Kamaz

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КАМАЗ
KAMAZ
Unternehmenslogo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1969
Sitz Nabereschnyje Tschelny
Leitung Sergei A. Kogogin
Mitarbeiter ca. 59.000 (2008)
Umsatz 56,6 Mrd. russische Rubel[1] (2012)
Branche Fahrzeugbau
Produkte Nutzfahrzeuge, OmnibusseVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.kamaz.net
Eingang zu den Kamaz-Werken
Eine Produktionshalle von Kamaz
Dieselmotorenwerk Kamaz Disel

Das russische Unternehmen Kamaz (auch Kamas, russisch OAO КАМАЗ / OAO Kamas, Abkürzung für Камский автомобильный завод/Kamski awtomobilny sawod) befindet sich in der Industriestadt Nabereschnyje Tschelny, Tatarstan, in der Nähe des Kama-Staudammes. Hier werden außer Lastkraftwagen auch Dieselmotoren, Omnibusse (NefAZ - НефАЗ) und Panzer produziert.

Geschichte[Bearbeiten]

Mitte der 1960er-Jahre bestand in der Sowjetunion ein hoher Bedarf an mittelschweren Lkw, der aus eigener Produktion nicht gedeckt werden konnte. Aus diesem Grund wurde 1976 ein komplettes Produktionswerk in Betrieb genommen, das innerhalb von fünf Jahren errichtet wurde. 70 % der dafür benötigten Maschinen mussten importiert werden. Der mit einer Computeranalyse ermittelte optimale Produktionsstandort war Nabereschnyje Tschelny. Mittlerweile umfasst der Produktionskomplex zehn große Spezialwerke mit einer Kapazität von bis zu 65.000 Lkw, 1.000 Bussen und bis zu 75.000 Dieselmotoren pro Jahr. Damit waren die Kamaz-Werke einer der größten Nutzfahrzeughersteller weltweit.

Bevor die Großserie begann, wurden vorher in dem Moskauer Ingenieurinstitut I. A. Lichatschow 24 Prototypen gebaut, die in dem zentralen sowjetischen Fahrzeugplanungs- und Entwicklungsinstitut NAMI projektiert sowie in den unterschiedlichsten sowjetischen Klimagebieten wie Sibirien, Ural und den heißen südlichen Unionsrepubliken auf ihre Alltagstauglichkeit und Robustheit erprobt wurden. Die Motoren wurden zentral in den sowjetischen Jaroslawl-Werken entwickelt. Die Versuchsmuster sahen insbesondere in der Führerhausgestaltung noch anders aus als die späteren Serien-Lkw. Drei Baumuster gingen zunächst in die Produktion. Ein Pritschenwagen (Modellkennung 5320), eine Sattelzugmaschine (Modellkennung 5410) und ein Muldenkipper (Modellkennung 5511) – alle jeweils als dreiachsige Varianten.

Am 16. Februar 1976 lief der erste Kamaz-Serien-Lkw vom Band und 1977 wurde mit der Großserie begonnen. Damit begann genau eine Woche vor dem XXV. Parteitag der KPdSU die Serienproduktion. Im ersten Jahr wurden so bis Oktober 1976 15.000 und bis Dezember 22.000 Lkw in den Gewichtsklassen von 8 bis 20 Tonnen produziert. Diese Lkw hatten 210 PS und später mit Turbolader 260 PS. Die Fahrzeuge waren bis Anfang der 1990er Jahre im ganzen RGW-Bereich sehr verbreitet. Die Motoren wurden auch an andere Lkw-Hersteller wie ZIL, Uralski Awtomobilny Sawod und LIAZ geliefert. Geplant war die Produktion von 150.000 Lkw und 250.000 Motoren im Jahr. Im Februar 1985 wurde auf Kuba eine Montagefertigung eingerichtet. Auch unter der Bezeichnung Altkam wurden Lkw gebaut. Im Oktober 1988 lief der einmillionste Lkw im Werk Nabereschnyje Tschelny vom Band. Am 23. August 1990 wurde der Betrieb als erster in der Sowjetunion in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1992 wurden auch Cummins Motoren benutzt, wobei auch eigene Motoren noch bis 1995 eingebaut wurden. In dem Jahr wurde das komplette Motoren-Werk durch ein Großfeuer zerstört. Nun wurden Cummins Sechszylinder Motoren mit bis zu 400 PS, ein Vielstoffmotor, Eaton Getriebe und Fahrerhäuser von Sisu benutzt. ZF lieferte auch Getriebe und Rockwell die Achsen.

