Kupferzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kupferzell
Kupferzell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kupferzell hervorgehoben
49.2333333333339.6833333333333340Koordinaten: 49° 14′ N, 9° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Hohenlohekreis
Gemeindeverwal-
tungsverband:
„Hohenloher Ebene“
Höhe: 340 m ü. NHN
Fläche: 54,28 km²
Einwohner: 5749 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74635
Vorwahl: 07944
Kfz-Kennzeichen: KÜN
Gemeindeschlüssel: 08 1 26 047
Gemeindegliederung: 21 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 14–16
74635 Kupferzell
Webpräsenz: www.kupferzell.de
Bürgermeister: Joachim Schaaf
Lage der Gemeinde Kupferzell im Hohenlohekreis
Landkreis Heilbronn Landkreis Schwäbisch Hall Main-Tauber-Kreis Neckar-Odenwald-Kreis Bretzfeld Dörzbach Forchtenberg Forchtenberg Ingelfingen Krautheim (Jagst) Künzelsau Kupferzell Mulfingen Neuenstein (Hohenlohe) Niedernhall Öhringen Pfedelbach Schöntal Waldenburg (Württemberg) Weißbach (Hohenlohe) ZweiflingenKarte
Über dieses Bild

Kupferzell ist eine Gemeinde im Hohenlohekreis im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kupferzell hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge, Kocher-Jagst-Ebenen und Hohenloher-Haller Ebene.[2] Der Hauptort Kupferzell liegt an der Kupfer, einem Nebenfluss des Kochers.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Kupferzell besteht nach dem Zusammenschluss der ehemaligen Gemeinden Eschental, Feßbach, Goggenbach, Kupferzell, Mangoldsall und Westernach aus folgenden 21 Ortsteilen:

  • Zur ehemaligen Gemeinde Kupferzell in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 gehören das Dorf Kupferzell, die Weiler Rechbach und Ulrichsberg und das Gehöft Schafhof sowie die abgegangenen Ortschaften Endtberg, Hörzelberg, Mayen, Rieden und Wildenhofen.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Eschental gehören das Dorf Eschental und der Weiler Einweiler sowie die abgegangene Burg Günzburg.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Feßbach gehören das Dorf Feßbach und die Weiler Kubach, Künsbach und Rüblingen sowie die abgegangenen Ortschaften Bullingsweiler, Hefenhofen und Tiefenbronn.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Goggenbach gehört das Dorf Goggenbach.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Mangoldsall gehören das Dorf Mangoldsall und der Weiler Füßbach sowie die abgegangenen Ortschaften Frowichsall und Kapfenhardt.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Westernach gehören das Dorf Westernach, die Weiler Bauersbach, Beltersrot, Belzhag, Hesselbronn und Löcherholz und die Häuser Neu-Kupfer und Stegmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Hof, Höflein und Hurelbach.

Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und mit Bindestrich verbunden nachgestellt die Namen der Ortsteile. Für die Wahl des Gemeinderats ist das Gemeindegebiet ist in zehn Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung gegliedert. In den eingemeindeten Gemeinden sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. Für die Wahl der Ortschaftsräte wird teilweise die Unechte Teilortswahl entsprechend angewendet und die Ortschaften in Wohnbezirke unterteilt.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten]

Schillingsfürster Wappen über einer der Kupferzeller Schlosstüren

Der Name Kupferzell geht auf einen Mönch mit Namen Dietrich zurück, der im Ohrnwald an der Kupfer eine Einsiedlerzelle aufschlug, um sich zurückzuziehen. Hieraus leitet sich der Name Celle ab, der um die geografische Bezeichnung „uf dem Ornwald“ und bis ins 15. Jahrhundert nach der Lage an der Kupfer erweitert wurde. Die erste urkundliche Erwähnung von Kupferzell als Celle datiert auf das Jahr 1236.

Ab 1323 war Kupferzell in hohenlohischem Besitz.[5] Besitz hatten zudem das Kloster Gnadental und das Chorherrenstift Öhringen, außerdem war der Ort oft verpfändet. Bei der Teilung des hohenlohischen Besitzes 1553 kam Kupferzell an Hohenlohe-Waldenburg, wo der Ort zum Amtssitz wurde. Im späten 17. Jahrhundert kam der Ort an Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst.

Der Bau des Residenzschlosses 1721 machte Kupferzell zur Hauptstadt des Schillingsfürster Territoriums. Zudem lag die Ortschaft im Fränkischen Reichskreis. Als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses kam der Ort – wie alle hohenlohischen Lande – 1806 an das Königreich Württemberg und gehörte fortan zum Oberamt Öhringen.[6]

Religionen[Bearbeiten]

Katholische Kirche St. Michael in Kupferzell

Eine Pfarrkirche ist im Ort seit 1236 nachweisbar. In der Reformation wurde Kupferzell zunächst evangelisch. Nachdem der Ort jedoch Residenzstadt der katholischen Grafen zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst wurde, wurde 1719 die römische Konfession wieder zugelassen und von den Grafen gefördert.

