Howard Dean

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Howard Dean (2006)

Howard Brush Dean III. (* 17. November 1948 in New York City) ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei) und ehemaliger Gouverneur von Vermont. Von 2005 bis 2009 stand er dem Democratic National Committee, der Parteiorganisation der Demokraten, vor.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Dean schloss 1971 als Bachelor an der Yale University ab. 1978 erwarb er seinen Doktortitel und seine Zulassung als praktizierender Arzt an der Albert-Einstein-Hochschule für Medizin in New York. Er praktizierte von 1981 bis 1991 als Arzt; nach 1991 widmete er sich ganz der politischen Karriere. 1982 wurde Dean Mitglied des Repräsentantenhauses von Vermont. Im Jahr 1986 wurde er zum Vizegouverneur gewählt und 1988 sowie 1990 wiedergewählt. Als Gouverneur Richard A. Snelling 1991 verstarb, übernahm Dean das Amt des Gouverneurs. In seiner Amtszeit als Gouverneur von Vermont von 1991 bis 2002 arbeitete Dean mehrfach aktiv in Gremien des amerikanischen Parlaments in Medizin- und Gesundheitsfragen mit. Derzeit wohnt er in Burlington, Vermont. Er ist verheiratet mit Judith Steinberg-Dean und hat mit ihr zwei Kinder, Anne und Paul. Er gehört der protestantischen Congregationalist Church an.

[Bearbeiten] Politik

Dean bewarb sich ab Ende 2003 um das offizielle Kandidatenamt der Demokratischen Partei für die Wahl zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Am 18. Februar 2004 zog er allerdings seine Kandidatur aufgrund unzureichender Wählerunterstützung in den Vorwahlen (Primaries) zurück, nachdem er längere Zeit als Favorit gehandelt wurde. Nachhaltigen und womöglich bleibenden Schaden hatte sein Image durch eine emotional völlig überzogene Rede am Abend der Vorwahlen von Iowa erlitten, die in einer Art Schrei (Dean Scream) gipfelte und ihn zum Gespött der Medien machte.[1]

Seine Kandidatur dürfte als erstes Beispiel eines auf dem Internet basierenden Wahlkampfs in die Geschichte eingehen. Durch seinen Internet-Wahlkampf, einer Kombination von Weblog, Online-Wahlkampfspenden und der Online-Organisation von Zusammenkünften seiner Anhänger, gelang es ihm, von März 2003 bis Februar 2004 eine große und motivierte Anhängerschaft zu mobilisieren und im September 2003 den fundraising record von Bill Clinton zu brechen. Sein spezifischer Politikstil, der von manchen als "linkspopulistisch" kritisiert worden ist, hat ihm Vergleiche zu Oskar Lafontaine eingebracht. Der Linksintellektuelle Ingar Solty behauptet in seinem Buch Eine Linkspartei für die USA?, Dean verfolge eine Strategie, die der Lafontaines ähnele. [2].

Dennoch wurde Deans politische Ausrichtung vor dessen Präsidentschaftskanditatur selbst in Amerika nie mit linken Thesen in Verbindung gebracht. Sein Finanzgebaren als Gouverneur galt als konservativ und restriktiv, er legte mehrfach Bekenntnisse zur Todesstrafe bei schweren Delikten ab und verteidigte das liberale Waffenrecht seines Landes. Im Vorwahlkampf hingegen suchte er die offene Konfrontation mit Bush, kritisierte dessen Irakfeldzug aufs Schärfste und provozierte mit harschen Verbalattacken gegen Politiker aller Couleur. Selbst stilisierte er sich als Quereinsteiger und Washington-Outsider.[3]

Als Favorit gut im Rennen liegend, verlor Dean die Vorwahlen zur Präsidentschaft auch aufgrund eines Zwischenfalls, der in den USA als der "Dean-Scream" bekannt ist. Dean hatte nach einer Grippe vor einer großen Gruppe euphorischer Unterstützer im Val-Air Ballroom in West Des Moines, Iowa, eine Rede gehalten in der er, aufgrund der großen Lautstärke der Wahlkämpfer und Unterstützer, sehr laut sprechen musste. Da sein Mikrofon jedoch den Lärm der Zuschauerschaft herausfilterte, hörten Fernsehzuschauer nur seine aufgrund der zurückliegenden Grippe noch schrill klingende und sehr laute Stimme. Zusätzlich begann er seine Rede mit hochrotem Gesicht, was dem ganzen Auftritt etwas ekstatisches verlieh. Viele Zuschauer äußerten die Meinung, so ein Verhalten sei eines Präsidenten nicht würdig, vor allem die Aussage

Not only are we going to New Hampshire, Tom Harkin, we're going to South Carolina and Oklahoma and Arizona and North Dakota and New Mexico, and we're going to California and Texas and New York … And we're going to South Dakota and Oregon and Washington and Michigan, and then we're going to Washington, D.C., to take back the White House! ByaAHah!!!

(Nicht nur gehen wir nach New Hampshire, Tom Harkin, sondern wir gehen nach South Carolina und Oklahoma und Arizona und North Dakota und New Mexiko, und wir gehen nach Californien und Texas und New York...Und wir gehen nach South Dakota und Oregon und Washington und Michigan, und dann gehen wir nach Washington, D.C. um uns das Weiße Haus zurückzuholen! ByaAHah!!!)

empfanden viele als unpassend, da der letzte Ausruf überdies als besonders schrill empfunden wurde. Die Aufzeichnung der Ansprache wurde in nur vier Tagen im nationalen Fernsehen 633 Mal ausgestrahlt.[4] Der souveräne Umgang Deans mit der Angelegenheit sorgte zwar bei den Verantwortlichen in den Sendern für Reue, wobei z.B. CNN sogar eine Entschuldigung für die übertriebene Darstellung der Rede ausstrahlte und Bedauern ausdrückte, trotzdem hat der Dean-Scream Dean wahrscheinlich sehr geschadet.

Nach dem Ende seiner Kandidatur baute er seine Wahlkampfplattform zu einer Unterstützungsorganisation für demokratische Kandidaten auf allen politischen Ebenen (Democracy for America) um, mit dem Ziel, mittelfristig die Vorherrschaft der Republikaner in Kongress und Senat wieder zu brechen. Am 12. Februar 2005 wurde Dean vom Democratic National Committee mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden der Partei gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zum 21. Januar 2009, ehe er es an den vom neuen US-Präsidenten Barack Obama vorgeschlagenen Gouverneur von Virginia, Tim Kaine, übergab.

Er charakterisiert sich gern als einen eher zurückhaltenden und liberalen Demokraten, dessen Glaube nicht seine Politik bestimme. So ist er für die Entscheidungsfreiheit der Frau (Pro-Choice) in Abtreibungsfragen und - etwa im Gegensatz zu Bill Clinton - mit wenigen Ausnahmen gegen die Todesstrafe. Dean setzt sich während seiner Zeit des Präsidentschaftswahlkampf 2004 für soziale Belange wie eine flächendeckende Krankenversicherung speziell für Kinder aber auch für Erwachsene (MediCare) und eine höhere Alphabetisierungsrate und Chancengleichheit für Minderheiten (Affirmative Action) ein.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Howard Dean – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Quellen

  1. Leitfigur der Linken (ORF)
  2. I. Solty: Eine Linkspartei für die USA?, in Das Argument 262, S. 469-472
  3. Stern.de: Howard Dean - Er will Amerika umkrempeln
  4. Loyola Phoenix, "The scream that left us blind", 2/11/04. Retrieved November 27, 2006
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