Wollbrandshausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wollbrandshausen
Wollbrandshausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wollbrandshausen hervorgehoben
51.58666666666710.161666666667174Koordinaten: 51° 35′ N, 10° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Göttingen
Samtgemeinde: Gieboldehausen
Höhe: 174 m ü. NHN
Fläche: 6,26 km²
Einwohner: 613 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37434
Vorwahl: 05528
Kfz-Kennzeichen: GÖ, DUD, HMÜ
Gemeindeschlüssel: 03 1 52 028
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Seeburgerstr. 9
37434 Wollbrandshausen
Webpräsenz: www.wollbrandshausen-homepage.de
Bürgermeister: Georg Freiberg (CDU)
Lage der Gemeinde Wollbrandshausen im Landkreis Göttingen
Staufenberg Hann. Münden Bühren Scheden Rosdorf Friedland Dransfeld Jühnde Niemetal Adelebsen Bovenden Waake Gleichen Landolfshausen Bilshausen Göttingen Seulingen Ebergötzen Bodensee Seeburg Obernfeld Krebeck Wollbrandshausen Rollshausen Wollershausen Duderstadt Gieboldehausen Rhumspringe Rüdershausen Landkreis Göttingen Niedersachsen Hessen Landkreis Northeim Landkreis Northeim Landkreis Osterode am Harz ThüringenKarte
Über dieses Bild
Ortsansicht auf Wollbrandshausen von Süden

Wollbrandshausen ist eine Gemeinde im Landkreis Göttingen in Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wollbrandshausen liegt ungefähr 15 Kilometer östlich von Göttingen und 10 Kilometer nordwestlich von Duderstadt im Untereichsfeld und gehört der Samtgemeinde Gieboldehausen an, die ihren Verwaltungssitz in dem Flecken Gieboldehausen hat. Die Ortslage befindet sich mitten in der Goldenen Mark im Tal des Ellerbaches, nördlich liegt der Höherberg (242 m) und südlich der Brückenberg (200,7 m).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Krebeck im Westen, Bodensee im Nordwesten, Gieboldehausen im Nordosten und Seeburg mit Bernshausen im Süden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1821):

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes Wollbrandshausen stammt aus dem Jahre 1105, wahrscheinlich ist der Ort jedoch wie die meisten Orte der Gegend älter. Die urkundliche Erwähnung fand im Rahmen einer Besitzbestätigung statt, welche der Mainzer Erzbischof Ruthard dem Kloster Katlenburg aussprach. In dieser Urkunde wird zudem angeführt, dass der Graf Dietrich von Katlenburg dem Mainzer Erzbischof eine Hufe bei „Walbernhusen“ geschenkt hatte. Nach dem Tod Dietrichs von Katlenburg gingen seine Besitzungen in Wollbrandshausen an den Grafen von Northeim, später wiederum an Heinrich den Löwen. Spätestens sei der Mitte des 14. Jahrhunderts zählte der Ort zum Amt Gieboldehausen und wurde im Jahre 1342, von den Braunschweiger Herzögen an das Erzstift Mainz verkauft. Da Wollbrandshausen an der Grenze des Kurstaates und der Durchgangsstraße nach Göttingen lag, wurde es im 17. und 18. Jahrhundert besonders schwer von den Kriegsfolgen getroffen. So brannte man das Dorf im Dreißigjährigen Krieg, in den Jahren 1623 und 1626, zweimal nieder, während es im Siebenjährigen Krieg 1761 einen Gefechtsplatz zwischen Hannoveranern und Franzosen darstellte.

In der Gemarkung des Ortes entstand 1855 auf dem Höherberg, zu Ehren der Vierzehn Heiligen, eine Wallfahrtsstätte. Der Anlass lag in der, seit 1850 im Eichsfeld grassierenden Choleraepidemie, die in Wollbrandshausen mehr als 30 Todesopfer forderte. Die „Große Wallfahrt“ findet stets am zweiten Sonntag im Juli statt, während die „Kleine Wallfahrt“ auf den Sonntag nach dem 21. Juni fällt. Daneben findet am letzten Sonntag im September stets ein traditioneller Reitergottesdienst, zu Ehren des heiligen Eustachius, statt.

