Heilbronner Stimme

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Heilbronner Stimme
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Beschreibung Heilbronner Tageszeitung
Sprache Deutsch
Verlag Heilbronner Stimme GmbH & Co. KG
Erstausgabe 28. März 1946
Verkaufte Auflage
(IVW 2/2014, Mo–Sa)
87.192 Exemplare
Reichweite (MA 2010 [1]) 0,257 Mio. Leser
Chefredakteur Uwe Ralf Heer
Geschäftsführer Tilmann Distelbarth, Bernd Herzberger
Weblink www.stimme.de
Artikelarchiv www.stimme.de/archivsuche
ZDB 126562-3
„Hausnummernschild“ vor dem Druckereigebäude der Heilbronner Stimme

Die Heilbronner Stimme (HSt) ist eine Regionalzeitung und die einzige Tageszeitung der baden-württembergischen Großstadt Heilbronn. Im Verlag der Heilbronner Stimme, der über 500 Mitarbeiter beschäftigt, erscheinen neben sieben Regionalausgaben der Heilbronner Stimme auch die beiden Tageszeitungen Hohenloher Zeitung und Kraichgau Stimme sowie diverse Anzeigenblätter (u. a. echo). Das Verbreitungsgebiet der Tageszeitungen ist die Stadt Heilbronn, der Landkreis Heilbronn, der Hohenlohekreis sowie einzelne Gemeinden angrenzender Landkreise. Die verkaufte Auflage liegt bei 87.192 Exemplaren[2] pro Tag, die etwa 257.000 Leser finden und im Rheinischen Format gedruckt werden. Der Verleger ist Tilmann Distelbarth. Chefredakteur ist seit dem 1. Juli 2006 Uwe Ralf Heer.

Die Heilbronner Stimme ist gemäß den von jedem Redaktionsmitglied zu unterschreibenden Richtlinien zur „Haltung der Zeitung“ „überparteilich, liberal, freiheitlich/fortschrittlich und unabhängig von fremden Einflüssen.“ In ihrem Impressum führt sie den Zusatz „Unabhängige Tageszeitung“. Bis auf den Egon-Erwin-Kisch-Preis (jetzt Henri-Nannen-Preis) hat die Redaktion alle wichtigen Journalismuspreise mindestens einmal gewonnen, u. a. den Wächterpreis der deutschen Tagespresse, den Theodor-Wolff-Preis, den Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Adenauer-Sonderpreis und den Christophorus-Preis.

Ausgaben[Bearbeiten]

Die Heilbronner Stimme (Kraichgau Stimme und Hohenloher Zeitung mit eingerechnet) erscheint insgesamt in neun verschiedenen Haupt- und Lokalausgaben, die sich nur auf wenigen Seiten im Lokalteil voneinander unterscheiden:

  1. H, Heilbronn (Stadtausgabe)
  2. NO, Nord-Ost (Hardthausen am Kocher, Jagsthausen, Langenbrettach, Möckmühl, Neudenau, Neuenstadt am Kocher, Roigheim, Widdern)
  3. NM, Nord-Mitte (Bad Friedrichshall, Bad Wimpfen, Erlenbach, Gundelsheim, Haßmersheim, Neckarsulm, Oedheim, Offenau, Untereisesheim)
  4. KS, Kraichgau Stimme (Bad Rappenau, Eppingen, Gemmingen, Hüffenhardt, Ittlingen, Kirchardt, Siegelsbach, Sulzfeld)
  5. LT, Leintal (Leingarten, Massenbachhausen, Schwaigern)
  6. SW, Süd-West (Bönnigheim, Brackenheim, Cleebronn, Güglingen, Kirchheim am Neckar, Lauffen am Neckar, Neckarwestheim, Nordheim, Pfaffenhofen, Zaberfeld)
  7. SO, Süd-Ost (Abstatt, Beilstein, Flein, Ilsfeld, Oberstenfeld, Talheim, Untergruppenbach)
  8. WT, Weinsberger Tal (Eberstadt, Ellhofen, Lehrensteinsfeld, Löwenstein, Obersulm, Weinsberg, Wüstenrot)
  9. HZ, Hohenloher Zeitung (gesamter Hohenlohekreis mit Künzelsau und Öhringen, außerdem Steinkirchen)

