werden jeweils ein Jury- sowie ein Publikumspreis vergeben.
1996 richtete Hattingen die Dreiband-Weltmeisterschaft aus.
-
Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Hattingen
Bilder [Bearbeiten]
-
Sankt-Georgs-Kirche (Oktober 2004)
-
Straße mit Blick auf den Glockenturm der ehem. Johanniskirche
Verkehr [Bearbeiten]
Über die Nachbarstädte Sprockhövel und Witten ist die Autobahn 43 erreichbar.
Mitten durch Hattingen verläuft die Landesstraße 651 (bis 31. Dezember 2009 Bundesstraße 51[3]). Auf dieser verkehrt von ihrer Endstelle Hattingen Mitte aus die Straßenbahnlinie 308 der Bogestra nach Bochum-Gerthe über Bochum Hauptbahnhof.
Am S-Bahnhof Hattingen-Mitte besteht zudem ein Anschluss an die S-Bahnlinie 3, welche über Bochum-Dahlhausen, Essen Hauptbahnhof und Mülheim (Ruhr) Hauptbahnhof zum Hauptbahnhof Oberhausen fährt.
Über den Zentralen Omnibusbahnhof gibt es außerdem ausreichend Verbindungen in die Ortsteile und zu allen umliegenden Städten.
Sport [Bearbeiten]
Ski [Bearbeiten]
In Hattinger Wodantal existiert ein Skischlepplift mit einer Länge von 220 Metern. Er wird von einem Familienbetrieb geführt.
Billard [Bearbeiten]
1996 war Hattingen Austragungsort der Dreiband-Weltmeisterschaft, Sieger wurde der Kölner Christian Rudolph. Er war der erste Deutsche der diesen Titel gewinnen konnte.
MS Hattingen [Bearbeiten]
Bis in die 1980er Jahre fuhr für die Hamburger Reederei HAPAG der Schnellfrachter MS Hattingen im Ostindiendienst.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
in Hattingen geboren [Bearbeiten]
- Lasse Seidel, Handballspieler
- Mirkan Aydın, Fußballspieler
- Nikolaus Groß, NS-Widerstandskämpfer (2001 seliggesprochen)
- Gustav Höfken, Politiker und Journalist
- Johann Heinrich Horstmann, deutscher Politiker und Bürgermeister von Essen
- Stephanie Marra, Historikerin
- Annette Michler-Hanneken, deutsche Kunstturnerin
- Uwe Neuhaus, Fußballspieler und -trainer
- Lutz Potthoff, Jazzpianist
- Jan-Michael Richter alias Jamiri, Comiczeichner und -autor
- Wolfgang Scheid, Fußballspieler und -trainer
- Ernst-August Schepmann, Schauspieler, Hörspiel- und Hörbuchsprecher
- Wilhelm Schepmann, Stabschef der SA von 1943–45
- Renata Schmidtkunz, TV-Moderatorin und Regisseurin
- Lukas Schmitz, Fußballer
- Harald Siepermann, Zeichner von Comics und Zeichentrickfilmen
- Otto Striebeck, Journalist und Politiker (SPD), MdB
- Alexander Thamm, Fußballspieler
- Cathrin Vaessen (*1962), Schauspielerin
- Erich Warsitz, Testpilot
- Otto Wohlgemuth, Bergmann und Arbeiterdichter
- Heinz Wemper, Schauspieler
- Daniel Aßmann, Fernsehmoderator
- Alina Süggeler, Sängerin (Frida Gold)
mit Hattingen verbunden [Bearbeiten]
- Theresia Albers, Lehrerin und Ordensgründerin
- Mathilde Franziska Anneke, bedeutende Frauenrechtlerin und Gegnerin der Sklaverei
- Andreas Bieber, Sänger und Schauspieler
- Maik Cioni, deutsch-italienischer Radrennfahrer und ehemaliger Bundesliga Wasserballspieler
- Regina van Dinther, ehemalige Landtagspräsidentin des 14. Landtages in NRW
- Armin Eichholz, olympische Goldmedaille im Rudern (Achter) 1988 in Seoul, olympische Bronzemedaille (Achter) 1992 in Barcelona, Weltmeister (Vierer mit Steuermann) 1991 in Wien
- Frida Gold, Musikband
- Xandra Hag, deutsche Sängerin
- Boris Konrad, Neurowissenschaftler und mehrfacher Weltmeister im Gedächtnissport
- Wolfgang Köllmann, Historiker, Ratsmitglied und Bürgermeister
- Marie-Luise Marjan, Schauspielerin
- Mirjam Müntefering, Schriftstellerin
- DJ Quicksilver, DJ und Musikproduzent
- Erwin Sellering, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern
- Christian-Georg Warlich, Weltmeister im Rudern (Leichtgewichts-Einer) 1980 in Hazewinkel, Siebenfacher Deutscher Meister im Leichtgewichts-Einer 1978-1980 und 1984-1987
Literatur [Bearbeiten]
- Erna und Angelika Beisken: Hattingen in alten Ansichten, Europäische Bibliothek, 1994, ISBN 90-288-4517-8
- Heinrich Eversberg: Das mittelalterliche Hattingen, Hattingen 1985
- Heinrich Eversberg: Die neue Stadt Hattingen, Hattingen 1980
- Walter Ollenik | Jürgen Uphues: Hattingen – Ansichten zu einer Stadt, Klartext Verlag, Essen 2007 , ISBN 978-3-89861-665-2
- Harri Petras: Sagen und Dichtungen erlebt bei Wanderungen im Hattinger Raum, Verlag Borgmann, Hattingen. 1996
- Wilfried Ruthmann und Willi Hahn: Hattingen im Wandel der Zeit – Neugestaltung einer Stadt am südlichen Rand des Ruhrgebietes, Graphischer Betrieb Mauthe Druck & Verlag, 72336 Balingen-Engstlatt
- Wilfried Ruthmann: Hattingen und seine Umgebung. Eine liebenswerte Stadt zum Wandern und Verweilen. 1998
- Dirk Sondermann: Hattinger Sagenbuch, Verlag Pomp, Essen 2007, ISBN 978-3-89355-254-2
- Thomas Weiß: Hattingen Chronik, Klartext Verlag, Essen 1996, ISBN 3-88474-489-5
- Klaus Hesper: Hattingen die drei Burgen Stadt, CD/DVD Kurzgeschichte mit vielen, vielen Bildern. 2010/11 Mayersche Buchhandlung
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Seite der Stadt
- Links zum Thema Hattingen im Open Directory Project
- Geschichte, Luftschutz und Luftschutzbauten in Hattingen
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Amtliche Bevölkerungszahlen. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 4. Juli 2012. (Hilfe dazu)
- ↑ Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970.
- ↑ Amtsblatt für den Reg.-Bez. Arnsberg, Nr. 53/2009, 2. Januar 2010, S. 369f. (PDF; 1,6 MB)
Breckerfeld | Ennepetal | Gevelsberg | Hattingen | Herdecke | Schwelm | Sprockhövel | Wetter (Ruhr) | Witten
Blankenstein | Bredenscheid-Stüter | Hattingen-Mitte | Holthausen | Niederbonsfeld | Niederelfringhausen | Niederwenigern | Oberelfringhausen | Oberstüter | Rauendahl | Welper | Winz-Baak
