General Atomics MQ-9

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General Atomics MQ-9 Reaper
MQ-9 Reaper - 090609-F-0000M-777.JPG
MQ-9A „Reaper“ der U.S. Air Force
Typ: Erdkampfdrohne
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Erstflug: 2. Februar 2001
Indienststellung: Oktober 2007
Produktionszeit: Seit 2006 in Serienproduktion
Stückzahl: 104 (Stand: April 2013)[1]

Die MQ-9 Reaper (dt. „Sensenmann“) ist eine Drohne des US-amerikanischen Herstellers General Atomics. Sie basiert auf der MQ-1 Predator (deshalb anfangs auch Predator B genannt), ist aber wesentlich größer und dient in erster Linie der Luftnahunterstützung. Sie wird unter anderem von den Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Royal Air Force in Afghanistan eingesetzt.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

General Atomics entwickelte im Jahr 2000 für das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten auf Basis seiner MQ-1 Predator eine größere und stärker bewaffnete Version (hunter-killer UAV) für den Krieg gegen den Terror. Der Erstflug des Prototyps erfolgte am 2. Februar 2001. Der Antrieb besteht aus einem Turboprop-Triebwerk mit rund 670 kW (900 Wellen-PS). Die zunächst Predator B genannte Drohne hat mit rund 4760 kg ein mehr als viermal so hohes Gesamtgewicht wie die MQ-1 und kann eine mehr als zehnmal so große Waffenlast tragen. An insgesamt vier Unterflügelstationen können Luft-Boden-Raketen, Präzisionsbomben oder Zusatztanks befestigt werden. Für Aufklärungszwecke und Zielerfassung stehen Sensoren im optischen und Infrarotbereich sowie Radar zur Verfügung.

Im Februar 2003 erhielt die neue Drohne die offizielle Bezeichnung MQ-9A und im September 2006 den Namen Reaper. Im November 2006 aktivierte die United States Air Force (USAF) die erste Reaper-Staffel (42nd Attack Squadron) auf der Creech Air Force Base in Nevada. Anfang 2009 besaß die US-Luftwaffe rund 28 Reaper, für die nächsten Jahre ist die Beschaffung von weiteren 60 geplant.

Gorgon Stare ist ein Überwachungssystem, das Anfang 2011 erstmals an der Drohne getestet wurde.

Verwendung[Bearbeiten]

Bewaffnete Drohne MQ-9 Reaper im Afghanistan-Einsatz

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Seit dem 25. September 2007 werden die MQ-9 der USAF in Afghanistan eingesetzt. Sie werden von der Creech AFB in den USA aus von einem Piloten und einem Aufklärungsoffizier gesteuert. Lediglich für Start und Landung übernimmt ein lokaler Pilot die Kontrolle. Vorrangiger Einsatzzweck ist die Luftnahunterstützung. Die typische Bewaffnung dafür besteht aus zwei lasergelenkten 500-Pfund-Bomben des Typs GBU-12 Paveway II und vier lasergelenkten Luft-Boden-Raketen AGM-114 Hellfire. Damit kann die Reaper rund 15 Stunden in der Luft bleiben, bei Bedarf bewegliche Ziele verfolgen, erfassen und bekämpfen. Anders als die MQ-1 wird die MQ-9 nur in zweiter Linie zur Überwachung und Aufklärung eingesetzt. Am 27. Oktober 2007 feuerte eine MQ-9 erstmals eine Waffe im Kampf ab.

Die United States Navy testete eine Mariner genannte Version der MQ-9 für Überwachungseinsätze und will damit ganze Städte kontrollieren.[2] Die Drohne sollte zusammen mit der Boeing P-8 Poseidon die kontinuierliche Seeraumüberwachung sicherstellen. Im Auswahlverfahren unterlag der Entwurf aber der Northrop Grumman RQ-4N.

Die NASA verwendet seit einigen Jahren eine weiterentwickelte Drohne unter dem Namen „Altair“ für verschiedene Aufgaben in der Höhenforschung.

Das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten verwendet seit 2005 unbewaffnete Versionen der Reaper zur Überwachung der Staatsgrenzen.

Am 13. Mai 2008 unternahm die 658. Aeronautical Systems Squadron (AESS) einen erfolgreichen Test, bei dem eine ferngelenkte Bombe vom Typ GBU-49 über GPS im Bereich des China Lake beim Naval Air Warfare Center, Weapons Division, eingesetzt wurde.

Die MQ-9 werden in gemischten Verbänden mit den MQ-1 betrieben.

FrankreichFrankreich Frankreich

Frankreich plant für Einsätze über Mali 2013 kurzfristig zunächst zwei MQ-9 direkt von der USAF zu erwerben, insgesamt soll die Armée de l’air aber 16 Drohnen erhalten. Das erste Kontrollzentrum und zwei MQ-9 Drohnen wurden Ende 2013 ausgeliefert, erste Einsätze erfolgten über Mali.