Die Keimzelle des Dorfes dürfte im Bereich der Kirche zu suchen sein. Die heutige katholische Kirche St. Georg wurde erst 1796 als klassizistischer Sandsteinbau errichtet.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011
Wahlbeteiligung: 61,49 %[2]
 %
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
81,41 %
18,59 %

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Wollbrandshausen setzt sich aus 9 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)[3]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Georg Freiberg (CDU) wurde am 15. November 2011 vom Gemeinderat wiedergewählt und befindet sich in seiner dritten Legislaturperiode in diesem Amt. Erste stellvertretende Bürgermeisterin ist Heike Bodmann (SPD), zweiter Stellvertreter ist Thorsten Freiberg (CDU), der auch das Amt des Verwaltungsvertreters bekleidet.[4]

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: In Rot der heilige Georg auf sich aufbäumendem Ross, mit der Linken und Rechten seine Lanze in den geöffneten Rachen des Drachen stoßend. Reiter, Pferd und Drachen golden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche St. Georg[Bearbeiten]

Klassizistische Kirche St. Georg

Zu einer der insgesamt vier klassizistischen Sakralbauten des Untereichsfelds zählt die Wollbrandshäuser Kirche St. Georg, welche sich als Buntsandsteinbau mit polygonalem Chorschluss und dachreiterartigen, spitzen Turm mit Kupferbeschlag präsentiert. Um die Außenwände der Kirche verläuft eine gleichmäßige Gliederung durch Pilaster, die einerseits senkrechte Sockel- und anderseits waagerechte Kranzgesimse darstellen. Die Westfassade bildet einen zweistöckigen Portalaufbau, auf dem im höheren Teil eine Nische angebracht ist, in welcher sich eine Reliefdarstellung des heiligen St. Georg befindet. Die Raumarchitektur des mit einem stichkappigen Spiegelgewölbe überspannenden Saales wird durch antikische Ornamentmotive, wie Zahnschnitt, Perlstab und Palmettenfries bestimmt. Sie sind an den gekröpften Gesimsen der Pilaster angebracht. An der Ostwand des Chors wurden Partien von einstmals überputzten Fresken freigelegt. Der Hauptaltar der Kirche stammt vom Hildesheimer Bildhauer Jobst Heinrich Lessen dem Jüngeren und wird auf das 1. Drittel des 18. Jahrhunderts datiert. Früher befand sich der Altar in Henneckenrode, bis er 1862 vermutlich durch die Initiative des Duderstädter Kardinals Kopp nach Wollbrandshausen kam. Gestützt wird diese These dadurch, dass Kopp zu der Zeit Kardinal in Henneckenrode war. Der Nebenaltar zeigt das Martyrium des heiligen Johannes von Nepomuk und steht stilistisch und farblich dem Hauptaltar entgegen. Im oberen Teil des Nebenaltars befinden sich zwei Bilder, welche zeitlich aufeinanderfolgend den Stoß des Heiligen von der Moldaubrücke und den im Wasser liegenden Heiligen abbilden. Weiterhin befindet sich in der Kirche ein eine spätgotische Mondsichelmadonna mit Kind, unter deren Rocksaum ein fratzenhaftes Mondgesicht hervorschaut. Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Laurentius mit Sitz in Gieboldehausen.

Wallfahrtskapelle zu den Vierzehn Heiligen Nothelfern[Bearbeiten]

Wallfahrtskapelle auf dem Höherberg
Lichterprozession am 15. August 2013

Der etwa 1,8 Kilometer nördlich von Wollbrandshausen gelegene Höherberg ist mit 242 Metern zwar nicht der höchste Berg im Untereichsfeld, aber seine freie Lage mit Sicht nach allen Seiten macht ihn zu einem der der schönsten Aussichtspunkte der ganzen Region, wenn sich auch die Landschaft seit Isekes Zeiten verändert hat. Die zuverlässige Auskunft über die Entstehungsgeschichte der Wallfahrtskapelle auf dem Höherberg gibt der Bericht des Wollbrandshäuser Pfarrers August Vocke vom 7. August 1855 an den Hildesheimer Bischof Eduard Jakob Wedekin wieder. Nachzulesen ist dieser in der Chronik Die Wallfahrtskapelle auf dem Höherberg 1856-2006 herausgegeben von der Kirchengemeinde Wollbrandshausen. Die ausführliche Darstellung August Vockes zur Vorgeschichte der Wallfahrtskapelle widerlegt eindeutig die oft geäußerte Meinung, der Bau sei auf ein von Vocke abgelegtes Gelübde zurückzuführen, wenn ihn die Cholera verschone, wolle er auf dem Höherberg eine Kapelle zu bauen. Die Kapelle wurde 1901–02 erweitert.[5]

Am 1. Mai eines jeden Jahres findet die Eröffnung der Wallfahrtssaison auf dem Höherberg unter Beteiligung des Männergesangverein St. Joseph Wollbrandshausen statt. Weitere Veranstaltungen sind die Kleine und Große Wallfahrt, Pferdewallfahrt sowie die Lichterprozession zum Fest Mariä Himmelfahrt.