Mit den politischen Umwälzungen in Osteuropa veränderten sich auch die Rahmenbedingungen der Produktion. Kamaz kam 1998 bis an den Rand des Ruins. 1999 erhielt Kamaz einen Kredit von mehr als 100 Millionen Dollar von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Trotz des weggebrochenen Absatzmarktes konnten bis August 1993 noch 1,5 Millionen und bis August 1999 insgesamt 1,6 Millionen Lkw gebaut werden. Im Jahr 2000 kamen nur noch 5.000 Lkw hinzu und Cummins sowie ZF lieferten nicht mehr. Aufträge kamen nun vom Militär und eigene V 8-Motoren konnten in diese Lkw eingebaut werden. Die zivilen Typen erhielten nun Caterpillar Motoren. Bis 2003 verließen insgesamt rund 2,3 Millionen eigene und fremde Dieselmotoren das Werk. Die Fahrzeuge sind bis heute in den GUS-Staaten weit verbreitet und werden nach Werksangaben weltweit in ca. 30 Länder exportiert.

Am 12. Dezember 2008 erwarb die Daimler AG 10 % der Kamaz-Anteile von der Troika-Dialog Holding. Eine Aufstockung auf bis zu 43 % der Beteiligung ist bei positiver wirtschaftlicher Entwicklung geplant. Daimler erhält zudem einen Sitz im Aufsichtsrat sowie weitreichenden Einfluss, was die Weiterentwicklung und Modernisierung der Modellreihen betrifft.[2]

Im Oktober 2009 wurde bekannt, dass Daimler und Kamaz enger zusammenarbeiten wollen, es soll ein Gemeinschaftsprojekt entwickelt werden. So werden Mercedes-Lkw in einem Kamaz-Werk produziert. Gleichfalls sollen über das Unternehmen auch Produkte von Mercedes-Benz sowie Busse der Marke Setra vertrieben werden. Das Service- und Vertriebsnetz soll über Kamaz-Händler ausgebaut werden. Daimlers japanische Tochter Fuso wird ebenfalls Lkw in Nabereschnye Tschelny bauen. Genannt wurde der Fuso Canter. Ziel sei es dabei, den Anteil der russischen Zulieferbetriebe und russisch produzierten Komponenten schrittweise zu erhöhen sowie insgesamt eine Stärkung der Präsenz von Mercedes-Benz und der Zusammenarbeit mit Kamaz in Russland.[3]

KAMAZ 5320 in Russland
Kamaz 5410 in Elabuga
KAMAZ 5511 in Sergijew Possad
Kamaz 65115 in Elabuga

Produktionsstandorte[Bearbeiten]

Die Kamaz Gruppe[Bearbeiten]

Zur Kamaz-Gruppe gehören mehr als 110 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften. Ferner ist Kamaz an ca. 50 Unternehmungen beteiligt. Zur Gruppe gehören u.a.:

  • Automobilwerk Nabereschnyje Tschelny
  • Automobilwerk Neftekamsk (NefAZ)
  • Kamaz-Metallurgie
  • Gießerei und Stanzwerk
  • Kamaz Diesel
  • Kamaz Remdiesel
  • Kamaz Technischer Service
  • Handels- und Finanzunternehmen Kamaz
  • KIP Master
  • Wissenschaftlich-Technisches Zentrum von Kamaz
  • Kamaz Spezialinstrumentenbau

Modelle[Bearbeiten]

