Hattingen

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Hattingen in Nordrhein-Westfalen, zum gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Immendingen in Baden-Württemberg siehe Hattingen (Immendingen).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hattingen
Hattingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hattingen hervorgehoben
51.4010555555567.184833333333390Koordinaten: 51° 24′ N, 7° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Ennepe-Ruhr-Kreis
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 71,4 km²
Einwohner: 54.358 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 761 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 45525, 45527, 45529
Vorwahl: 02324
Kfz-Kennzeichen: EN, WIT
Gemeindeschlüssel: 05 9 54 016
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
45525 Hattingen
Webpräsenz: www.hattingen.de
Bürgermeisterin: Dagmar Goch (SPD)
Lage der Stadt Hattingen im Ennepe-Ruhr-Kreis
Bochum Dortmund Essen Gelsenkirchen Hagen Herne Kreis Mettmann Kreis Unna Märkischer Kreis Oberbergischer Kreis Remscheid Wuppertal Breckerfeld Ennepetal Gevelsberg Hattingen Herdecke Schwelm Sprockhövel Wetter (Ruhr) WittenKarte
Über dieses Bild

Hattingen ist die zweitgrößte Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im südlichen Teil des Ruhrgebiets.

Geographie[Bearbeiten]

Hattingen wurde auf einer Terrasse der Ruhr gegründet und hat einen gut erhaltenen historischen Kern mit zahlreichen Fachwerkhäusern. Die Mittelstadt liegt auf einer Höhe von 60 bis 306 m über NN.

Die Nachbarstädte Hattingens sind die kreisfreien Städte Bochum, Essen und Wuppertal sowie Sprockhövel, Witten (beide Ennepe-Ruhr-Kreis) und Velbert (Kreis Mettmann). Südlich liegt mit der so genannten Elfringhauser Schweiz ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Hattingen ist in die Stadtteile Blankenstein, Bredenscheid-Stüter, Hattingen-Mitte, Holthausen, Niederbonsfeld, Niederelfringhausen, Niederwenigern, Oberelfringhausen, Oberstüter, Welper und Winz-Baak unterteilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der historische Ortskern Hattingens, Aufnahme 2004

Hattingen wird 990 erstmals als Reichshof Hatneggen urkundlich erwähnt. Seine Lage zwischen dem Bergischen Land mit seinen Metallprodukten im Süden und der Hellwegzone im Norden mit ihren Textilwaren begünstigten den Handel. Der 1396 mit dem Grafen Dietrich von der Mark geschlossene Befestigungsvertrag gilt heute als Stadtwerdung Hattingens. 1554 tritt Hattingen der Hanse bei.

Als Ruhrgebietsstadt war im 19. und 20. Jahrhundert der Kohleabbau sehr wichtig. Es gab mehrere Zechen in Hattingen. Bereits 1787 wurden der Rauendahler Schienenweg, eine Schienenstrecke von Rauendahl bei Hattingen bis zur Ruhr, in Betrieb genommen. Dabei handelte es sich um die weltweit erste Kohlen-Transport-Bahn.

Für mehr als 100 Jahre war die Henrichshütte Hauptarbeitgeber in Hattingen (zeitweise 10.000 Beschäftigte), das Unternehmen trug mit der Gründung von Arbeitersiedlungen (Hüttenau, Müsendrei unter anderem) auch bedeutend zur Entwicklung des heutigen Hattinger Stadtteils Welper bei.

Gegründet 1854 durch Henrich zu Stolberg-Wernigerode wurde „die Hütte“ zu einem der größten Eisenverhüttungs- und Stahlproduzenten der Region. Grund für die Standortwahl im damals von Landwirtschaft geprägten Hattingen war der Fund von Eisenerz auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Welper. Das Vorkommen war unergiebig, und einzig der Straßenname Müsendrei erinnert heute an den Schacht Müsen III, aus dem Eisenerz gefördert wurde.

1987 wurde als Folge des Niedergangs der Kohle- und Schwerindustrie im Ruhrgebiet der letzte Hochofen der Henrichshütte stillgelegt. Hattingen hat den folgenden Strukturwandel zwar besser gemeistert als manche Nachbarstadt, muss aber immer noch mit einer vergleichsweise hohen Arbeitslosenquote (10,2 % im Januar 2007) zurechtkommen. Jedoch ist sie von Februar bis November durchschnittlich um 1,5 % gesunken und liegt somit im November 2007 bei 8,7 %.