Wollbrandshäuser Fastnacht von 1890[Bearbeiten]

Eine Besonderheit von Wollbrandshausen ist die Fastnachtstradition. Die Fastnacht ist im Jahresverlauf die größte Veranstaltung des Ortes. Im Gegensatz zu anderen Fastnachtstraditionen gibt es kein Prinzenpaar und auch keine Prinzengarde. Hauptakteure sind der Gerichtshof und die Ärztekommission. Am Samstag vor Rosenmontag beginnen die Feierlichkeiten mit dem Büttenabend, an dem neben diverser Reden, Tänze und sonstige Vorführungen dargeboten werden. Der Fastnachtsumzug durch den Ort findet unter Teilnahme der örtlichen Vereine am nachfolgenden Sonntag statt. Der Rosenmontag ist der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung. Der Tag beginnt mit dem „Stümpelessen“ (deftiges Frühstück). Am Nachmittag findet dann durch den Gerichtshof das symbolische „Rasieren“ der „Piepgössel“ (junge Dorfbewohner meist im Alter von 16 Jahren) statt, die durch diesen Brauch in das Erwachsenenleben eintreten. Die jungen Mädchen werden von der Ärztekommission „untersucht“. Seit einigen Jahren findet am Abend des Rosenmontags ein Preismaskenball statt. Dienstag früh ziehen Gerichtshof und Ärztekommission mit den „Piepgösseln“ erneut durch den Ort, um Wurst und Eier zu sammeln. Am Abend findet dann gemeinsam mit den Dorfbewohnern das traditionelle Wurstessen statt, bei dem die am Vormittag eingesammelten Wurstspenden verköstigt werden. Am Mittwochabend klingt die Wollbrandshäuser Fastnacht mit dem Heringsessen aus.

Weitere regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Ein weiterer Höhepunkt des Jahres bildet das Theaterstück der Laienspielgruppe des Männergesangsvereins St.Joseph. Seit über 100 Jahren wird immer am zweiten Weihnachtstag eines jeden Jahres ein anderes Theaterstück aufgeführt. Anfang Januar, meist um den Dreikönigstag herum, wird diese Vorstellung wiederholt.

Weitere Veranstaltungen sind das Schützenfest, Wandertage, Vereinsbälle und die Sportwoche. Regelmäßige Veranstaltungen der örtlichen Kirchengemeinde sind die Umzüge durch den Ort an Fronleichnam sowie zum St.-Martinstag.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Wollbrandshausen liegt direkt an der Bundesstraße 27, die von Göttingen nach Herzberg am Harz führt, und ist mit der Kreisstraße 114 an die Bundesstraße 446, Nörten-Hardenberg nach Duderstadt, an das Straßennetz angebunden. Durch die Buslinie 170 besteht in Wollbrandshausen jeweils eine stündliche Anbindung an die Städte Göttingen und Duderstadt.

Vereinsleben[Bearbeiten]

In Wollbrandshausen gibt es folgende Vereine bzw. Institutionen:[6]

  • Geselliger Schützenverein Wollbrandshausen von 1978 e.V.
  • Männergesangverein St. Joseph
  • Frauengemeinschaft
  • Sport-Club Wollbrandshausen e.V. 1929
  • Freiwillige Feuerwehr Wollbrandshausen (mit Jugendfeuerwehr)[7]
  • Fastnachtsverein Wollbrandshausen seit 1890 e.V.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Dorfgemeinschaftshaus mit Gemeindebüro

Bioenergiedorf[Bearbeiten]

Zusammen mit der Nachbargemeinde Krebeck ist Wollbrandshausen Bioenergiedorf. Derzeit wird durch die Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck eG eine Biogasanlage, gelegen zwischen beiden Orten an der Bundesstraße 27, errichtet und das Fernwärmenetz erstellt. Dieses Projekt geht auf eine Initiative des Landkreis Göttingen zurück und folgt dem Beispiel des Ortes Jühnde (ebenfalls im Landkreis Göttingen) zur Nutzung regenerativer Energien.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Sabine Wehking, Gerhard Rexhausen, Rüdiger Pump: Die Wallfahrtskapelle auf dem Höherberg 1856 - 2006. Kirchengemeinde, Wollbrandshausen 2006, ISBN 3-00-017858-9.
  •  Angelika Paetzold: Fastnacht im Eichsfeld am Beispiel von Wollbrandshausen. Göttingen 1985.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wollbrandshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. http://wahlen.kds.de/2011kw/indexgie.htm Kommunalwahlergebnisse Südniedersachsen
  3. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152402_000062/index.html
  4. Eichsfelder Tageblatt vom 18. November 2011
  5. Peter Ferdinand Lufen: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2. Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen. Herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege –. CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 323f.
  6. http://www.wollbrandshausen.de/4697.html?*session*id*key*=*session*id*val*
  7. http://www.jf-wollbrandshausen.de.vu/wollbrandshausen
  8. http://www.biowk.de/