Auflage[Bearbeiten]

Die Heilbronner Stimme hat ebenso wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 14,2 Prozent gesunken.[3] Sie beträgt gegenwärtig 87.192 Exemplare.[4] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 91,6 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[5]


Geschichte[Bearbeiten]

Stimme-Hochhaus an der Allee in Heilbronn, erbaut 1957
Stimme-Druckzentrum im Industriegebiet, erbaut 1995

Die Heilbronner Stimme erschien erstmals am 28. März 1946 mit der Lizenz US-WB-102 der Militärregierung der Vereinigten Staaten, die am 26. März 1946 erteilt wurde. Sie war die dritte Lizenzzeitung in Württemberg (nach der Stuttgarter Zeitung und der Schwäbischen Donau-Zeitung in Ulm, der jetzigen Südwest Presse) und die 31. in der amerikanischen Besatzungszone. Der Titel der neuen Zeitung sollte ursprünglich Heilbronner Zeitung lauten; alle drei zur Vorlage bei der amerikanischen Militärregierung am 16. und 19. März 1946 gedruckten Probenummern tragen diesen Titel. Die Amerikaner wollten jedoch keine Zeitungstitel zulassen, die es bereits gegeben hatte, und eine Heilbronner Zeitung hatte es von 1879 bis 1920 schon einmal gegeben. So kam es in Anlehnung an das von den US-Behörden 1945 herausgegebene Wochenblatt Stuttgarter Stimme zu dem für eine Zeitung ungewöhnlichen Titel Heilbronner Stimme.

Die ersten Verleger waren Paul H. Distelbarth (1879–1963) und Hermann Schwerdtfeger (1903–1988). Distelbarth kam ursprünglich aus Böhmen, fand im Ersten Weltkrieg zum Pazifismus und kam 1921 in die Heilbronner Gegend. 1933 musste er fliehen und wurde Korrespondent in Paris. Schwerdtfeger, ursprünglich aus Stuttgart, hatte als Redakteur beim Haller Tagblatt gearbeitet, wo er 1933 entlassen wurde. Beide Männer erschienen den US-Militärbehörden geeignet, beim Aufbau einer neuen freien Presse mitzuwirken. Distelbarths Sohn Frank Distelbarth (1928–2012) trat 1954 in die Geschäftsleitung ein und wurde 1955 Geschäftsführer. Bis zu seinem Rückzug 1998 prägte er maßgeblich die weitere Entwicklung des Verlages.

Die Zeitung erschien anfangs dreimal in der Woche, ab Herbst 1947 nur noch zweimal pro Woche wegen Papierknappheit, von August 1948 an wieder dreimal und ab 1. November 1948 bis heute dann sechsmal in der Woche. Im Oktober 1950 wurde das Zeitungsformat vom Berliner Format auf das größere Rheinische Format umgestellt. Die Auflage der ersten Ausgabe betrug 38.000 Exemplare zum Preis von jeweils 20 Pfennig. Bis Mai 1948 stieg sie auf 63.000 und fiel bis 1951 wieder zurück auf 48.000. In der Folgezeit stieg sie wieder, bis 1979 erstmals 100.000 Exemplare erreicht wurden, eine Zahl, die im Wesentlichen auch heute noch aktuell ist. 1995 wurde mit 117.000 gedruckten Exemplaren bei rund 98.000 Abonnenten ein Höchststand erreicht.