Viele ehemalige Gebäude der Henrichshütte sind mittlerweile abgerissen. Das Gelände wird seit einigen Jahren zu einem „Gewerbe- und Landschaftspark“ umgebaut und beheimatet einen der sieben Standorte des Westfälischen Industriemuseums.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung seit 1975
Bevölkerungsentwicklung Hattingen
Jahr 1714 1804 1900 1939 1946 1950 1961 1970
Einwohner 1.241 1.976 8.975 18.063 16.620 19.400 29.096 60.490
Fläche km² 5,29 5,32 8,26 71,36
Jahr 1975 1985 1990 1995 2000 2005 2012 2013
Einwohner 58.929 58.935 61.129 60.357 60.436 57.668 55.883 55.948
Fläche km² 71,36 71,40

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1939 kam ein Teil der Gemeinde Winz zu Hattingen.[2]

Am 1. Januar 1970 wurde Hattingen um die bisherigen Gemeinden Blankenstein, Bredenscheid-Stüter (am 1. April 1926 durch Fusion von Bredenscheid und Niederstüter entstanden[3]), Niederelfringhausen, Oberelfringhausen, Oberstüter und Winz vergrößert.[4]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus Hattingen
Sitzverteilung im Stadtrat
Parteien und
Wählergruppen
Sitze
1999–2004 2004–2009 2009–2014 2014–2019[5]
SPD 20 19 19 19
CDU 21 18 15 15
Grüne 3 5 6 6
Die Linke - - - 3
FDP 2 3 4 2
Piraten - - - 1

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Hattinger Altstadt ist mit ihren fast 150 mittelalterlichen Fachwerkhäusern ein beliebtes Ausflugsziel. Sie sind Ausdruck des Bürgerwillens in der Stadt, der sich in den 1960er Jahren gegen eine Flächensanierung und für die Objektsanierung aussprach. Die verkehrsfreie Fußgängerzone ist eine der ersten in Deutschland. Heute ist der Stadtkern attraktiv und insbesondere belebt. Die Häuser sind begehrte und wertvolle Immobilien.

Die bekanntesten historischen Gebäude der Stadt sind die St.-Georgs-Kirche, das Alte Rathaus, der Glockenturm und das wegen seiner Form sogenannte Bügeleisenhaus aus dem 17. Jahrhundert mit dem "Museum im Bügeleisenhaus (MiBEH)" des Heimatvereins Hattingen/Ruhr e.V.. Von 1771 bis 1856 lebten in diesem Gebäude Tuchmacher, die auf ihren Webstühlen Tuche herstellten. Knaggen und Balken mit Voluten und Maskenschnitzereien bestimmen das Bild der Fassade. Vor dem Gebäude erinnert ein Stolperstein an die letzte jüdische Besitzerin des Hauses, Selma Abraham geb. Cahn.

In der Altstadt befinden sich viele Kneipen und Gaststätten. Einmal im Jahr ist im Sommer in Hattingen ein Altstadtfest mit Livemusik und vielen Ständen. Dazu kommen sehr viele Besucher und ehemalige Hattinger in die Stadt. Auch einmal im Jahr ebenfalls im Sommer ist auf dem Kirchplatz an der St.-Georgs-Kirche der „Kulinarische Altstadtmarkt“, an dem die Hattinger Restaurants ihre Spezialitäten anbieten und auf einer Bühne Livemusik läuft.

Eisenmänner

In der Nähe des Busbahnhofs an der alten Stadtmauer bewachen die von Zbigniew Frączkiewicz geschaffenen Eisenmänner den Zugang zur Stadt. Eher unauffällig liegt hier auch der Horkenstein.

Wegen seiner vielen Grünflächen ist Hattingen ein Naherholungsgebiet für viele Bewohner des Ruhrgebiets. Vor allem das Ruhrtal zieht bei gutem Wetter Tausende Radler und Spaziergänger an. Zwischen Hattingen, Bochum und Witten liegt der Kemnader See, der zahlreiche Wassersportmöglichkeiten bietet. Ruhraufwärts kann man auf dem RuhrtalRadweg bis ins Sauerland radeln. Ruhrabwärts führt der Weg vorbei am Baldeneysee in Essen in Richtung Duisburg am Rhein. An einigen Stellen ist der alte Leinpfad erhalten. Die historische RuhrtalBahn (Dampfbetrieb) hat auch 3 Haltepunkte in Hattingen.

Hattingen von der Isenburg aus gesehen, im Vordergrund die Ruhr

Im Ruhrtal sind auf Hattinger Stadtgebiet gelegen die Burg Blankenstein, die Isenburg und Haus Kemnade mit der Musikinstrumentensammlung Hans und Hede Grumbt mit rund 1.800 Instrumenten und Spieluhren sowie dem in unmittelbarer Nähe der Wasserburg gelegenen Bauernhausmuseum. In den Bergen befindet sich der Bismarckturm Hattingen direkt am Ruhrhöhenweg. In Blankenstein befindet sich das Stadtmuseum Hattingen.

Auch die Henrichshütte als Teil des Westfälischen Industriemuseums zählt mit drei Rundwegen und dem 50.000 Quadratmetern großen Gelände zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Im Jahre 2005 beschloss die Stadt die Einrichtung des Deutschen Aphorismus-Archivs in den Räumlichkeiten des Stadtmuseums. In dem im selben Jahr gegründeten Förderverein zum Aufbau des Archivs der Aphorismen ist die Stadt Mitglied. Leitidee ist, Hattingen als Stadt der Schlagfertigen bekannt zu machen.