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Die Royal Air Force (RAF) setzt die MQ-9 ebenfalls in Afghanistan ein und steuert sie von der Creech AFB aus. Großbritannien will mindestens 10 Reaper beschaffen, die erste Einsatzstaffel mit zunächst fünf Drohnen ist seit 2007 die 39. Squadron auf der Creech AFB. Im Jahr 2012 wurde RAF Waddington Heimatstützpunkt der MQ-9 Streitkraft und mit der 13. Squadron wurde dort eine weitere Staffel aufgestellt, wobei die 39. Staffel nach wie vor in Creech beheimatet ist (Stand Anfang 2014). Anfang 2014 wurde die Flotte um fünf weitere Exemplare auf 10 Einheiten erhöht.

ItalienItalien Italien

Die ersten beiden Aeronautica Militare Italiana (AMI) MQ-9 sind seit Mitte 2011 vorläufig beim 32º Stormo auf der Basis Amendola einsatzbereit, insgesamt hat Italien sechs Drohnen bestellt. Am 10. August 2011 setzte Italien die Drohne erstmals für eine Mission über Libyen ein.[3]

DeutschlandDeutschland Deutschland

Das Bundesministerium für Verteidigung zog eine Anschaffung von fünf Reaper für den Auslandseinsatz in Afghanistan in Erwägung, entschied sich jedoch 2009 für ein Leasing von drei IAI Heron des israelischen Herstellers IAI, zunächst für den Zeitraum von drei Jahren, dann verlängert bis April 2015.[4][5] Für die Zeit nach dem zunächst geplanten Auslaufen des Leasingvertrages im Oktober 2014 wurde neben anderen Optionen auch erneut die Anschaffung von Drohnen des Typs Reaper erwogen.[6]

NiederlandeNiederlande Niederlande

Die niederländische Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert gab am 21. November 2013 bekannt, dass die Niederlande vier MQ-9-Drohnen beschaffen wollen, die zunächst ab 2016/2017 unbewaffnet eingesetzt werden sollen.[7][8]

Technische Daten[Bearbeiten]

MQ-9 Reaper auf der Creech AFB
Die MQ-9 bei frühem Flugtest 2001
Kenngröße Daten der MQ-9A Reaper
Länge: 10,97 m
Flügelspannweite: 20,12 m
Höhe: 3,80 m
Leergewicht: 2223 kg
Maximales Startgewicht: 4763 kg
Treibstoffkapazität: 1815 kg
Höchstgeschwindigkeit: 482 km/h
Marschgeschwindigkeit:
  • ohne externe Lasten: 313 km/h
  • mit externen Lasten: 276 km/h
Dienstgipfelhöhe: 15.400 m
Einsatzradius: 3065 km
Maximale Flugdauer: ca. 30 Std.
Antrieb: Ein Turboprop Honeywell TPE-331-10 mit rund 900 PS (670 kW) Leistung

Bewaffnung[Bearbeiten]

Bis zu 1361 kg Waffenlast an vier Außenlastträgern:

Unfälle[Bearbeiten]

  • Am 13. Dezember 2011 stürzte eine unbewaffnete MQ-9 auf dem Flughafen Mahé, vermutlich wegen eines Motorschadens, ab. Verletzt wurde niemand. Von den Seychellen aus fliegen die MQ-9 Einsätze zur Überwachung der Schifffahrt und zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika.[9]

Medien[Bearbeiten]

  • In Das A-Team – Der Film muss das A-Team in einer Lockheed C-130 Hercules zwei Reapern entkommen, die sie mit Luft-Luft-Raketen beschießen. Anders als im Film gezeigt, sind Reaper-Drohnen nicht mit Maschinengewehren ausgerüstet.
  • In Eagle Eye – Außer Kontrolle bringt der Supercomputer ARIIA eine MQ-9 unter seine Kontrolle und versucht mit Hilfe der Drohne, den Protagonisten Jerry Shaw in Begleitung des Agenten Thomas Morgan aufzuhalten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: MQ-9 Reaper – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MQ-9 Reaper. In: Factsheets. United States Air Force, 29. April 2013, abgerufen am 12. Juni 2013 (englisch).
  2. Telepolis 3. Januar 2011: Wir können alles sehen Abgerufen: 22. April 2011
  3. Flightglobal: Italy flies first Predator B sortie over Libya. Abgerufen am 12. September 2011.
  4. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/warum-heron-1-doch-gewann;2375043
  5. http://augengeradeaus.net/2014/01/dronewatch-leasingvertrag-fur-heron-drohnen-verlangert/
  6. http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kauf-statt-leasing-bundeswehr-soll-reaper-drohne-bekommen/70060016.html (Version vom 8. Juli 2012 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  7. Thomas Wiegold: DroneWatch: Niederlande bestellen Reaper. In: Augen geradeaus! (Blog). 21. November 2013, abgerufen am 21. November 2013: „Die Niederlande haben sich für den Reaper als künftige Drohne ihrer Streitkräfte entschieden und wollen vier Stück dieses Modells in den USA bestellen. Das teilte Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert am (heutigen) Donnerstag dem Parlament mit. Die niederländischen Drohnen werden wohl, so geht aus dem Schreiben der Ministerin hervor, zunächst nicht bewaffnet – die Bewaffnung wird aber ausdrücklich als Option vorgesehen.“
  8. Defensie kiest Reaper als onbemand vliegtuig. In: Ministerie van Defensie. 21. November 2013, abgerufen am 21. November 2013 (niederländisch).
  9. Pforzheimer Zeitung