I. Armeekorps (Wehrmacht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das I. Armeekorps der deutschen Wehrmacht, im vollen Titel Generalkommando I. Armeekorps, war die Bezeichnung für die entsprechende Kommandobehörde aber auch für den Großverband aus mehreren Divisionen und eigenen Korpstruppen, der von diesem Generalkommando geführt wurde und unter dem Oberbefehl einer Armee oder Heeresgruppe stand.

Aufstellung, Einsätze[Bearbeiten]

Das I. Armeekorps wurde im Oktober 1934 im Wehrkreis I aus der 1. Division der Reichswehr in Königsberg aufgestellt. Kommandierender General war seit dem 1. August 1939 der Generalleutnant und spätere General der Artillerie Walter Petzel.

Während des Polenfeldzug im September 1939 unterstand das I. Korps der 3. Armee unter General der Artillerie Georg von Küchler, welche der Heeresgruppe Nord unter Generaloberst Fedor von Bock angehörte. Das von Neidenburg (Nidzica) vorgehende I. Armeekorps stieß mit der 11. Infanterie-Division und der Panzer-Division Kempf bereits fünf Kilometer nach Überschreiten der Grenze nördlich von Mielau (Mława) auf eine ausgebaute Feldstellung, in der die 20. polnische Infanteriedivision erfolgreich Widerstand leistete. Nordostwärts davon wurden auch Teile der 8. polnischen Infanteriedivision erkannt. Am 4. September wurde Mława genommen und die polnische Armee „Modlin“ musste sich auf den Narew zurückziehen, während das I. Armeekorps in zwei Tagen auf Ciechanów und auf Pułtusk nachsetzte. Am 6. September erreichte die Masse des I. Armeekorps den Narew bei Pułtusk, wo in den Abendstunden das Gefecht um den Flussübergang begann. Am darauf folgenden Tag konnte das Korps mit der 11. Infanterie-Division und der aus der Armee-Reserve herangeführten 61. Infanterie-Division einen engen Brückenkopf auf der anderen Seite des Narew bilden. Am 8. drangen beide Divisionen in die Gegend nordwestlich Wyszków vor, wobei sie auf polnischen Widerstand stießen. Trotz anhaltenden Kämpfen konnte am 9. bereits ein kleiner Brückenkopf über den Bug gebildet werden. Das I. Korps führte im restlichen Feldzug noch Kämpfe bei Kaluszyn und vor Praga.

Am 10. Mai 1940 erfolgte während des Westfeldzuges der Vormarsch durch Holland nach Nordfrankreich, das I. Korps stand dabei mit der 1. und 11. Infanterie-Division im Verband der 6. Armee (Reichenau) und stieß in den Raum Douai vor. In der zweiten Feldzugsphase im Juni 1940 wurde das Korps der 4. Armee (Generaloberst Günther von Kluge) unterstellt. Es folgten Durchbruchskämpfe an der Somme und die Verfolgung der Franzosen über die Seine bis an die Loire. Nach Sicherungsdiensten bei der 7. Armee an der Atlantikküste wurde das Korps im September 1940 in die Heimat nach Ostpreußen zurücktransportiert.

Am 22. Juni 1941 beteiligte sich das I. Korps unter Führung des General der Infanterie Kuno von Both als Teil der 18. Armee am Angriff auf die Sowjetunion. Die dem Korps unterstellte 1., 11. und 21. Infanterie-Division gingen bei Tilsit über die Memel. Der Vormarsch erfolgte über Tauroggen und Kelme auf Schaulen und weiter über Bausk zur Düna bei Friedrichstadt. Am 13. Juli erfolgte der Übergang der Welikaja bei Schabanowa. Am 28. Juli wurde das I. Korps der 16. Armee (GFM Busch) unterstellt. Vorstoß über Porhow und Soltzy über die Mschaga zum Ilmensee, am 30. Juli bildete das Korps am Schelon einen nördlichen Brückenkopf bei Schimsk. Am 14. August wird Nowgorod erreicht und ein weiterer Brückenkopf über den Wolchow gebildet. Am 20. August gelingt die Unterbrechung der Eisenbahnlinie zwischen Tschudowo und Wolchow. Im November erfolgt der Vorstoß über den Wolchow nach Gruzino. Nach der Aufgabe Tichwins durch das XXXIX. Panzerkorps wurde zur Jahreswende der Rückzug hinter den Wolchowfluß nötig.