Gedruckt wurde die Zeitung zu Beginn in der Scheune des Gasthauses Zum Löwen in Großgartach (heute Leingarten), die Redaktion hauste im Keller des Heilbronner Schießhauses, eines unzerstört geblieben Rokokogebäudes. Setzerei und Druck konnten im Juli 1947 in die Vereinsdruckerei (am heutigen Standort des Shoppinghauses) an die Allee in der Heilbronner Innenstadt umziehen, die frühere Druckerei der Heilbronner SPD-Zeitung Neckar-Echo. Im Folgejahr zogen auch Redaktion und Verwaltung dorthin. Nachdem ab 1949 auch das Neckar-Echo wieder in der Vereinsdruckerei gedruckt wurde, bezog das Unternehmen Heilbronner Stimme 1950 das Druck- und Verlagsgebäude an der Synagogengasse, das 1957 um das Stimme-Hochhaus an der Allee 2 erweitert wurde. Das Druckhaus an der Synagogengasse hatte eine 30 Meter lange Glasfassade, die es Passanten ermöglichte, dem Zeitungsdruck mit Rotationsmaschinen zuzuschauen. Nachdem man 1971 den ersten Satzrechner angeschafft hatte, stellte die Heilbronner Stimme im Juni 1975 als dritte deutsche Tageszeitung ihre Produktion vollständig von Bleisatz auf Fotosatz um. Da der Platz für die Druckerei an der Allee nicht mehr ausreichte, wurde 1993–1995 im Heilbronner Industriegebiet ein am 29. September 1995 eingeweihter Neubau erstellt, in den Druckerei und Versand umzogen.

Seit Ende 1946 erschien die Heilbronner Stimme auch im Hohenlohekreis, ab 1947 unter dem Titel Hohenloher Zeitung. Nach Aufhebung der Lizenzpflicht 1949 erschienen zwei Konkurrenzzeitungen in Heilbronn: ab März die Heilbronner Abendpost, eine Nebenausgabe der Fränkischen Nachrichten aus Tauberbischofsheim, die aber noch im gleichen Jahr wieder eingestellt wurde, und ab 30. Juli das Neckar-Echo, eine SPD-Zeitung, die schon von 1908 bis zu ihrem Verbot 1933 bestanden hatte. Das SPD-Blatt erreichte eine Auflage von 32.000 Exemplaren und hielt sich 18 Jahre, wurde dann aber aus Kostengründen zum 1. Juli 1967 eingestellt. Seitdem ist die Heilbronner Stimme die einzige Heilbronner Tageszeitung.

Auch in den Landkreisen Heilbronn und Hohenlohekreis gab es Konkurrenzblätter, die aber nach und nach aufgaben, von der Heilbronner Stimme aufgekauft und in die eigenen Lokalausgaben integriert wurden. Dieses Schicksal ereilte den Kocher- und Jagstboten aus Künzelsau 1955, die Unterländer Volkszeitung aus Neckarsulm 1967, die Neckar-Rundschau aus Lauffen am Neckar 1968 und die Eppinger Zeitung aus Eppingen 1972. Die Eppinger Zeitung wurde unter diesem Titel noch jahrzehntelang als Lokalausgabe der Heilbronner Stimme fortgeführt. Ab 17. Februar 2001 wurde sie dann mit der bisherigen Ausgabe NW, Nordwest zur neuen Kraichgau Stimme zusammengelegt.

Heute hat die Heilbronner Stimme nur noch an den Rändern ihres Verbreitungsgebietes Konkurrenz von anderen Zeitungen, so z. B. im Nordwesten des Landkreises Heilbronn von der Rhein-Neckar-Zeitung. Die Freiburger Zeitung am Sonntag wollte 1998/99 eine Heilbronner Ausgabe ihrer kostenlos verteilten Sonntagszeitung auf den Markt bringen, in Kooperation mit dem damals wöchentlich am Mittwoch erscheinenden Heilbronner Anzeigenblatt Neckar-Express. Der Verlag der Heilbronner Stimme brachte daraufhin über einen Tochterverlag (Delta Medien GmbH) ein eigenes Anzeigenblatt namens echo heraus, das seit dem 20. September 1998 mittwochs und sonntags erscheint (echo am Mittwoch bzw. echo am Sonntag) und kostenlos verteilt wird. Die Heilbronner Ausgabe der Zeitung am Sonntag erschien kurz darauf dennoch, wurde einige Monate später aber wieder eingestellt. Der Neckar-Express selbst wurde im März 2011 eingestellt.