Bekannt ist auch der seit 1991 jährlich von der KUBISCHU – Kultur- und Bildungskooperative Schulenberg Hattingen e.V. ausgeschriebene Hattinger Förderpreis, ein Literaturpreis für junge Schriftsteller und -innen im Alter von 16 bis 25 Jahren. Die Preisvergabe findet jeweils im Herbst nach einer Lesung der von der Jury ausgewählten Schlussrundenteilnehmer statt. Es werden jeweils ein Jury- sowie ein Publikumspreis vergeben.

Bilder[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Über die Nachbarstädte Sprockhövel und Witten ist die Autobahn 43 erreichbar.

Mitten durch Hattingen verläuft die Landesstraße 651 (bis 31. Dezember 2009 Bundesstraße 51[6]). Auf dieser verkehrt von ihrer Endstelle Hattingen Mitte aus die Straßenbahnlinie 308 der Bogestra nach Bochum-Gerthe über Bochum Hauptbahnhof.

Am S-Bahnhof Hattingen-Mitte besteht zudem ein Anschluss an die S-Bahnlinie 3, welche über Bochum-Dahlhausen, Essen Hauptbahnhof und Mülheim (Ruhr) Hauptbahnhof zum Hauptbahnhof Oberhausen fährt.

Am S-Bahnhof Hattingen Mitte befindet sich außerdem der Zentralen Omnibusbahnhof der Stadt. Über diesen gibt es zudem ausreichend Verbindungen in die Ortsteile und zu allen umliegenden Städten.

Sport[Bearbeiten]

Ski[Bearbeiten]

Im Hattinger Wodantal existiert ein Skischlepplift mit einer Länge von 220 Metern. Er wird von einem Familienbetrieb geführt.

Billard[Bearbeiten]

1996 war Hattingen Austragungsort der Dreiband-Weltmeisterschaft, Sieger wurde der Kölner Christian Rudolph. Er war der erste Deutsche der diesen Titel gewinnen konnte.

MS Hattingen[Bearbeiten]

Bis in die 1980er Jahre fuhr für die Hamburger Reederei HAPAG der Schnellfrachter MS Hattingen im Ostindiendienst.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

in Hattingen geboren[Bearbeiten]

mit Hattingen verbunden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erna und Angelika Beisken: Hattingen in alten Ansichten, Europäische Bibliothek, 1994, ISBN 90-288-4517-8
  • Heinrich Eversberg: Das mittelalterliche Hattingen, Hattingen 1985
  • Heinrich Eversberg: Die neue Stadt Hattingen, Hattingen 1980
  • Helmut Fischer: Hattingen in alten Bildern , Verlag Gronenberg, Druck: E.Gronenberg-Gummersbach 1980, ISBN 3-88265-059-1
  • Walter Ollenik | Jürgen Uphues: Hattingen – Ansichten zu einer Stadt, Klartext Verlag, Essen 2007 , ISBN 978-3-89861-665-2
  • Harri Petras: Sagen und Dichtungen erlebt bei Wanderungen im Hattinger Raum, Verlag Borgmann, Hattingen. 1996
  • Wilfried Ruthmann und Willi Hahn: Hattingen im Wandel der Zeit – Neugestaltung einer Stadt am südlichen Rand des Ruhrgebietes, Graphischer Betrieb Mauthe Druck & Verlag, 72336 Balingen-Engstlatt
  • Wilfried Ruthmann: Hattingen und seine Umgebung. Eine liebenswerte Stadt zum Wandern und Verweilen. 1998
  • Dirk Sondermann: Hattinger Sagenbuch, Verlag Pomp, Essen 2007, ISBN 978-3-89355-254-2
  • Thomas Weiß: Hattingen Chronik, Klartext Verlag, Essen 1996, ISBN 3-88474-489-5
  • Klaus Hesper: Hattingen die drei Burgen Stadt, CD/DVD Kurzgeschichte mit vielen, vielen Bildern. 2010/11 Mayersche Buchhandlung
  • Erich Kuß: Blankenstein–Hattingen: seine adeligen Häuser, der Amtsbezirk, der Gerichtsbezirk und die Rentei. Genealogie von Justiz und Verwaltung in märkisch-brandenburgisch-preußischer Zeit. München, 2013, http://epub.ub.uni-muenchen.de/15543/
  • Erich Kuß(Hrsg.): Adam Otto von Viereck und R. Schlüter. Untersuchung des Justizwesens zu Amt Hattingen und Blankenstein 14.07.1714" München, 2013, http://epub.ub.uni-muenchen.de/17283/
  • Uli Auffermann: Elfringhauser Schweiz - Landschaft zum Wohlfühlen. Semann Verlag, 2009, ISBN 978-3000294471

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hattingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hattingen – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Hattingen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 241.
  3.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 221.
  4.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 112.
  5. http://www.hattingen.de/wahl2014/
  6. Amtsblatt für den Reg.-Bez. Arnsberg, Nr. 53/2009, 2. Januar 2010, S. 369f. (PDF; 1,6 MB)