Ab Januar 1942 folgten weitere Abwehrkämpfe am Wolchow mit der 11., 21., 254., und 291. Infanterie-Division zwischen Ilmensee und Grusino. Gegen die starken Durchbruchsversuche des sowjetischen Generals Merezkow sichert als linker Nachbar das XXVIII. Armeekorps nach Norden im Brückenkopf Kirischi zum Ladoga-See, und rechts das XXXVIII. Armeekorps, das nach Süden die Wolchowlinie zwischen Spasskaja und Nowgorod übernimmt. Nach dem Durchbruch der sowjetischen 2. Stoßarmee unter General Wlassow bildete sich westlich Tschudowo ein „Wolchowkessel“. Zwischen 22. und 28. Juni 1942 übernahm der neue Kommandierende des I. Korps, General der Kavallerie Philipp Kleffel die Aufgabe diesen Kessel zusammen mit dem von Süden her operierenden XXXVIII. Armeekorps (General der Infanterie Haenicke) einzuengen und die dortigen Kräfte zu zerschlagen. Nach diesem Erfolg stabilisierte sich die Wolchowfront und hielt bis Anfang 1944.

Im Oktober 1943 wurde das Generalkommando des I. Korps vom Wolchow herausgezogen und als Reserve der 16. Armee zur Verfügung gestellt. Im Dezember 1943 kämpfte das Korps im Frontvorsprung im Raum Newel. Im Januar 1944 übernahm General der Infanterie Carl Hilpert das I. Korps, das im Feber 1944 vor dem sowjetischen Druck in den Raum Polozk zurückgehen musste. Anfang Juli 1944 kam es infolge des Zusammenbruch der 3. Panzerarmee im Raum Witebsk zu nötigen Rückzugskämpfen des I. Armeekorps. Das Korps ging vor dem Druck der 43. Sowjetarmee am nördlichen Dünaüfer nach Westen zurück und sicherte im Verein mit der Gruppe Kleffel mit der 205., 125. und 132. Infanterie-Division das südöstliche Vorfeld von Dünaburg.

Zwischen 14. und 18. September 1944 folgten Abwehrkämpfe gegenüber der 1. Baltischen Front des Marschall Baghramjan im südlichen Düna-Brückenkopf bei Kecava. Nach dem sowjetischen Durchbruch zur Ostsee bei Polangen folgte die Einkesselung des Korps in Kurland und die erneute Unterstellung im Verband der 18. Armee (General der Infanterie Ehrenfried Boege). Im Oktober 1944 sicherte das Korps mit der 11., 87. und 126. Infanterie-Division den rechten Abschnitt im Kurlandkessel südlich Libau und bei Preekuln. Es kam hier zu fünf großen Abwehrschlachten und am 8. Mai 1945 erfolgte die Kapitulation des I. Korps unter Generalleutnant Christian Usinger mit der 87. und 225. Infanterie-Division vor den Sowjets im Raum südwestlich Durben.

Unterstellungen[Bearbeiten]

Führung[Bearbeiten]

Kommandierende Generale[Bearbeiten]

Chefs des Generalstabes[Bearbeiten]

Zeitweise unterstellte Einheiten, Truppenteile und Verbände (nicht vollständig)[Bearbeiten]

Direkt unterstellte Korpseinheiten[Bearbeiten]

Direkt unterstellte taktisch selbstständige Verbände[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 2. Die Landstreitkräfte 1–5. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1973, ISBN 3-7648-0871-3.

Weblinks[Bearbeiten]