Die evangelische Kirche in Westernach gehört nicht zur Pfarrei von Kupferzell, sondern zur Pfarrkirche von Waldenburg.

Gemeindereform[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 vereinigte sich Kupferzell mit Eschental, Feßbach, Mangoldsall, Goggenbach und Westernach zur neuen Gemeinde Kupferzell.

Wappen der Ortsteile[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

In Kupferzell wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Kupferzell hat nach der letzten Wahl 25 Mitglieder (2009: 20). Die Wahlbeteiligung lag bei 48,4 % (2009: 52,3 %). Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Unabhängige Wählergemeinschaft 41,7 % 10 Sitze
FWV 30,3 % 8 Sitze
SPD 28,0 % 7 Sitze

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Kupferzeller Wappens lautet: Unter silbernem Schildhaupt, darin ein schreitender, rot bezungter, hersehender schwarzer Löwe (Leopard), in Schwarz eine rot bedachte silberne Kirche mit Dachreiter. Die Flagge der Gemeinde ist Rot-Weiß.

Die neue Gemeinde Kupferzell führt weiterhin das 1957 entstandene alte Kupferzeller Wappen. Der Leopard entstammt dem Hohenloher Wappen und repräsentiert die allen Teilen Kupferzells gemeinsame Angehörigkeit zu Hohenlohe, die Kirche (Zelle) bezieht sich auf den Gemeindenamen. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 27. Februar 1976 vom Landratsamt des Hohenlohekreises verliehen.[7]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der alte Kupferzeller Bahnhof in Wackershofen

Verkehr[Bearbeiten]

Kupferzell ist über die Bundesautobahn 6 (SaarbrückenWaidhaus) gut an das überregionale Straßennetz in Deutschland und nach Frankreich und Tschechien angebunden. Früher verfügte Kupferzell mit der Kochertalbahn über einen Bahnanschluss, bis deren Betrieb 1991 endgültig eingestellt wurde. Der Bahnhof wurde ins Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen transloziert.

Bildung[Bearbeiten]

Die Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell ist eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Sie ist eine der 34 Starterschulen, die ab dem Schuljahr 2012/2013 die ersten baden-württembergischen Gemeinschaftsschulen sein werden.[8]

Im Schloss Kupferzell befindet sich die Akademie für Landbau und Hauswirtschaft (ALH). Sie ist eine Fachschule in der Trägerschaft des Hohenlohekreises in Kooperation mit dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Schloss vom Schlosspark aus gesehen

Das ehemalige Residenzschloss in Kupferzell wurde 1721 durch Graf Philipp Ernst erbaut.

Die evangelische Kirche in Westernach geht mindestens auf das 15. Jahrhundert zurück und wurde bereits im 16. Jahrhundert erneuert. Der Taufstein stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Das ehemalige Kupferzeller Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1892 wurde 1990 als vermutlich erster Vertreter des württembergischen Einheitsbahnhofs in das Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen transloziert. Das Gebäude steht dort am Haltepunkt Wackershofen, trägt aber weiterhin die Aufschrift Kupferzell.[9] Ebenfalls ins Freilandmuseum Wackershofen verbracht wurde im Jahr 1986/87 das ehemalige Kupferzeller Lagerhaus aus dem Jahr 1897/98, das älteste genossenschaftliche Lagerhaus Baden-Württembergs.

Fossile Funde[Bearbeiten]

Kupferzell gilt als Massengrab fossiler Saurier. Dort kamen Reste von Sumpfbewohnern wie Mastodonsaurus und Plagiosaurus zusammen mit Meeresreptilien der Gattung Nothosaurus, verschiedenen Fischen sowie an Land lebenden Reptilien zum Vorschein. Der mehr als vier Meter lange Mastodonsaurus gilt als eines der größten Amphibien der Erdgeschichte.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009.
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 212–216.
  4. Hauptsatzung der Gemeinde Kupferzell vom 12. Februar 1991, zuletzt geändert am 16. März 2004 (PDF; 49 kB)
  5.  Leopard verdrängt Hirschstange. In: Hohenloher Zeitung. 4. August 2012 (bei stimme.de, abgerufen am 4. August 2012).
  6. Hohenlohekreis: Kupferzell: Ein gutes Stück Hohenlohe. Online auf www.hohenlohekreis.de, abgerufen am 26. Oktober 2014
  7. Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1), S. 90.
  8. Gesamtliste der Starterschulen der Gemeinschaftsschule bei kultusportal-bw.de (PDF; 39 kB; abgerufen am 11. März 2012)
  9.  Albrecht Bedal: Frühe Sekundärbahn und erster Einheitsbahnhof. Zur Geschichte des Kupferzeller Bahnanschlusses. In: Der Bahnhof aus Kupferzell. Die Geschichte eines württembergischen Stationsgebäudes und der Nebenbahn Waldenburg–Künzelsau. Hohenloher Freilichtmuseum, Schwäbisch Hall 2001, ISBN 3-9806793-3-0, S. 45–60.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kupferzell – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien