Lockheed Martin RQ-170

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Lockheed Martin RQ-170 Sentinel
Computergrafik einer RQ-170
Computergrafik einer RQ-170
Typ: Tarnkappen-Aufklärungsdrohne
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Lockheed Martin
Indienststellung: im Einsatz
3-Seiten-Ansicht

Die Lockheed Martin RQ-170 Sentinel ist ein unbemanntes Luftfahrzeug der United States Air Force, welches verschiedene Merkmale der Tarnkappentechnik aufweist. Nachdem ein erstes brauchbares Foto am 1. Dezember 2009 veröffentlicht wurde,[1] bestätigte vier Tage später das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten offiziell die Existenz der Maschine.[2]

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der RQ-170 begann 2004, als die DARPA den Auftrag zur Entwicklung einer Tarnkappendrohne erteilte und dafür eine Milliarde Dollar zur Verfügung stellte.[3] Daraufhin begann die Lockheed Advanced Development Projects Unit, auch unter dem Namen „Skunk Works“ bekannt, mit der Entwicklung von drei Prototypen.

Die Drohne dient für Aufklärungseinsätze in niedrigen bis mittleren Flughöhen bei relativ hoher Luftraumüberwachung.[4] Die Kennung RQ-170 deutet darauf hin, dass die Sentinel unbewaffnet ist, da bewaffnete unbemannte Luftfahrzeuge der amerikanischen Streitkräfte bisher immer die Kennung „MQ“ („M“ für Multimission) erhielten. Wahrscheinlich aus Gründen der Verschleierung liegt die Nummer „170“ außerhalb der bisher benutzten Sequenz, ähnlich dem bei der F-117 gewählten Verfahren, wo ebenfalls eine nicht in das damals aktuelle Bezeichnungsschema passende Nummer und Typenbezeichnung (F- statt A-) gewählt wurde.

Technik[Bearbeiten]

Die Drohne ist ein Nurflügler mit einer Spannweite von ca. 20 m. Als Antrieb dient ein Düsentriebwerk; der Lufteinlass liegt auf der Oberseite des Rumpfes. Sie verfügt über ein Dreipunktfahrwerk.

Die Steuerung der Drohne kann vermutlich auf verschiedene Weise erfolgen, neben manueller Steuerung per Datenübertragung ist auch ein vollautomatischer Modus möglich, bei dem die RQ-170 wahrscheinlich per Trägheitsnavigationssystem und mit GPS vorgegebene Wegpunkte ansteuert.

Durch den aufgeflogenen Spionageeinsatz im Iran wurde bekannt, dass die RQ-170 über ein Videoaufzeichnungssystem verfügt. Sehr wahrscheinlich kann sie missionsabhängig mit verschiedenen Sensoren bestückt werden.

Einsätze[Bearbeiten]

Die RQ-170 untersteht der 30th Reconnaissance Squadron, die auf der Tonopah Test Range im US-Bundesstaat Nevada stationiert ist. Vermutlich seit 2007 wird die Drohne im Rahmen der Operation Enduring Freedom in Afghanistan eingesetzt.[4] Die Einsätze werden dabei vom Kandahar International Airport aus geflogen.

Afghanistan und Pakistan[Bearbeiten]

Bekannt wurde der Einsatz dieser Drohne, welche von der Presse auch Das Biest von Kandahar genannt wird, als sie zur Ausspähung des Verstecks von Osama bin Laden in Pakistan eingesetzt wurde.[5]

Iran[Bearbeiten]

Durch den Verlust einer RQ-170 über dem Iran wurde öffentlich bekannt, dass die USA mit diesen Drohnen iranische Einrichtungen ausspionieren und den iranischen Luftraum verletzen. Am 4. Dezember 2011 wurde nach Angaben des staatlichen iranischen TV-Senders al-Alam eine dieser Drohnen im Osten des Irans von den iranischen Streitkräften „abgeschossen“.[6] Die ISAF bestätigte den Verlust einer Drohne, die „eine Mission über Westafghanistan flog“, bestritt jedoch, dass sie abgeschossen wurde.[7] Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera soll die Drohne gelandet worden sein, nachdem eine iranische Spezialeinheit zur elektronischen Kampfführung die Drohne „elektronisch gekidnappt“ hat und die Kontrolle über das Fluggerät übernommen habe.[8] Nach Angaben eines für das iranische Militär arbeitenden Ingenieurs soll hierfür ein GPS-Störsender verwendet worden sein.[9] Am 8. Dezember 2011 wurden Bilder der äußerlich unbeschädigten Drohne im iranischen Staatsfernsehen veröffentlicht.[10] Ob es sich bei dem vorgezeigten Modell um eine „echte“ Drohne des Typs Lockheed Martin RQ-170 handelt, war zunächst umstritten.[11] Am 12. Dezember 2011 bestätigte Barack Obama offiziell den Verlust einer Drohne des Typs RQ-170 und verlangte diese vom Iran zurück.[12][13] Der Iran kündigte kurz darauf an, die Technik des Fluggerätes mit Methoden des Reverse Engineering erst analysieren und dann kopieren zu wollen.[14] Nach Angaben des iranischen Brigadegenerals Amir Ali Hadschisadeh wurde die Funkverbindung für Steuersignale zur Drohne gestört und gleichzeitig per GPS-Jammer eine falsche GPS-Position vorgegaukelt. Der Bordcomputer der Drohne ging dadurch auf Autopilot und flog seine (vorgegaukelte) Basis an. Zitat: „Sie ist dann von allein gelandet“.[15][16] Ein iranischer Luftwaffengeneral informierte am 22. April 2012, dass die Daten aus dem Steuerungscomputer dieses Exemplars entschlüsselt worden seien und nannte Daten über Transfers der Drohne.[17] Am 7. Februar 2013 veröffentlichte das iranische Militär Teile des von der Drohne aufgezeichneten Videomaterials.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: RQ-170 Sentinel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Un drone mystérieux à Kandahar… Secret Défense, 1. Dezember 2009, abgerufen am 4. Dezember 2011 (französisch).
  2. Neuer Tarnkappen-Jet. Spiegel Online, 6. Dezember 2009, abgerufen am 4. Dezember 2011.
  3. Pentagon lässt neuen Phantomflieger bauen. Spiegel Online, 24. August 2004, abgerufen am 4. Dezember 2011.
  4. a b U.S. Air Force Reveals Operational Stealth UAV. Aviation Week, 4. Dezember 2009, abgerufen am 4. Dezember 2011 (englisch).
  5. Waffen: „Botschafter des Todes". Spiegel Online, 17. Oktober 2011, abgerufen am 4. Dezember 2011.
  6. Iran meldet Abschuss von US-Drohne. Spiegel Online, 4. Dezember 2011, abgerufen am 4. Dezember 2011.
  7. Absturz über Iran: USA räumen Verlust von Drohne ein. Spiegel Online, 4. Dezember 2011, abgerufen am 5. Dezember 2011.
  8. Iran military 'downs US drone'. Iranian media reports US spy plane taken down virtually whilst flying over eastern Iran. al-Dschasira, 4. Dezember 2011, abgerufen am 4. Dezember 2011 (Html, englisch).
  9. Iranischer Ingenieur: „US-Drohne via GPS-Störung entführt“
  10. Verlorene US-Drohne - Iran präsentiert das Biest von Kandahar. Spiegel Online, 9. Dezember 2011, abgerufen am 9. Dezember 2011.
  11. Spiegel.de vom 9. Dezember 2011 Biest von Kandahar unter Pappmaché-Verdacht (abgerufen am 9. Dezember 2011)
  12. tagesschau.de: Iran will die US-Drohne nicht zurückgeben. Abgerufen am 14. Dezember 2011.
  13. US-Appell an Iran. Obama fordert Drohne zurück. Spiegel Online, 12. Dezember 2011, abgerufen am 14. Dezember 2011.
  14. Abgefangene US-Drohne. So wertvoll ist Irans Beutestück. Spiegel Online, 16. Dezember 2011, abgerufen am 16. Dezember 2011.
  15. Spionageflugzeug: Iran soll US-Drohne mit GPS-Manipulation erbeutet haben. Spiegel Online, 19. Dezember 2011, abgerufen am 25. Dezember 2011.
  16. Exclusive: Iran hijacked US drone, says Iranian engineer (Video). Cristian Science Monitor, 15. Dezember 2011, abgerufen am 15. Dezember 2011.
  17. http://orf.at/#/stories/2116634/ Iran hat angeblich Daten aus US-Drohne entschlüsselt, news.ORF.at vom 22. April 2012, abgerufen 22. April 2012
  18. Spiegel Online: Blamage für amerikanisches Militär: Iran veröffentlicht Videos aus erbeuteter US-Drohne. Abgerufen am 7. Februar 2013.