  • KAMAZ 4320: Pritschenwagen, altes Modell
  • KAMAZ 5320: Pritschenwagen (teilweise mit Ladekran LDK 12/6,3)
  • KAMAZ 5410
  • KAMAZ 5460: Sattelzugmaschine
  • KAMAZ 5511
  • KAMAZ 65115
  • KAMAZ 6520: Kipper
  • KAMAZ 43253: Pritschenwagen
  • KAMAZ 49252
  • KAMAZ 49256
  • KAMAZ 4911: Sport-Truck
  • NEFAZ 5299: ÖPNV-Omnibus
  • NEFAZ 52991: Reisebus

Personenwagen[Bearbeiten]

Am 21. Dezember 1987 begann Kamaz mit der Produktion des Kleinwagens Oka.[4] Die Vermarktung erfolgte bis zum 16. März 1990 unter dem Markennamen Kama und der Modellbezeichnung 1111.[4] Bis zu diesem Zeitpunkt waren 1000 Fahrzeuge entstanden.[4] Ab diesem Zeitpunkt erfolgte die Vermarktung durch Lada und SeAS.[4]

Motorsport[Bearbeiten]

KAMAZ-4911-Truck am Lac Rosé (Rallye Dakar 2004)

An der Rallye Dakar nahm das Werk mit bis zu drei T4-Kategorie-Fahrzeugen teil. Dabei belegte KAMAZ in der Truck-Gesamtwertung in den Jahren 1996, 2000, 2002 bis 2006, 2009 bis 2011 sowie 2013 und 2014 jeweils den ersten Rang.

Siege bei der Rallye Dakar[Bearbeiten]

Jahr Fahrer (Nationalität) Trucks Strecke
1996 Moskowskich, Kusmin (RUS) Platz 1 GranadaDakar
2000 Tschagin, Jakubow, Sawostin (RUS) Platz 1 Paris – Dakar – Kairo
2002 Tschagin, Jakubow, Sawostin (RUS) Platz 1 ArrasMadrid – Dakar
2003 Tschagin, Jakubow, Sawostin (RUS) Platz 1 MarseilleScharm El-Scheich
2004 Tschagin, Jakubow, Sawostin (RUS) Platz 1 Clermont-Ferrand – Dakar
2005 Kabirow, Beljajew, Mokejew (RUS) Platz 1 Barcelona – Dakar
2006 Tschagin, Jakubow, Sawostin (RUS) Platz 1 LissabonNouakchott – Dakar
2009 Kabirow, Beljajew, Mokejew (RUS) Platz 1 Buenos Aires – Buenos Aires
2010 Tschagin, Sawostin, Nikolaev (RUS) Platz 1 Buenos Aires – Antofagasta – Buenos Aires
2011 Tschagin, Sawostin, Shaysultanov (RUS) Platz 1 Buenos Aires – Arica – Buenos Aires
2013 Nikolaev (RUS) Platz 1 Rosario - Santiago de Chile
2014 Karginov, Mokeev, Devyatkin (RUS) Platz 1 Lima - Valparaiso

Weitere Erfolge[Bearbeiten]

Rustam Minnichanow, der Premierminister von Tatarstan, ist in seiner Freizeit begeisterter Rennfahrer und gewann 2002, 2003, 2004 und 2006 mit einem Werks-KAMAZ-4911-Truck die UAE Desert Challenge in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Jahr 2005 konnte er nach einem Beinbruch nicht an diesem Rallye Raid teilnehmen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. KAMAZ announced 56.6 billion Rubles revenue
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDaimler übernimmt 10% an russischem Lkw-Hersteller Kamaz. Abgerufen am 12. Dezember 2008.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDaimler und Kamaz rücken bei Lkws zusammen. In: Handelsblatt. 1. Okt. 2009, abgerufen am 1. Okt. 2009.
  4. a b c d Vermeylen: Autos aus dem Ostblock.

Literatur[Bearbeiten]

  • Oldtimer Nutzfahrzeug Lexikon. Motorbuch, Berlin 2008, S. 183,184. ISBN 3-613-02944-8
  • Bernard Vermeylen: Autos aus dem Ostblock. Alle Modelle seit 1945. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-3149-9. (für die Pkw-Produktion)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kamaz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien