Jühnde

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Jühnde
Jühnde
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Jühnde hervorgehoben
51.4636111111119.8011111111111310Koordinaten: 51° 28′ N, 9° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Göttingen
Samtgemeinde: Dransfeld
Höhe: 310 m ü. NHN
Fläche: 24,49 km²
Einwohner: 1040 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 42 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37127
Vorwahl: 05502
Kfz-Kennzeichen: GÖ, DUD, HMÜ
Gemeindeschlüssel: 03 1 52 013
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Schedener Stieg 8
37127 Jühnde
Webpräsenz: www.juehnde.de
Bürgermeister: Dietmar Bode
Lage der Gemeinde Jühnde im Landkreis Göttingen
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Über dieses Bild

Jühnde ist eine Gemeinde in Süd-Niedersachsen im Landkreis Göttingen. Zu ihr gehören die Orte Jühnde und Barlissen. Sie ist eine Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Dransfeld.

Jühnde liegt etwa 13 km südwestlich von Göttingen und 13 km nordöstlich von Hann. Münden, am Fuße des Hohen Hagens. Der Ort hat knapp 1.100 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Jühnde wurde 960 von Otto I. zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Schon damals gab es eine Ritterburg, die an der alten Heerstraße von Münden nach Göttingen lag. 1484 eroberten die Göttinger die Raubritterburg, die ihnen ein Dorn im Auge war, weil von dort aus die Händler überfallen wurden. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Burg ab. Jühnde befand sich einst in der Lehenschaft derer zu Everstein, welche, nachdem der Ort bis zum Ende des 14. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Berlepsch war, es am 1. Mai 1398 an die Brüder Hans und Albrecht von Boventen als Lehen übertrugen. Es umfasste neben dem Dorf zusätzlich das Schloss Jühnde, das Patronatsrecht, sowie Güter unter anderem in Mengershausen, Lemshausen und Bördel. Von Otto dem Siegreichen erhielt 1466 Hans von Boventen wiederum Jühnde mitsamt allen Zubehör als Lehen. 1477 verpfändete er das Dorf, Schloss und Barlissen an Dietrich von Uslar und seinen Sohn Hans von Boventen.[2]

Aus Jühnde stammt das, heute ausgestorbene adlige Geschlecht derer zu Jüne. Sie bekleideten ab 1245 Ratsherrenstellen in Göttingen, in Münden wird 1311 ein Bergmann Wedekind von Jüne genannt, sowie 1323 mit Conradus de Jün ein Ratsherr aus der Dynastie geführt.

1664 übernahm Otto Freiherr Grote das Gut und baute die Burg wieder auf. Er war ein bedeutender Mann und hatte Leibnitz und die Kurwürde nach Hannover geholt. Ein weiterer Minister war Otto Ulrich Freiherr Grote. 1802 nahm er in Hannover seinen Abschied, zog nach Jühnde und legte dort bis 1805 den Park im frühromantischen Stil an. Der heutige Besitzer des Gutes heißt ebenfalls Otto Ulrich. Er übernahm den Besitz von seinem Vater Rüdiger, der den Betrieb fast 40 Jahre lang geführt hatte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurde die Nachbargemeinde Barlissen eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten]

Wbt.: 61,83 % (2006: 71,01 %)
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Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
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Jühnde
Ehrenhain bei Jühnde

Der Gemeinderat der Gemeinde Jühnde hat elf Mitglieder, davon gehören sieben Mitglieder der SPD an, drei der CDU und eines den Grünen.[6] Bürgermeister ist Dietmar Bode.[7][8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Dorf Jühnde wird überwiegend von der Anlage des Jühnder Schlosses geprägt. Daneben existieren einige, meist schmucklose Fachwerkgebäude aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, die das Ortsbild prägen.[9]

Nördlich oberhalb des Dorfes wurde 1920 ein Ehrenhain als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs angelegt. Der Hain ist mit Eichen bewachsen und von einer Hecke umgeben. Die exponierte Lage oberhalb des Ortes in der freien Feldmark unmittelbar an der Landstraße 559 macht den Ehrenhain zu einem landschaftsprägenden Element. Die Gedenkstätte wurde später um zwei Gedenksteine für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ergänzt.

Bioenergiedorf[Bearbeiten]

Blick auf Jühnde vom Gaußturm. Links im Bild die genossenschaftliche Biogasanlage

Jühnde ist das erste Bioenergiedorf in Deutschland. Ermöglicht wurde dies durch ein Projekt des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung der Universität Göttingen.

Die Gemeinde Jühnde hat das Ziel, ihren kompletten Energiebedarf durch regenerative Energieträger zu decken, was nach einer mehrjährigen Vorbereitungszeit und unter umfassender Mitwirkung der Dorfbewohner im Winter 2005 erfolgreich umgesetzt wurde. Der größte Teil der Energie wird aus Biomasse von den umliegenden Äckern sowie Gülle gewonnen. Täglich werden der Anlage etwa 32 Tonnen Silage und 29 m³ Gülle hinzugeführt. Das entstehende Biogas wird einem Blockheizkraftwerk zugeführt. Der erzeugte Strom wird in das örtliche Stromnetz eingespeist, während die entstehende Abwärme den Haushalten über ein unterirdisches Nahwärmenetz zugeführt wird. Im Winter reicht diese Abwärme (700 kW) nicht immer für die Versorgung der angeschlossenen Haushalte aus. Deswegen gibt es ein zusätzliches Holzschnitzel-Heizwerk (600 kW), welches mit Holz aus der Umgebung gespeist wird und das Wasser des Nahwärmesystems zusätzlich erwärmt, notfalls kommt ein 350-kW-Ölbrenner zum Einsatz[10]. Jühnde produziert mit etwa 4 Mio. kWh pro Jahr doppelt soviel Ökostrom wie es selbst verbraucht. Der Strom wird für 17 Cent pro Kilowattstunde ins Netz eingespeist. Dadurch treibt die Anlage jährlich über 600.000 Euro ein. Noch dazu spart ein durchschnittlicher Haushalt in Jühnde ca. 750 Euro pro Jahr.

Jühnde ist in Deutschland der erste Ort, der seinen Energiebedarf vollständig aus regenerativen Energien abdeckt. Jühnde ist dadurch nicht nur in Deutschland sondern überall auf der Erde bekannt geworden. Besucher aus den USA, Japan und anderen Ländern besichtigten das erste Bioenergiedorf. Die dorfeigene Biogasanlage (einschl. eines Holzschnitzel-Heizkraftwerks) ist genossenschaftlich organisiert.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg verläuft, mit dem Betriebsbahnhof Jühnde und dem Mackenrodttunnel, südöstlich der Gemeinde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der Schriftsteller und Publizist Heinrich Sohnrey wurde 1859 als unehelicher Sohn von Oskar Freiherr Grote und Luise Sohnrey in Jühnde geboren und wuchs dort auf. Das Grab des 1948 in Neuhaus im Solling verstorbenen Heimatdichters befindet sich auf dem Friedhof der Jühnder Dorfkirche. 1949 wurde in Jühnde die Heinrich-Sohnrey-Gesellschaft gegründet, die im Turm des Jühnder Schlosses ein Archiv und eine Gedenkstätte für Sohnrey eingerichtet hat. Mehrere Schulen und zahlreiche Straßen tragen den Namen des „populären ‚Solling-Dichters‘ und Sozialreformers“, der indes 2011 in die Kritik geriet, nachdem eine neue Studie zum Ergebnis kam, dass Sohnrey ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus und zudem unverhohlen für die Vernichtung „minderwertiger Rassen“ eingetreten war[11].

TV-Produktion[Bearbeiten]

Ab dem 2. Juli 2007 kam wöchentlich auf Kabel1 die Doku-Soap Männer allein daheim, die in Jühnde gedreht wurde. Weiterhin gibt es eine 30-minütige Dokumentation über die Biogasanlage aus dem Jahr 2007 mit dem Titel: Wenn Mist zu Strom wird; Ein Dorf heizt ein.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Burchard Christian von Spilcker, Adolf Broennenberg: In: Burchard Christian von Spilcker, Adolf Broennenberg (Hrsg.): Vaterländisches Archiv für hannoverisch-braunschweigische Geschichte. 1, Herold & Wahlstab, Lüneburg 1833, S. 160–161.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jühnde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Jühnde – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Lotze: Geschichte der Stadt Münden nebst Umgegend. Eigenverlag, Hann. Münden 1878, S. 284f.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 213.
  4. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152401_000026/index.html
  5. http://wahlen.kds.de/2006kw/Daten/DRA/6_MAIN_E_GEMEINDEWAHL_JUEHNDE_2006.html
  6. Ergebnis zur Gemeindewahl Jühnde 2011 am 11. September 2011 Gemeinde Jühnde, abgerufen am 21. Oktober 2011
  7. Website der Gemeinde Jühnde: Gemeinderat der Gemeinde Jühnde, abgerufen am 21. Oktober 2011
  8. Pressident: Fragen an den Bürgermeister, abgerufen am 21. August 2012
  9.  Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 1. Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. 5.2, CW Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-251-6, S. 213–217.
  10. Göttinger Tageblatt, abgerufen am 12. Februar 2012
  11. Heidi Niemann: Der Sollingdichter und die Nazis. Neue Erkenntnisse über Heinrich Sohnrey lassen Kommunen umdenken. In: Kurier am Sonntag, Bremen, vom 20. November 2011, S. 16.