Howard Dean

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Howard Dean, am 23. Juni 2003
Howard Dean, am 23. Juni 2003

Howard Brush Dean III. (* 17. November 1948 in New York) ist ein US-amerikanischer Politiker und ehemaliger Gouverneur von Vermont. Derzeit ist er Vorsitzender der Demokraten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Dean wurde in New York geboren und erwarb seinen Bachelor-Titel 1971 an der Yale University. 1978 erwarb er seinen Doktortitel und seine Zulassung als praktizierender Arzt an der Albert-Einstein-Hochschule für Medizin in New York. Er praktizierte von 1981 bis 1991 als Arzt, nach 1991 widmete er sich ganz der politischen Karriere. 1982 wurde Dean Mitglied des Repräsentantenhauses von Vermont. Im Jahr 1986 wurde er zum stellvertretendem Gouverneur gewählt und 1988 sowie 1990 wiedergewählt. Als Gouverneur Richard A. Snelling 1991 verstarb, übernahm Dean das Amt des Gouverneurs. In seiner Amtszeit als Gouverneur von Vermont, dessen Posten er von 1991 bis 2002 ausfüllte, arbeitete Dean mehrfach aktiv in Gremien des amerikanischen Parlaments in Medizin- und Gesundheitsfragen mit. Derzeit wohnt er in Burlington, Vermont. Er ist verheiratet mit Judith Steinberg-Dean und hat mit ihr zwei Kinder, Anne und Paul. Er gehört der protestantischen Congregationalist Church an.

[Bearbeiten] Politik

Dean bewarb sich ab Ende 2003 um das offizielle Kandidatenamt der demokratischen Partei für die Wahl zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Am 18. Februar 2004 zog er allerdings seine Kandidatur aufgrund unzureichender Wählerunterstützung in den Vorwahlen (Primaries) zurück, nachdem er längere Zeit als Favorit gehandelt wurde. Nachhaltigen und womöglich bleibenden Schaden hatte sein Image durch eine emotional völlig überzogene Rede am Abend der Vorwahlen von Iowa erlitten, die in einer Art Schrei (Dean Scream) gipfelte und ihn zum Gespött der Medien machte.[1]

Seine Kandidatur dürfte als erstes Beispiel eines auf dem Internet basierenden Wahlkampfs in die Geschichte eingehen. Durch seinen Internet-Wahlkampf, einer Kombination von Weblog, Online-Wahlkampfspenden und der Online-Organisation von Zusammenkünften seiner Anhänger, gelang es ihm, von März 2003 bis Februar 2004 eine große und motivierte Anhängerschaft zu mobilisieren und im September 2003 den fundraising record von Bill Clinton zu brechen. Sein spezifischer Politikstil, der von manchen als "linkspopulistisch" kritisiert worden ist, hat ihm Vergleiche zu Oskar Lafontaine eingebracht. Dean verfolge eine linke Strategie, die auch Lafontaine verfolge. Allein die Verschiedenartigkeit der Wahlsysteme in den USA und der BRD ließen sie in verschiedenen Parteitypen kandidieren [2].

Als Favorit gut im Rennen liegend, verlor Dean die Vorwahlen zur Präsidentschaft auch aufgrund eines Zwischenfalls, der in den USA als der "Dean-Scream" bekannt ist. Dean hatte nach einer Grippe vor einer großen Gruppe euphorischer Unterstützer im Val-Air Ballroom in West Des Moines, Iowa, eine Rede gehalten in der er, aufgrund der großen Lautstärke der Wahlkämpfer und Unterstützer, sehr laut sprechen musste. Da sein Mikrophon jedoch den Lärm der Zuschauerschaft herausfilterte hörten Fernsehzuschauer nur seine aufgrund der zurückliegenden Grippe noch schrill klingende und sehr laute Stimme. Zusätzlich begann er seine Rede mit hochrotem Gesicht, was dem ganzen Auftritt etwas extatisches verlieh. Viele Zuschauer äusserten die Meinung, so ein Verhalten sei eines Präsidenten nicht würdig, vor allem die Aussage

Not only are we going to New Hampshire, Tom Harkin, we're going to South Carolina and Oklahoma and Arizona and North Dakota and New Mexico, and we're going to California and Texas and New York … And we're going to South Dakota and Oregon and Washington and Michigan, and then we're going to Washington, D.C., to take back the White House! YeaAHah!!!

(Nicht nur gehen wir nach New Hampshire, Tom Harkin, sondern wir gehen nach South Carolina und Oklahoma und Arizona und North Dakota und New Mexiko, und wir gehen nach Californien und Texas und New York...Und wir gehen nach South Dakota und Oregon und Washington und Michigan, und dann gehen wir nach Washington, D.C. um uns das Weiße Haus zurückzuholen! YeaAHah!!!)

empfanden viele als unpassend, da der letzte Ausruf überdies als besonders schrill empfunden wurde. Die Aufzeichnung der Ansprache wurde in nur vier Tagen im nationalen Fernsehen 633 Mal ausgestrahlt.[3] Der souveräne Umgang Deans mit der Angelegenheit sorgte zwar bei den Verantwortlichen in den Sendern für Reue, wobei z.B. CNN sogar eine Entschuldigung für die übertriebene Darstellung der Rede ausstrahlte und Bedauern ausdrückte, trotzdem hat der Dean-Scream Dean wahrscheinlich sehr geschadet.

Nach dem Ende seiner Kandidatur baute er seine Wahlkampfplattform zu einer Unterstützungsorganisation für demokratische Kandidaten auf allen politischen Ebenen (Democracy for America) um, mit dem Ziel, mittelfristig die Vorherrschaft der Republikaner in Kongress und Senat wieder zu brechen. Am 12. Februar 2005 wurde Dean vom Nationalkomitee der Demokratischen Partei mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden der Partei gewählt.

Er charakterisiert sich gern als einen eher zurückhaltenden und liberalen Demokraten, dessen Glaube nicht seine Politik bestimme. So ist er für die Entscheidungsfreiheit der Frau (Pro Choice) in Abtreibungsfragen und - etwa im Gegensatz zu Bill Clinton - mit wenigen Ausnahmen gegen die Todesstrafe. Dean setzt sich während seiner Zeit des Präsidentschaftswahlkampf 2004 für soziale Belange wie eine flächendeckende Krankenversicherung speziell für Kinder aber auch für Erwachsene (MediCare) und eine höhere Alphabetisierungsrate und Chancengleichheit für Minderheiten (Affirmative Action) ein.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Howard Dean – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Quellen

  1. Leitfigur der Linken (ORF)
  2. I. Solty: Eine Linkspartei für die USA?, in Das Argument 262, S. 469-472
  3. Loyola Phoenix, "The scream that left us blind", 2/11/04. Retrieved November 27, 2006
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