Logo von stimme.de

Neben den Tageszeitungen und echo wurden vom Verlag der Heilbronner Stimme von 1978 bis 1986 auch einige monatliche oder wöchentliche (Neckarsulm) sogenannte Lokalanzeiger neu gestartet, für einzelne Städte (bzw. Stadtteile) und Gebiete wie Böckingen, Neckarsulm, Bad Friedrichshall, das Zabergäu, den Altkreis Öhringen und den Altkreis Künzelsau. Am 25. November 1987 startete der Verlag zusammen mit anderen Zeitungsverlagen aus der Region Franken, der Heilbronner IHK und der Heilbronner Handwerkskammer Radio Regional, Heilbronns ersten privaten Rundfunksender, der später in Radio Ton aufging. 1997 startete der Internet-Auftritt der Heilbronner Stimme, stimme.de, 1999 folgte die Gründung der Webagentur stimme.net, 2001 die des privaten Briefdienstleisters RegioMail. Seit März 2007 werden als stimme.tv Nachrichtenvideos im Internet angeboten.

Chefredakteure der Heilbronner Stimme[Bearbeiten]

Beteiligungen[Bearbeiten]

Der Verlag der Heilbronner Stimme ist auch an verschiedenen anderen Medienunternehmen beteiligt, darunter

  • WMV Werbung Marketing & Verlag GmbH & Co. KG, Herausgeber der Brettener Woche in Bretten
  • Delta Medien Service GmbH, Herausgeber der kostenlosen wöchentlichen Anzeigenblätter Echo am Mittwoch und Echo am Sonntag
  • Eppinger-Verlag GmbH & Co. KG, Herausgeber der monatlichen Publikationen Der Gemeinderat und proRegio.
  • Radio TON-Regional Hörfunk GmbH & Co. KG und Lokalradio Ostwürttemberg GmbH & Co. KG, Betreiber des privaten lokalen Radiosenders Radio Ton
  • Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH, Verlag der gleichnamigen Wochenzeitung Staatsanzeiger für Baden-Württemberg[6]

Die Druck & Medien Heilbronn GmbH ist gemeinsam mit den Zeitungsverlagen Badisches Pressehaus GmbH & Co. KG (unter anderem Badische Zeitung) und Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG (unter anderem Allgemeine Zeitung, Mainz) beteiligt an der Risikokapitalgesellschaft media + more venture Beteiligungs GmbH & Co. KG mit Sitz in Heilbronn; das Konsortium hat in den High-Tech Gründerfonds II investiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Jacobi: 250 Jahre Heilbronner Presse. Geschichte der Medien im Unterland und in Hohenlohe 1744–1994. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn am Neckar 1993, ISBN 3-921923-11-5 (Heilbronner Stimme: Buchreihe. Band 5)
  • Uwe Jacobi: Die Stimme der Region. Heilbronner Stimme heute, ein Streifzug durch 60 Jahre Heilbronner Stimme, Pressegeschichte 1744–1945 im Unterland, in Hohenlohe und im Kraichgau. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 2006, ISBN 3-921923-24-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heilbronner Stimme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.1397319.221683Koordinaten: 49° 8′ 23″ N, 9° 13′ 18″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leseranalyse 2010 der Heilbronner Stimme (PDF; 1,9 MB)
  2. laut IVW, zweites Quartal 2014, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  3. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  4. laut IVW, zweites Quartal 2014, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  5. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  6. „Ein Unternehmen, das sich auch für die Zukunft gut aufgestellt hat“. In: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg 27/2012 (online; abgerufen am 11. September 2013)